Niveau: Warum es wichtig ist

Ist von gutem Benehmen die Rede, ist schnell der Begriff Niveau zu hören. Umgekehrt kommt es vor, dass in einer Diskussion der Satz fällt: Auf diesem Niveau diskutiere ich nicht! Der Sprecher signalisiert an dieser Stelle, dass er mit dem Verhalten seines Gegenübers nicht einverstanden ist. Aber was genau ist unter Niveau zu verstehen? Wann weicht das Verhalten eines Mitmenschen vom Standard ab? Und lässt sich Niveau tatsächlich nicht erlernen? Wir nähern uns dem Begriff und zeigen, warum es wichtig ist, Niveau zu besitzen…

Niveau: Warum es wichtig ist

Niveau Definition: Was bedeutet Niveau?

Niveau haben Definition Plural was bedeutet Synonym DudenDer Begriff Niveau stammt aus dem Französischen und bedeutet da soviel wie „Grundwaage, Wasserwaage“. Er ist vielschichtiger Natur und nicht ganz leicht ins Deutsche zu übersetzen.

Dennoch sprechen wir von Niveau haben, niveauvoll oder niveaulos sein. 2010 wurde Niveaulimbo zum Jugendwort des Jahres gewählt. Was bedeutet das alles?

Im Duden findet sich als Erklärung für Niveau unter anderem die „waagerechte, ebene Fläche in bestimmter Höhe“.

Im übertragenen Sinne bezeichnet Niveau einen „geistigen Rang; den Stand, Grad oder die Stufe der bildungsmäßigen, künstlerischen oder sittlichen Ausprägung“. Eng verknüpft ist damit die Vorstellung eines bestimmten, nämlich guten Benehmens.

Um dieses Verständnis von Niveau wird es hier im weiteren Verlauf gehen. Synonym zu Niveau lässt sich daher sprechen von:

  • Anmut
  • Auftreten
  • Anspruch
  • Betragen
  • Charakter
  • Format
  • Gebahren
  • Gelehrtheit
  • Höflichkeit
  • Horizont
  • Kaliber
  • Klasse
  • Level
  • Qualität

Im Alltagsgebrauch wird Niveau häufig als Sammelbegriff für Benehmen und Bildung verwendet, der Begriff steht dann im Singular. Im Plural, Niveaus, wird er genutzt, wenn zum Beispiel verschiedene Bildungsgrade angegeben werden – etwa in dem Kompositum „Sprachniveaus“.

Niveau Klasse Benehmen Spruch Grafik

Niveau haben: Nicht jedermanns Sache

Niveau ist mindestens ein diskussionswürdiger Begriff. Gerade bei Auseinandersetzungen wird anderen gerne unterstellt, dass sie kein Niveau haben – von Menschen, die sich welches zuschreiben.

Woran lässt sich Niveau festmachen? Häufig werden die Sprache, das Verhalten, der Wissensstand, aber auch Äußerlichkeiten wie Kleidung eines Menschen herangezogen. Wer in diesen Punkten von der beurteilenden Person abweicht, dem wird (seltener) höheres oder geringeres Niveau zugesprochen.

Wer anderen den Vorwurf macht, kein Niveau zu besitzen, nutzt es als Totschlagargument: Dem anderen wird offenbar falsches Verhalten, geringere Bildung vorgehalten.

Dies dient vor allem der Selbstaufwertung. Sprüche wie „Benehmen kann man lernen, Niveau sollte man haben“ vermitteln den Eindruck, dass sich Niveau nicht erlernen lässt. Damit ist derjenige, der angeblich kein Niveau hat, in der unterlegenen Position.

Wenn sich Niveau allerdings an Sprache, Verhalten und Wissensstand festmachen lässt, ist das natürlich Blödsinn. Der Vorwurf „kein Niveau“ dient dann lediglich der Diskreditierung.

Kein Niveau: Die ewige Klage vom Verfall der Sitten

Die Klage darüber, wie wenig Anstand die Jugend hat, gehört zu den ältesten überhaupt. Bereits auf Tontafeln der Sumerer 3.000 vor Christus sind Beschwerden darüber nachzulesen. Hat sich seit dem nichts geändert?

Jede Gesellschaft tickt anders, selbst innerhalb eines Landes hängt das Empfinden davon, was niveaulos oder niveauvoll ist von vielen Aspekten wie der Kultur, Erziehung und Sozialisation ab.

