Optische Täuschung: Erklärung, Arten, Beispiele

Drei oder vier Linien? Die nachfolgende optische Täuschung ist ein Klassiker und vermutlich haben Sie das Bild in dieser oder ähnlicher Form schon einmal gesehen.

Optische Täuschungen machen Spaß und so tauchen immer wieder neue Bilder auf, die für Verwirrung der Sinne sorgen. Eine optische Täuschung ist jedoch mehr: Es ist eine Metapher für die gesamte Wahrnehmung des Menschen. Was wir meinen zu wissen, ist oft nur das: Eine Meinung, die aufgrund einer (optischen) Täuschung entsteht.

Wir lassen uns von der eigenen Wahrnehmung in die Irre führen, ohne die eigentliche Realität zu verstehen. Klingt kompliziert? Ist aber eigentlich ganz leicht und auch Ihnen wahrscheinlich schon einmal passiert…

Optische Täuschung: Erklärung, Arten, Beispiele

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Optische Täuschungen: Warum sie uns verblüffen

Optische Täuschungen faszinieren Menschen bereits seit vielen Jahrhunderten – manche kommen als Naturphänomen vor, andere sind Knobeleien von Wissenschaftlern, die sich mit Gesetzen der Mathematik und Physik auseinandersetzten.

Alle optischen Täuschungen haben gemein, dass sie verblüffen, verwirren, aber auch beeindrucken. Der Grund: Optische Täuschungen spielen mit der Wahrnehmung. Sie lassen uns an dem zweifeln, was wir als wahr ansehen. Anders ausgedrückt:


Bei einer optischen Täuschung kann man den eigenen Augen nicht trauen. Ein äußerst ungewohntes Gefühl, denn im Normalfall ist das Auge sehr zuverlässig, wenn es darum geht, die Umwelt und Informationen wahrzunehmen.


Zudem sind wir daran gewohnt, unserer Wahrnehmung vertrauen zu können. Was wir sehen, ist unsere Realität.

Wir nehmen die Welt mit unseren Sinnen wahr. Werden diese durcheinander gebracht, sind wir sorgt es für Verwirrung und Erstaunen.

Aber wie kommt es dann überhaupt zu einer optischen Täuschung?

Wie entsteht eine optische Täuschung?

Tatsächlich gibt es mehrere Möglichkeiten, eine solch optische Täuschung zu erzeugen. Die Methoden zeigen, wie sich das menschliche Auge an der Nase herumführen lässt und die Wahrnehmung längst nicht so fehlerfrei ist, wie wir glauben.

Denn letztlich ist eine optische Täuschung genau das: Eine falsches Zusammenspiel zwischen den Augen als Sinnesorgan und der Interpretation der wahrgenommenen Informationen im Gehirn.

Woran liegt das? Hier die Erklärungen für die Entstehung von optischen Täuschungen:

  • Verarbeitung von Sinnesreizen
    Einige optische Täuschungen funktionieren nur deshalb, weil das Auge Informationen nicht nur wahrnimmt, sondern auch analysiert und dabei filtert. Was als unwichtig und überflüssig eingestuft wird, kommt erst gar nicht im Gehirn an und geht schlichtweg verloren. Das funktioniert jedoch auch andersherum: Dinge, die wir zu kennen glauben, werden in der Wahrnehmung automatisch vervollständigt.

    Dabei greifen wir auf Erinnerungen und Erfahrungen zurück. Wir kombinieren Dinge, die wir als gleichartig erkennen und das Gehirn versucht diese zu einem sinnvollen, dreidimensionalen Bild zu ordnen. Optische Täuschungen manipulieren diesen Ablauf, weil die Bilder eben nicht zu den Erfahrungen passen und dem Gehirn so einen Streich spielen.
  • Optische Täuschungen durch verschiedene Relationen
    Oft arbeiten optische Täuschungen mit Relativität. Beispielsweise wirkt ein Objekt, das von kleineren Dingen umgeben ist, sofort viel größer. Das menschliche Auge tut sich schwer damit, solche Verhältnisse richtig zu bestimmen. Das gilt übrigens nicht nur für Größen. Auch farbliche Unterschiede können zur optischen Täuschung herangezogen werden.

