Gefälligkeitsfalle: So kommen Sie heraus

In dem Wunsch nach Anerkennung und Sympathie tappen nicht wenige Menschen in die Gefälligkeitsfalle. Wir alle wollen gemocht werden. Wer es schafft, die Sympathien der Kollegen zu gewinnen, gewinnt dadurch viele Vorteile: Unterstützung bei schwierigen oder umfangreichen Aufgaben, Teilnahme am Informationsaustausch und nicht zuletzt Freundschaft. Das Problem ist nur, dass diese ganzen Gefallen Zeit und Energie kosten. Wer in der Gefälligkeitsfalle sitzt, läuft Gefahr, vor lauter Gefälligkeit seinen eigenen Aufgaben nicht mehr nachzukommen. Ein ewiges Dilemma: Zerrissen zwischen Pflichtbewusstsein einerseits und überbordender Hilfsbereitschaft andererseits. Was Sie tun können…

Gefälligkeitsfalle: So kommen Sie heraus

Gefälligkeitsfalle: So tappen Sie hinein

Umfragen zufolge trauen 80 Prozent aller Arbeitnehmer sich nicht, dem Chef gegenüber eine Bitte abzuschlagen. Gerade Berufseinsteiger tappen schnell in die Gefälligkeitsfalle und das ist nicht einmal verwunderlich:

Das weit verbreitete Senioritätsprinzip führt dazu, dass ein Neuzugang im Unternehmen sich erst einmal den Respekt und die Anerkennung der anderen verdienen muss.

Berufsanfänger müssen zeigen, dass auf sie Verlass ist und dass sie etwas von dem verstehen, wofür sie eingestellt wurden. Und das geschieht wie? Na klar, indem sie es unter Beweis stellen. Wenn die Kollegin fragt, ob Sie nicht mal eben diese und jene Aufgabe mit erledigen könnten, werden Sie als Neuling nicht so schnell ablehnen.

Irgendwann wächst der Umfang der eigenen Aufgaben und es bleibt einem nichts anderes übrig, als nein zu sagen. Warum fällt es manchen Menschen so schwer, sich abzugrenzen? Einfach mal nein sagen kommt für einige nicht infrage. Die Gründe sind im Wesentlichen:

  • Sie haben den Wunsch nach Zuneigung.

    Der Mensch ist ein soziales Wesen. Gerade als Neuling existieren kaum Netzwerke. Wer freundlich ist, will dazugehören und von anderen gemocht werden. Wer andererseits schon länger in dem Unternehmen ist, sitzt womöglich bereits in der Gefälligkeitsfalle: Wer immer ja gesagt hat, tut sich nun mit einem Nein besonders schwer.

  • Sie haben das Helfersyndrom.

    Wer anderen immer unter die Arme greift, tut Gutes, so die landläufige Meinung. Nicht wenige Menschen mit Helfersyndrom werten sich selbst über ihre aufopferungsvolle Hilfe auf. Und die Dankbarkeit erleichterter Kollegen ist auch fein. Gleichzeitig lenken sie sich von ihren eigenen drängenden Fragen ab und müssen sich nicht mit sich selbst auseinandersetzen.

  • Sie haben Angst vor den Konsequenzen.

    Die Angst vor möglichen Konsequenzen ist immens. Wer in der Gefälligkeitsfalle sitzt, befürchtet von anderen gemieden und ausgegrenzt zu werden. An dieser Angst hängt teilweise noch eine Kaskade von weiteren Ängsten – etwa vor Gesichtsverlust: Andere könnten ja annehmen, dass sie kein Leistungsträger sind. Verknüpft werden damit Horrorvorstellungen von einer drohenden Kündigung.

  • Sie haben ein schlechtes Gewissen.

    Obwohl sie nicht größenwahnsinnig sind, halten manche Menschen sich für nahezu unersetzlich. Ein Ausschlagen der Bitte kommt für Sie nicht infrage, da sie glauben, dass ohne sie alles im Chaos versinkt. Dafür wollen sie nicht die Verantwortung tragen. Es beruhigt ihr Gewissen, wenn sie stattdessen zusätzlich arbeiten, dann ist die Ordnung wieder hergestellt.

  • Sie haben die perfekte Ablenkung.

