Nett sein? Warum es gut ist, mal nicht nett zu sein

Wer nett sein will, handelt vermutlich nach der Maxime: Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem anderen zu. Das Sprichwort ist die Umkehrung des sogenannten reziproken Altruismus‘ (kurz: Wie du mir, so ich dir) und praktisch der Ursprung von Höflichkeit und Netiquette. Keine Frage, gute Umgangsformen sind nicht erst seit Knigge gesellschaftlich relevant. Sie erleichtern Vieles. Und wer für sich Respekt reklamiert, sollte selbst mit gutem Beispiel voran gehen. Aber – und das muss auch mal gesagt werden – Nettsein zahlt sich nicht immer aus. Manchmal ist es sogar besser, so gar nicht nett zu sein…

Nett sein? Warum es gut ist, mal nicht nett zu sein

Nett sein hat seinen Preis

Nett sein – synonym wird auch von…

  • angenehm
  • freundlich
  • gewinnend
  • liebenswürdig
  • reizend
  • zuvorkommend

gesprochen – scheint eine erstrebenswerte Eigenschaft zu sein. Nette Menschen sind hilfsbereit, sympathisch und ecken nicht an. Zugegeben, einigen behagt die Vorstellung, gerade kein netter Mensch zu sein, so gar nicht. Es widerstrebt allen ihren Instinkten und dem Ur-Wunsch, gemocht zu werden.

Überdies haben sie von Kindesbeinen an den Imperativ gerlent: Sei immer nett zu anderen! Oder eben: Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem anderen zu.

Übersehen wird dabei aber oft, dass die Agitation und der Affront zuerst von unserem Gegenüber ausgeht – und der- oder diejenige sehr wohl tut, was man selbst nicht wollen würde.

Das kann man stillschweigend hinnehmen, aussitzen und aushalten – und gilt dann meist auch als umgänglich und nett.

Aber zu welchem Preis?

Sich alles gefallen zu lassen, kann auch eine dumme Angewohnheit sein. Die Kehrseite: Keine gute Tat, bleibt lange ungestraft und Frechheit siegt ebenfalls.

Das wird jetzt gewiss kein Plädoyer fürs Gemeinsein, aber für eine gesunde Ellbogenfreiheit. Deshalb…

Neinsagen-Zitat-kompletter-Satz

5 gute Gründe, mal nicht nett zu sein

  1. Selbstschutz üben

    Es gibt Menschen, die verwechseln Nettigkeit mit Naivität – und nutzen das schamlos aus. Aus einem einmaligen Gefallen leiten sie eine dauerhafte Anspruchshaltung ab und verlangen immer mehr, mehr, mehr. Zuweilen auch nur, um herauszufinden, wo Ihre Schmerzgrenze liegt.

    Klar, wer dann auf einmal gar nicht mehr nett ist und NEIN sagt, gilt sofort als Spielverderber und wird als grob oder unhöflich geschmäht. Das ist aber bloß moralinsaure Rhetorik.

    Fakt ist: Sie lassen sich nicht länger ausnutzen. Das ist vielleicht (in den Augen der Ausbeuter) nicht nett, aber nützlich.

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  2. Grenzen setzen

    Der Punkt ist mit dem ersten verwandt. Gemeint ist hier aber spiegelbildliches Verhalten.

    Sicher, man muss sich nicht jeden Schuh anziehen, den einem jemand hinstellt und manche Attacke lässt sich auch souverän übersehen und überhören. Aber irgendwo ist Schluss. Manche Zeitgenossen haben einen Ton und eine Art am Leib, die man keinesfalls tolerieren muss und sie daher in die Schranken weisen sollte.

    Es braucht eben manchmal einen Mutigen, der die Wahrheit ausspricht und (sorry) dem Arschloch sagt, dass er ein Arschloch ist. Nicht nett, aber nötig.

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  3. Bedürfnisse betonen

    Selbstbewusst zu sein, bedeutet auch, seine Bedürfnisse zu benennen und auch einzufordern – selbst wenn das andere als nicht nett empfinden.

    Natürlich geht es nicht darum, immer alles zu bekommen, was man will. Das Leben besteht aus Kompromissen und Ungleichgewichten. Manchmal gibt man eben mehr als man bekommt. Nur heißt das nicht, ausschließlich zurückzustecken.

