Chuzpe: So hilft sie Ihnen weiter

Vielleicht haben Sie schon mal gedacht: Unglaublich, mit welcher Chuzpe der vorgegangen ist! Chuzpe ist diese Eigenschaft, die einerseits Fassungslosigkeit und andererseits Neid hervorruft. Wie kann jemand so sein – warum bin ich nicht so? Manchen Menschen würde ein bisschen mehr Dreistigkeit ganz gut tun, denn sie sind von Natur aus viel zu bescheiden und zurückhaltend. Andere hingegen wagen etwas und kommen damit weiter. Was Chuzpe genau bedeutet und wie Sie sich eine Scheibe davon abschneiden können…

Chuzpe: So hilft sie Ihnen weiter

Definition: Was versteht man unter Chuzpe?

Chuzpe Aussprache Hörbeispiel Übersetzung DudenChuzpe ist ein Begriff aus dem Jiddischen und bedeutet übersetzt so viel wie Anmaßung, Dreistigkeit oder Frechheit.

Synonym zu Chuzpe lässt sich sagen:

  • Impertinenz
  • Respektlosigkeit
  • Unbescheidenheit
  • Unverfrorenheit
  • Unverschämtheit.

Wikipedia bezeichnet es treffend als…

eine Mischung aus zielgerichteter, intelligenter Unverschämtheit, charmanter Penetranz und unwiderstehlicher Dreistigkeit.

Während der Begriff im Hebräischen eine eher negative Konnotation hat, ist er im Jiddischen und anderen europäischen Sprachen mitunter positiv besetzt. Wer Menschen mit Chuzpe beobachtet, mag sich einerseits im gewissen Umfang über das Verhalten empören.

Gleichzeitig kann es gut sein, dass das „Vergehen“ oftmals von geringer Tragweite ist, so dass Sie der Person nicht lange böse sein können. Chuzpe ist also durchaus ambivalent. So eine Person, die Chuzpe besitzt, wird im Jiddischen übrigens als Chuzpenik, bezeichnet.

Chuzpe: Aussprache ungewöhnlich

Chuzpe Aussprache Hörbeispiel ÜbersetzungDie Aussprache von Chuzpe (Lautschrift: [ˈxʊtspə]) ist insofern ungewöhnlich für Deutsch-Muttersprachler, als dass eine Vielzahl an Wörtern mit ch am Anfang aus dem Griechischen stammen und wie k ausgesprochen werden.

So beispielsweise Chaos, Chlor oder Charisma. In deutschen Wörtern wird in der Aussprache von ch zwischen dem Ich- und dem Ach-Laut unterschieden. Der Ich-Laut kommt zum Beispiel in China oder Chemie vor.

Die Aussprache von Chuzpe hingegen orientiert sich am Ach-Laut, der so bei deutschen Wörtern nur in der Wortmitte oder am Ende vorkommt, etwa Dach, Lachen, Koch.

Ein korrektes Hörbeispiel für Chuzpe findet sich beim Duden.

Chuzpe: Beispiele für unnachahmliche Frechheit

Zur Ambivalenz von Chuzpe meint der amerikanische Jurist und Publizist Alan M. Dershowitz in seiner 2000 erschienenen, gleichnamigen Biographie:

Für denjenigen, der sie an den Tag legt, bedeutet Chuzpe Kühnheit und Entschiedenheit. Für das Opfer von Chuzpe ist sie gleichbedeutend mit Unverschämtheit. Es liegt am Standpunkt des Betrachters.

Der jüdische Witz ist voller Beispiele für Chuzpe, die so nicht unbedingt im Alltag vorkommen, den Leser aber zum Schmunzeln bringen, denn teilweise wird die eigene Logik ad absurdum geführt.

Chuzpe lässt sich am besten anhand einiger Beispiele illustrieren:

  • Ein Mann erschlägt seinen Vater und seine Mutter und bittet anschließend um mildernde Umstände, weil er ja Vollwaise sei.
  • Ein Mann ruft laut um Hilfe, während er seine Frau verprügelt.
  • Eine Hausfrau hat Mitleid mit einem Bettler. Sie bittet ihn ins Haus und gibt ihm etwas zu essen. Der Brotkorb ist voller Schwarzbrot, und auf einem Teller liegen ein paar Scheiben Challa (Festtagsbrot). Der Bettler stürzt sich prompt auf die Challa.
    „Wir haben auch Schwarzbrot“, sagt die Hausfrau vorsichtig.
    „Ach, die Challa esse ich eigentlich lieber.“
    „Aber die Challa ist sehr viel teurer!“
    „Aber das ist sie auch wert, gute Frau!“

Gerade im letzten Beispiel ist der Leser versucht, sich einerseits auf die Seite der Hausfrau zu schlagen und die Ansicht zu vertreten, dass der Bettler ganz schön dreist sei, indem er sich einfach das Wertvollste schnappt.

