Niveau: Darum ist es so wichtig

Mit Blick auf gutes Benehmen, Bildung und Betragen eines Menschen ist oft vom Niveau die Rede. Tatsächlich geht es oft eher um niveauloses Verhalten, wenn in Auseinandersetzungen Auf diesem Niveau diskutiere ich nicht! oder Das ist unter meinem Niveau! gesagt wird. Klar ist, dass wir von unseren Mitmenschen ein möglichst hohes Niveau im Umgang erwarten und auch selbst großen Wert auf unser eigenes niveauvolles Verhalten legen. Aber was genau verbirgt sich überhaupt hinter dem Niveau? Wir erklären es und zeigen, warum das Niveau so wichtig ist…

Niveau: Darum ist es so wichtig

Definition und Bedeutung: Was ist Niveau?

Was heißt Niveau auf deutsch Definition Erklärung Bedeutung SynonymDer Begriff Niveau stammt aus dem Französischen und bedeutet zunächst soviel wie „Grundwaage, Wasserwaage“. Im deutschen Sprachgebrauch kann er in verschiedenen Situationen verwendet werden, laut Duden ist eine Definition dem Ursprung des Wortes nach die „waagerechte, ebene Fläche in bestimmter Höhe“.

Auch in anderen Verwendungen bezieht sich das Niveau auf einen gleichen Rang, eine Stufe, ein Level oder eine Höhe. Wird in zwischenmenschlichen Beziehungen vom Niveau gesprochen, ist damit im übertragenen Sinne die geistige oder auch soziale Ebene gemeint. Diese Bedeutung wird auch durch ein früheres Jugendwort verdeutlicht: Niveaulimbo, dass dauerhaft sinkendes Niveau beschreiben soll.

Es geht bein Niveau deshalb in erster Linie un dem Grad oder die „Stufe der bildungsmäßigen, künstlerischen oder auch sittlichen Ausprägung“.Eng verknüpft ist damit die Vorstellung eines bestimmten, nämlich guten Benehmens.

Eine genaue Übersetzung in der deutschen Sprache ist schwierig, es können aber einige Begriffe Synonym zu Niveau genutzt werden:

  • Anmut
  • Auftreten
  • Anspruch
  • Charakter
  • Höflichkeit
  • Kaliber
  • Klasse
  • Level
  • Qualität
  • Schicht
  • Stand

Im Alltagsgebrauch wird Niveau häufig als Sammelbegriff für Benehmen und Bildung verwendet, der Begriff steht dann im Singular. Im Plural, Niveaus, wird er genutzt, wenn zum Beispiel verschiedene Bildungsgrade angegeben werden – etwa in dem Kompositum „Sprachniveaus“.

Du hast kein Niveau: Darum ist es so schmerzhaft

Du hast kein Niveau unter meinem geistiven Level deutsch ErklärungDu hast kein Niveau oder auch Du bist unter meinem Niveau… Eine harte Aussage, die sehr verletzend ist und beim Empfänger eine entsprechende Wirkung zeigt. Natürlich sind auch andere Beleidigungen und negative Aussagen nicht angenehm, doch fühlen sich viele vom Bezug auf das eigene Niveau besonders stark angegriffen.

Der Grund: Durch die Betonung auf unter meinem Niveau, sagt Ihr Gegenüber ganz deutlich, dass Sie nicht gut genug für ihn und seine Ansprüche sind. Oder anders ausgedrückt: Er hält sich selbst für deutlich besser als Sie und will sich nicht mehr mit Ihnen abgeben.

Ein wahrer Schlag ins Gesicht und ein großer Dämpfer für das eigene Ego. Sie fühlen sich nicht nur erniedrigt, sondern zweifeln auch an Ihrem eigenen, positiven Selbstbild.

Niveau Klasse Benehmen Spruch Grafik

Anzeichen und Beurteilung: Woran wird Niveau gemessen?

Auf den ersten Blick scheint es naheliegend, dass Niveau vor allem an der Bildung gemessen wird. Ganz so leicht ist es jedoch nicht und wer eine höheren Bildungsabschluss besitzt, kann sich vielleicht auf sein Bildungsniveau berufen – nicht aber auf Niveau im allgemeinen.