    Auch Sie haben ein Recht darauf, glücklich zu sein. Ihre Bedürfnisse sind nicht weniger wert als die der anderen. Dies zu betonen, empfinden manche ebenfalls als „nicht nett“ – ist es aber: Ihnen selbst gegenüber.

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  4. Rückgrat bewahren

    Wer für seine Ideale, seine Meinungen und Überzeugungen einsteht, wird zwangsläufig anecken, polarisieren, Widerspruch provozieren.

    Nicht alle Menschen teilen diese Werte, andere wollen auch nichts davon hören, geschweigedenn sich und ihre eigene Meinung dadurch herausfordern lassen. Also gilt so jemand schnell als nerviger Querulant – gar nicht nett eben. Bullshit!

    Mag sein, dass einige in geistiger Unabhängigkeit einen permanenten Affront sehen – eine Art Blasphemie wider den Mainstream. Na und?!

    Die Wahrheit ist: Am Ende des Tages bewundern wir Menschen mit Rückgrat und gerader Persönlichkeit mehr als den Anpasser und Wendehals. Wir reiben uns zwar stärker an ihnen, aber Ihre Werte sind das wert.

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  5. Konflikte aushalten

    Bei aller Liebe zur Harmonie: Manche Konflikte sind unausweichlich und auch notwendig (teils schon aus obigen Gründen). Ihr Kollege erzählt Blödsinn, streut vielleicht sogar Gerüchte oder drängt in eine falsche Richtung. Dann muss man das ausdiskutieren.

    Allerdings sind auch nicht alle (Kollegen) vernünftigen Argumenten aufgeschlossen gegenüber. Sie wollen einfach nur Recht haben oder es anders sehen. Dann können Sie „nett“ sein und nachgeben.

    Oder Sie ignorieren das Mantra des Immer-nett-sein-müssens – und halten den Konflikt einfach mal aus. Schließlich haben Sie ja gute Argumente. Zudem bleibt immer noch die Einsicht, darin einig zu sein, nicht einig zu sein.

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Ausnahme Führungskräfte: Nette Rendite

Ausnahme Führungskräfte: Nette RenditeFührungskräfte, die fair und nett sind, haben laut einer Studie (PDF) die Nase vorn.

Angestellte sind sogar produktiver, wenn sie einen netten Chef haben. Dafür hat Fred Kiel, Gründer der Beratungsagentur KRW International, Daten von 84 CEOs und insgesamt 8.000 Beschäftigten zusammengetragen. Seine Kernbotschaft, die er kürzlich in seinem Buch „Return on Character“ präsentierte: Fairness verspricht Rendite. Demnach ist das Engagement der Mitarbeiter, die sich fair behandelt und respektiert fühlen, um 26 Prozent höher als das ihrer weniger respektierten Fußabtreter.

Quiz: Wie nett sind Sie wirklich?

Das Credo der Freundlichkeit ist überall zu hören. Und eine freundliche und zuvorkommende Art kann in vielen Lebenssituationen zum Türöffner werden. Mit einem Lächeln können Sie Mitmenschen für sich einnehmen und Kunden für sich gewinnen, Konfliktsituationen lassen sich durch eine freundliche Art entschärfen.

Werden diese Eigenschaften überdosiert, können sie zum Problem werden. Dann wird Nettsein plötzlich als Unterwürfigkeit ausgelegt. Finden Sie heraus, wie nett Sie wirklich sind.

Wie das Quiz funktioniert: Das Quiz besteht aus elf Fragen. Für die Antworten wird eine unterschiedliche Punktzahl vergeben. Bitte addieren Sie diese zusammen. Am Ende gelangen Sie anhand Ihrer Punktzahl zur Auswertung.

  1. Sie stehen an der Salatbar in der Kantine Schlange, da drängelt sich ein Kollege vor. Wie reagieren Sie?

    • „So eine Dreistigkeit“, ärgere ich mich und fordere den Kollegen verärgert auf, sich gefälligst hinten anzustellen. 1 P.
    • Ich sage nichts, denn ich habe es nicht eilig. 3 P.
    • Ich sprechen den Kollegen zwar darauf an, dass er sich vorgedrängelt hat, doch lasse ich ihm den Vortritt. 2 P.
  2. Würden Sie in öffentlichen Verkehrsmitteln einem älteren Menschen Ihren Sitzplatz anbieten?