    Und zwar die Ablenkung von allem: Von ihren eigenen Problemen, aber natürlich auch von ihrer eigenen Arbeit. Die ist nicht immer ganz so spannend, deshalb mögen dem einen oder anderen die Bitte eines Kollegen um Hilfe erleichtern.

Folgen der Gefälligkeitsfalle

Je enger das Verhältnis zu der um einen Gefallen bittenden Person, desto schwieriger wird es für viele Menschen, eine Bitte auszuschlagen. 57 Prozent aller Männer und 61 Prozent der Frauen tun sich Freunden gegenüber besonders schwer.

Das Problem bei der Gefälligkeitsfalle ist, dass diese Menschen Selbstbestimmung ganz oft nicht gelernt haben. Stattdessen sind sie von ihren Eltern zu Hilfsbereitschaft erzogen worden.

Was nicht prinzipiell schlecht ist – eine Ellenbogengesellschaft voller Narzissten will auch keiner. Nur leider ist bei Menschen in der Gefälligkeitsfalle das richtige Maß verloren gegangen. Viele glauben, durch Überarbeitung die ersehnte Anerkennung zu bekommen. Das Gegenteil ist der Fall.

Die Folgen der Gefälligkeitsfalle:

  • Sie gefährden Ihre Gesundheit.

    Wer die Wünsche und Ziele anderer über die eigenen stellt, treibt Raubbau mit seinem Körper. Denn die eigene Arbeit muss ja immer noch erledigt werden. Die Folge sind Stress und Überlastung. Wer keinerlei Ruhepausen mehr einhält, wird dementsprechende Erkrankungen fördern: Schlafstörungen, Bluthochdruck, Rückenschmerzen und Magen-Darm-Probleme.

  • Sie büßen an Sympathie ein.

    Es klingt irre, ist aber wahr: Eigentlich ist eins der Hauptmotive für Betroffene in der Gefälligkeitsfalle, dass sie sich die Sympathie und Anerkennung durch ihre Kollegen wünschen. Das Ganze kann aber auch nach hinten losgehen: Wer ständig ackert, selbst Aufgaben des Chefs mit hohem Arbeitsvolumen immer noch abnickt, lädt den Ärger seiner Kollegen auf sich. Denn wenn es darum geht, dem Vorgesetzten beispielsweise klar zu machen, dass er übers Ziel hinausgeschossen ist, weil diese Arbeit in der Zeit nicht zu bewältigen ist, sollten alle an einem Strang ziehen.

  • Sie verlieren den Respekt anderer.

    Wer zu allem ja und Amen sagt, wird nicht besonders wertgeschätzt. Im Gegenteil: Die Leute unterstellen so jemanden, dass er kein Rückgrat hat. Motto: Mit dem kann man es ja machen. Es ist ein bisschen wie mit dem Gesetz von Angebot und Nachfrage: Was im Überfluss vorhanden und leicht zu bekommen ist, hat kaum Wert.

  • Sie werden fremdbestimmt.

    Statt selbstbewusst und selbstverantwortlich zu handeln, wird Ihr Arbeitsablauf im Prinzip durch andere bestimmt. Wer immerzu hilft, erarbeitet sich einen gewissen Ruf, das heißt, dass andere Kollegen sehr schnell merken, wie schwer Sie zu etwas nein sagen können. Es wird also immer jemand versuchen, Sie um einen Gefallen zu bitten. Sie geraten somit immer tiefer in die Gefälligkeitsfalle.

Gründe, aus der Gefälligkeitsfalle ausbrechen

Gefälligkeitsfalle nein sagen Abgrenzung Selbstbestimmung Selbstbewusstsein Vielleicht ist Ihnen ja klargeworden, dass Sie noch ein eigenes Leben mit eigenen Hobbys haben.

Die zu pflegen ist natürlich nur möglich, wenn Sie noch Zeit haben, sich um sich selbst zu kümmern. Es gibt eine Reihe von guten Gründen, warum Sie die Gefälligkeitsfalle ganz schnell hinter sich lassen sollten:

  • Klarheit

    Wer ja sagt, obwohl er eigentlich nein meint, wirkt auf andere oft unstimmig und unklar. Kein Wunder: Akustisch kommt beim Gegenüber vielleicht ein ja an, aber die Körpersprache des Betroffenen sagt womöglich etwas anderes. Eine richtige Abgrenzung funktioniert durch Klarheit.

