Exzentriker: Anders, aber richtig!

Evolutionsbiologisch betrachtet ist der Mensch ein Herdentier. Das heißt, er kann gar nicht anders, irgendwie will er immer dazugehören. Und dennoch gibt es sie, die Abweichler, die Exzentriker. Wie ein Paradiesvogel fallen sie in der Menge auf. Wenn zehn Leute eine Sache auf eine bestimmte, naheliegende Art und Weise angehen, kann man sicher sein, dass ein Exzentriker auf eine völlig abgehobene, irrwitzige Idee kommt, wie ein Problem noch gelöst werden könnte. Exzentriker haben es mit ihrer Art nicht immer leicht, dabei könnten sich einige Menschen eine Scheibe von ihrer Sicht der Dinge abschneiden…

Exzentriker: Anders, aber richtig!

Exzentrisch: Merkmale von Exzentrikern

Exzentriker Symptome synonym Persönlichkeit Merkmale exzentrische Menschen berühmte PsychologieUm es deutlich zu sagen: Exzentrik ist keine Krankheit, weshalb sich bei Exzentrikern auch nicht von „Symptomen“ in dem Sinne sprechen lässt.

Der Begriff Exzentriker stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „außerhalb der Mitte“, es geht also um eine Person, die in ihrem Verhalten deutlich von der sozialen Norm abweicht. Synonym zu Exzentriker lässt sich ebenfalls sagen:

  • Außenseiter
  • Chaot
  • Eigenbrötler
  • Einsiedler
  • Freak
  • Hitzkopf
  • Individualist
  • Konfuser
  • Nonkonformist
  • Original
  • Sonderling
  • Spinner
  • Subjektivist
  • Wirrkopf

Schon in der Antike machten sich die Menschen Gedanken darüber, wie so etwas Individuelles wie die Persönlichkeit eines Menschen zustande kommt.

Die Vier-Säfte-Lehre geht davon aus, dass Menschen durch gelbe und schwarze Galle, Blut und Schleim in ihrem Temperament je nach Vorhandensein geprägt werden. Für das außerordentliche Verhalten eines Exzentrikers war demnach die schwarze Gallenflüssigkeit durch eine Fehlfunktion der Milz verantwortlich.

Milz heißt im Griechischen splen, daher leitete sich später das englische spleen ab, das bis heute für Übellaunigkeit, aber auch Eigenheit oder Marotte steht.

Berühmte Exzentriker: Auffallen um jeden Preis

Exzentriker Symptome synonym Persönlichkeit Merkmale exzentrische Menschen berühmte PsychologieEs gab und gibt viele berühmte Exzentriker. Und es liegt in der Art dieser Persönlichkeit begründet, dass ihre Neigung zum Außergewöhnlichen nicht von äußeren Umständen abhängig ist.

Denn natürlich erleichtert wie im Falle des bayrischen Königs Ludwig II. von Bayern eine Menge Geld das Ausleben der eigenen Ideen ungemein. Aber auch wenn die Umstände widrig sind, finden echte Exzentriker immer einen Weg: So beispielsweise die Künstlerin Nina Hagen.

Geboren und aufgewachsen in der kommunistischen DDR, verfolgte sie stets ihren nonkonformistischen Weg bis hin zur Ausbürgerung und bis in die heutige Zeit. Sie ist Stilikone und Muse zugleich.

Ein Paradebeispiel eines Exzentrikers ist übrigens die bis in die heutige Zeit faszinierende Figur des Meisterdetektivs Sherlock Holmes. Unzählige Verfilmungen, ganz gleich, ob die Handlung in der Vergangenheit des Autors oder in der Gegenwart spielt, heben die exzentrische Persönlichkeit des Protagonisten immer wieder hervor.

Weitere bekannte Exzentriker sind:

  • Helena Bonham-Carter
  • Salvador Dali
  • Albert Einstein
  • Olivia Jones
  • Frida Kahlo
  • Klaus Kinski
  • Karl Lagerfeld
  • Charlotte Roche
  • Vivienne Westwood
  • Oscar Wilde

Nicht zufällig sind viele berühmte Exzentriker in irgendeiner Form Kreative: Designer, Künstler, Schauspieler – sie alle sind quasi von Berufs wegen exzentrisch. Oder anders: Sie haben ihre Neigung, ihr Hobby zum Beruf gemacht.

