Vorvertrag zum Arbeitsvertrag: Gründe, Inhalt und Muster zum Download

Sind Bewerber und Arbeitgeber der Meinung, einander gefunden zu haben, wird diese spätere Zusammenarbeit mit einem Arbeitsvertrag besiegelt. In einigen Fällen kann jedoch ein Vorvertrag zum Arbeitsvertrag notwendig und sinnvoll sein. Daran können beide Parteien bereits die wichtigsten Absprachen treffen und sich gegenseitig Punkte vergewissern, solange der endgültige Vertrag noch nicht ausgestellt und unterschrieben ist. Wir erklären, welche Gründe für einen Vorvertrag sprechen können, welcher Inhalt wichtig ist und worauf Sie bei einem Vorvertrag achten sollten…

Vorvertrag zum Arbeitsvertrag: Gründe, Inhalt und Muster zum Download

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Vorvertrag: Der kleine Bruder vom Arbeitsvertrag

Wie der Name es bereits sagt: Ein Vorvertrag ist ein Vertrag, der noch vor offiziellem Abschluss des eigentlich angestrebten Vertrages steht. Aber warum das Ganze? Bahnt sich ein Arbeitsverhältnis an, wird schließlich ein Arbeitsvertrag abgeschlossen. Dieser regelt im Detail alle Konditionen und Vereinbarungen, unter denen die Zusammenarbeit zustande kommt.

Die Ausstellung kann sich jedoch hinziehen. Nicht jedes Unternehmen legt dem neuen Mitarbeiter innerhalb weniger Tage einen Vertrag zur Unterschrift vor. Mögliche Gründe dafür:

  • es fehlen wichtige Unterschriften
  • der Betriebsrat muss noch zustimmen
  • es wird auf die Zusage eines Auftraggebers gewartet
  • es bestehen noch rechtliche Hindernisse (Arbeitserlaubnis, Gesundheitszeugnis)
  • der zukünftige Mitarbeiter hat seine Ausbildung noch nicht beendet
  • es müssen Detailfragen (Gehalt, Umfang der Stundenzahl) geklärt werden

Um die Ernsthaftigkeit der Absichten zu bekunden und Transparenz zu schaffen, wird in solchen Fällen ein Vorvertrag aufgesetzt. Er enthält im Groben dieselben Punkte wie ein Arbeitsvertrag, ist nur deutlich schlanker gestaltet.

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Inhalt eines Vorvertrags

Was beinhaltet ein Vorvertrag? Im Prinzip kann ein Vorvertrag dieselben Inhalte wie ein ausführlicher Arbeitsvertrag haben. Da branchenabhängig mitunter völlig unterschiedlich gestaltete Verträge existieren, lässt sich im Detail nicht pauschal sagen, was und was nicht hineingehört.

Entscheidend für den Vorvertrag ist, dass die relevanten Punkte des späteren Arbeitsvertrages enthalten sind. Dazu gehören:

Diese Liste kann um weitere Punkte ergänzt werden: etwa Vereinbarungen im Krankheitsfall, Verschwiegenheitsklauseln oder Nebentätigkeiten.

Grundsätzlich gilt jedoch für den Vorvertrag das KISS-Prinzip: Keep it short and simple. Da das Dokument in erster Linie eine Absicherung ist und (hoffentlich zeitnah) in den endgültigen Arbeitsvertrag übergeht, sollte der Fokus auf den wichtigsten Puntken liegen. Ein ewig langer Vorvertrag mit endlosen Klauseln und Paragraphen ist in den meisten Fällen unnötig. Beiden Vertragsparteien sollte klar sein, dass dies nur ein vorläufiger und vorübergehender Vertrag ist, weshalb in einem gesonderten Punkt auf den Grund einzugehen ist.

Muster: Vorlage für einen Vorvertrag

Um Ihnen zu zeigen, wie ein solcher Vorvertrag aussehen kann, haben wir ein kostenloses Muster als Vorlage erstellt. Dieses dient in erster Linie der Veranschaulichung und dem besseren Verständnis. Es muss immer an die Situation angepasst und gegebenenfalls von einem Fachanwalt für Arbeitsrecht überprüft werden.

Vorvertrag

zwischen

Beispiel AG (Firma, Anschrift…)
nachfolgend „Arbeitgeber“ genannt
und
Max Mustermann (Name, Anschrift)
nachfolgend „Arbeitnehmer“ genannt



§ 1 Bedingungen

Dieser Vorvertrag wird für die Übergangszeit geschlossen. Mit Bestehen der Abschlussprüfung wird der Arbeitnehmer den Nachweis der fehlenden Qualifikationen erbringen. Sobald dieser
vorliegt – voraussichtlich am TT.MM.JJJJ – tritt der Arbeitsvertrag in Kraft.

§ 2 Arbeitsbeginn und Aufgabengebiet

Das Arbeitsverhältnis beginnt am TT.MM.JJJJ.

