Frühjahrsmüdigkeit: Was tun?

Die Blumen sprießen, das Leben reckt sich einem überall entgegen, aber Sie hat die Frühjahrsmüdigkeit gepackt. Wenn Sie schon wieder nicht aus dem Quark kommen, wenn Ihr Gähnen schon die halbe Belegschaft angesteckt hat, dann sollten Sie etwas dagegen unternehmen. Etwas, mit dem Sie diese permanente Verschnarchtheit aus den Knochen kriegen. Die besten Tipps gegen Frühjahrsmüdigkeit – anwendbar auch in Sommer, Herbst und Winter…

Frühjahrsmüdigkeit: Was tun?

Frühjahrsmüdigkeit: Woher kommt sie?

Frühjahrsmüdigkeit im Januar antriebslos Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte, dichtete einst Eduard Mörike. Nach einem oft tristen, kalten Winter freuen sich viele auf die neue Jahreszeit. Frühlingsgefühle machen sich breit, Motivation und Lust auf Veränderung steigen.

Frühling bedeutet für einige jedoch nicht nur wärmere Temperaturen, sondern auch Heuschnupfen und Frühjahrsmüdigkeit. Meist geht es Mitte März bis April damit los.

Was einerseits nach nach einer wunderbaren Ausrede klingt, um zum dritten Mal auf die Snooze-Taste zu hauen, scheint tatsächlich ein gar nicht so seltenes Phänomen zu sein. Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes schätzen, dass jeder Zweite von Frühjahrsmüdigkeit betroffen ist.

Auffällig ist, dass dieses Phänomen vor allem in Ländern auftritt, in denen sich die Temperatur- und Lichtverhältnisse im Wandel der Jahreszeiten deutlich ändern. Wetterfühlige Menschen trifft es demnach eher und solche mit ohnehin niedrigem Blutdruck. Ältere Menschen sind frühjahrsmüder als jüngere, Frauen angeblich häufiger betroffen als Männer.

Grundsätzlich: Wer körperlich fit ist, kommt auch mit der Frühjahrsmüdigkeit besser klar. In der Regel dauert sie bis zu einem Monat. Frühjahrsmüdigkeit bleibt aber ein sehr subjektives Phänomen, lässt sich wissenschaftlich nicht sonderlich fest greifen.

Welche Symptome sind typisch für Frühjahrsmüdigkeit?

Frühjahrsmüdigkeit im Januar antriebslos was tun AllergieVom Winterschlaf direkt in die Frühjahrsmüdigkeit – hört das denn nie auf? Wer unter der Müdigkeit leidet, schleppt sich durch die Gegend.

Frühjahrsmüdigkeit ist ein Massenphänomen, das sich alljährlich beobachten lässt. Dennoch handelt es sich um keine Krankheit. Da sie wieder von allein vergeht, wird wenig dazu geforscht.

Bemerkbar macht sich Frühjahrsmüdigkeit vor allem durch diese Symptome:

Ursachen für den verlängerten Winterschlaf

Die Ernährung im Winter unterscheidet sich von der im Frühling. Monatelang wird oft schwere, fettige Kost gegessen, Obst ist eher Mangelware. Kein Wunder, dass die Frühjahrsmüdigkeit oft der einseitigen Ernährung zugeschrieben wurde. Heutzutage sind allerdings auch im Winter genügend Obst und Gemüse erhältlich, viele Menschen achten auf ihre Gesundheit.

Vitaminmangel lässt sich somit nicht als alleinige Ursache für das Massenphänomen Frühjahrsmüdigkeit heranziehen. Wie entsteht Frühjahrsmüdigkeit dann? Wissenschaftlich erklärt wird die Trägheit im Frühling hauptsächlich mit Hormonen und Blutdruck, ebenfalls spielt Licht eine wichtige Rolle:

  • Hormone

    Im Frühling aktiviert das zunehmende Sonnenlicht die Produktion von Serotonin, einem Hormon, das als Stimmungsaufheller taugt. Zugleich ist aber auch noch das Hormon Melatonin, das gewissermaßen für den Schlaf zuständig ist, in hohem Maße aktiv.

    Beide Hormone machen den Körper im Wechselspielchen träge und müde. Bis sich Ihr Körper umgestellt hat, erfasst Sie die Frühjahrsmüdigkeit mit beiden Armen, manchmal auch etwas länger.