    • Wenn ich unterwegs bin, bin ich meistens so in mein Buch oder meine Gedanken versunken, dass ich gar nicht darauf achte, wer mit mir unterwegs ist. 2 P.
    • Nein, es gibt genügend andere Fahrgäste. Soll das doch jemand anderes machen. 1 P.
    • Ich frage nach, ob die betreffende Person sich setzen möchte und mache gegebenenfalls Platz. 3 P.
  3. Ihr Chef hat in der Projektpräsentation, die Sie zusammen mit Kollegen gemacht haben, einen Fehler entdeckt und stellt Sie zur Rede, obwohl es nicht Ihr Fehler war. Wie reagieren Sie?

    • Ich nehme den Fehler auf meine Kappe und lasse den Chef in dem Glauben, dass ich den Fehler gemacht habe. 3 P.
    • Ich will auf keinen Fall für die Fehler von anderen gerade stehen und weise meinen Chef darauf hin, dass meine Kollegin den Fehler gemacht hat. 1 P.
    • Ich weise den Chef daraufhin, dass ich den Fehler nicht gemacht habe, sage aber aber auch nicht, wer es war. Stattdessen versichere ich ihm, dass wir im Team stärker auf den angesprochenen Aspekt achten werden. 2 P.
  4. Sie hatten einen anstrengend Arbeitstag. Ihre Freundin hat gerade ein Problem, braucht Ihren Rat und bittet Sie vorbei zukommen. Wie reagieren Sie?

    • Ich sage Ihr, dass ich zu kaputt bin, um zu Ihr zu fahren und schlage ihr vor, mir die Situation telefonisch zu schildern. 2 P.
    • Das hat mir gerade noch gefehlt. Ich vertröste Sie auf einen anderen Tag. 1 P.
    • Ich packe meine Sache und fahre los. Alles andere kann warten. 3 P.
  5. Ihr Partner hat einen freien Tag und hat zugesagt, Wäsche zu waschen und einzukaufen. Abends kommen Sie nach Hause und stellen fest, dass er nichts erledigt hat, sondern stattdessen mit seinen Kumpels unterwegs ist. Wie reagieren Sie?

    • Es ärgert mich zwar und das sage ich ihm auch, doch es ist sein freier Tag und ich verstehe, dass er etwas Spaß mit seinen Freunden haben will. 2 P.
    • Ich bin verärgert. Meine Wut lasse ich ihn auch spüren und verlange, dass er die versäumte Arbeit nachholt. 1 P.
    • Ich sage nichts, fahre selbst noch einmal einkaufen und wasche die Wäsche. 3 P.
  6. Ein Kollege verlässt das Unternehmen. Eine kleine Abschiedsfeier wird geplant. Für Ihre Kollegen ist klar, dass Sie sich um ein Abschiedsgeschenk kümmern. Wie reagieren Sie?

    • Ich lasse mich wieder breitschlagen, wie ich mich auch jedes Mal bei den Geburtstagen der Kollegen breitschlagen lassen. 3 P.
    • Ich biete an Vorschläge einzubringen, doch kann ich das nicht übernehmen, weil ich momentan sehr eingespannt bin. 2 P.
    • Ich lehne mit der Begründung ab, dass es nicht Aufgabe ist, sich um alles zu kümmern. Die anderen sollten auch etwas tun. 1 P.
  7. Eine Kollegin hat ein sehr unvorteilhaftes Outfit für einen Kundentermin gewählt. Sprechen Sie sie darauf an?

    • Ja, ich sage Ihr unverblümt, dass Sie sich in ihrer Kleiderwahl vergriffen hat und einfach nur peinlich aussieht. So kann Sie doch nicht die Firma repräsentieren. 1 P.
    • Nein, ich ignoriere die schlechte Kleiderwahl und widme mich dem Tagesgeschäft. Die Kollegin muss selbst schauen, wie Sie damit fertig wird. 2 P.
    • Ja, ich weise die Kollegin dezent auf kleinere Schwächen in der Kleiderwahl hin und biete ihr meinen Blazer an. 3 P.
  8. Ihnen fällt auf, dass der Neue im Büro kurz vor der Mittagspause alleine an einem Tisch in der Kantine sitzt. Was tun Sie?