Andererseits hat die Gutmütigkeit der Frau die Chuzpe des Bettlers geradezu gefördert – sie hätte ebenso nein sagen oder ihn erst gar nicht erst hereinbitten können.

Wer zögert, verliert oftmals

Der Begriff Chuzpe ist keiner, der im täglichen Sprachgebrauch ständig auftaucht. Eher liest man davon. Das Verhalten jedoch lässt sich allenthalben beobachten. Nicht umsonst heißt es: Dreistigkeit siegt!

Nun können Sie das einerseits verurteilen und den Verfall der guten Sitten monieren, wie es häufig zu hören ist. Das Problem daran ist: Es spielen nicht alle Menschen nach denselben Regeln. Wer nur nett und höflich ist, kommt nie weiter und kriegt kein Stück vom Kuchen – oder der Challa – ab.

Es soll keineswegs für eine Ellenbogengesellschaft plädiert werden. Allerdings lohnt es sich genauer hinzuschauen, in welchen Situationen Höflichkeit und Kompromisse gefragt sind und wann ein gewisses Maß an Kühnheit, eben Chuzpe, erforderlich ist, um weiterzukommen.

Ein Beispiel aus dem Alltag, das vermutlich viele kennen: Sie haben nach langer Suche endlich einen zentral gelegenen Parkplatz entdeckt, setzen den Blinker, müssen aber noch das ausparkende Auto abwarten und – zack – setzt sich plötzlich ein anderer von der anderen Seite kommend in Ihre Parklücke!

Das ist natürlich frech und unverfroren, und gemäß der Regeln der Straßenverkehrsordnung sind Sie im Recht. Nur: Wer macht sich tatsächlich die Mühe, wegen einer Parklücke vor Gericht zu ziehen?

Chuzpe im Arbeitsleben bringt Sie voran

Ein anderes Beispiel: Sie sind in einer Agentur, ein namhafter Kunde mit einem ordentlichen Etat konnte an Land gezogen werden. Das ist die Chance, sich zu beweisen. Wer es schafft, ins zuständige Team zu kommen, hat die Gelegenheit, sich zu profilieren.

An solchen Gelegenheiten hängt letztlich eine Beförderung ab. Manch andere Mitarbeiter sind vielleicht fachlich genauso kompetent. Aber Chuzpe bewirkt, dass jemand den Schneid hat, sich in den Vordergrund zu drängen. Und vielleicht auch mal lauter die Werbetrommel für sich zu rühren, als es eigentlich den eigenen Kenntnissen entspricht.

Chuzpe enthält oftmals ein unerwartetes Element, das dem Geschehen eine unerwartete Wendung geben kann. Genau dieses kleine Detail kann im Endeffekt den Unterschied zwischen durchschnittlich und erfolgreich bedeuten. Denn im Berufsleben wird teilweise mit harten Bandagen gekämpft.

Und wenn Sie vorankommen wollen, müssen Sie ebenfalls darum kämpfen – im Leben wird einem nichts geschenkt. Zumal Eigenschaften wie Freundlichkeit, Zuvorkommenheit und Höflichkeit zwar einerseits sehr geschätzt werden.

Auf der anderen Seite jedoch wirkt jemand, der so gar keine Kanten hat und sich nie abgrenzt auf andere, als ob es keinen eigenen Willen, keinen Mut gäbe. Manche Menschen nutzen so etwas aus und tanzen anderen dann auf der Nase herum.

Chuzpe Tipps: So werden Sie kühner

Wer sich darüber im Klaren ist, in der Vergangenheit zu zurückhaltend und angepasst gewesen zu sein und deshalb gute Chancen verpasst hat, sollte sich nicht weiter darüber ärgern.

Es ist, wie es ist. Wichtig ist, mit dieser Erkenntnis etwas zu machen und aus den Fehlern zu lernen. Nun werden andere Saiten aufgezogen.

Der große Vorteil daran, wenn Sie beispielsweise permanent unterschätzt werden, ist der, dass Sie niemand kommen sieht. Andere wiegen sich in Sicherheit, das Überraschungsmoment ist auf Ihrer Seite. Vieles von dem, was Ihrer neugewonnen Chuzpe zugute kommt, lässt sich vorab im Stillen oder unverfänglichen Momenten trainieren.