    Eine andere Erklärung für Frühjahrsmüdigkeit greift ebenfalls auf die Hormone Serotonin und Melatonin zurück, geht aber davon aus, dass der Serotoninspeicher im Frühjahr aufgrund der langen, dunklen Jahreszeit zuvor erschöpft ist und einige Tage braucht, um durch die Sonne aufgetankt zu werden.

    Gleichzeitig ist Ihr Melatoninspeicher noch voll – Melatonin ist aber das Schlafhormon, das bei Dunkelheit ausgeschüttet wird. Vor allem Menschen, die sich im Winter wenig bei Licht bewegt haben und im Frühjahr überwiegend drinnen bleiben, leiden verstärkt unter Frühjahrsmüdigkeit.

  • Blutdruck

    Die steigenden Außentemperaturen haben außerdem Einfluss auf unsere Körpertemperatur. Die Blutgefäße weiten sich und der Blutdruck fällt in Folge ab. Das Ergebnis sind Frühjahrsmüdigkeit oder sogar Kreislaufprobleme.

    Im Winter hingegen ist der Strömungswiderstand dadurch stärker, dass die Blutgefäße zusammengezogen sind. Es kann also nicht so viel Blut durchfließen.

    Besonders belastend ist das Wetter für den Körper, wenn es starke Temperaturschwankungen von zehn Grad und mehr gibt. Dann muss sich Ihr Körper zwischen Winter- und Sommermodus bei seinem Blutdruck entscheiden: Denn im Winter haben wir einen tendenziell höheren Blutdruck, weil die Gefäße durch die Kälte eng sind.

    Menschen mit blutdrucksenkenden Medikamenten sollten im Sommer gut aufpassen und gegebenenfalls Rücksprache mit ihrem Arzt halten.

  • Licht

    Individuell unterschiedlich kann das Bedürfnis nach Licht sein. Wissenschaftler wie Thomas Kantermann machen die Chronobiologie verantwortlich dafür, dass Menschen unterschiedlich auf den Frühling reagierten. Die körperliche Umstellung auf die veränderten Temperaturen und Lichtverhältnisse gelingt nicht jedem gleich gut.

    Dabei stellen einige Menschen offenbar hohe Anforderungen an sich, obwohl die physiologischen Prozesse ihre Zeit bräuchten. Wer außerdem bereits mit saisonalen Depressionen zu kämpfen habe, benötige vermutlich eine stärkere Dosis Licht, um die Symptome in den Griff zu bekommen.

    Ungeachtet individueller Anforderungen ist der Tag-Nacht-Wechsel das typische Signal für unseren Körper, wann Schlafenszeit beziehungsweise Wachsein angesagt ist.

Natürlich können hinter Ihrer Müdigkeit auch andere Gründe stecken, Eisenmangel oder ganz profan Schlafmangel. Auch die Zeitumstellung wird bisweilen als Ursache oder verstärkender Faktor genannt.

Was tun gegen Frühjahrsmüdigkeit?

Wir würden Ihnen gerne wieder auf die Sprünge helfen und haben daher eine Ratgeber-Liste zusammengestellt. 12 Tipps, mit denen Sie bald wieder hellwach sind…

  1. Bewegung

    Auch wenn der erste Impuls schlafen wäre: Bewegung ist der wichtigste Tipp gegen Frühjahrsmüdigkeit! Wenn Sie nicht im Frühjahr und im Sommer mit dem Rad zur Arbeit fahren, wann dann? Sollten Sie gewöhnlich mit der Bahn anreisen, sind Klappräder oder Tretroller eine Option, um sich auf dem letzten Teilstück noch in Form zu bringen. Auch die kleinen Herausforderungen des Alltags sollten Sie per pedes meistern: Treppe statt Fahrstuhl oder einkaufen statt liefern lassen.

  2. Tagesrhythmus

    Richten Sie ihn am besten nach der Sonne aus. Der große heiße Stern regt die Produktion von lebenswichtigem Vitamin D in der Haut an. Also möglichst mit den ersten Sonnenstrahlen morgens aufstehen, um viel Sonnenlicht aufzunehmen und abends ins Bett gehen, wenn es dunkel wird. Um Ihren Biorhythmus wieder ins Gleichgewicht zu bringen, sollten Sie abends auf künstliches Licht durch Smartphones oder Tablets verzichten, das würde der natürlichen Müdigkeit am Abend eher wieder kontraproduktiv entgegenstehen.