    Zwei völlig gleichfarbige Quadrate wirken auf unterschiedlich hellem beziehungsweise dunklem Hintergrund plötzlich gar nicht mehr so identisch. Für andere optische Täuschungen ist der eigene Standort beziehungsweise die Perspektive entscheidend. Sie funktionieren nur aus einem bestimmten Blickwinkel – ändern Sie Ihre Position, fliegt der „Schwindel“ sofort auf.
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Optische Täuschungen: Arten von Illusionen

Optische Täuschungen werden durch verschiedene Tricks erzeugt. Es lassen sich verschiedene Arten unterscheiden, zum Beispiel:

➠ Größen-Illusionen
➠ Perspektivische Täuschungen
➠ Mehrfach-Bilder, in denen verschiedene Motive stecken
➠ Farbtäuschungen
➠ Unmögliche Formen
➠ Geometrische Täuschungen

Wir haben viele verschiedene Beispiele für optische Täuschungen in den folgenden Bildern für Sie zusammengestellt – und liefern auch gleich die zugehörige Erklärung, wie und warum die optische Täuschung funktioniert!

Die Hermann-Gitter-Täuschung

Optische Taeuschung Bild Hermann Gitter
Wie funktioniert die optische Illusion?

„Ninio’s Extinction Illusion“ heißt das Kunstwerk, das Will Kerslake, ein Spieleentwickler, ursprünglich auf Twitter postete. Das Bild zeigt insgesamt zwölf Punkte. Allerdings ist es unmöglich, alle zwölf gleichzeitig zu sehen. Konzentriert man sich auf einen oder zwei der Punkte, verschwinden die anderen aus dem Sehfeld. Sie sind für das menschliche Auge nicht mehr sichtbar.

Bei der optischen Täuschung handelt es sich um eine Variation der Hermann-Gitter-Täuschung: Durch das Gittermuster wirken die Kreuzungspunkte heller, gleichzeitig verschwinden die dunkleren Punkte, wenn man die Kreuzungspunkte fixiert. Zu diesen Illusionen zählen auch Farbtäuschungen, wie etwa vor einiger Zeit das Bild eines Kleides, das unter dem Hashtag #TheDress auf Twitter gepostet wurde. Die einen sahen darin ein weißes Kleid mit goldenen Applikationen. Tatsächlich handelte es sich, laut Hersteller, aber um ein blaues Kleid mit schwarzen Applikationen.

Die Münsterberg- oder Kaffeehaus-Täuschung

Optische Taeuschung Bild Muensterberg Kaffeehaus Illusion
Wie funktioniert die optische Illusion?

Tatsächlich sind beide Linien auf dem Bild vollkommen parallel und alle Rechtecke gleich groß. Je länger Sie aber darauf schauen, desto mehr scheinen sich die Linien zu biegen, gerade an den Rändern wollen diese einfach nicht gerade bleiben.

Schuld daran sind die Kontraste, die vom Auge als stärker wahrgenommen werden als die Linien. Eine typische optische Täuschung.

Die Müller-Lyer-Illusion

Optische Taeuschung Bild Mueller Lyer Illusion
Wie funktioniert die optische Illusion?

Dieses Beispiel einer optischen Täuschung ist als Müller-Lyer-Illusion bekannt. Dabei wird wieder die Wahrnehmung gestört – diesmal nicht durch Kontraste, sondern durch ergänzende Elemente und eine Größenillusion.

Auch hier sind beide Linien absolut gleich lang. Die Wahrnehmung aber sagt etwas anderes: Dass die obere Linie ein ganzes Stück länger ist. Stimmt aber nicht.

