Destruktive Kritik: So reagieren Sie richtig
Kritik ist unerlässlich, um Fehler, die man möglicherweise selbst gar nicht bemerkt hat, zu erkennen, daraus zu lernen und sich persönlich so wie fachlich weiterzuentwickeln. Aus gutem Grund wird empfohlen, Feedbackgespräche zur Regelmäßigkeit zu machen, damit Mitarbeiter wissen, wo sie stehen, was sie verbessern können und worauf der Chef wert legt. All das gilt aber wohlgemerkt nur für gute und konstruktive Kritik. Sicherlich hat sich rumgesprochen, dass Feedback genau so vermittelt werden sollte, doch gibt es immer noch genügend Chefs, Kollegen und auch Kunden, die destruktive Kritik nutzen - mal unabsichtlich, manchmal ganz bewusst, um dem anderen zu schaden. Unabhängig von den Gründen stehen Sie jedoch vor dem Problem, richtig damit umzugehen. Wir zeigen, wie Sie richtig auf destruktive Kritik reagieren...

Was macht destruktive Kritik aus?

Der Nutzen von Kritik lässt sich nicht von der Hand weisen, doch sollte man ehrlicherweise auch eingestehen: Es ist selten angenehm, kritisiert zu werden. Da kann das Feedback noch so gut rüber gebracht werden und konstruktiv sein, es bleibt das Gefühl, etwas nicht richtig gemacht zu haben, dabei möglicherweise Erwartungen nicht erfüllt zu haben und nun die Quittung dafür zu bekommen. Solange sich dies in einem normalen Rahmen hält, ist es aber auch relativ leicht zu verkraften. Man konzentriert sich darauf, wie es weiter geht, merkt sich, was falsch gelaufen ist und macht einen ähnlichen Fehler kein zweites Mal.

Anders bei der destruktiven Kritik. In der Wirkung könnte man diese als genaues Gegenteil der konstruktiven Alternative beschreiben: Der Lerneffekt bleibt aus, dafür kommt man ganz und gar nicht schnell darüber hinweg, sondern fühlt sich schlecht, regelrecht mies und persönlich attackiert. Wo Kritik ein Fingerzeig in die richtige Richtung sein sollte ist destruktive Kritik ein Schlag ins Gesicht, der die Orientierung raubt und dazu führt, dass man alles und in erster Linie auch sich selbst, das eigene Wissen und die eigenen Fähigkeiten hinterfragt.

Was macht destruktive Kritik aus und sorgt für diese negativen Effekte? Dabei spielen gleich mehrere Faktoren eine Rolle. Destruktive Kritik ist...

  • persönlich. Destruktive Kritik richtet sich meist direkt an eine Person. Ziel ist es, nicht eine Verhaltensweise zu kritisieren oder Fehler in Zukunft zu verbessern, sondern den Adressaten grundsätzlich schlecht zu machen.
  • verletzend. Dies führt dazu, dass destruktive Kritik als sehr verletzend empfunden wird. Verstärkt wird dies oft durch entsprechend grobe und beleidigende Wortwahl.
  • unbegründet. Konstruktive Kritik ist nicht nur angebracht, sondern konzentriert sich auch konkrete Auslöser. Destruktive Kritik hingegen ist meist vollkommen unbegründet, kommt aus dem Nichts und trifft den Empfänger daher unvorbereitet.
  • allgemein. Die vernichtende Form der Kritik verallgemeinert sehr stark. So wird ein einmaliger Fehler schnell zum ernsthaften, chronischen Charakterproblem erklärt.
  • übertrieben. Es gibt kleine und große Kritikpunkte? Nicht in der destruktiven Kritik. Hier wird alles übertrieben und selbst nebensächliche Kleinigkeiten reichen aus, um Grundsatzdiskussionen auszulösen.

Der größte Unterschied zwischen konstruktiver und destruktiver Kritik ist die dahinterstehende Absicht des Kritikers. Konstruktive Kritik ist lösungs- und verbesserungsorientiert. Es geht darum, gemeinsam zu analysieren, was noch besser gemacht werden kann und am Ende steht meist eine mehr oder weniger genaue Vorstellung davon, wie dies umzusetzen ist. Destruktive Kritik hat hingegen - wie der Name bereits sagt - zum Ziel, etwas zu zerstören. Der Empfänger soll verletzt und persönlich angegriffen werden.

