Arbeitnehmerüberlassung: Tipps für Arbeitnehmer

Arbeitnehmerüberlassung – der Begriff löst bei Arbeitgebern und Arbeitnehmern unterschiedliche und widersprüchliche Gefühle und Reaktionen aus. Während die einen fast reflexartig „Ausbeutung!“ rufen, berichten andere von einer erfüllenden und abwechslungsreichen Aufgabe. Dass es in der Arbeitnehmerüberlassung schwarze Schafe gibt, ist unbestritten. Zur vollen Wahrheit gehört aber ebenfalls, dass sich durch die Arbeitnehmerüberlassung Chancen für Arbeitnehmer auftun. Was Sie dazu wissen sollten und wie Sie für sich das Beste aus dieser Arbeitsform herausholen…

Arbeitnehmerüberlassung: Tipps für Arbeitnehmer

Arbeitnehmerüberlassung Definition: Was ist das?

Arbeitnehmerüberlassung beantragen Voraussetzungen Kosten Baugewerbe Gehalt Equal Pay DefinitionDie Bundesagentur für Arbeit definiert Arbeitnehmerüberlassung – abgekürzt: ANÜ – folgendermaßen:

Zeitarbeit, Leiharbeit oder Arbeitnehmerüberlassung bedeutet, dass ein Arbeitnehmer von einem Arbeitgeber einem Dritten gegen Entgelt und für eine begrenzte Zeit überlassen wird. Der Arbeitgeber wird dabei zum Verleiher, der Dritte zum Entleiher.

Damit sind auch bereits die wichtigsten Synonyme genannt: Die Arbeitnehmerüberlassung ist außerdem auch als Mitarbeiterüberlassung, Personalleasing oder Temporärarbeit bekannt. Für den Arbeitnehmer, der zum Leiharbeitnehmer wird, gilt ein befristeter Arbeitvertrag.

Da er nur auf begrenzte Zeit ausgeliehen wird, ist häufig von Zeitarbeit beziehungsweise Zeitarbeitern die Rede. Der Arbeitsagentur zufolge werden in einer Arbeitnehmerüberlassung meist einfache Arbeiten ausgeführt, jeder zweite Leiharbeitnehmer ist als Hilfsarbeiter tätig.

Prinzipiell sind jedoch alle Qualifikationsstufen und Branchen in der Arbeitnehmerüberlassung verbreitet: Letztlich arbeitet ein Interim Manager in einer ganz ähnlichen Situation wie ein Leiharbeitnehmer.

Nämlich für eine befristete Zeit hilft er im Unternehmen aus, vermittelt wird er an den Entleiher über spezielle Provider für Interim Management oder aber eben große Zeitarbeitsfirmen, die sämtliche Qualifikationsniveaus und Branchen abdecken.

So gesehen sind Arbeitnehmerüberlassungen also auch Ingenieure und andere Akademiker durchaus interessant.

Zu den Branchen, die besonders häufig auf Arbeitnehmerüberlassung zurückgreifen, gehört die Metall- und Elektrobranche. Immerhin ein Drittel aller Leiharbeitnehmer ist hier tätig. Ein gutes Viertel arbeitet in den Bereichen Verkehr, Logistik, Schutz und Sicherheit.

Arbeitnehmerüberlassung 2018: Welche Rechte gelten für Arbeitnehmer?

Arbeitnehmerüberlassung beantragen Voraussetzungen 2017 2018 Kosten Baugewerbe Gehalt Equal Pay DefinitionViele Arbeitnehmer befürchten, dass sie in der Arbeitnehmerüberlassung schlechter gestellt sind, als die festangestellten Kollegen. Rein rechtlich ist diese Annahme jedoch falsch.

Die Arbeitnehmerüberlassung ist in Deutschland durch das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) geregelt. Seit seiner Einführung 2003 wurde es immer wieder angepasst.

So hat es beispielsweise 2017 die Anpassung an den gesetzlichen Mindestlohn gegeben. Das Ziel: Die arbeitsrechtliche Gleichstellung von Leiharbeitern und festangestellten Mitarbeitern.

Um als Unternehmen eine Arbeitnehmerüberlassung beantragen, also als Verleiher tätig werden zu können, muss eine Arbeitnehmerüberlassungserlaubnis vorliegen. Diese ist zunächst auf ein Jahr befristet und kann entfristet werden, wenn der Verleiher drei aufeinanderfolgende Jahre tätig war.

