Innere Stimme: Darauf hören oder nicht?

Jeder hatte schon einmal eine innere Stimme im Ohr, die ihm gesagt hat, was er machen oder wie er sich entscheiden und verhalten soll. Dabei geht es nicht um gespaltene Persönlichkeiten, die unterschiedliche Dinge wollen, sondern um einen inneren Wegweiser, der sich mal leise und mal sehr laut bemerkbar macht. Die Frage ist nur: Sollten Sie auf Ihre innere Stimme hören und dem folgen, was diese vorschlägt? Wir erklären Ihnen, wie die innere Stimme entsteht und ob Sie darauf hören oder doch lieber einen anderen Weg einschlagen sollten…

Innere Stimme: Darauf hören oder nicht?

Woher kommt die innere Stimme?

Die innere Stimme macht sich meist in Form von Gedanken bemerkbar, die plötzlich auftauchen und einem etwas in den Sinn setzen. Vielleicht saßen Sie schon einmal an einem Freitagnachmittag, der einfach nicht enden wollte, im Büro und hatten auf einmal den Wunsch, einfach nach Hause zu gehen, die Arbeit für den Tag zu vergessen und übers Wochenende wegzufahren.

Eine solch innere Stimme erleben fast alle Menschen, viele sogar sehr regelmäßig. Wenn Entscheidungen anstehen, spricht sie sich für eine der Alternativen aus – oder bringt eine bis dahin noch nicht vorhandene Möglichkeit ins Spiel. Eigentlich schaltet sich Ihre innere Stimme bei jedem Thema ein, über das Sie nachdenken. Doch wie entsteht dieser ungebetene, aber dennoch oft hilfreiche Ratgeber überhaupt?

Es ist Ihr Unterbewusstsein, dass sich auf diese Weise bei Ihnen meldet und sich Gehör verschafft. Geformt wird die innere Stimme durch Ihre Wünsche, Ideen, Emotionen oder auch Bedürfnisse. Wenn Sie erschöpft sind, wird Ihre innere Stimme Ihnen also lautstark klar machen, dass es Zeit für den Feierabend ist und das Sie nicht noch eine Überstunde dranhängen sollten.

Auf der anderen Seite sagt die Stimme aber vielleicht auch, dass es Ihr großes Ziel ist, endlich beruflich aufzusteigen und dass Sie sich deshalb noch ein wenig mehr reinhängen sollten, um positiv aufzufallen und bei der nächsten Beförderung ganz vorne zu stehen. So können Sie durch Ihre innere Stimme erkennen, was Sie wirklich wollen.

Die Intuition weiß schneller, was wir wollen

Innere Stimme Wahrnehmen erkennen Psychologie VertrauenIhre innere Stimme ist eng mit dem Bauchgefühl oder der Intuition verbunden. Wenn Sie intuitiv handeln, entscheiden Sie spontan nach Ihrem Gefühl und lassen sich von diesem leiten. Das klingt riskant, hat aber tatsächlich einige Vorteile. Ihre Intuition weiß oftmals schon, was Sie wollen, bevor Sie sich bewusst für etwas entscheiden können.

Das Bauchgefühl ist um ein Vielfaches schneller, als rationale Gedanken. All Ihre Erfahrungen und Eindrücke werden innerhalb eines Sekundenbruchteils zu einer Erkenntnis geformt, noch bevor Sie einen Gedanken fassen konnten. Dabei zeigt sich außerdem, dass die Intuition – und auch die innere Stimme – oftmals goldrichtig liegt.

Da all Ihre Emotionen, Wünsche, Träume sowie bisherige Erfahrungen und zukünftige Ziele mit einbezogen werden, ist der unbewusste Kompass sehr treffsicher, wenn es darum geht, die richtige Richtung zu weisen oder Entscheidungen zu treffen.

Das Problem der inneren Stimme

All das klingt ziemlich eindeutig und scheint nur einen Schluss zuzulassen: Folgen Sie Ihrer inneren Stimme, denn sie weiß, wo es lang geht! Doch sollten Sie damit vorsichtig sein, denn wer sich immer auf die innere Stimme verlässt, steht schnell vor einigen Problemen.

Der Grund: Die innere Stimme ist zunächst völlig unreflektiert. Es handelt sich um Impulse, die von Ihrem Unterbewusstsein ausgehen. Impulse sind jedoch nicht zwangsläufig gut. Ein simples Beispiel: Stellen Sie sich vor, Sie sitzen im Meeting mit einigen Kollegen und Ihrem Chef. Ihr Vorgesetzter stellt eine Idee vor, die er für die Abteilung hat und Sie wissen sofort – das kann nichts werden.

Sollten Sie vorher bereits Konflikte mit ihrem Chef gehabt haben, wird Ihre innere Stimme sofort darauf anspringen. Sag ihm, dass seine Idee absoluter Schwachsinn ist oder auch Lach ihn für den dummen Vorschlag aus kommt in den Sinn. Natürlich würden Sie sich zunächst darüber freuen, einem solchen Impuls nachzugeben. Schlau wäre das hingegen nicht. Nach einem kurzen Triumph kommt unausweichlich der Ärger.

Nicht jeder Wunsch oder Impuls kann umgesetzt werden – die innere Stimme sagt Ihnen jedoch nur, was Emotionen und Bedürfnisse vorgeben. Welche Folgen die Handlung haben könnte oder ob es eine gute Idee ist, bleibt außen vor.

Wie Sie Ihre innere Stimme richtig nutzen

Völlig ignorieren sollten Sie die innere Stimme allerdings auch nicht. Sie liefert wertvolle Informationen über das, was in Ihnen vorgeht, was Sie beschäftigt oder auch was Sie sich wünschen und brauchen. Sollte Ihre innere Stimme Ihnen beispielsweise regelmäßig sagen, dass Sie heute nicht zur Arbeit gehen sollten, sondern sich einfach krankmelden, steht dahinter eine wichtige Botschaft.

Daher gilt: Sie sollten Ihre innere Stimme unbedingt wahrnehmen. Hören Sie sich an, was diese zu sagen hat, aber handeln Sie nicht sofort. Wirklich hilfreich wird die innere Stimme, wenn Sie darüber nachdenken, reflektieren, die Impulse hinterfragen und erst im Anschluss handeln.

Statt sich also im genannten Beispiel regelmäßig krank zu melden, sollten Sie sich fragen: Warum habe ich das Bedürfnis, nicht zur Arbeit zu gehen? Was stört mich am Arbeitsplatz? Und was kann ich dagegen tun? Vielleicht braucht es ein klärendes Gespräch, vielleicht ist auch ein Jobwechsel nötig. So kann die innere Stimme als Kompass zu mehr Zufriedenheit genutzt werden – wenn Sie nicht vorschnell und unbedacht handeln.

[Bildnachweis: Art Konovalov by Shutterstock.com]
1. Oktober 2018 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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