Viele Menschen träumen vom großen Geld und der damit verbundenen Freiheit. Ohne reiches Erbe führt ein klassischer Weg über die berufliche Karriere zu Geld und Unabhängigkeit.

Mit beruflichem Erfolg ist ein sozialer Aufstieg verbunden. Jede Gruppe hat aber eigene Regeln. Was im familiären Kreis zu Hause oder in der Kneipe noch akzeptabel ist, mag im beruflichen Kontext – vielleicht auch auf öffentlichem Parkett – nicht gern gesehen sein.

An diesem Punkt wird einer Person Niveau abgesprochen, die die gängigen Regeln nicht kennt oder zumindest nicht beachtet.

Beispiel

Jemand lacht häufig laut und macht gerne anzügliche Witze auf Kosten anderer. Im Zusammensein mit seinen Freunden und / oder Geschwistern ist das nie ein Problem. Ist er allerdings als Redner auf einer Konferenz eingeladen, bei der viel (vor allem fremdes) Publikum ihm zuhört, sind solche Witze nicht angebracht.

Mit Niveau Gruppenzugehörigkeit signalisieren

Nun lässt sich über Geschmack bekanntlich streiten, aber es lohnt sich über die Konsequenzen von nicht regelkonformen Verhalten nachzudenken.

Jemand wie im obigen Beispiel wird mindestens für Irritation sorgen, im Regelfall werden viele Menschen dieses Verhalten – Bildung hin oder her – für niveaulos erachten.

Denn Bildung bedeutet mehr als nur eine bestimmte Schulbildung. Es geht im Zusammenhang mit Niveau immer auch um eine gewisse Geistesbildung und Charakter. Zu wissen, was sich wann gehört, ist ein Teil des Geheimnisses.

Wer dieses Wissen jedoch nicht besitzt, outet sich als Außenstehender. Und genau das wollen viele Menschen vermeiden. Dabei geht es nicht um Anpassung bis zur Selbstaufgabe. Vielmehr geht es darum zu zeigen, dass Sie die „Sprache“ der jeweiligen Gruppe beherrschen.

Und Sprache umfasst hier das ganze Kompendium von Gestik, Mimik und Körpersprache. Denn das Ganze lässt sich andersherum ebenso beobachten: Im heimischen Fußballclub auf dem Rasen ist ein anderer Ton, andere Kleidung und anderes Verhalten angesagt als beispielsweise bei einer Jubiläumsrede.

Auf dem Spielfeld geht es um Sekunden – wer da höflichst seinen Teamkameraden auffordert, ihm doch bitte den Ball zuzupassen, damit er ihn ins Tor befördern könne, weil jetzt eine gute Gelegenheit sei, hat schon verloren. Gesten, kurze Zurufe, fertig.

Woran lässt sich geringes Niveau festmachen?

Niveau macht sich an mehreren Dingen fest. Die Sprache und das Verhalten sind die vielleicht wichtigsten Merkmale. Natürlich kann jemand eine sehr gute Bildung genossen haben und dennoch kein Niveau besitzen.

Wenn er sich wie die sprichwörtliche Axt im Walde aufführt, sich nicht situationsangemessen verhält, wird das von vielen Menschen als niveaulos empfunden werden.

Umgekehrt kann jemand Niveau haben, obwohl er oder sie vielleicht nur über geringe Bildung verfügt. Ein hohes Niveau zu haben bedeutet vor allem zu wissen, wann, was, wo eingesetzt wird.

Der dem deutschen Schauspieler Klaus Kinkski zugeschriebene Spruch Niveau sieht nur von unten aus wie Arroganz zeigt, dass manche Menschen ein bestimmtes Verhalten als Arroganz fehlinterpretieren.

Dabei hat Niveau nichts mit Arroganz zu tun. Im Gegenteil; wer wirklich Niveau besitzt, muss sich nicht aufwerten, indem er andere abwertet. Es reicht völlig zu wissen, welche Verhaltensweisen allgemein akzeptiert sind und welche nicht:

  • Gesetzwidriges Verhalten

    Weitestgehend Einigkeit dürfte darin bestehen, dass gesetzwidrige Handlungen nicht zu den niveauvollen Verhaltensweisen gehören. Diebstahl, Mobbing oder Gewalt am Arbeitsplatz haben weitreichende Konsequenzen und münden meist in einer Kündigung.