Zum 1. April 2017 gab es einige Neuerungen:

  • Konkretisierung

    Für eine Arbeitnehmerüberlassung gilt, dass sie ausdrücklich als solche im Vertrag, der zwischen Verleiher und Entleiher zustande kommt, bezeichnet werden muss. Dazu gehört, dass auch die Person des Leiharbeiters explizit im Vertrag aufgeführt wird, so dass die Möglichkeit der sogenannten „Vorratserlaubnis“ weggefallen ist.

  • Höchstüberlassungsdauer

    So darf ein Leiharbeitnehmer nicht mehr als 18 Monate für denselben Kunden (Entleiher) arbeiten, sofern seine Tätigkeit nicht für mehr als drei Monate unterbrochen wurde.

  • Equal Pay

    Fortan gilt für Leiharbeitnehmer bereits nach neun Monaten das gleiche Entgelt wie für vergleichbare Stammmitarbeiter im Entleiherunternehmen. Ausnahmen sind nur dann möglich, falls ein Tarifvertrag bereits Lohnaufstockungen nach sechs Wochen ermöglicht.

  • Kettenüberlassungen

    Gemäß § 1 Arbeitnehmerüberlassungsgesetz dürfen Leiharbeitnehmer nicht einfach an andere Unternehmen weiterverliehen werden. Gerade bei Subunternehmen bestand diese Gefahr früher. Eine Arbeitnehmerüberlassung ist nur dann rechtens, wenn zwischen dem Verleiherunternehmen und dem Leiharbeitnehmer eine arbeitsvertragliche Beziehung existiert.

  • Streik

    Leiharbeitnehmer dürfen nicht zum Einsatz kommen, um von DGB-Gewerkschaften organisierte Streiks zu brechen. Verstößt der Entleiher gegen das Einsatzgebot, kann dies mit einem Bußgeld in Höhe von 500.000 Euro geahndet werden.

Wenn Sie sich als Leiharbeiter also für Ihre Rechte interessieren, werden Sie auf der Seite der Agentur für Arbeit fündig. Informationen finden Sie hier, Formulare hier.

Arbeitnehmerüberlassung: Für manche Unternehmen Rettung in der Not

Die der Arbeitnehmerüberlassung zugrunde liegende Idee ist erstmal sinnvoll: Unternehmen sollen durch flexibel einsetzbare Leiharbeiter in die Lage versetzt werden, Produktions- und Arbeitsspitzen aufzufangen.

Fällt in einem überschaubaren zeitlichen Rahmen mehr Arbeit an, kann diese bewältigt werden, ohne Mitarbeiter einstellen und diese dann entlassen zu müssen. Das bedeutet einen deutlich geringeren Aufwand für das Unternehmen, da die unangenehme Arbeit gewissermaßen direkt outgesourcet wird.

Auch ist eine Arbeitnehmerüberlassung für den Entleiher oftmals günstiger, denn insgesamt sind die Kosten kalkulierbar. Hat der Leiharbeiter Urlaub oder wird er krank, entstehen ihm keinerlei zusätzliche Kosten. Zusätzlich spart er Geld, da die oft mühsame Bewerberauswahl vom Entleiher übernommen wird. Soweit zur Theorie.

In der Praxis funktioniert dieses Modell für Fachkräfte vielerorts gut. (Hoch) Qualifizierte Arbeitnehmer können durch einen Job in der Arbeitnehmerüberlassung zahlreiche Unternehmen und Branchen kennenlernen.

Bei ungelernten oder geringer qualifizierten Hilfskräften sieht das Bild jedoch anders aus. Hier gibt es durchaus schwarze Schafe – also schlechte Unternehmen im Bereich der Arbeitnehmerüberlassung – die ihre Mitarbeiter untertariflich bezahlen und teilweise regelrecht ausbeuten.

Leider wird in den Medien jedoch vor allem über die negativen Fälle berichtet und gesprochen. Diese Berichte prägen das negative Bild der Arbeitnehmerüberlassung, sind jedoch nicht repräsentativ. Denn auch wenn es schwarze Schafe gibt:

Die Zahl der Leiharbeiter wächst in Deutschland seit Jahren, wie das Institut der deutschen Wirtschaft Köln zeigt.

