Nostalgie-Effekt: An die gute alte Zeit denken wärmt

Weiße Weihnachten kennt man im Rheinland nur von Nostalgie-Postkarten. In Köln reicht es, drei Eiswürfel auf die Straße zu werfen, schon bricht der Verkehr zusammen. Auf Schnee können Kölner gar nicht, außer FC-Trainer vielleicht. Wenn dann aber doch mal schneit, denken viele gerne an die gute alte Zeit zurück, schwelgen in Erinnerungen und sehen den Gedanken beim Verklären zu. Oder den Nachbarn beim Schnee schippen. Das macht sowieso mehr Spaß, wenn man drinnen im Warmen hockt…

Nostalgie-Effekt: An die gute alte Zeit denken wärmt

Nostalgie: Wer an die gute alte Zeit denkt, dem wird wärmer

Wenn man gar nicht mehr weiß, wohin mit all seiner Zeit und all den Gedanken, dann denkt man gerne zurück. Zum Beispiel daran, dass früher alles besser war, was aber nicht stimmt. Es war früher nur anders, und in der Rückschau sieht es auch nicht mehr so gewichtig aus.

Wie etwa der erste Kuss. Oder das erste Mal. Also das erste Mal „Last Christmas“ hören zum Beispiel. Hossa, das war was! Da ging’s ab. Da war der Song noch richtig gut. Aber nach drei Weihnachten und fünfzwounddrölfzig Wiederholungen, kriegst du schon Nasenbluten, sobald das Elektroschlagzeug zum ersten Beat ansetzt.

Man darf deswegen kein Rückblicks-Pessimist sein. So ein bisschen Nostalgie hat sogar seine guten Seiten. Ich habe zum Beispiel gelesen, wer nostalgische Gefühle hat, dem wird es tatsächlich wärmer – nicht nur ums Herz.

Nostalgie wärmt – sogar physisch

Eine Studie von Tim Wildschut an der Universität von Southampton hat diesen Effekt jetzt über mehrere Experimente hinweg dokumentieren können. Bei einem davon wurden die Probanden etwa in drei unterschiedlich temperierte Räume geführt:

  • einen kühlen (20 Grad),
  • einen komfortabel warmen (24 Grad) und
  • einen übertemperierten (28 Grad).

Dann manipulierten die Forscher ihre Studenten und ließen sie an gute alte Zeiten denken. Der Himmel weiß, welche guten alten Zeiten das bei so jungen Menschen gewesen sein sollen, aber es funktionierte trotzdem: In dem kalten Raum hatten die Probanden nicht nur nostalgischere Gefühle – ihnen war auch prompt wärmer.

Bei einem zweiten, deutlich gemeineren Experiment mussten die Studenten ihre Hände in Eiswasser tauchen und dabei an ein schönes, nostalgisches Erlebnis denken. Etwa an Weihnachten mit der Familie. Wobei das gar nicht immer schön sein muss. Das kann sogar richtig hässlich werden. Aber auch hier harrten die Versuchsteilnehmer mit Nostalgie im Geiste deutlich länger im Eiswasser aus als die Kontrollgruppe.

Interessant daran finde ich, dass sich das Schwelgen in Nostalgie ganz unterschiedlich wecken lässt:

  • durch Musik,
  • durch Gerüche und
  • Geräusche,
  • aber auch durch Bilder,
  • Gefühle und
  • Erinnerungen.

Laut Studien-Autor Tim Wildschut könne dieser Nostalgie-Effekt womöglich sogar Einsamkeit überwinden.

Wenn Sie also diese Weihnachten zufällig alleine zuhause sind und mit den Armen bis zum Ellbogen in Eiswasser stecken, denken Sie einfach an etwas Schönes aus der guten alten Zeit. Angesichts der aktuellen Lage war dann früher vielleicht doch alles besser.

[Bildnachweis: BrAt82 by Shutterstock.com]
7. Dezember 2012 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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