So greifen beispielsweise Kollegen meist dann zu destruktiver Kritik, wenn sie jemandem eins auswischen wollen, weil sie mit dessen Ansichten nicht einverstanden sind oder weil dieser in einem Projekt bevorzugt wurde. Anstatt durch Feedback das beste Ergebnis zu erzielen, wird vernichtende Kritik geäußert, um den Kollegen und seine Arbeit in den Dreck zu ziehen.

Destruktive Kritik: So sollte Ihre Kritik nicht aussehen

Nicht jeder ist gut darin, Kritik zu äußern - das gilt sowohl für Freunde und Familienmitglieder, aber eben auch für Kollegen und leider auch Vorgesetzte. Deren berufliche Position bringt zwar die Notwendigkeit mit, das bedeutet aber noch lange nicht, dass dies auch eine wirkliche Stärke ist.

Und so schleichen sich immer wieder Wörter und Formulierungen ein, die aus einer ansonsten konstruktiven Kritik schnell das Gegenteil werden lassen. Damit Ihnen das nicht mehr passiert, haben wir einige Begriffe und Sätze gesammelt, die Sie aus Ihrer Kritik streichen sollten, um nicht ins Destruktive abzugleiten:

  • Immer... oder Nie...

    Das sind genau die Verallgemeinerungen, die für destruktive Kritik üblich sind. Bleiben Sie möglichst konkret, wenn Sie Kritik üben wollen und beziehen Sie sich auf Beispiele, anstatt von Immer oder Nie zu sprechen. So weiß der Empfänger auch gleich, was Sie genau meinen, Ihre Kritik wird besser aufgenommen und wird automatisch konstruktiver.

  • Das kann doch wohl nicht Ihr Ernst sein.

    Wenn etwas wirklich gehörig schief geht, kann einem solch ein Satz schon mal über die Lippen kommen, doch mit sinnvoller Kritik hat das nichts zu tun. Im Grunde sagen Sie damit nur, dass der andere absolut inkompetent ist.

  • Sind Sie stolz auf sich?

    Das mag Ihnen vielleicht im ersten Moment clever vorkommen, doch mit solch ironischen Anschuldigen verlassen Sie sofort jede Form der konstruktiven Kritik. Wer einen Fehler gemacht hat, weiß das meist selbst - auch ohne, dass Sie mit dummen Sprüchen kommen.

  • Was haben Sie sich nur dabei gedacht?

    Auch solch rhetorische Scheinfragen können Sie sich sparen. Denn mal ehrlich: Sie wollen doch ohnehin keine Antwort darauf hören, sondern nutzen die Frage nur, um zu zeigen, dass Sie die Idee des anderen für völligen Unfug halten.

  • Sie kriegen aber auch gar nichts hin...

    Gleich mehrere Fehler auf einmal. Zunächst ist das natürlich eine Verallgemeinerung, denn ein einmaliger Fehler bedeutet noch lange nicht, dass es immer so ist. Zum anderen ist dies ein starker persönlicher Angriff, der dem Empfänger jede berufliche Qualifikation abspricht.

So reagieren Sie auf destruktive Kritik

Destruktive KritikDestruktive Kritik hat gerade im beruflichen Umfeld eigentlich nichts zu suchen und ein Unternehmen, das sich um eine gute Arbeitsatmosphäre kümmert, sollte darauf achten, wie Kritik geäußert wird. Gänzlich vermeiden lässt es sich aber nicht und so kann jeder in die unangenehme Situation kommen, sich plötzlich mit destruktiver Kritik konfrontiert zu sehen. Nachdem der erste Schock überwunden wurde und man den schmerzlichen Stich verdrängt hat, den die Äußerungen ausgelöst haben, steht gleich das nächste Problem an: Wie reagiert man richtig auf destruktive Kritik?

Möglichkeiten gibt es viele, doch mit einigen davon machen Sie es sich selbst unnötig schwer oder verschwenden Ihre Energie. Wir zeigen, wie Sie richtig mit destruktiver Kritik umgehen.