Zu dieser Kategorie gehören auch Tiefenillusionen oder perspektivische Größentäuschungen. Dabei orientieren wir uns zum Größenvergleich oft an näher liegenden Gegenständen oder Elementen wie den Pfeilen oben.

Die Ebbinghaus-Illusion

Optische Taeuschung Bild Ebbinghaus Illusion
Wie funktioniert die optische Illusion?

Zu sehen sind zwei blaue Kreise, die links oben einmal von größeren blauen Kreisen und einmal unten rechts von kleineren blauen Kreisen umgeben sind. Schon verändern sich die Größen der Kreise. So ziemlich jeder Betrachter, der die optische Täuschung nicht kennt, ist überzeugt davon, dass der linke obere innere Kreis kleiner ist als der rechte untere.

Falsch. Auch hier liegt eine optische Täuschung vor: Beide inneren Kreise sind völlig identisch. Aber dadurch, dass sie von unterschiedlich großen Kreisen umgeben sind, relativiert und verändert sich – scheinbar – auch ihre eigene Größe. Fast wie bei Menschen im richtigen Leben (siehe Cheerleader-Effekt)

Optische Täuschung durch Bewegungsillusion

Optische Taeuschung Bild Bewegungsillusion
Wie funktioniert die optische Illusion?

Bei der Bewegungsillusion handelt es sich um Scheinbewegungen. In Wirklichkeit betrachten wir statische Bilder. Wenn wir aber lange genug darauf schauen, scheint sich alles zu bewegen. Die Bilder haben oft sogar etwas Halluzinatorisches.

Diese optische Täuschung wird durch Muster hervorgerufen, die sich wiederholen. Durch unterschiedlich starke Kontraste kommt es im Auge zur falschen Verarbeitung beziehungsweise Fehlinterpretation. Gibt es keinen Anhaltspunkt für eine räumliche Lage, während man auf ein (meist kleineres) Objekt schaut, entsteht das Gefühl der Bewegung.

Vexierbilder als optische Täuschung

Optische Taeuschung Vexierbild Beispiel
Wie funktioniert die optische Illusion?

Diese optische Täuschung entsteht durch Formenillusion: Was sehen Sie auf diesem Bild? Im Internet kursiert das Motiv schon eine Weile – als eine Art Selbsttest: Wie schmutzig sind deine Gedanken?

Damit hat das allerdings nichts zu tun. Trotzdem sehen viele Menschen hier zwei Motive: einen weiblichen Torso – oder zwei tanzende Strichmännchen, die die Arme nach oben reißen. Ein typisches Vexierbild (Falls Sie nur ein Motiv erkennen – hier geht es zur Auflösung).

Diese Art der optischen Täuschung arbeitet mit Mehrdeutigkeit. Oft gibt ein Positiv und ein Negativ eines Bildes. Klassisch sind die Darstellungen von zwei zugewandten Gesichtern, die lediglich als schwarze Umrisse zu erkennen sind. Die Lücke zwischen beiden Gesichtern könnte aber auch als Vase interpretiert werden. Je nachdem, wie der Betrachter auf das Bild blickt, steht das eine oder andere Motiv im Vordergrund.

Unmögliche Figuren als optische Täuschung

Optische Taeuschung Unmoegliche Figur Escher
Wie funktioniert die optische Illusion?

Beliebt in der Reihe der optischen Täuschungen sind auch sogenannte „unmögliche Figuren“: Geometrische Zecihnungen wie beispielsweise das bekannte Penrose-Dreieck oder dieser Würfel. Die Konstrukte sind auch als Kippfiguren bekannt.

Dabei handelt es sich um grafisch zweidimensionale Objekte, die Dreidimensionalität vortäuschen. Das führt dazu, dass die Wahrnehmung sich spontan ändert, weshalb das Phänomen bei solchen Konstrukten wahlweise als multistabile Wahrnehmung, Gestaltwechsel oder Wahrnehmungswechsel bezeichnet wird. Einer der bekanntesten Zeichner, der sich diesen Figuren intensiv gewidmet hat, ist der niederländische Künstler und Grafiker Maurits Cornelis Escher.



