Warum ist die Floskel am Schluss problematisch?
Der Standardsatz „Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung“ (Englisch: „For further information I am gladly at your disposal.“) wird oft einfach ans Ende einer E-Mail gestellt, ohne genauer darüber nachzudenken. Das Problem: Die Floskel enthält gleich mehrere Formulierungen, die heute unpassend oder unsinnig sind:
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„Rückfragen“
Eine Rückfrage ohne Hinfrage gibt es nicht. Belassen Sie es einfach bei „Frage“: Sie beantworten gerne Fragen. Das ist völlig ausreichend, dazu kurz und knapp.
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„gerne“
Die Aussage, dass Sie „gerne“ oder „sehr gerne“ Fragen beantworten, klingt anbiedernd. Es ist die Betonung einer Selbstverständlichkeit und daher unnötig. Sie beantworten sonst nie Fragen.
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„zur Verfügung stehen“
Der Ausdruck ist passiv und extrem förmlich und daher nicht mehr zeitgemäß. Die Formulierung hat etwas von: „stets zu Ihren Diensten“ und ist viel zu unterwürfig. Bleiben Sie mit dem Empfänger der Nachricht auf Augenhöhe.
Moderne Kommunikation nutzt direkte und persönliche Formulierungen, die sich mehr am gesprochenen Wort orientieren – nicht nur bei E-Mails. Die heute üblichen Alternativen werden umso positiver und sympathischer wahrgenommen. Schreiben Sie also, wie Sie sprechen! So schreiben Sie automatisch moderner und besser.
Moderne Varianten zu „Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung“
Ein passender Schlusssatz gehört zu jedem Geschäftsbrief, einer Bewerbung oder zu anderen formellen Schreiben. Nur wie können Sie Ihre Bereitschaft ausdrücken, für den Empfänger ansprechbar zu sein?
Hier sind bessere, vor allem aktive und modernere Formulierungen, die Sie statt „Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung“ nutzen sollten:
- „Melden Sie sich bitte bei uns, wenn Sie noch Fragen haben.“
- „Wenn Sie Fragen haben oder weitere Infos benötigen, melden Sie sich bitte.“
- „Weitere Fragen beantworte ich gerne telefonisch unter der Nummer:“
- „Bestehen noch Fragen, freue ich mich auf einen Austausch.“
- „Haben Sie offene Fragen, dann rufen Sie mich einfach an.“
- „Zögern Sie nicht, mich bei Fragen anzurufen.“
- „Sollten Sie noch Fragen haben, schreiben Sie mir bitte eine Nachricht.“
- „Rufen Sie mich an, falls noch etwas unklar ist.“
- „Bei Fragen: einfach melden!“
- „Fragen? Schreib mir kurz – ich antworte fix!“
- „Bei weiteren Fragen melden Sie sich einfach.“
- „Bei offenen Fragen wenden Sie sich bitte an mich.“
- „Ich freue mich auf deine Rückmeldung.“
Professionell & neutral
Direkt & verbindlich
Menschlich & locker
Diese Formulierungen bleiben ungeeignet
Vermeiden Sie jedoch auch heute noch zu antiquierte, passive oder übertriebene Varianten. Dazu gehören etwa:
- „Ich stehe Ihnen stets zur Verfügung, falls Sie Rückfragen haben.“
- „Bei allen Rückfragen stehen wir Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.“
- „Falls noch Fragen offen sind: Wir sind immer für Sie da.“
- „Ich stehe Ihnen stets zur Verfügung – egal, bei welchen Fragen.“
- „Für Rückfragen bin ich jederzeit für sie erreichbar.“
5 Tipps für die richtige Formulierung am Schluss
Statt „Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung“ sollten Sie eine moderne und individuellere Formulierung wählen, die weniger nach Floskel klingt. Damit das gelingt, haben wir fünf Regeln und Tipps, die Ihre Schlussformulierung unbedingt erfüllen sollte:
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Schreiben Sie modern
Vermeiden Sie altmodische Ausdrücke und antiquierte Formulierungen (z.B. zur Verfügung stehen, Rückfragen). Schreiben Sie locker und modern – als würden Sie einem Freund schreiben.
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Bleiben Sie realistisch
Sie wollen nicht, dass jemand Sie am Sonntag um 8 Uhr morgens mit einer Frage anruft. Schreiben Sie entsprechend nicht „jederzeit“, „stets“ oder „immer“. Das ist sowieso gelogen.
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Streichen Sie Floskeln
Verzichten Sie auf nichtssagende und überzogene Floskeln, die nicht wirklich ernst gemeint sind. Formulierungen, wie: „sehr gerne…“ oder „es ist mir eine Ehre…“ glaubt niemand.
