Cheerleader-Effekt: In Gruppen wirken wir attraktiver

Die Attraktivitätsforschung ist ein weites Feld. Nicht zuletzt, weil daran eine Milliardenindustrie hängt. Was tun wir nicht alles, um attraktiv(er) auszusehen: Kleidung, Kosmetik, Ernährung, Fitness-Center, Schönheitschirurgie… Dabei könnte es auch so einfach sein: Wir müssen uns nur mit anderen Menschen umgeben. Kein Scherz! Nachdem Drew Walker und Edward Vul von der Universität von Kalifornien in San Diego fünf Experimente dazu absolviert hatten, kamen sie zu dem überraschenden Ergebnis: In Gruppen sehen wir prompt attraktiver aus. Das Phänomen ist auch bekannt als Cheerleader-Effekt

Cheerleader-Effekt: In Gruppen wirken wir attraktiver

Zusammen hübscher: Der Cheerleader-Effekt macht uns durchschnittlich

Falls Sie die Serie „How I met your mother“ sehen, kennen Sie den Cheerleader-Effekt schon. In der siebten Episode der vierten Staffel bemängelt der Schauspieler Neil Patrick Harris, alias Barney Stinson, dass es in seiner Stammbar keine attraktiven Frauen gäbe. Daraufhin zeigen seine Freunde auf eine Gruppe von hübschen Mädchen in der Ecke der Bar. Zwar gibt der Womanizer Barney zu, dass die Frauen durchaus hübsch seien, er wisse aber auch, dass ihm sein Gehirn dabei einen Streich spiele: Beim Anblick der Gruppe kalkulieren seine grauen Zellen das Durchschnitts-Aussehen aller Frauen in der Gruppe.

Wie man aus der Attraktivitätsforschung aber weiß, ist gerade ein Durchschnittsaussehen besonders attraktiv. Und so wirkt prompt die ganze Gruppe viel hübscher, obwohl jeder einzelne für sich womöglich ein paar markante Züge hat, die wir weniger anziehend finden.

Genauso erging es auch den Probanden in Drew Walkers und Edward Vuls Experimenten.

Die zeigten ihren Teilnehmern eine ganze Reihe an Bildern – mal waren die Personen auf Einzelporträts abgebildet, mal standen sie in einer Gruppe. Die Probanden wiederum sollten nun deren Aussehen beurteilen. Und jedes Mal – egal, ob Mann oder Frau – schnitten die Abgebildeten deutlich besser ab, wenn sie in einer Gruppe standen.

Warum der Cheerleader-Effekt so heißt

Erstmals tauchte der Name Cheerleader-Effekt (der auch Brautjungfer Paradoxon genannt wird) 2008 auf. Dort heißt es in einem Wörterbuch: „Alle zusammen sehen die Cheerleader attraktiv aus, obwohl bei genauerem Hinsehen die eine oder andere gar nicht mal hübsch ist.“ Tatsächlich wirkt eine Gruppe uniformer Menschen (die deswegen aber keine Uniform tragen müssen, nur viele äußere Gemeinsamkeiten haben) enorm anziehend auf uns. Wir nehmen dann nicht mehr das Individuum wahr, sondern der Durchschnitt aus allen zusammen. Und von dem Effekt profitieren nicht nur Cheerleader, sondern auch Boy Groups oder Girl Goups wie die Spice Girls, die für sich genommen sehr indiduelle Typen darstellten. Solche Bands werden zwar meist so gecastet, dass für jeden Geschmack etwas dabei ist. Aber eben erst zusammen wirken sie nochmal deutlich anziehender.

Die Größe der Gruppe hat kaum Einfluss

Der Effekt lässt sich natürlich noch einmal steigern, wenn sich ein eher mittelmäßig aussehender Typ zu einer Gruppe von bereits individuell attraktiven Menschen gesellt.

Das gute an diesem Psychoeffekt ist aber auch, dass es unserem Gehirn egal ist, wie groß diese Gruppe ist. Ob man nun mit nur einem Freund, einer Freundin, einem Kollegen oder gleich in einer ganzen Clique, einem Team unterwegs ist: So oder so konstruiert unser Gehirn aus dem Anblick eine optische Zusammenfassung, ein Durchschnitts-Ensemble, das einzelne Gesichtszüge und Makel retuschiert.

Wie Sie den Effekt für sich nutzen können?

Zuerst und vor allem natürlich privat: Gehen Sie mit einer Gruppe von Freunden aus, wirken Sie prompt hübscher. Erst recht, wenn sie ein paar optische Gemeinsamkeiten haben. Aber auch in Ihrem Online-Profil können Sie mit dem Cheerleader-Effekt spielen. Beispielsweise, indem Sie öfter Bilder hochladen, auf denen Sie mit anderen Menschen zusammen zu sehen sind.

Das wirkt nicht nur sozialverträglicher. Attraktivitätsforscher konnten unlängst nachweisen, dass wir schöne Menschen auch für intelligenter, vertrauenswürdiger und erfolgreicher halten.

[Bildnachweis: sirtravelalot by Shutterstock.com]
9. November 2013 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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