  3. Kreislauf

    Acht Stunden ununterbrochen sitzen – für Geist und Körper ist das eine Tortur. Nutzen Sie freie Zeit und Pausen, um die müden Knochen wieder in Gang zu bringen, vor, während und nach der Arbeit. Sei es, indem Sie in der Mittagspause einmal um den Block gehen oder nach der Arbeit noch eine Schicht Gartenarbeit dranhängen.

  4. Sonne

    Für (Frühjahrs)Müde abermals der Rat: raus an die Sonne. Die Mittagspause ist der richtige Zeitpunkt, um den düsteren Firmenkomplex kurzzeitig hinter sich zu lassen und zumindest ein paar Minuten Sonne zu tanken. Selbst wenn es mal bewölkt ist, sollten Sie die Gelegenheit zu Tageslicht nutzen.

  5. Aktivitäten

    Bevor die Frühjahrsmüdigkeit Sie so richtig übermannt, sollten Sie Unternehmungen einplanen. Mit den Kindern ins Phantasialand, mit dem Gatten ins Wellness-Wochenende, mit den Kommilitonen auf Kneipentour – jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um aktiv zu werden. So kommen Sie erst gar nicht in Versuchung, dem Schlafdrang nachzugeben.

  6. Stärken

    Auch die eigenen Stärken können der Frühjahrsmüdigkeit den Kampf ansagen. Studien zeigen, dass Menschen, die Dinge tun, in denen sie gut sind, glücklicher sind, mehr Energie haben und sich auch nach einer Anstrengung weniger ausgepowered und gestresst fühlen.

  7. Wechseldusche

    Den Tag mit einer heiß-kalten Wechseldusche beginnen – das ist nie verkehrt, weil es Kreislauf und Stoffwechsel anregt. Diesem Prinzip folgen auch die Kneip’schen Anwendungen: Je größer die Temperaturunterschiede, desto besser. Aus den gleichen Gründen ist auch der Gang in die Sauna ratsam, zum Beispiel abends und am Wochenende.

  8. Ziele

    Wer ein Ziel vor Augen hat, arbeitet darauf hin und kann sich selbst besser motivieren. Dadurch helfen sie auch, die Antriebslosigkeit zu überwinden, die mit der Frühjahrsmüdigkeit einhergeht. Nehmen Sie sich beispielsweise vor, in etwas besser zu werden. Ein so simples Ziel kann bereits ausreichen, die eigenen Energiereserven wieder zu füllen.

  9. Abstinenz

    Das kühle Weißbier im Biergarten – es sei Ihnen gegönnt. Wenn Sie sich aber gerade in einer müden Phase befinden oder die Frühjahrsmüdigkeit endgültig hinter sich lassen wollen, dann löschen Sie den Durst lieber mit etwas Anti-Alkoholischem. Alkohol verstärkt bekanntlich die Müdigkeit.

  10. Powernap

    Frische Energie tanken Sie auch durch ein kurzes Nickerchen am Arbeitsplatz oder im Home Office. Powernap nennt sich das im Fachjargon. Aber bitte nicht länger als 30 Minuten, sonst könnte sich die Müdigkeit noch verstärken – und der Tag für Sie de facto schon gelaufen sein.

  11. Jogging

    Fällt ebenfalls unter den Punkt ‚Fitness durch Bewegung‘: Unmittelbar nach dem Aufstehen eine halbe Stunde durch den Park joggen – das erfordert knochenharte Disziplin, bringt Sie aber auf Trab. Außerdem trainiert Joggen die Ausdauer, die sich ebenfalls positiv auf die Frühjahrsmüdigkeit auswirkt. Übertreiben Sie es nicht, damit Sie nicht schon völlig ausgepowert zur Arbeit erscheinen. Alternativ sind auch morgendliche Kraft- oder Gymnastikübungen sinnvoll, gerne auch bei offenem Fenster. Die frische Luft versorgt Sie mit Sauerstoff.

  12. Medikamente

    Die vielen Mittelchen in der Hausapotheke – könnte vielleicht auch eines von diesen schuld an Ihrer Müdigkeit sein? Wichtig für Menschen mit Allergie: Gerade einige Antiallergika führen dazu, dass Betroffene am liebsten nur noch schlafen möchten. Prüfen Sie, welche Nebenwirkungen Ihre Arzneien haben – und sortieren Sie gegebenenfalls aus, sofern möglich.

Was tun, wenn keine Besserung eintritt?