Begünstigt wird das durch zweierlei Voraussetzungen: Eine tolerante Gesellschaft und eine gewisse finanzielle Unabhängigkeit. Restriktive Regimes dulden kaum Abweichler und in der Frühen Neuzeit konnten zu starke Abweichungen schnell zur Anklage als Hexe führen.

Und wer um sein täglich Brot kämpfen muss, hat vermutlich andere Sorgen als möglichst schrill aufzutreten. So betrachtet gönnen sich Exzentriker mit Ihrem Verhalten einen gewissen Luxus.

Exzentrische Persönlichkeit: Von Geburt an

Mit allem, was sie tun, sind Exzentriker so das absolute Gegenteil dessen, was die Menschen um sie herum vertreten. Wenn alle in grau herumlaufen, dann tritt der Exzentriker als Paradiesvogel auf.

Auch wenn es sich bei Exzentrikern nicht um Kranke im medizinischen Sinne handelt, so ist das Exzentrische oftmals tief von Geburt an in der Persönlichkeit verwurzelt. Bisher hat sich die Psychologie nur am Rande mit Exzentrik beschäftigt.

In den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts interessierte sich vor allem der schottische Neuropsychologe David Joseph Weeks für Exzentriker. Durch Aufrufe für seine Exzentriker-Studie fand er über 1000 Personen, die er einem Persönlichkeitstest unterzog.

Zusätzlich mussten die Probanden einen Intelligenztest machen und wurden auf psychische Krankheiten untersucht. Weeks Befunde förderten 15 Eigenschaften zutage, die viele Exzentriker haben.

Vor allem die ersten fünf sind typisch:

  • Unangepasstheit

    Es stört sie nicht, aufzufallen. Die Engländerin Ann Atkin hat ein großes Faible für Gartenzwerge – 7.500 nennt sie ihr eigen. In ihrer Begeisterung näht sie Zipfelmützen für ihre Mitmenschen. Oder da gäbe es den Exzentriker, der an einer Syntax der Katzensprache forscht, wie Weeks in seinem Buch Exzentriker. Über das Vergnügen, anders zu sein. berichtet.

  • Kreativität

    Exzentriker sind unglaublich kreativ – Weeks berichtet von einem Probanden, der Kunstwerke aus Müll bastelt. Dadurch, dass sie sich keinen Regeln unterworfen fühlen, können sie sich und ihre Projekte mühelos ausprobieren.

  • Neugier

    Sie besitzen eine Offenheit für Neues und suchen geradezu danach. Alles dient ihnen letztlich zur Inspiration für ihre Selbstinszenierung.

  • Idealismus

    Exzentriker wissen, dass sie von der Norm abweichen. Umso toleranter sind sie anderen gegenüber. Sie sind mit sich selbst absolut im Reinen und daher sehr zufrieden – dieses Glück wünschen sie auch anderen Menschen. Daher haben sie den Drang, Welt zu einem besseren Ort zu machen.

  • Vielseitigkeit

    Sie sind nicht nur vielseitig interessiert, sondern pflegen auch bis zu sechs verschiedene Hobbys.

Was wir von Exzentrikern lernen können

Exzentriker sind sich ihrer Außenseiterposition bewusst und genießen sie. Häufig sind sie überdurchschnittlich intelligent und gesund. Weeks fand heraus, dass sie erstaunlicherweise häufig deutlich jünger geschätzt werden, als sie tatsächlich sind.

Ein Grund könnte tatsächlich die unkonventionelle Lebensweise sein. Während vor allem Frauen sich häufig an die Forderungen der Gesellschaft anpassen und sich selten trauen abzuweichen, scheren sich echte Exzentriker keinen Deut um die Meinung anderer.

Das erspart natürlich eine Menge Stress – und Stress lässt bekanntlich altern, führt im Übermaß zu Krankheiten.

Darüber hinaus hat ihr Nonkonformismus den Effekt, dass sie sich ihrer Identität bewusst sind. Wer sich immer versucht anzupassen, weiß am Ende nicht mehr, wer er ist. Exzentriker hingegen haben sich in ihrer Art zu leben Kindlichkeit und Freiheit bewahrt.

Das bringt ihnen teilweise von anderen Irritation, aber auch Staunen und Bewunderung entgegen. Denn letztlich haben Exzentriker oft etwas Liebenswertes in ihrer Schrulligkeit. Sie öffnen in ihrer Andersartigkeit den Blick für neue Dinge. Indem wir die Welt durch ihre Augen betrachten, können wir Neues entdecken.

[Bildnachweis: vhpicstock by Shutterstock.com]
28. März 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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