Es wird auf unbestimmte Zeit geschlossen. Für das Arbeitsverhältnis wird eine Probezeit von secbs Monaten vereinbart. Während dieser Zeit kann das Arbeitsverhältnis von beiden Vertragsparteien mit einer zweiwöchigen Kündigungsfrist beendet werden.

Der Arbeitnehmer wird als Account Manager für den Standort Frankfurt eingestellt. Folgende Tätigkeiten umfassen den Aufgabenbereich des Arbeitnehmers:

  • Aufgabe 1
  • Aufgabe 2
  • Aufgabe 3

Der Arbeitnehmer willigt ein, entsprechend seinen Fähigkeiten und Kenntnissen sowohl an einem anderen Standort als auch in einem anderen Tätigkeitsbereich zu arbeiten, sofern dies zumutbar und nicht mit finanziellen Einbußen verbunden ist.

§ 3 Arbeitszeit

Die wöchentliche Arbeitszeit beträgt 40 Stunden und ist auf fünf Werktage in der Woche zu übertragen.

Arbeitsbeginn und Arbeitsende kann der Arbeitnehmer im Rahmen der nachfolgend angegebenen Zeitspannen selbst bestimmen:

  • Arbeitsbeginn: 7.00 bis 9.00 Uhr
  • Arbeitsende: 16.00 bis 18.00 Uhr

In der Kernarbeitszeit von 9.00 bis 16.00 Uhr hat jeder Arbeitnehmer anwesend zu sein. Ausnahmen bilden genehmigte beziehungsweise begründete Abwesenheiten.

§ 4 Vergütung

Die Arbeit wird mit einem monatlichen Bruttogehalt von 3.500 € abgegolten. Bis zu fünf Überstunden monatlich sind mit dem Gehalt abgegolten. Darüber hinausgehende Überstunden werden durch Freizeit ausgeglichen.

§ 5 Urlaub

Der Arbeitnehmer hat einen gesetzlichen Mindestanspruch von 20 Arbeitstagen pro Kalenderjahr. Zusätzlich gewährt der Arbeitgeber 5 Tage Urlaub pro Jahr. Der Gesamtanspruch beträgt somit 25 Urlaubstage pro Kalenderjahr.

§ 6 Kündigung

Nach Ablauf der Probezeit kann der Arbeitnehmer das Arbeitsverhältnis mit einer Kündigungsfrist von vier Wochen jeweils zum 15. eines Monats oder zum Ende eines Kalendermonats kündigen. Es gelten die gesetzlichen Kündigungsfristen.

Beide Vertragsparteien können eine außerordentliche Kündigung aussprechen, wenn ein Aufrechterhalten des Arbeitsverhältnisses unzumutbar ist. Die Kündigung hat schriftlich zu
erfolgen.

§ 7 Sonstige Absprachen

_________________________________________

______________
Ort, Datum

_________________________________________
Unterschrift Arbeitgeber

_________________________________________
Unterschrift Arbeitnehmer


Das Muster für einen Vorvertrag können Sie sich auch als kostenlose Word-Datei herunterladen.


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Gültigkeit: Ist ein Vorvertrag bindend?

Es kommt vor, dass ein Arbeitnehmer in ungekündigter Stellung eine heimliche Bewerbung schreibt. Seine bisherige Stelle mag er aus einem Sicherheitsempfinden nicht kündigen, bevor er keine schriftliche Zusage hat.

Wenngleich auch eine schriftliche Zusage rechtlich bindend ist: Ein Vorvertrag bekundet deutlich eindrucksvoller als eine Jobzusage das Interesse des Arbeitgebers am Bewerber. Liegt der Vorvertrag in diesem Umstand begründet, sollte dies in einer gesonderten Formulierung aufgegriffen werden.

Im Gegensatz zu einem formlosen Schreiben bietet ein Vorvertrag die Möglichkeit, sich Klarheit über die wichtigsten Punkte zu verschaffen, die für den täglichen Arbeitsablauf interessant sind. Da es sich beim Vorvertrag um ein schriftliches Dokument handelt, das von beiden Vertragsparteien unterschrieben wurde, ist es rechtlich bindend.

Sollten Sie also in der Zwischenzeit ein anderes Angebot erhalten oder feststellen, dass Ihnen der Betrieb doch nicht zusagt, muss auch der Vorvertrag gemäß der Vorgaben gekündigt werden. Sofern keine Angaben zur Probezeit, zu Kündigungsfristen oder einem Tarifvertrag gemacht wurden, gelten die Fristen gemäß Paragraph 622 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB).

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[Bildnachweis: Andrei_R by Shutterstock.com]

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Bitte beachten Sie, dass wir keine Fachanwälte für Arbeitsrecht sind und auch per Kommentar keine Einzelfall-Beratung leisten können und dürfen. Der Artikel wurde zwar mithilfe von Anwälten erstellt, für konkrete Fragen zu Ihrer Situation nutzen Sie bitte unsere Schwesterseite und Ratgeber-Community Karrierefragen.de. Wir danken für Ihr Verständnis.

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