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Korrumpierungseffekt: Belohnung zerstört Motivation

Geld tötet Spaß. Ebenso regelmäßige Belohnungen. Die Psychologie kennt dies auch als Korrumpierungseffekt: eine ursprünglich vorhandene Motivation wird durch äußere Faktoren untergraben. Das können Prämien und Präsente genauso sein wie Bestrafungen. Bleibt dann der Anreiz aus, ist die anfängliche Motivation zerstört – korrumpiert worden. Wie kann man den Korrumpierungseffekt umgehen?



Korrumpierungseffekt: Belohnung zerstört Motivation

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Definition: Was ist der Korrumpierungseffekt?

Der Korrumpierungseffekt (auch: Overjustification Effect) beschreibt, wie die intrinsische Motivation durch externe Anreize (Geld, Belohnungen, Status) ersetzt oder gar zerstört (= korrumpiert) wird. Effekt: Natürliche Neugier, Interesse und Motivation sinken, es geht nur noch um die jeweilige Kompensation.

Studien zeigen, dass der Korrumpierungseffekt vor allem bei materiellen, externen Anreizen auftritt. Noch stärker sogar, wenn diese angekündigt werden, Motto: „Wenn Sie 1 Million Umsatz machen, bekommen Sie eine Prämie von 250.000 Euro.“ Durch die äußeren Anreize findet eine neue Bewertung des bisher freiwilligen Engagements statt – die eigentliche Freude an einer Aufgabe verliert ihren Reiz.

Anders sei das bei verbalen oder emotionalen Belohnungen, wie zum Beispiel wahrhaftige Wertschätzung und aufrichtiges Lob, sagt der Psychologie-Professor Falko Rheinberg. Hier müsse man keine Angst vor dem Korrumpierungseffekt haben.

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Wie wirkt der Korrumpierungseffekt?

Schon vor Jahren haben die Psychologen Mark Lepper (Stanford Universität) und David Greene (Universität von Michigan) den Korrumpierungseffekt untersucht. Bei ihren Experimenten dazu ließen Sie zum Beispiel Vorschulkinder zwischen drei und fünf Jahren einfache Bilder malen – das, wozu diese ohnehin schon motiviert waren.

Die Kinder teilten sie in drei Gruppen ein: Den einen erzählten sie, sie würden für die Bilder hinterher eine Auszeichnung bekommen, die zweite Gruppe bekam ebenfalls eine Auszeichnung – wusste aber vorher nichts davon. Die dritte Gruppe bekam nichts. Sie ahnen das Ergebnis: Kinder, die mit einer Belohnung rechneten, malten dramatisch weniger und verbrachten den Rest der Zeit lieber mit Spielen. Die Mallust der Kinder ohne Belohnung lag 15 Prozent darüber, die der Kinder mit Überraschungspreisen sogar bei über 20 Prozent.

Korrumpierte Motivation in der Kindererziehung

Kindererziehung funktioniert bei den meisten Eltern so: Erwünschtes Verhalten wird belohnt, unerwünschte Verhaltensweisen werden bestraft. Diese Form der Erziehung basiert im Kern auf instrumentellem Konditionieren und derbehavioristischen Psychologie.

Auch hierbei wirkt jedoch der Korrumpierungseffekt: Viele Kinder tun Dinge freiwillig gerne und können auch das lernen. Werden Sie aber über Belohnungen konditioniert, reagieren sie nur noch auf diese (PDF). Was sich vorher vielleicht noch erfüllend angefühlt hat, wird zu einem Geschäft: Wie du mir, so ich dir.

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Korrumpierungseffekt Beispiel: Sollte ich mein Hobby zum Beruf machen?

Es ist der Traum vieler Arbeitnehmer: Das eigene Hobby zum Beruf machen. Das Geld mit seiner Lieblingsbeschäftigung verdienen und jeden Tag Spaß an der Arbeit haben… Leider ist es gar nicht so einfach und obendrein gefährlich – wegen des Korrumpierungseffekts.

Aus bisheriger Freude und Freizeitausgleich wird Leistungsdruck: Sie MÜSSEN damit jetzt Geld und Ihren Lebensunterhalt verdienen. Gleichzeitig wird der ursprüngliche Spaß durch einen extrinsischen Anreiz verdrängt – bewusst oder unbewusst. Besonders fatal: Das künstliche Doping muss meist noch von Mal zu Mal gesteigert werden, damit es seine Wirkung beibehält. Tödlich für jeden Funken Spaß.

Irgendwann geht es den meisten nur noch ums Geld und den Erfolg. Wer sein Hobby zum Beruf macht, könnte daher bald schon ein neues Hobby brauchen… Und sei es nur als Ausgleich zur neuen Arbeit.

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Wie kann man den Korrumpierungseffekt umgehen?

Ganz ausschließen lässt sich der Belohnungseffekt wohl nie. Wer die Wirkung zumindest eindämmen oder umgehen will, sollte Belohnung nicht ankündigen und vor allem auf immaterielle Anreize setzen. Wer zum Beispiel Spitzenergebnisse oder Bestleistungen erzielt, sollte dafür überraschend honoriert werden. So bleibt der Spaß nicht auf der Strecke und die Belohnten spüren vor allen Freude und verdienten Stolz.


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