Arbeitnehmerüberlassung Daten

Arbeitnehmerüberlassung in Deutschland: Älter, als man denkt

Arbeitnehmerüberlassung beantragen Voraussetzungen Kosten Baugewerbe Gehalt Equal Pay DefinitionDie Arbeitnehmerüberlassung ist zwar erst in den letzten zwei Jahrzehnten in der medialen Aufmerksamkeit angekommen, das Konzept ist auf dem deutschen Arbeitsmarkt jedoch schon deutlich länger etabliert.

Die ersten Unternehmen wurden im Bereich der Arbeitnehmerüberlassung bereits 1960 aktiv. Für Arbeitnehmer ist die recht lange Geschichte der Arbeitnehmerüberlassung durchaus relevant.

Denn im Lauf der Jahre hat der Gesetzgeber die Arbeitnehmerüberlassung aktiv reguliert und die geltenden Gesetzte und Regelungen immer weiter angepasst. Im Gegensatz zur weit verbreiteten Annahme ist die Arbeitnehmerüberlassung also keinesfalls ein rechtsfreier Raum.

Für Arbeitnehmer in der Arbeitnehmerüberlassung gelten beispielsweise die gleichen Rechte im Blick auf Kündigungsschutz, Urlaubsanspruch und Ähnliches wie für festangestellte Arbeitnehmer.

Arbeitnehmerüberlassung: Voraussetzungen für den Arbeitnehmer

Für Arbeitnehmer stellen sich angesichts der schlechten Reputation der Arbeitnehmerüberlassung einige Fragen. Wer beispielsweise überlegt, ob diese Arbeitsform für ihn infrage kommt, dem sei zunächst erklärt, dass der Interessenverband der deutschen Zeitarbeitsunternehmen IGZ eine Kontakt- und Schlichtungsstelle (KuSS) eingerichtet, bei der sich Arbeitnehmer kostenfrei von unabhängigen Fachleuten und Juristen über ihre Rechte beraten lassen können.

Die darüber hinaus wichtigsten Fragen lauten:

  1. Für wen und wann eignet sich die Arbeitnehmerüberlassung? Eine wichtige Frage, denn die Arbeit in der Arbeitnehmerüberlassung ist bis zu einem gewissen Grad Typ-Sache und nicht zuletzt von den Rahmenbedingungen und der persönlichen Situation abhängig.
  2. Welche Chancen bietet die Arbeitnehmerüberlassung? Eine Gehaltserhöhung für berufserfahrene Arbeitnehmer ist beispielsweise eher nicht zu erwarten. Wer jedoch Abwechslung und vielfältige Erfahrung sucht, könnte hier richtig sein.
  3. Welche Rechte gelten für Arbeitnehmer in diesem Bereich? Hier geht es meist um Themen wie Kündigungsschutz, Urlaubsanspruch, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und ähnliche Themen. Sie alle sind für Arbeitnehmer wichtig.

Diesen Fragen werden wir im Folgenden nachgehen.

Für wen und wann eignet sich die Arbeitnehmerüberlassung?

Die Arbeitnehmerüberlassung ist vor allem für zwei Gruppen von Arbeitnehmern geeignet: Berufseinsteigern und solchen (berufserfahrenen) Arbeitnehmern, die sich Abwechslung wünschen und ihren professionellen Horizont erweitern wollen.

Berufseinsteiger haben durch die Arbeitnehmerüberlassung die Chance, gleich zu Beginn ihrer Karriere zahlreiche Unternehmen und Fachbereiche kennenzulernen. So können sie nicht nur ihre Berufserfahrung auf eine breite Basis stellen. Sie haben auch die Chance, verschiedene Branchen und Aufgaben auszuprobieren. Gerade wenn Sie nach dem Studium oder der Ausbildung noch nicht so genau wissen, wo Sie hin wollen, kann dieser Start für Sie optimal sein.

Als berufserfahrene Fachkraft bietet sich die Arbeitnehmerüberlassung für Sie an, wenn Sie von Ihrem bisherigen Job genug haben und sich nach Abwechslung sehnen. Zwar geben Sie damit einigen Komfort und Sicherheit auf – mehr weiter unten – doch Sie können innerhalb Ihres Fachbereichs neue Erfahrungen sammeln.

In dieser Bandbreite ist das nur in wenigen Unternehmen möglich. Die Nachteile und Risiken sind für beide Arbeitnehmergruppen ähnlich. Wer in der Arbeitnehmerüberlassung arbeitet, muss sich auf Folgendes einstellen:

  • Team

    In der Arbeitnehmerüberlassung geben Sie üblicherweise ein festes Team und dauerhafte Kollegenstrukturen auf. Stattdessen müssen Sie sich regelmäßig mit neuen Kollegen arrangieren. Selbst bei längeren Projekten, die über sechs oder zwölf Monate gehen, ist mit einer höheren Fluktuationsrate zu rechnen, da die Mehrheit der Arbeitnehmer sich nach einem festen Arbeitsverhältnis sehnt.