    • Ich frage mich, warum er sich selbst ins Abseits stellt und sich nicht zu jemand anderem setzt. Dann drehe ich mich um und gehe wie gewohnt zu meinem Schreibtischnachbarn an den Tisch. 2 P.
    • Ich setze mich an den Tisch meiner Kollegen und diskutiere mit ihnen darüber, dass der Neue es mit so einer Einstellung nicht weit bringen wird. 1 P.
    • Ich gehe rüber zu dem Neuen und lade ihn dazu ein, sich an unseren Tisch zu setzen. 3 P.
  9. Sie arbeiten in einem Großraumbüro und zwei Kollegen in Ihrer Nähe lachen und unterhalten sich lautstark über das Wochenende. Wie reagieren Sie?

    • Ich packe meine Sachen und verkrümmel mich in den Konferenzraum, in der Hoffnung dort endlich arbeiten zu können. 3 P.
    • Ich weise Sie lautstark zurecht, dass andere versuchen zu arbeiten, wohlwissend, dass die beiden Mittagspause haben. 1 P.
    • Ich bitte die beiden darum, die Lautstärke ein wenig zu senken und begründe meine Bitte damit, dass ich gleich ein Kundentelefonat führen muss. 2 P.
  10. Sie sind in der Mittagspause mit Ihren Kollegen essen gegangen. Die Bedienung im Restaurant schmeißt die Bestellungen durcheinander und vergisst am Ende sogar, dass Sie einen Sonderwunsch bei der Bestellung hatten. Geben Sie trotzdem Trinkgeld?

    • Na klar, das Restaurant ist voll und die Bedienung hat wahrscheinlich einen stressigen Tag. Ich gebe ihr ein großzügiges Trinkgeld. 3 P.
    • Nein, wer so schusselig ist, hat kein Trinkgeld verdient. 2 P.
    • Nein, ich falte die Bedienung erst einmal ordentlich zusammen und drohe ihr damit, mich über den schlechten Service zu beschweren. 1 P.
  11. Sie stehen im Aufzug und sehen, wie gerade jemand von außen ins Gebäude kommt und versucht den Aufzug rechtzeitig zu erwischen. Wie reagieren Sie?

    • Ich tue nichts. Immerhin hat das Gebäude mehr als einen Aufzug und ich hab es eilig. 1 P.
    • Ich drücke den Halteknopf und halte die Türen des Aufzugs solange offen, bis die Person noch hineingeschlüpft ist. 3 P.
    • Ich schaue mitleidig zu, wie sich die Aufzugtüren schließen und bin froh selbst drin zu stehen. 2 P.

Auswertung des Selbsttests

Nettsein auch zu sich selbst!

Oft zu Jahresbeginn, aber auch, wenn ein runder Geburtstag vor der Tür steht, neigen Menschen dazu, das vergangene Jahr oder sogar die letzten Jahre Revue passieren zu lassen: Wie sieht es bei Ihnen persönlich aus? Was hat dieses Jahr für Sie bedeutet? Haben Sie das erreicht, was Sie wollten? Sind Sie zufrieden? Haben Sie gut für sich gesorgt?

Häufig gehen wir mit uns selbst hart ins Gericht. Aber warum eigentlich? Haben Sie nicht auch ein bisschen Nachsicht und Entspannung verdient? Seien Sie netter – zu sich selbst! Wie? Mit System!

Wie hat sich denn Ihr Leben in letzter Zeit auf der Arbeit gestaltet? Reflektieren Sie, waren Sie häufig krank? Haben Sie sich gesund ernährt? Häufig gelangt man zu der Erkenntnis, dass es noch Optimierungsspielraum gibt.