Kunst arbeitet schon lange mit Illusionen

Optische Täuschungen sind eine Form der Brainteaser, Menschen lieben Rätsel und Illusionen. Schließlich bieten sie Kurzweil und damit Abwechslung in der täglichen Monotonie vieler Jobs.

Durch die Jahrhunderte haben verschiedene Künstler immer wieder mit Illusionen gearbeitet. Einige der bekanntesten Vertreter: Der spanische Maler und Exzentriker Salvador Dali. Er gilt als Hauptvertreter des Surrealismus, einer Stilrichtung, die beim Betrachter oft Irritation hervorruft, da die Kunstwerke Dinge zeigen, die unwirklich – eben „über der Realität“ – erscheinen.

Auch der niederländische Maler und Grafiker Maurits Cornelis Escher ist bekannt für seine Darstellung perspektivischer Unmöglichkeiten. Einige seiner Bilder zeigen Treppen, die scheinbar unendlich sind und niemals zum Ziel führen – so die Lithographie „Treppauf/Treppab“.

Dabei greift er auf Vorläufer des englischen Mathematikers Roger Penrose zurück, der „Die unendliche Treppe“ bereits in den 1950er entdeckte und sich ebenfalls mit unmöglichen Figuren auseinandersetze.

Das Spiel mit Illusionen und optischen Täuschungen ist indes schon viel älter: Illusionistische Malerei lässt sich bis in die Antike zurückverfolgen, in der Renaissance lebt sie wieder auf. Erkennbar ist dies an sogenannten Trompe-l’œils (Französisch für „täusche das Auge“): Mittels perspektivischer Malerei wurden etwa in sakralen und hochherrschaftlichen Gebäuden architektonische Elemente vorgetäuscht, um dem Raum mehr Größe zu verschaffen.


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Erfahrbare optische Täuschungen im Alltag

Optische Täuschungen begegnen uns auch häufiger im Alltag. Da lässt sich die Relativität von Farben, aber auch Größen und Abständen beispielsweise immer wieder beobachten. Beispiele für erlebbare optische Täuschungen und Illusionen:

  • Nachbild
    Starren Sie längere Zeit auf ein grünes Objekt und blicken Sie dann auf einen weißen Hintergrund, wird das Objekt Ihnen in der Komplementärfarbe erscheinen – obwohl der Hintergrund frei von irgendwelchen Objekten ist.

    Es handelt sich dabei um ein sogenanntes Nachbild. Dieselbe Beobachtung haben Sie sicherlich schon gemacht, wenn Sie einige Sekunden in eine Glühbirne und anschließend in den Raum geblickt haben: Da taucht plötzlich die Glühbirne in allem auf, was Sie gerade anblicken. Ebenso, wenn Sie die Augen schließen.

    Das gleiche Phänomen lässt sich bei Sonnenschein beobachten. Sind Sie länger bei heller Sonne ohne Sonnenbrille unterwegs und gehen dann in ein dunkles Gebäude, fühlen Sie sich im ersten Moment vermutlich wie ein Maulwurf: Vor den Augen flimmert es, es tanzen Punkte oder Sie haben sogar den Eindruck, die Umgebung sei grünlich.
  • Fata Morgana
    Die meisten von uns sind vermutlich seltener in der Wüste unterwegs. Aber die Natur gaukelt uns an etlichen Stellen etwas vor. Die Fata Morgana ist letztlich auch nichts anderes als eine optische Täuschung und lässt sich physikalisch erklären.

    Sie entsteht durch starke Hitze. Bei stark erhitztem Boden heizt sich auch die Luft irgendwann besonders stark auf und dehnt sich aus. Dort wo kalte und heiße Luftschichten aufeinander treffen, brechen sich schließlich die Lichtstrahlen in verschiedenen Luftschichten.