  • Unerwünschtes Verhalten

    Neben klar gesetzwidrigen Dingen gibt es Verhaltensweisen, die hierzulande unerwünscht sind – dazu gehören sämtliche Körpergeräusche, die normalerweise unterdrückt und von anderen unkommentiert gelassen werden. Allerdings scheiden sich hierbei schon die Geister: Sagt man noch Gesundheit oder muss sich sogar der Niesende entschuldigen? So oder so handelt es sich hier um kleinere Vergehen. Wer niest, wird kaum mit geringem Niveau betitelt werden.

  • Vulgäre Ausdrucksweise

    Vulgäre Ausdrucksweise in Form von Schimpfwörtern wird oft als Indiz für ein geringes Niveau gesehen. Hierbei besteht zudem die Gefahr, dass derjenige, der sie benutzt, sich im Ton vergreift und andere beleidigt. Beleidigungen sowie üble Nachrede können Konsequenzen nach sich ziehen.

  • Unangemessene Kleidung

    Wer den betriebsinternen Dresscode missachtet, muss zwar keinerlei juristische Konsequenzen befürchten. Es kann allerdings sein, dass so jemand von anderen als niveaulos eingestuft wird: Die falschen Farben, unvorteilhafte Schnitte, augenscheinlich schlechte Verarbeitung. Bestimmte Positionen erfordern angemessene Kleidung und entsprechende Accessoires. Niemand wird von einem Kfz-Mechaniker erwarten, dass er auf der Arbeit einen Anzug trägt. Wer als Manager hingegen zu salopp gekleidet erscheint, macht sich angreifbar.

Hohes Niveau: Tipps zum Aneignen

Es dürfte deutlich geworden sein, dass es sich bei Niveau um ein komplexes Gebilde handelt, das sich in Umgangsformen, Werten und Normen ausdrückt. Sie sind nicht universell und mögen in manchen Ländern variieren, so zum Beispiel Höflichkeit.

Aber sie lassen sich in vielen Situationen anwenden, beruflich wie privat. Ein hohes Niveau erreichen Sie beispielsweise mit diesen Eigenschaften:

  • Sie beweisen Taktgefühl.

    Beispielsweise meiden Sie prekäre Themen. Dazu gehören Themen, die stark polarisieren oder Emotionen wecken wie politische oder religiöse Überzeugungen. Ebenfalls können sich Unterhaltungen über Geld oder den Tod als schwierig erweisen. Das heißt nicht, dass niemals über so etwas gesprochen werden darf – nur sollten Sie wissen, wem gegenüber Sie etwas sagen und zu welchem Zeitpunkt. Hat ein Kollege gerade einen Familienangehörigen verloren, sind Meinungsbekundungen über Sterbehilfe oder Ähnliches deplatziert.

  • Sie achten auf Ihr Äußeres.

    Karl Lagerfeld sagte einmal: Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren. Das gilt sicherlich nicht für jemanden, der gerade aus dem Fitnessstudio kommt. Es ist einerseits auch verständlich, dass jemand, der die ganze Woche im Anzug repräsentative Kleidung tragen muss, gerne mal bequeme Kleidung trägt. Die Frage ist nur, ob das Kleidungsstück für die Öffentlichkeit bestimmt ist? Die wenigsten kämen auf die Idee, im Schlafanzug auf die Straße zu treten. Jogginghosen symbolisieren jedenfalls kein hohes Niveau. Noch wichtiger als die Art des Kleidungsstücks ist, dass die Kleidung intakt ist und Sie einen gepflegten Eindruck machen.

  • Überdenken Sie Ihre Ausdrucksweise.

    Sprache hat einerseits etwas mit Authentizität zu tun. Wer die dialektal gefärbte Mundart der Region spricht, wird automatisch „als einer der ihren“ erkannt werden. Gehobene Sprache mag im falschen Kontext den Ruf eines Schnösels einbringen. Andersherum: Wer sich allzu simpel ausdrückt, Fachwörter vermeidet, dem wird unter Umständen nichts zugetraut, Expertise abgesprochen. Sie sollten daher die Wahl Ihrer Worte von Zeit zu Zeit überdenken: Mit dem Vorgesetzten anders zu reden als mit dem Kollegen ist nicht nur eine Frage von Hierarchieunterschieden, sondern kann den Unterschied zwischen Beförderung und Nicht-Beförderung bedeuten.

[Bildnachweis: kiuikson by Shutterstock.com]
3. Mai 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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