Gerade auch das ist ein Vorhaben, was gerne ins neue Jahr geschoben wird: Nächstes Jahr höre ich auf zu rauchen, werde ich mich gesünder ernähren, werde ich mehr Sport machen – Sie können auch ganz leicht jetzt schon anfangen. Es gibt einige hilfreiche Anstöße dafür:

  • Abwehrkräfte stärken

    Jeder weiß: Gerade in der kalten Jahreszeit ist es wichtig, zwischendurch nach draußen zu kommen und Ihr Immunsystem zu kräftigen. Die Heizungsluft ist alles andere als gesund, Klimaanlagen erweisen sich teilweise sogar als Virenschleudern. Aber auch wenn Sie in letzter Zeit lange im Büro waren und wenig an die frische Luft gekommen sind – es gibt genügend Möglichkeiten, dennoch die Abwehrkräfte zu stärken.

    Tipp
    • Beispielsweise, indem Sie sich gesunde Kleinigkeiten mit zur Arbeit nehmen. Zur gesunden Ernährung gehört ebenfalls, dass Sie nach Möglichkeit Ihr eigenes Essen zubereiten oder ebenfalls mitbringen.
    • Trinken Sie viel Wasser. Das hat keine Kalorien und hilft Ihnen bei der Konzentration.
    • Strecken Sie sich zwischendurch. Oder wie ein Physiotherapeut einst sagte: Die beste Position ist die nächste! Stundenlanges auf den Bildschirm starren ist weder für die Augen noch für die Nackenmuskulatur besonders gut. Falls möglich, beantworten Sie beispielsweise Mails im Stehen.
    • Nutzen Sie jede Möglichkeit zur Bewegung: Nehmen Sie Treppen statt des Aufzugs. Fahren Sie mit dem Fahrrad zur Arbeit, nutzen Sie die Mittagspause für Yoga oder anderes Workout.
  • Warnsignale beachten

    Hören Sie auf die Warnsignale. Wenn Sie merken, dass Sie sich überarbeiten und einem Burnout nahe sind, ziehen Sie ein Gespräch mit Ihrem Chef in Erwägung. Natürlich bedarf es eines offenen Gegegenübers dafür. Aber machen Sie nicht den Fehler zu denken: Nur weil Ihr Chef Ihnen Ihre Überarbeitung nicht angesehen hat, wäre es ihm oder ihr gleichgültig. Sie können die Arbeit oftmals nicht einschätzen und letztlich ist es an Ihnen, entsprechend die Reißleine zu ziehen.

    Tipp

    Wenn Sie sich nicht sicher sind, fragen Sie sich:

    • Wie lange fühle ich mich bereits so? Jeder hat mal einen schlechten Tag, aber wenn Sie sich bereits seit Wochen schlecht fühlen und Sie der Gedanke an ein neues Projekt normalerweise mit freudiger Aufregung erfüllt hätte, Sie nun aber nur noch abschreckt, kann das ein Indiz sein.
    • Gab es ein bestimmtes Vorkommnis? Für gewöhnlich gibt es einen Auslöser, den man zurückverfolgen kann, wo alles anfing.
    • Habe ich mich schon einmal so gefühlt? Wenn Sie sich nicht erinnern können, dass es jemals diese (negative) Qualität hatte, dann spricht einiges dafür, dass Sie nicht nur eine schlecht Woche erwischt haben.
  • Stress einordnen

    Stress ist eine normale Begleiterscheinung, mal mehr, mal weniger. Es gibt auch positiven Stress und letztlich kann er uns bei der Arbeit antreiben. Kritisch wird es allerdings, wenn Stress zur Dauerbegleiterscheinung wird. Fällt man dann in schädliche Verhaltensweisen zurück, führt das dazu, dass die Leistungsfähigkeit immer mehr abnimmt. Im Gegenzug fühlen viele Menschen sich unter Druck gesetzt und der Stress nimmt Überhand. Machen Sie sich bewusst, dass Wohlbefinden ein Zusammenspiel aus vielen Bereichen ist:

    • Körperliche,
    • soziale,
    • spirituelle,
    • intellektuelle,
    • finanzielle,
    • emotionale und
    • umweltbedingte

    Aspekte spielen eine Rolle. Anders gesagt: Wenn diese Bereiche im Einklang sind, geht es Ihnen gut. Natürlich kann hin und wieder ein Bereich eher unterrepräsentiert sein. Wichtig ist, dass Sie nicht gegen eine dauerhafte Schieflage ankämpfen müssen. Wenn es jemandem beispielsweise körperlich schlecht geht, er emotional keine Unterstützung findet, womöglich arbeitslos ist und außerdem jegliche Hoffnung verloren hat, dann liegt ein Extremfall vor, der die meisten Menschen sehr stressen dürfte.