    An den Grenzen der Schichten, wo Lichtstrahlen reflektiert werden, kommt es zu einer sogenannten Luftspiegelung. So können Objekte gespiegelt werden, die in Wirklichkeit etliche Kilometer entfernt sind. Übrigens sind solche Luftspiegelungen auch bei stark erhitztem Asphalt möglich.
  • Optische Täuschungen durch die Umgebung
    Optische Täuschungen führen teilweise sogar zu völlig abstrusen Erklärungen bis hin zu Verschwörungstheorien – weil die logische Erklärung zu langweilig oder einfach erscheint.

    Bestes Beispiel ist ein Berg in der schottischen Council Area South Ayrshire namens Electric Brae. Diesen Namen verdankt er dem Umstand, dass Autos entlang der Straße A 719 scheinbar bergaufwärts rollen – was zu Spekulationen über erdmagnetische Strahlungen führte.

    Tatsächlich vermittelt die Bergkulisse lediglich den Eindruck, dass es bergaufwärts ginge. In Wirklichkeit rollt der Wagen bergab und die Insassen unterliegen einer optischen Täuschung.
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Selektive Wahrnehmung begünstigt optische Täuschung

Wir alle verlassen uns an jedem Tag und in jedem Augenblick auf unsere Wahrnehmung. Sie ist es, mit der wir uns in der Welt orientieren und zurechtfinden. Das Problem dabei ist: Was wir um uns herum sehen, hören, erleben, ist immer nur ein sehr kleiner Ausschnitt. Es fehlen Informationen und – ganz wie bei einer optischen Täuschung – zeigt Ihre Wahrnehmung Ihnen etwas, das gar nicht da ist.

Ebenso wichtig ist das Umfeld, in dem eine Information präsentiert wird. Es ist maßgeblich für die Vergleiche und Bezüge verantwortlich, die unser Gehirn automatisch zieht und beeinflusst somit maßgeblich die Wahrnehmung.

Neben Bildern, die eine optische Täuschung darstellen können, gibt es auch Anekdoten und Geschichten, die anschaulich machen, wie weit Wahrnehmung und Realität auseinander liegen können:

Eine Mutter fährt mit ihrem Sohn in der U-Bahn. Der Sohn läuft völlig verstört durch die Bahn, wirkt hyperaktiv, ist aggressiv, belästigt Mitreisende, pöbelt. Die Menschen reagieren immer gereizter, schütteln den Kopf.

Irgendwann fasst sich ein Mann ein Herz und spricht die Mutter an: „Warum lassen Sie zu, dass sich Ihr Kind so daneben benimmt? Sehen Sie nicht, dass Sie andere stören?“

Da antwortet die Mutter: „Es tut mir leid. Aber wir kommen aus dem Krankenhaus, in dem gerade mein Mann, der Vater meines Jungen, an den Folgen eines Unfalls gestorben ist. Ich weiß leider überhaupt nicht, wie ich damit umgehen soll, und ich fürchte, mein Sohn weiß es auch nicht.“

Ein Satz – eine völlig andere Welt. Dabei waren Sie sich in Ihrer Wahrnehmung doch so sicher. Ging es gerade noch um fehlende Kinderstube, schlechte Erziehung oder auch Rücksichtslosigkeit, erscheint alles sofort in einem anderen Licht. Ihre Perspektive und Wahrnehmung hat sich komplett verschoben.


Durch eine zusätzliche Information wird Wahrnehmung auf den Kopf gestellt – obwohl sich an dem, was wir sehen, nichts ändert. Das Verhalten ist dasselbe, es wird lediglich anders gedeutet.

Entscheidend ist eben nicht „was“ wir sehen, sondern „wie“ wir etwas sehen.


Die Welt ist wie ein Vexierbild. Genau wie bei der optischen Täuschung am Anfang des Artikels. Je nachdem, wie und von welcher Seite wir etwas betrachten, kann die Wahrnehmung variieren.

