Egalness-ach-egal
Was denken wohl meine Kollegen darüber? Wie kommt das bei meiner Familie an? Wie soll ich das meinen Freunden erklären? Es sind diese und ähnliche Fragen, mit denen sich manche täglich beschäftigen. Verständlicherweise wollen wir von unserem sozialen Umfeld akzeptiert und gemocht werden. Wer sich aber dazu zu sehr verbiegt, schadet sich und baut gleichzeitig Beziehungen auf Lügen auf. Beweisen Sie lieber Rückgrat und vertreten Sie Ihre Meinung und Interessen. Das ist nicht nur ehrlicher, sondern macht auch glücklicher. Oder anders formuliert: Haben Sie sich schon mal gefragt, ob Sie heute in der gleichen Position wären, wenn Sie immer der Meinung anderer gefolgt wären? Welche positiven Effekte eine gewisse Egalness mit sich bringt...

Woher kommt der hohe Stellenwert der Meinung anderer?

egalDie kurze Antwort auf diese Frage: der Wunsch nach sozialer Anerkennung.

Die ausführliche Antwort: Der Mensch ist ein soziales Wesen. Bis in die Haarspitzen hungern wir nach Anerkennung und Sympathien. Warum sonst wollen so viele (junge) Menschen berühmt werden oder ein Promi und Star im Internet sein? Die Aussicht auf Millionen Menschen, die einem mit erhobenem Daumen zujubeln, ist einfach zu verlockend. Und wenn schon nicht so, wie wir wirklich sind, dann wenigstens nur mit der zur Schau gestellten Schokoladenseite - im Extrem reicht sogar eine gefakte Fassade. Hauptsache ein Hauch von Gegenliebe. Dabei ist auch die - konsequenterweise - nur ein Fake, eine Illusion. Geliked wird der Schein, nicht das Sein.

Klappt nicht einmal das, ist die Versuchung groß, sich selbst zu verraten und anderen oder gar der Mehrheit nach dem Mund zu reden.

Das daraus entstehende Gefühl der Zugehörigkeit gibt uns gleichzeitig das Gefühl der Sicherheit und Akzeptanz. Man bietet anderen keine Angriffsfläche mehr, schließlich hat man in derem Sinne und deren Einverständnis gehandelt.

Der Preis dafür kann jedoch sehr hoch sein. Es erfordert ein ständiges Verstellen und das Verleugnen der eigenen Meinung. Zusätzlich entsteht ein großer Druck, es immer allen Recht machen zu wollen.

Die Gefahr: Wer sich dauerhaft verstellt, kann sich irgendwann selbst nicht mehr leiden. Besonders wenn die Rolle, die man spielt, den eigenen Werten widerspricht, verachtet man sich insgeheim dafür. Nur wer zu seinen Werten und Einstellungen steht, kann sich auch selbst respektieren.

Der Dümmere gibt nach

Der Dümmere gibt nachSie kennen sicher die Parabel des deutschen Dichters Johann Peter Hebel von einem Vater, der seinem Sohn die Torheit der Welt zeigen will. Er führt dazu einen Esel aus dem Stall und alle drei wandern in das erste Dorf.

Die dortigen Bauern verspotten das Trio und rufen: "Seht doch, diese Narren! Haben einen Esel und keiner sitzt drauf." Kaum haben sie das Dorf verlassen, setzt sich der Vater auf den Esel, und der Sohn führt beide in das zweite Dorf.

Wieder spotten die Bauern: "Was für ein Gespann! Der Alte reitet und der arme Junge muss laufen." Kurz hinter dem Dorf tauschen Vater und Sohn die Rollen.

Nun reitet der Junge ins dritte Dorf. Auch hier kommen die Bauern zusammen und schimpfen: "Es ist nicht recht, dass der Alte laufen muss. Der Junge hat die kräftigeren Beine – soll er doch zu Fuß gehen!" Auch dieses Dorf lassen sie hinter sich.

Nun setzen sich beide auf den Esel – der Vater vorn, der Junge dahinter. So reiten sie gemeinsam in die vierte Siedlung, und man ahnt es längst: Auch hier finden die Bauern Anstoß an den Gefährten: "Pfui, ihr Tierquäler", rufen sie. "Ihr wollt wohl das arme Tier zu Tode reiten? Man sollte einen Stock nehmen und beide herunterschlagen!"

Da erreichen beide schließlich das fünfte Dorf. Noch vor dem Eingang binden sie die Beine des Esels zusammen, fädeln sie durch eine Stange und tragen so den Esel auf ihren Schultern durch den Ort. Als die Leute das sehen, verhöhnen sie Vater und Sohn und jagen alle drei mit Steinwürfen aus dem Dorf.