  • Wandel

    Sie haben deutlich weniger Planungssicherheit. Als Leiharbeitnehmer sind zwar immer mehrere Wochen in einem Unternehmen tätig, doch innerhalb von drei oder sechs Monaten können Sie in der Arbeitnehmerüberlassung mehrfach das Unternehmen wechseln. Wer nur für ein Projekt von dem Verleiher engagiert wurde, steht nach Beendigung des Projekts möglicherweise ohne Arbeit da. Mit einer permanent drohenden Arbeitslosigkeit kommt nicht jeder Arbeitnehmer klar.

  • Abwechslung

    Arbeiten in der Arbeitnehmerüberlassung erfordert vor allem geistige Flexibilität, denn Sie müssen sich immer wieder auf neue Aufgaben und Prozesse einstellen, denn jedes Unternehmen hat seine eigene Kultur und Prozesse am Start. Ebenso ist eine gehörige Portion an sozialer Kompetenz gefragt. Nicht selten kommt es zu Reibereien zwischen der Stammbelegschaft und den Leiharbeitern, weil bestimmte Abläufe seitens des Verleihers nicht korrekt oder umfassend genug kommuniziert wurden. Auch gibt es mitunter Vorbehalte gegenüber den Leiharbeitern hinsichtlich der Qualität der Arbeit: Während angestammte Teams zusehen müssen, wie sie auch zukünftig klarkommen, müssen Leiharbeiter sich diesbezüglich wenig Sorgen machen. Kein Wunder, dass bei manchen folgende Einstellung existiert: Nach mir die Sintflut.

Außerdem müssen Sie sich als Arbeitnehmer jedes Mal auf neue, ungeschriebene Teamregeln einstellen. Ein Gefühl für die Beziehungen und Erwartungen im Unternehmen zu entwickeln, kann Zeit und Energie in Anspruch nehmen. Gleichzeitig entwickeln Sie dadurch jedoch auch wichtige Eigenschaften für die Arbeit im Team und mit Kunden.

Welche Chancen bietet die Arbeitnehmerüberlassung?

Neben der umfassenden Erfahrung und der Abwechslung kann die Arbeitnehmerüberlassung Ihnen als Arbeitnehmer noch weitere Chancen bieten. Allerdings hängt es in weiten Teilen von Ihnen ab, ob Sie die Chancen nutzen.

Der mehr oder weniger regelmäßige Wechsel des Unternehmens bietet Ihnen die Möglichkeit, sich potenzielle Arbeitgeber anzuschauen und sich dort zu positionieren. Bringen Sie im Unternehmen gute Leistungen und bauen Sie entsprechende Beziehungen mit Ihren Kollegen und Vorgesetzten auf, können Sie früher oder später das Thema der Übernahme ansprechen.

Die Voraussetzung: Sie haben das Thema mit Ihrem aktuellen Arbeitgeber – dem Unternehmen der Arbeitnehmerüberlassung – besprochen und kennen die Regelungen und Vorgaben Ihres Arbeitsvertrags.

Gute Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern in der Arbeitnehmerüberlassung die Möglichkeit, zu einem anderen Unternehmen zu wechseln. Damit Sie diese Chance optimal nutzen können, sollten Sie…

  • das Thema rechtzeitig mit Ihrem Arbeitgeber klären.
  • vorsichtig beim aktuellen Unternehmen vorfühlen.
  • eine Grundlage in Form von Beziehungen und Kontakten im Unternehmen schaffen.
  • durch hervorragende Leistungen auf sich aufmerksam machen.

Im Rahmen der Arbeitnehmerüberlassung kann es durchaus sein, dass Sie in Unternehmen oder Aufgabenbereichen arbeiten, die Ihnen gar nicht liegen und in denen Sie sich auch nicht wohlfühlen. In diesem Fall können Sie die Befristung der Arbeit als Vorteil sehen und daraus lernen. Denn dann wissen Sie, in welchen Bereichen Sie später keinesfalls arbeiten wollen.

[Bildnachweis: Pressmaster by Shutterstock.com]
15. Juni 2015 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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