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Was Sie aus optischen Täuschungen lernen können

Manchmal, wenn man einige Tage Segeln war und viel Zeit auf dem bewegten Wasser verbracht hat, erlebt man zurück im Hafen eine seltsame optische Täuschung: Das Boot nähert sich dem Steg, man legt den Bootshaken aus, um das Schiff in seine endgültige Position zu bringen. Doch haben die Heimkehrer an Bord eher das Gefühl, sie würden den Steg und das Land an sich heranziehen. Dabei ist es umgekehrt: Das Land ist fix, nur wir selbst nähern uns an.

So etwas Ähnliches erleben manche auch im Bahnhof: Wenn man zum Fenster aus seinem stehenden Zug herausblickt und ein anderer Zug auf dem Nachbargleis einfährt, sieht es für einen Moment so aus, als würde man selbst losfahren. Dabei ist das nur eine optische Illusion.

Optische Täuschungen wie Vexierbilder erteilen uns eine denkwürdige Lektion, die uns zugleich viel über uns selbst und unser Denken verrät. Oder weniger kryptisch ausgedrückt: Wir nehmen uns gerne selbst zum Maßstab.

Es ist unmöglich, die Welt zu sehen wie sie wirklich ist. Aber wir können entscheiden, ob wir die Dinge hinterfragen.

Weniger pathetisch ausgedrückt: Wenn Sie ein Problem haben, ist Ihr Problem vielleicht, dass Sie es als Problem betrachten. Es könnte auch eine Chance sein.

Wie heißt es so schön: Wenn das Leben dir Zitronen schenkt – mach Limonade draus!

So können Sie Ihre eigene Wahrnehmung hinterfragen

Sie müssen nicht gleich Ihrer gesamten Wahrnehmung misstrauen und davon ausgehen, dass nichts, von dem was Sie sehen, hören, denken und glauben stimmt. Alles unreflektiert hinnehmen und blind der eigenen Wahrnehmung vertrauen, sollten Sie hingegen auch nicht.

Nur wie funktioniert es überhaupt, die eigene Wahrnehmung zu hinterfragen? Schließlich haben Sie es doch mit eigenen Augen gesehen. Das ist einfacher, als Sie vielleicht glauben. Mit diesen drei Fragen:

Gibt es andere Erklärungen?
Ein einfacher Weg, um die eigene Wahrnehmung zu hinterfragen, ist die Suche nach weiteren Erklärungen. Längst nicht alles ist so, wie es auf den ersten Blick scheint – wie die obigen Beispiele zeigen. Wer sich immer nur auf die aller erste und offensichtliche Erklärung verlässt, denkt oftmals zu kurz und fällt auf eine falsche Wahrnehmung und optische Täuschung herein. Bringen Sie sich selbst bei, nach alternativen Erklärungen zu suchen.

Kennen Sie alle Informationen?
Oft sehen wir nur einen sehr kleinen Teil des Ganzen, versuchen allerdings, uns daraus ein vollständiges Bild zu machen. Das kann nur schief gehen. Fragen Sie sich deshalb: Kenne ich überhaupt alle Informationen, um etwas beurteilen zu können? Lautet die Antwort Nein, ist es der natürliche nächste Schritt, die Wahrnehmung zu hinterfragen und sich nicht auf die erste Einschätzung zu verlassen.

Betrachten Sie andere Standpunkte?
Wahrnehmung wird extrem vom eigenen Standpunkt geprägt. Ihre Meinungen, Ansichten, Vorurteile oder Denkweisen machen aus, was Sie in einer Situation sehen. Wenn es gelingt, andere Standpunkte einzunehmen und die eigenen, vorgefertigten Denkschubladen zu durchbrechen, gelingt es Ihnen auch, Ihre Wahrnehmung kritisch zu betrachten.

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[Bildnachweis: Doppelganger4, Andrey Korshenkov by Shutterstock.com]
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23. Juli 2020 Jochen Mai Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Der Autor mehrerer Bücher doziert an der TH Köln und ist gefragter Keynote-Speaker, Coach und Berater.


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