Auch wenn eine gewisse Anpassungsfähigkeit im Job heute Bedingung für persönlichen Erfolg ist und Flexibilität per se als positiver Wert gilt: Zuviel davon ist ungesund. Man verliert dabei leicht seine Individualität und Glaubwürdigkeit.

Egalness: Die Meinung anderer ignorieren

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Dabei geht es auch anders - zum Beispiel, indem Sie mehr Egalness als Attitüde pflegen und die Meinung anderer einfach mal ignorieren.

Eine freie Entscheidung treffen, ohne sich Gedanken darüber machen zu müssen, wie andere diese aufnehmen oder darüber denken. Sei es bei der Studienwahl, der Berufswahl oder auch nur bei der Entscheidung, ob Sie eine Idee gut finden oder nicht.

Eine Vielzahl unserer Entscheidungen und Handlungen sind durch Meinungen anderer geprägt. Nicht wenige fragen ihr Umfeld sogar vorab nach deren Einschätzung und Rat. Das ist auch sinnvoll. Aber entscheiden müssen Sie am Ende immer noch selbst - und diese Entscheidung letztlich auch verantworten können.

Was also würde (schlimmstenfalls) passieren, wenn Sie die Meinung anderer ignorieren und eine eigene Entscheidung treffen? Das...

  1. Sie fühlen sich frei

    Wenn Sie die Meinungen anderer ignorieren können, sind Sie frei genau das zu tun, was Sie für richtig halten. Nicht nur werden Sie freie Entscheidungen treffen können, Sie können sich gleichzeitig von Ängsten befreien. Ohne den Druck, der durch fremde Ansichten entsteht, können Sie die Angst vor sozialer Ablehnung vergessen. Auch Ihre Angst vor Fehlern wird verschwinden, so dass Sie auch bereit sind, ein Risiko einzugehen, um Ihre Ziele zu erreichen.

  2. Sie haben mehr Energie

    Bisher mussten Sie einen großen Teil Ihrer Energie darauf verwenden, sich zu verstellen um anderen zu gefallen. Diese neu gewonnene Energie können Sie nun nutzen und für die Dinge einsetzen, für die Sie sich wirklich interessieren. Da Sie nun nicht mehr von fremden Meinungen gebremst werden, werden Sie schneller an Ihr Ziel kommen.

  3. Sie umgeben sich mit den richtigen Menschen

    Sobald Sie keinen Wert mehr auf die Meinungen anderer legen, wird auch Ihr Umfeld diese Veränderung bemerken. Freunde und Kollegen, die Sie wirklich schätzen, werden auch zu Ihnen stehen, wenn Sie nicht immer nur Ja und Amen sagen. Diejenigen, die sich nun von Ihnen abwenden haben den Kontakt ohnehin nur gesucht, um einen eigenen Vorteil daraus zu ziehen.

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  4. Sie können von sich aus glücklich sein

    Wer die Meinungen anderer immer über seine eigene stellt, macht damit auch sein Glück von anderen abhängig. Ignorieren Sie die Meinung anderer hingegen, nehmen Sie Ihr Glück wieder selbst in die Hand. So sind Sie nicht nur unabhängiger, sondern können auch selbst dafür sorgen, langfristig glücklich zu werden, ohne dabei auf das Urteil Ihres Umfelds angewiesen zu sein.

  5. Sie haben weniger Stress

    Es erfordert einen unglaublichen Aufwand, es immer allen Recht machen zu wollen. Doch all diesen Stress, den Sie sich bisher unnötigerweise zusätzlich angetan haben, wird von Ihnen abfallen. Nicht immer mit anderen einer Meinung zu sein, ist völlig legitim. Auch ist es normal, nicht mit jedem Menschen auf der Welt gut auszukommen. Wer dies verinnerlicht, kann das eigene Stresslevel spürbar senken.

  6. Sie werden selbstbewusster

    Die eigene Meinung über die von anderen zu stellen, macht ganz automatisch selbstbewusster. Das hat gleich mehrere positive Auswirkungen: Sie werden in Gesprächen mehr Sicherheit und Kompetenz ausstrahlen, Sie werden von anderen (nicht von allen) positiver und besser eingeschätzt und auch Ihre Selbstwahrnehmung verbessert sich.

  7. Sie geben anderen die Chance, es Ihnen nachzumachen

    Einstellungen können "ansteckend" sein und sich auf andere übertragen. Durch Ihre selbstsichere Einstellung ermöglichen Sie anderen, es Ihnen gleichzutun. Sie gehen mit gutem Beispiel voran und vermitteln das Gefühl, dass auch Sie andere nicht für deren Ansichten und Meinungen verurteilen. So werden Sie letztlich auch andere zu mehr Toleranz inspirieren.

[Bildnachweis: Doppelganger4 by Shutterstock.com]

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