Abschiedsworte: Macht’s gut liebe Kollegen!

Niemals geht man so ganz, sang einst die Schlagersängerin Trude Herr. Die richtigen Abschiedsworte zu finden, fällt vielen Leuten schwer. Gerade wenn ein Arbeitnehmer in Rente geht, wenn das Verhältnis zu den Kollegen gut war, macht so ein Abschied auch traurig. Denn oftmals ist klar, dass sich die Anwesenden in dieser Form nicht wiederbegegnen werden, ganz gleich, ob sie privat Kontakt halten. Andersherum: Hat ein Arbeitnehmer selbst gekündigt und will das Unternehmen verlassen, besteht zwar kein Grund zur Trauer, aber auch hier sind die richtigen Worte gefragt. Wie Sie sich am besten verabschieden…

Abschiedsworte: Macht’s gut liebe Kollegen!

Abschiedsworte Arbeit: Ruhestand und Arbeitsplatzwechsel

Die vermutlich häufigsten Gründe für Abschiedsworte auf der Arbeit sind der Ruhestand eines Kollegen oder ein Arbeitsplatzwechsel. Zwar kann auch der Vaterschaftsurlaub ein Grund dafür sein, dass ein Kollege das Unternehmen verlässt. Allerdings wird das häufig nur von vorübergehender Dauer sein, so dass die Trauer vermutlich nicht ganz so groß ist.

Anders sieht es beim Ruhestand aus. Da sind Abschiedsworte auf beiden Seiten gefragt. Der scheidende Kollege wird in der Regel ein Danke für die langjährige, gute Zusammenarbeit äußern. Die Kollegen ihrerseits wiederum sammeln oftmals zum Abschied, so dass Blumen und ein Geschenk überreicht werden.

Abschiedsworte dürfen da natürlich auch nicht fehlen, meist wird vom wohlverdienten Ruhestand gesprochen werden. Dass alle dem ehemaligen Kollegen einen angenehmen Altersabend mit Zeit für die Familie und Hobbys wünschen. Und dass man ihn oder sie vermissen wird.

Gleiches gilt häufig für einen Arbeitsplatzwechsel. Der geschieht nicht immer ganz freiwillig, etwa wenn ein Kollege nur einen befristeten Arbeitsvertrag hatte und aus dem Unternehmen ausscheidet. Oder es findet wegen des Partners ein Umzug für den Job statt.

In so einem Fall werden wohl eher lustige Sprüche zum Abschied formuliert werden. Ganz sicher anders verläuft es, wenn jemand einen schlechten Chef oder fiese Kollegen hatte: Keine salbungsvollen Abschiedsworte, sondern einfach nur auf und davon.

Abschied: Danke für die gute Zusammenarbeit

Das Internet ist voll von gesammelten Werken, wie sich Mitarbeiter teilweise von ihrem ehemaligen Unternehmen verabschieden. Besonders spektakulär sind die Fälle von Arbeitnehmern in Amerika.

Das liegt vor allem an einem für Arbeitnehmer schlechteren Arbeitsrecht. Zumeist handelt es sich hier um fristlose Kündigungen, das heißt, Abschiedsworte und gleichzeitige Kündigung fallen zusammen.

Wer in seinem Arbeitsverhältnis ausgebeutet wurde, sieht vermutlich wenig Anlass für rührende Abschiedsworte. Eine dennoch (für den Zuschauer) lustige Inszenierung brachte 2011 dieser junge Mann:

In Deutschland sind nicht nur die Arbeitnehmerrechte anders. Was auch immer die Gründe für Ihr Ausscheiden aus dem Betrieb sind: Wahre Größe zeigen Sie, wenn Sie die Contenance wahren. Selbst wenn Sie sich also nicht gerade einvernehmlich trennen: Zum Ende hin so richtig allen einen mitgeben, dem Chef sagen, wie doof Sie ihn schon immer fanden, ist kein guter Stil.

Und abgesehen von einer momentanen Befriedigung schießen Sie sich womöglich ein Eigentor: Wer nicht weiß, was wirklich vorgefallen ist und Zeuge Ihrer eher ungnädigen Abschiedsworte wird, wird sich im Zweifel auf die Seite des Arbeitgebers schlagen.

Sind Sie in einer eher überschaubaren Branche tätig, könnten wutentbrannte verbale Ausfälle den ehemaligen Chef dazu veranlassen, seinen Einfluss auszuspielen. Dann werden Sie im Extremfall nie wieder woanders Fuß fassen können oder zumindest Schwierigkeiten haben.

Beim Abschied ein kurzes „Danke für die gute Zusammenarbeit“ sollte also immer drin sein – den Rest können die anderen sich denken.

Abschied vom Unternehmen spiegelt den Stil

Wie Sie insgesamt vom Unternehmen Abschied nehmen, spiegelt Ihren Stil. Denn immer noch gilt die alte Regel: Man sieht sich immer zweimal im Leben. Ein Abschied in Würde ist daher auch Teil der Unternehmenskultur – wenngleich es einigen Arbeitnehmern offenbar nicht möglich ist, einen guten Abgang zu bringen.

Das liegt ungeachtet möglicher Geschehnisse im Vorfeld am Abschied selbst: Einerseits ist es zwar ein großer Tag, der eine Zäsur im bisherigen Leben darstellt, ähnlich wie die Einschulung oder ein runder Geburtstag. Gleichzeitig tut Scheiden weh, sogar wenn Sie selbst gekündigt haben.