    Tipp

    Für viele mag es ein Ding der Unmöglichkeit sein, sich ausgerechnet dann, wenn sie sich am meisten gestresst fühlen, ein paar Minuten freizuschaufeln. Tatsächlich ist es aber eine Frage des Zeitmanagements.

    • Nehmen Sie Ihren Terminplan einmal genau unter die Lupe und schauen, wo Luft ist? Die Lücken, die Sie finden, füllen Sie auch mit Kleinigkeiten, angefangen über Banalitäten wie Zähne putzen, Duschen, Mahlzeiten kochen. Wenn Sie selbst dafür keine Zeit haben, wie wollen Sie für bedeutendere Dinge genügend Zeit aufbringen?
    • Bemühen Sie sich um eine Balance zwischen den oben genannten sieben Bereichen: Treffen Sie Ihre Freunde, machen Sie Sport, nehmen Sie an Veranstaltungen teil. Wichtig ist, dass Sie einen Ausgleich zur Arbeit haben.
  • Schlaf sicherstellen

    Ein gesunder, ungestörter Schlaf trägt ebenfalls zum Wohlbefinden und zur Leistungsfähigkeit bei. Andersherum sind unausgeschlafene Menschen häufig gereizt, haben Schwierigkeiten, sich Dinge zu merken und machen Fehler. Unabhängig davon, ob Sie eher ein Frühaufsteher oder eine Nachteule sind, gibt es ein gesundes Mittelmaß. Sieben bis acht Stunden Nachtruhe ist die Zeit, die der Mensch üblicherweise braucht, um sich von seinem Alltag zu erholen. Wenn das auf Dauer nicht gewährleistet wird, beispielsweise aufgrund von Schlafstörungen, greift das Ihre Widerstandskraft an.

    Tipp

    Unterschätzen Sie nicht die Kraft des Ausgeschlafenseins. Tatsächlich lassen uns Sprüche wie

    Schlafen kannst du noch, wenn du tot bist

    daran zweifeln, ob es denn wirklich immer so viel sein muss. Aber bedenken Sie genauso gut auch das Gegenteil: Wenn es darum geht, beispielsweise Probleme anzugehen, etwas zu lösen, dann soll das auch nicht übers Knie gebrochen, sondern gut durchdacht werden. Dafür gibt es auch eine gute Redensart: Eine Nacht über etwas schlafen.

  • Krankheit auskurieren

    Im Krankheitsfall sind viele Arbeitnehmer offenbar immer noch zwischen Pflichtbewusstsein einerseits und Krankheitsgefühl andererseits hin- und hergerissen. Dabei wird seit Jahren darauf hingewiesen, dass niemandem damit gedient ist, wenn der Arbeitnehmer krank ins Büro kommt. Eine ungesunde Mischung aus Märtyrertum und sozialem Druck führt dennoch dazu, dass viele Menschen noch krank arbeiten gehen.

    Tipp
    • Bleiben Sie Zuhause! Kurieren Sie sich aus. Nicht nur, dass Sie andere Kollegen (oder Mitmenschen im Bus, Fahrgemeinschaften, der U-Bahn…) anstecken – Sie tun sich keinen Gefallen damit. Für gewöhnlich dauert der Gesundungsprozess deutlich länger als wenn Sie im Bett geblieben wären. Schlimmstenfalls verschleppen Sie eine Infektion und schlagen sich kurz darauf wieder damit herum.
    • So gut Bewegung auch tut: Joggen und körperlich anstrengende Sachen sollten in dieser Zeit ruhen! Tatsächlich gehen große Anstrengungen eher auf den Herzmuskel. Spaziergänge sind in Ordnung, wenn Sie sich fit genug fühlen – aber erzwingen Sie nichts!

Bedenken Sie: Auch wenn Sie viel Arbeit zu erledigen haben – letzten Endes ist es ein Arbeitsplatz, aber nicht Ihr Leben. Oder anders ausgedrückt: Sie sollten nicht Ihre Gesundheit für die Arbeit aufs Spiel setzen.

[Bildnachweis: ASEF by Shutterstock.com]
14. Januar 2019 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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