  • Körpersprache

    Wie wir uns fühlen, wie wir auf andere wirken, wird oftmals über die Körpersprache vermittelt. Andere Menschen lesen an Ihrer Körperhaltung Ihren Status ab, sortieren Sie gedanklich in Schubladen. Das klassische Beispiel:

    Wer bereits mit hängenden Schultern und nach unten gesenktem Blick in irgendeiner Ecke kauert, wird von anderen nicht wahrgenommen oder als unwichtig eingeschätzt. Ganz im Gegensatz zu einer Person, die sich den Platz nimmt und beispielsweise mit schulterbreit auseinander gestellten Beinen in der Mitte eines Raumes steht, sich mit leicht angehobenem Kinn einen Überblick über die Lage verfasst.

    In diesen Bereich fallen übrigens ebenfalls Dominanzgesten wie solche, dass sich Ihr Kollege auf die Ecke Ihres Schreibtischs setzt – oder noch schlimmer: direkt dahinter. Lassen Sie so etwas nicht durchgehen, weisen Sie direkt darauf hin, dass es sich um Ihren Arbeitsplatz handelt und für längere Aufenthalte entsprechende Sitzgelegenheiten vorhanden sind.

  • Kommunikation

    Einen starken Einfluss darauf, wie wir von anderen wahrgenommen werden, hat Sprache: Welche Wörter benutzt jemand, wie eloquent ist diese Person, spricht Sie in einer angenehmen Lautstärke oder eher zu leise? Frauen neigen beispielsweise dazu, sich eher klein zu machen und Worte zu benutzen, die sie in eine ungünstige Position bringen.

    Das fängt mit der Verwendung des Konjunktivs (würde, könnte) an, geht mit Verkleinerungen (-chen, bisschen, ein wenig) weiter bis hin zu Wörtern, die Unsicherheit ausdrücken (vielleicht, eventuell). Verzichten Sie auf solche Formulierungen, und sie strahlen gleich mehr Klarheit und Selbstsicherheit aus.

  • Abgrenzung

    Sprache formt Denken. Wer sich die Wirkungsweise von Körpersprache und Kommunikation vor Augen hält und trainiert, möchte etwas ändern. Daher sollten Sie damit beginnen, das, was Sie ausdrücken möchten, in Verhalten umzusetzen. Damit treten Sie ins nächste Level und das kann am Anfang schwerfallen.

    Sich abzugrenzen bedeutet, eben nicht sofort zu springen, wenn andere nach Ihnen rufen. Bedeutet die Bitte einer Kollegin zur Abwechslung auszuschlagen. Und es heißt, die eigenen Prioritäten zu erkennen und ernst zu nehmen, statt die anderer Leute immer über die eigenen zu stellen. Das erste Mal wird es sich verwegen anfühlen. Von dort aus beginnend, bauen Sie Ihre Chuzpe weiter aus.

  • Argumentation

    Bevor Ihnen im Job jemand erneut etwas vor der Nase wegschnappt, dass Ihnen wichtig ist, sollten Sie eine Argumentation aufbauen, die für Sie spricht und die Sie immer parat haben, wenn es darauf ankommt. Hier müssen Sie mit Fakten kommen, Hard Skills aber auch einige Soft Skills.

    Achten Sie bei Ihrer Argumentation darauf, dass Sie das stärkste Argument zu Beginn liefern. Dann kommt das schwächste und anschließend das zweitstärkste. Hier kommen der erste Eindruck und der Rezenzeffekt zum Tragen.

    Diese Psychophänomene besagen zum einen, dass der erste Eindruck zählt und daher länger im Gedächtnis haften bleibt. Es klingt widersprüchlich, aber das Gleiche gilt für das Letztgesagte – vor allem, wenn mehrere Punkte erörtert werden. Alles dazwischen ist nicht so relevant, daher gehören eher schwache Argumente in genau diese Mitte.

  • Mut

    Wer Chuzpe entwickeln will, braucht Mut. Dazu gehört der unbedingte Wille, seine Ängste zu überwinden. Dazu gehört, dass Sie mit der Ablehnung der anderen umgehen können und sie einkalkulieren.

    Sie entwickeln eine Egalness. Das geschieht mit Training. In dem Moment, in dem sich die ersten Erfolge abzeichnen – wenn andere erstaunt zur Kenntnis nehmen, dass sie mit Ihnen rechnen müssen, gewinnen Sie an Selbstbewusstsein. Es heißt nicht umsonst: Wer wagt, gewinnt.

[Bildnachweis: Kues by Shutterstock.com]
3. Juni 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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