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Formulieren Sie individuell
Nehmen Sie Bezug auf aktuelle Anlässe (z.B. Weihnachtswünsche, schöne Urlaubszeit oder Neujahrsgrüße). Das zeigt, das der Schlusssatz nicht nur kopiert wurde.
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Klingen Sie selbstbewusst
Vermeiden Sie den Konjunktiv, weil der unsicher und unterwürfig wirkt. Sie sind kein Bittsteller oder Dienstbote. Strahlen Sie im Schreiben und Ihrer Wortwahl Selbstbewusstsein aus – und formulieren Sie aktiv.
Warum das gerade im Bewerbungsprozess wichtig?
Besonders in der Bewerbung kommt es darauf an, dass Ihre Nachricht professionell und persönlich wirkt. Floskeln in der Bewerbung klingen sofort nach Massenschreiben und ruinieren, den vielleicht sonst perfekten Gesamteindruck.
Deshalb muss vor allem der Schlusssatz im Anschreiben sitzen und nochmal einen Höhepunkt bieten, denn er hallt nach (siehe: Rezenzeffekt). Vermeiden Sie deshalb immer den Konjunktiv und nutzen Sie aktive sowie originelle, eigene Formulierungen.
Beispiele für gute und schlechte Abschlüsse
Genauso wie Überschriften haben Schlussformulierungen eine wichtige Funktion in einem Schreiben: Sie können viel über die Beziehung zum Empfänger aussagen, Sympathie erzeugen und können ein gezielter Call-to-Action sein – oder sie verfehlen jegliche Wirkung und wirken deplatziert.
Je nach Schreiben und Botschaft müssen sie deshalb angepasst werden. Vermeiden Sie stets reine Floskeln. Wir stellen Ihnen im Folgenden einige Beispiele für gute und schlechte Formulierungen vor:
Offene Fragen
Unzeitgemäße Redewendungen und Formulierungen sollten Sie streichen. Achten Sie auf eine passende Wortwahl, die einem modernen Sprachstil und der Beziehung zum Empfänger entspricht.
- „Wenden Sie sich an mich, wenn Sie noch offene Fragen haben.“
- „Noch Fragen? Einfach anrufen unter 0123 4567890“
- „Für Rückfragen können Sie mich jederzeit kontaktieren.“
Klare Verfügbarkeit
Helfen Sie dem Empfänger bei den Kontaktmöglichkeiten und verfranzen Sie sich nicht in unkonkreten Allgemeinplätzen.
- „Offene Fragen beantworte ich gerne zu unseren Sprechzeiten von 9 bis 17 Uhr.“
- „Bei Fragen erreichen Sie mich an Wochentagen bis 17 Uhr unter 0123 4567890.“
- „Gerne beantworte ich Ihnen jederzeit noch offene Fragen.“
Keine Übertreibung
Übertreiben Sie nicht in Ihrem Engagement. Das könnte künstlich und wenig glaubwürdig klingen.
- „Wenn noch Fragen offen sind, melden Sie sich bitte bei mir.“
- „Sollten Sie noch eine Frage haben, erreichen Sie mich telefonisch unter:“
- „Rückfragen beantworte ich sehr gerne jederzeit.“
Rückmeldung anfordern
Vermeiden Sie den Konjunktiv. Er wirkt unsicher und zögerlich. Besonders bei Bewerbungen ist der Schlusssatz wichtig. Zeigen Sie sich selbstbewusst.
- „Ich freue mich auf Ihr Feedback.“
- „Bei offenen Fragen freue ich mich auf Ihren Anruf.“
- „Über eine baldige Rückmeldung würde ich mich freuen.“
Anlässe einbeziehen
Gibt es spezielle Anlässe, die auch den Empfänger betreffen, oder individuelle Anmerkungen, können Sie diese in der Schlussformel bei der Verabschiedung einbeziehen. Das wirkt sympathisch und zeigt, dass es keine Massenmail ist:
- „Schöne und sonnige Pfingsttage wünscht Ihnen“
- „Beste Grüße nach Musterstadt“
- „Wir wünschen Ihnen noch eine gute Woche.“
Bindung stärken
Soll die Verbindung zum Empfänger fortgeführt werden und die Beziehung gestärkt werden, können Sie dies direkt ansprechen. Bleiben Sie nicht zu formell:
- „Ich freue mich auf einen weiteren Kontakt.“
- „Wir freuen uns auf die kommende Zusammenarbeit.“
- „Mit freundlichen Grüßen“
Natürlich passt nicht jede Variante zu jedem Kontext. Den Tonfall sollten Sie stets der jeweiligen Situation und Ihrem Gegenüber an passen. Generell aber gilt: Wer für Fragen offen ist und das nicht mit einer Floskel erklärt, beweist, dass er oder sie auch kommunikativ offen geblieben ist.
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