Oft gewählte Indikatoren für Niveau sind vielmehr die Sprache und das Verhalten, die Merkmale von Niveau sein können. Wer sich angemessen verhält und weiß, wie er sich auszudrücken hat, scheint über ein hohes Niveau zu verfügen. Wenn er sich wie die sprichwörtliche Axt im Walde aufführt, sich unangemessen verhält, wird das von vielen Menschen als niveaulos empfunden.

Genau das ist der springende Punkt zur Beurteilung von Niveau: Das Umfeld ist entscheidend. Niveau zu haben, heißt zu wissen, wann man sich wie zu verhalten hat. Bei einem offiziellen Staatsbankett wird ein anderes Verhalten erwartet wird als beim gemütlichen Abend in der Kneipe. Was Niveau ausmacht, richtet sich somit nach den Regeln der Gruppe, in der man sich befindet.

Ob jemand Niveau besitzt oder als niveaulos erachtet wird, hängt deshalb auch mit möglichen Abweichungen von Normen und Erwartungen zusammen – und zwar in beide Richtungen.

Der Schauspieler Klaus Kinkski soll gesagt haben: Niveau sieht nur von unten aus wie Arroganz. Je nach Umfeld kann ein als niveauvoll gedachtes Verhalten also durchaus falsch verstanden und als Arroganz fehlinterpretiert werden.

Dabei hat Niveau nichts mit Arroganz zu tun. Im Gegenteil; wer wirklich Niveau besitzt, muss sich nicht aufwerten, indem er andere abwertet. Es reicht völlig zu wissen, welche Verhaltensweisen allgemein akzeptiert sind und welche nicht:

  • Gesetzwidriges Verhalten

    Einigkeit dürfte darin bestehen, dass gesetzwidrige Handlungen nicht zu den niveauvollen Verhaltensweisen gehören. Diebstahl, Mobbing oder Gewalt am Arbeitsplatz haben weitreichende Konsequenzen und münden meist in einer Kündigung.

  • Unerwünschtes Verhalten

    Neben klar gesetzwidrigen Dingen gibt es Verhaltensweisen, die hierzulande unerwünscht sind – dazu gehören sämtliche Körpergeräusche, die normalerweise unterdrückt und von anderen unkommentiert gelassen werden. Allerdings scheiden sich hierbei schon die Geister: Sagt man noch Gesundheit oder muss sich sogar der Niesende entschuldigen? Bei wiederholt auftretenden, unangenehmen Körpergeräuschen wird das Niveau mit Sicherheit hinterfragt.

  • Vulgäre Ausdrucksweise

    Vulgäre Ausdrucksweise in Form von Schimpfwörtern wird oft als Indiz für ein geringes Niveau gesehen. Hierbei besteht zudem die Gefahr, dass derjenige, der sie benutzt, sich im Ton vergreift und andere beleidigt. Beleidigungen sowie üble Nachrede können Konsequenzen nach sich ziehen – und werden in keinem Fall als niveauvoll verstanden.

  • Unangemessene Kleidung

    Wer den betriebsinternen Dresscode missachtet, muss zwar keinerlei juristische Konsequenzen befürchten. Es kann allerdings sein, dass so jemand von anderen als niveaulos eingestuft wird: Die falschen Farben, unvorteilhafte Schnitte, augenscheinlich schlechte Verarbeitung. Bestimmte Positionen erfordern angemessene Kleidung und entsprechende Accessoires. Niemand wird von einem Kfz-Mechaniker erwarten, dass er auf der Arbeit einen Anzug trägt. Wer als Manager hingegen zu salopp gekleidet erscheint, macht sich angreifbar.

Niveau im Job: Überqualifiziert im Berufsleben

Lässt man einmal den Verhaltensaspekt beiseite, dann spielt Niveau im Arbeitsleben noch eine ganz andere Rolle. Hierbei geht es auch um Bildung, allerdings bezogen auf das Qualifikationsniveau. Für viele Berufe wird ein festgelegtes Bildungs- und Kompetenzniveau vorausgesetzt. Bei Ausbildungen wird Schulabschluss erwartet, für hochqualifizierte Jobs braucht es ein Studium oder eine abgeschlossene Ausbildung mit einiger Berufserfahrung.

Wer dieses Qualifikationsniveau nicht erfüllt, muss sich nach einem anderen Job umsehen. Anders herum gilt aber auch: Millionen von Arbeitnehmer arbeiten unter ihren Möglichkeiten und sind überqualifiziert. Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung kam zu dem Ergebnis, dass jeder Vierte Akademiker in Deutschland ein höheres Bildungs- und Ausbildungsniveau mitbringt, als es sein Job erfordert.