  • Respekt

    Sie verdienen sich den Respekt anderer. Sie müssen nicht immer ja sagen, um beliebt zu sein. Menschen schätzen andere Menschen mit Ecken und Kanten. Darüber hinaus mag niemand Schleimer. Wer auch einmal nein sagt, zeigt, dass er einen Überblick über seine Kapazitäten hat und Verantwortung für sich selbst übernimmt.

  • Selbstbewusstsein

    Der Augenblick, in dem Sie erkennen, dass Sie die Gefälligkeitsfalle verlassen und dennoch beruflich fest im Sattel sitzen, wird Ihnen eine Menge Selbstbewusstsein verleihen.

Gefälligkeitsfalle: Das sollten Sie tun

Statt die Auswirkungen Ihres Neins zu befürchten, sollten Sie vielmehr die Konsequenzen Ihres Jas begutachten: Laut Psychologen ist häufiges Nachkommen von Wünschen anderer einer der höchsten Risikofaktoren für Burnout. Wer permanent seine eigenen Bedürfnisse ignoriert, kommt schlicht zu kurz.

Spätestens, wenn es an Ihre Gesundheit geht, sollten Sie etwas gegen die Gefälligkeitsfalle tun. Und so können Sie herauskommen:

  • Üben Sie Zuhause.

    Falls Ihnen das nein sagen Kopfschmerzen bereitet, können Sie eine Generalprobe Zuhause abhalten. Um eine Bitte auszuschlagen, sagen sie freundlich, aber mit fester, klarer Stimme nein – ohne Erklärungen, ohne Ausflüchte. Genau das machen Sie dann auch im realen Fall.

  • Lassen Sie sich Zeit.

    Gerade wer im Stress ist, fällt es schwer, klare Gedanken zu fassen. Wenn Sie bereits am rotieren sind und dann noch gebeten werden, eine Zusatzaufgabe zu erledigen, bitten Sie sich Bedenkzeit aus. Analysieren Sie in Ruhe, ob Sie ernsthaft Kapazitäten frei haben oder nicht und treffen sie erst dann eine Entscheidung. Zur Entscheidungsfindung können Sie eine Pro-Contra-Liste führen. Im Zweifelsfalle sollten Sie sich für ein Nein entscheiden.

  • Lernen Sie auszuhalten.

    Wenn einer Ihrer Kollegen tatsächlich sauer auf Sie ist, weil Sie einem Wunsch nicht sofort nachgekommen sind oder ihn sogar abgeschlagen haben, dann ist das so. Sie werden nicht fürs Nettsein bezahlt, sondern für Ihre Kompetenz. Lernen Sie, die Gefühle anderer, den Ärger und den Frust auszuhalten. Irgendwann werden diese Leute sich auch wieder beruhigen. Spätestens dann, wenn sie merken, dass sie auf Ihr Wohlwollen angewiesen sind.

  • Bleiben Sie realistisch.

    Manchmal hilft es, sich konkret Dinge auszumalen. Was ist das Schlimmste, was Ihnen passieren kann, wenn Sie der Gefälligkeitsfalle einen Riegel vorschieben und ab sofort häufiger nein sagen: Wird Ihr Chef Ihnen deshalb kündigen? Werden die Kollegen fortan Sie in der Kantine schneiden, die Gespräche verstummen? Werden Sie ab sofort keinerlei sozialen Kontakte mehr auf der Arbeit haben? Sehr wahrscheinlich ist es keins von alledem.

  • Lernen Sie von den Besten.

    Gucken Sie doch mal, wie andere Kollegen das machen: Sagen die niemals nein und sind deshalb unbeliebt? Oder finden sie eine Möglichkeit, sich abzugrenzen und dennoch beliebt zu sein? Wie macht das der beliebteste Kollege eigentlich?

  • Finden Sie ein Mittelmaß.

    Vermeiden Sie, von einem Extrem ins andere zu fallen. Sie wollen aus der Gefälligkeitsfalle raus, verständlich. Das bedeutet aber nicht, dass Sie nie wieder irgendjemandem einen Gefallen tun dürfen. Im Übrigen ist hier das gute alte Quid-pro-quo-Motto hilfreich: Wer Sie unterstützt, sollte auch mit Hilfe Ihrerseits rechnen dürfen. Aber eben zu Ihren Konditionen und nicht unendlich.

[Bildnachweis: wavebreakmedia by Shutterstock.com]
19. April 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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