  1. Ignorieren Sie es einfach

    Die einfachste Möglichkeit, die zudem auch noch wirklich effektiv ist: Sparen Sie sich die Reaktion einfach, gehen Sie über die destruktive Kritik hinweg, als wäre nichts gewesen und konzentrieren Sie sich stattdessen auf die wirklich relevanten Dinge. Das klingt allerdings leichter, als es in Wirklichkeit ist. Sie müssen dem Impuls widerstehen, sich zu rechtfertigen, was eine Menge Beherrschung kostet, gerade wenn man persönlich verletzt wurde.

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  2. Nehmen Sie es nicht persönlich

    Destruktive Kritik ist darauf ausgerichtet, Sie persönlich zu verletzen und genau deshalb sollten Sie dem unverschämten Kritiker dies nicht erlauben. Fragen Sie sich, warum der Kritiker versucht, Sie persönlich anzugreifen. Handelt es sich um einen neidischen Kollegen, der einfach nur sein angekratztes Ego aufpolieren will? Umso leichter fällt es, sich davon möglichst wenig beeinflussen zu lassen.

  3. Schlagen Sie nicht zurück

    Der erste Impuls ist oft, es dem anderen heimzuzahlen und seinerseits die persönliche Beleidigungskeule zu schwingen. Jeder könnte es nachvollziehen, aber es ist dennoch besser, nicht zurückzuschlagen. Damit würden Sie sich nur auf das gleiche niedrige Niveau des Kritikers herablassen. Demonstrieren Sie stattdessen, dass Sie genau das nicht nötig haben und wahre Größe beweisen können.

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  4. Stimmen Sie nicht einfach zu

    Je destruktiver die Kritik, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass viele der vorgebrachten Aspekte falsch oder zumindest restlos übertrieben sind. Dabei ist es nicht nur Ihr gutes Recht, sondern auch eine wirkungsvolle Strategie, diese falschen Punkte anzusprechen. Sagen Sie deutlich Es stimmt doch gar nicht, dass... So können Sie den Kritiker entwaffnen und zeigen gleichzeitig, dass Sie sich ein solches Verhalten nicht gefallen lassen.

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  5. Sparen Sie sich eine Verteidigung

    Sie wollen und müssen sich nicht alles gefallen lassen, doch bringt es leider meist nichts, wenn Sie versuchen, Ihr eigenes Verhalten gegen destruktive Kritik zu verteidigen. Denken Sie daran: Es geht dem anderen gar nicht darum, eine Besserung zu erreichen und er ist auch nicht an Ihren Beweggründen interessiert. Wenn Sie versuchen, sich zu verteidigen, wird Sie das vermutlich nur weiter frustrieren.

  6. Hinterfragen Sie sich selbst

    Wenn die destruktive Kritik Sie getroffen hat, kann dies auch daran liegen, dass ein Stückchen Wahrheit darin steckt. Das rechtfertigt in keinem Fall die Art und Weise, wie die Kritik vorgetragen wurde, doch es gibt Ihnen die Möglichkeit, auch aus solch einem Feedback etwas Positives für sich selbst zu ziehen. Brechen Sie die Kritik in ihre Einzelteile auf und suchen Sie sich heraus, woraus Sie vielleicht etwas lernen können - und lassen Sie all die persönlichen Beleidigungen dabei außen vor.

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  7. Bedanken Sie sich für die Kritik

    Eine eher außergewöhnliche Vorgehensweise als Reaktion auf destruktive Kritik, doch gerade deshalb kann es funktionieren. Der Kritiker möchte Sie verletzten, Ihnen schaden und erreichen, dass Sie sich schlecht fühlen. Zeigen Sie das genaue Gegenteil und bedanken Sie sich obendrein noch für die Kritik. Dabei müssen Sie natürlich nicht dankbar für etwaige Beleidigungen sein, sondern einfach dafür, dass jemand seine Meinung geäußert hat. Vielen destruktiven Kritikern nimmt man so sofort den Wind aus den Segeln und lässt sie verdutzt zurück.

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[Bildnachweis: A and N photography, Antonio Guillem by Shutterstock.com]

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