Wer sich nicht gerade aus einer Mobbing-Situation befreit, hat schließlich meist über einen gewissen Zeitraum mit den Kollegen eng zusammengearbeitet. Da sind Abschiedsworte durchaus angebracht, wenngleich der Sozialpsychologe Rolf van Dick feststellt, dass es in Deutschland keine richtige Abschiedskultur gebe – im Gegensatz zu anderen Ländern.

Einer Studie der beiden Organisationsforscher Anthony Klotz von der Oregon State University und Mark Bolino von der University of Oklahoma zufolge zeigt die Art des Abschieds Auswirkungen über den weiteren Verlauf einer Karriere.

Sie haben in ihren Untersuchungen sieben verschiedene Stile identifiziert (zwei positive, zwei neutrale und drei negative) und kommen zu dem Ergebnis, dass ein positiver Abschied wichtig ist. Der sieht so aus, dass Kündigungen mit Ankündigung ausgesprochen werden.

Daneben sollte alles korrekt ablaufen, Dankbarkeit und Vertrauen signalisiert werden. Das verlangt je nach Vorgeschichte natürlich eine starke Persönlichkeit. Fakt ist, dass der Studie zufolge Impulsivität und Konfliktscheu negativ bewertet werden.

Tipps für Ihre Abschiedsworte

Je nach persönlichem Verhältnis haben Sie zweierlei Möglichkeiten, Ihre Abschiedsworte an den Mann beziehungsweise an die Frau zu bringen: In einer Abschiedsrede oder einer Abschiedsmail.

Eine Abschiedsrede ist unter Umständen etwas förmlicher und sicherlich angebracht, wenn Sie nach langer verdienstvoller Tätigkeit das Unternehmen in den Ruhestand verlassen. Wer hingegen den Job wechselt, wird sich womöglich etwas kürzer bei seinen Abschiedsworten fassen. In jedem Fall ist es üblich, einen Ausstand zu geben.

Das gibt Ihnen den nötigen Rahmen und die Aufmerksamkeit, die Sie für Ihre Abschiedsworte brauchen. Dazu folgende Tipps:

Abschiedsworte müssen kurz sein wie Liebeserklärungen. Theodor Fontane

  • Abschiedsworte kurz halten.

    Das obige Zitat von Theodor Fontane bringt es auf den Punkt. Ein gutes Betriebsklima vorausgesetzt, wird der Abschied Ihnen und den Anwesenden schwer genug fallen. Gerade, wenn Sie gemeinsame Herausforderungen gemeistert haben, schweißt so etwas zusammen. Daher sollte so ein Abschied keine stundenlange Rede beinhalten. Explizite Empfehlungen sind schwierig, da es auf die individuelle Situation und die Rahmenbedingungen ankommt. Für Tischreden wird mit zwei bis drei Minuten, Geburtstagsfeiern mit fünf und für Unternehmensveranstaltungen mit zehn Minuten gerechnet. Einige kurze Abschiedsworte sollten daher nicht mehr als drei bis fünf Minuten umfassen.

  • Persönliche Worte formulieren.

    Reden Sie die Leute persönlich an. Dazu nennen Sie den Namen des Chefs und nehmen Blickkontakt zu den Anwesenden auf. Ebenfalls wichtig: Ihre Mimik. Bemühen Sie sich, die Kollegen anzulächeln.

  • Das Gute im Schlechten finden.

    Selbst wenn Sie innerlich Groll gegen das Unternehmen oder einzelne Kollegen hegen sollten: Denken Sie an Ihren guten Ruf. Sowas wie „Keine Ahnung, wie ich es in diesem Saustall so lange aushalten konnte!“ mag Ihnen zwar ein Bedürfnis sein. Sie strahlen jedoch weitaus mehr Souveränität aus, wenn Sie positive Abschiedsworte formulieren und für die gute Zusammenarbeit danken, als wenn Sie am letzten Tag mit großem Knall das Unternehmen verlassen.

  • Kontaktbereitschaft signalisieren.

    Manche Kollegen kennen Sie vermutlich sowieso bereits schon gut genug, dass auch privater Kontakt besteht. Andere könnten daran interessiert sein, weiterhin Kontakt zu Ihnen aufrecht zu erhalten – und auch für Sie zahlt sich das Netzwerken aus. Sie können daher Ihre Abschiedsworte damit beenden, indem Sie darauf hinweisen, dass Sie sich über weiteren Kontakt freuen würden. Geben Sie dazu für Kontaktwillige eine E-Mailadresse oder eine Handynummer heraus.

Beispiel für Abschiedsworte nach Projektende

Liebe Kollegen,

die Arbeit mit Euch hat mir großen Spaß gemacht. Es waren aufregende zwölf Monate und es gab Phasen, in denen ich nicht wusste, ob ich lachen oder weinen soll. Mein großer Dank geht an die Teamleitung, Frau Meier, die immer die Ruhe bewahrt und selbst in stressigen Zeiten den Humor nicht verloren hat.

Danke auch an Euch, ich hätte mir keine besseren Kollegen wünschen können – ich denke gerne an die spontanen Grillabende, die wir nach Feierabend organisiert haben.

Aber natürlich auch den Einsatz, als infolge des Sturms das Dach kaputt war und wir mit Regenschirmen, Planen, Eimern und Aufnehmern bewaffnet versuchten, die Gerätschaften zu retten!

Was für ein Chaos – was für ein Zusammenhalt! Das sind Momente, die sich für immer in mein Gedächtnis gebrannt haben. Ich würde mich freuen, wenn wir weiterhin in Kontakt blieben – ich bin bei Facebook oder unter der Handynummer 0123 / 4567890 eigentlich immer zu erreichen.

[Bildnachweis: Robert Kneschke by Shutterstock.com]
14. Juni 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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