Die Gründe dafür können vielseitig sein, eine sichere Ursache: Es studieren immer mehr Menschen, die Zahl der Akademiker steigt seit vielen Jahren an – aber das Angebot an Jobs für dieses Bildungsniveau ist nicht so groß.

Weitere Gründe, warum Arbeitnehmer unter ihrem Niveau arbeiten, sind:

  • Zu lange Auszeiten, zum Beispiel bei Frauen, die in Elternzeit gehen,
  • freiwilliges Downshifting aufgrund von Stress,
  • persönliches Pech aufgrund wirtschaftlich schlechter Zeiten,
  • Fehlgriff bei der Berufswahl.

In manchen Fällen mag die Arbeit unter dem Ausbildungsniveau eine weise Entscheidung sein. Etwa wenn es darum geht, sich von gesundheitsgefährdenden Arbeitsumständen zu erholen. Auch muss klar gesagt werden, dass es nicht grundsätzlich schlimm sein muss, unter dem eigenen Niveau zu arbeiten – solange dies die eigene Entscheidung ist und glücklich macht.

Wer sich hingegen unfreiwillig in einem Job wiederfindet, der nicht dem eigenen Niveau entspricht, sollte möglichst schnell etwas daran ändern. Je länger die Arbeit in einem anderen Umfeld dauert, für das Arbeitnehmer überqualifiziert sind, desto schwieriger wird der Sprung zurück auf das höhere Level.

Zudem wächst die Unzufriedenheit bis zur Depression.

Tipps: So steigern Sie das Niveau

Nach der bisherigen Lektüre wissen Sie: Niveau ist ein komplexes Gebilde, das sich in Umgangsformen, Werten und Normen ausdrückt. Sie sind nicht universell und variieren je nach Umständen und geltenden Regeln in einer Gruppe. Um das eigene Niveau zu steigern und von anderen als niveauvoll betrachtet zu werden, müssen Sie deshalb zunächst lernen, sich und Ihr Verhalten an vorherrschende Situationen anzupassen.

Allerdings gibt es einige Tipps und Tricks, mit denen Sie die Wahrnehmung anderer Menschen positiv beeinflussen und Ihr Niveau steigern können:

  • Beweisen Sie Taktgefühl

    Beispielsweise meiden Sie prekäre Themen. Dazu gehören Themen, die stark polarisieren oder Emotionen wecken wie politische oder religiöse Überzeugungen. Ebenfalls können sich Unterhaltungen über Geld oder den Tod als schwierig erweisen. Das heißt nicht, dass niemals über so etwas gesprochen werden darf – nur sollten Sie wissen, wem gegenüber Sie etwas sagen und zu welchem Zeitpunkt. Hat ein Kollege gerade einen Familienangehörigen verloren, sind Meinungsbekundungen über Sterbehilfe oder Ähnliches deplatziert.

  • Achten Sie auf Ihr Äußeres

    Karl Lagerfeld sagte einmal: Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren. Das ist natürlich übertrieben, doch macht das Aussehen und angemessene Kleidung dennoch einen großen Unterschied in der Wirkung aus. Ein Hemd oder Anzug signalisiert ein anderes Niveau als kurze Hose und Flipflops. Genauso wichtig ist es, dass die Kleidung gut gepflegt ist.

  • Überdenken Sie Ihre Ausdrucksweise

    Sprache hat einerseits etwas mit Authentizität zu tun. Es kann sympathisch wirken und Zugehörigkeit ausdrücken, wenn Sie beispielsweise einen Dialekt sprechen.

    Niveauvolle Ausdrucksweise sollte deshalb nicht als hochgestochene Sprache mit komplizierten Worten und verschachtelten Sätzen verstanden werden. So wirken Sie eher wie ein Blender und Schnösel. In Konversationen beweisen Sie Niveau, wenn Sie verstehen, in welchen Situationen welche Wortwahl angebracht ist.

[Bildnachweis: Karrierebibel.de]
10. Februar 2020 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.


Anzeige

Ebenfalls interessant:

Weiter zur Startseite

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Verwendung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter. Unsere Partner führen diese Informationen möglicherweise mit weiteren Daten zusammen, die Sie ihnen bereitgestellt haben oder die sie im Rahmen Ihrer Nutzung der Dienste gesammelt haben. Details

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close