Frühjahrsmüdigkeit im Januar antriebslos was tun AllergieSie fühlen sich absolut antriebslos, obwohl Sie ausreichend Schlaf, Licht und Bewegung bekommen? Mangelnder Antrieb kann auch ein Zeichen für eine Depression sein. Im Gegensatz zu einer Frühjahrsmüdigkeit ist eine Frühjahrsdepression deutlich intensiver und dauert länger an.

Diese Frage kann letztlich nur ein Psychiater oder Psychologe mit Sicherheit beantworten. Indizien dafür können sein, wenn Sie sämtliche anderen organischen Ursachen wie etwa eine Schilddrüsenunterfunktion oder Allergie ausschließen können. Als Richtwert, der Sie aufhorchen lassen sollte, werden zwei Wochen gesehen.

Wer darüber hinaus (oder sogar ganzjährig) unter Symptomen wie…

leidet, sollte sich professionelle Hilfe suchen. Der Hausarzt dient hierfür als erste Anlaufstelle und kann Sie an weitere Experten verweisen.

Ernährung hilft der Frühjahrsmüdigkeit auf die Sprünge

Der Höhlenmensch steckt irgendwie immer noch in uns. Den ganzen Winter über wurde zu viel und häufig zu fettig gegessen, die Nährstoffe blieben auf der Strecke. Meist sitzt zu Beginn des Frühjahrs noch der Winterspeck auf den Hüften, so dass der Körper insgesamt träge ist.

Kein Wunder also, dass die Frühjahrsmüdigkeit mit voller Wucht zuschlägt. Sie können das allerdings beeinflussen, indem Sie Ihre Trink- und Ernährungsgewohnheiten wieder anpassen.

Es gibt Menschen, die Wasser während der Arbeit meiden, um nicht ständig Richtung Toilette rennen zu müssen. Wenn Sie clever sind, kippen Sie sogar noch extra nach. Bei ausgeprägter Müdigkeit schlagen Sie so zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie stellen eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sicher – und bewegen sich häufiger.

Ausreichend viel Flüssigkeit (am besten Wasser oder Tees) ist außerdem geeignet, um Konzentrationsstörungen vorzubeugen.

Die Geister scheiden sich immer noch bei der Anzahl der Mahlzeiten. Die einen plädieren für drei Mahlzeiten am Tag, damit der Organismus Zeit hat, die aufgenommene Nahrung komplett zu verwerten ohne durch ständige Zufuhr dauernd auf Trab gehalten zu werden.

Die anderen befürworten eher fünf kleinere Zwischenmahlzeiten. Worin die meisten sich einig sind: Leicht sollte es sein. Am besten, Sie stellen sich auch ernährungstechnisch von Winter- auf Sommerzeit um. Also weniger Braten und Burger, mehr Fisch, Obst und Gemüse, um den Körper mit Vitaminen zu füttern.

Und: Nüsse snacken! Eine Studie der Universität Maastricht hat ergeben, dass die Ballaststoff-Bomben, die auch reich an Vitaminen und Antioxidantien sind, sogar das Sterblichkeitsrisiko um 23 Prozent senken.

Vor allem neurodegenerative und Atemwegserkrankungen sowie Diabetes können verhindert werden. Darüber hinaus hilft die leichte Kost Ihnen beim Abnehmen, so dass Sie sich automatisch fitter fühlen.

Frühjahrsmüdigkeit im Herbst

Frühjahrsmüdigkeit im HerbstDer Name des Phänomens legt zwar nahe, dass es lediglich zu Jahresbeginn anzutreffen ist, doch auch in anderen Jahreszeiten ist eine Frühjahrsmüdigkeit möglich. Häufig kommt sie durch Wetterschwankungen im Herbst vor, wird aufgrund des zeitlichen Unterschieds jedoch nicht als diese erkannt.

Haben sich die Temperaturen schon ein wenig abgekühlt, stellt auch der Körper sich auf schlechteres Wetter und weniger Sonnenschein ein. Kommt dann doch noch eine Phase voller Sonnenschein und Wärme, reagieren die meisten Menschen durch Erschöpfung und Müdigkeit auf diesen Wechsel.

Die obigen Tipps sind nicht nur zu Beginn des Jahres zu gebrauchen, sondern können auch helfen, die Frühjahrsmüdigkeit im Herbst zu überwinden.

Was andere Leser noch gelesen haben

[Bildnachweis: racorn by Shutterstock.com]
18. März 2019 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.


Mehr von der Redaktion und aus dem Netz



Stellenanzeigen finden Sie auf www.karrieresprung.de.

Karrierefragen Hinweis Fertig gelesen? Zurück zur Startseite!