Gleichgültigkeit: Vor- und Nachteile + 3 Tipps für mehr Interesse

Gleichgültigkeit kann ein praktisches Wesensmerkmal sein: Während andere Menschen sich bei bestimmten Themen die Haare raufen, berühren diese den Gleichgültigen nicht. Das ist auf jeden Fall ressourcenschonender. Allerdings gibt es Situationen, in denen Ihnen Teilnahmslosigkeit zum Nachteil gereicht. Die unterschiedlichen Seiten der Gleichgültigkeit und Tipps, wie Sie damit umgehen…

Gleichgültigkeit: Vor- und Nachteile + 3 Tipps für mehr Interesse

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Was ist Gleichgültigkeit?

Ursprünglich war der Begriff Gleichgültigkeit wörtlich zu verstehen: Zwei Dinge oder Ansichten sind im direkten Vergleich miteinander gleich gültig, gleich viel wert. Heutzutage ist das Wort im Sinne von Desinteresse, Passivität und Leidenschaftslosigkeit zu verstehen. Das heißt nicht, dass die Person etwas negativ bewertet. Im Gegenteil: Es ist einfach die Abwesenheit von Gefühlen und Meinungen. Jemand, der gleichgültig ist, hält sich aus Diskussionen heraus und zeigt keinerlei Engagement.

Teilweise ist von Gleichgültigkeit als Gefühlskälte die Rede. Allerdings ist das nicht dasselbe. Gefühlskalte Menschen können Ihre Gefühle nicht ausdrücken. Wer hingegen gleichgültig ist, ist sehr wohl dazu in der Lage, allerdings interessiert er sich für etwas nicht, es ist ihm unwichtig. Mitunter wird Gleichgültigkeit synonym zu Gleichmut oder Gelassenheit verwendet, aber auch hier gibt es feine Unterschiede: Beide Begriffe beschreiben eher eine Person, die bestimmte Dinge sehr wohl wahrnimmt, in schwierigen Situationen aber die Fassung bewahrt. Der Gleichgültige hingegen dreht sich im Wesentlichen um sich. Alles, was ihn nicht betrifft, hält er von sich fern.

Die nachfolgende Grafik zeigt, wie weit weg diese Gefühlsregung von anderen wie beispielsweise Enthusiasmus ist:

Enthusiasmus Begeisterung Leidenschaft Engagement Phasen Grafik

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Warum ist man gleichgültig?

Gleichgültigkeit kann verschiedene Ursachen haben. Diese sind zum Teil eine Reaktion auf bestimmte Umstände (Rainer Funk spricht hier von reaktiver Gleichgültigkeit), in anderen Fällen ein Charakterzug. Ist letzteres der Fall, spielt Narzissmus eine Rolle, denn das Desinteresse zeigt sich bei allem, was nicht mit der eigenen Person zusammenhängt:

Erkrankung
Bei einer krankhafte Gleichgültigkeit ist jemand über einen längeren Zeitpunkt völlig teilnahmslos, selbst bei Dingen, die ihm üblicherweise Freude bereiten. In solchen Fällen können Burnout oder eine Depression die Ursache sein. Die Teilnahmslosigkeit ist dann eine Folge von Erschöpfung und persönlichen Lebensumständen. Auch bei anderen psychischen Erkrankungen wie Schizophrenie oder Autismus kommt es vor, dass sich Menschen extrem gleichgültig verhalten.

Schutz
Eine andere Möglichkeit ist Gleichgültigkeit aus Selbstschutz. Die Person befürchtet, dass bestimmte Situationen oder Ansichten anderer sie emotional verletzten könnte und zieht sich daher aus allem heraus. Potenziell riskante Themen streift streift sie gar nicht oder nur noch oberflächlich.

Manipulation
Bei bewusster Gleichgültigkeit kann es sein, dass jemand eine andere Person manipulieren will. Es existiert ein Machtgefälle, das heißt, ein Part ist dominant und der andere eher unterwürfig. Ostentative Gleichgültigkeit der dominanten Person kann die unterwürfige Person dazu bringen, bei Konflikten einzuknicken.

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Vor- und Nachteile von Gleichgültigkeit

Wie eingangs erwähnt, ist eine gewisse Portion Gleichgültigkeit in bestimmten Situationen nicht verkehrt. So kann sie in Phasen der Trauer oder Enttäuschung auftreten. Beispielsweise wenn Sie mehrere Bewerbungen geschrieben und nur Absagen kassiert haben. Wären Sie jedes Mal am Boden zerstört, würde Sie das enorme Energie kosten (daher die 24-Stunden-Regel).

Ein generelles Desinteresse ist allerdings schädlich. Zahlreiche Sprüche wie der von Honoré de Balzac illustrieren das: „Die Gleichgültigkeit ist wie das Eis an den Polen: sie tötet alles.“ Sie schadet sowohl dem Individuum als auch der Gesellschaft als Ganzes. Denn sie zeigt sich in verschiedenen wichtigen Bereichen des alltäglichen Lebens:

Beziehung

Die Schattenseiten von Gleichgültigkeit zeigen sich besonders drastisch im Kleinen, in Partnerschaft oder Freundschaft. In einer intakten Beziehung interessieren sich Menschen füreinander. Erkundigen sich nach dem Befinden des anderen, stehen mit Rat und Tat bei Problemen zur Seite.

Behandelt einer den anderen gleichgültig, zeigt er kein Interesse an dieser Person, führt das zu Verletzungen. Verhalten sich beide bereits gleichgültig zueinander, zeigt dies meist das Ende einer Beziehung an. Verletzungen haben auf beiden Seiten stattgefunden, die Partnerschaft oder Freundschaft wird nur noch zum Schein aufrecht erhalten. Meist stehen materielle Interessen oder die Angst vor Reputationsverlust im Vordergrund. Hier zeigen sich Empathielosigkeit und die Unfähigkeit zum Perspektivwechsel – beides spielt auch in den folgenden Lebensbereichen eine Rolle.

Gesellschaft

Gleichgültigkeit und Teilnahmslosigkeit ist Gift für eine Gesellschaft. Die lebt von Teilnahme und Engagement. So beispielsweise in politischer Hinsicht, dass Menschen ihr Wahlrecht wahrnehmen. Dass sie sich inhaltlich damit auseinandersetzen, wofür eine Partei oder ein Politiker steht. Geschieht das nicht, stärkt das am Ende meist die Falschen: Als Nichtwähler kann man sich später nicht beschweren, wenn die eigenen Vorstellungen nicht umgesetzt werden.

Und eine Gesellschaft lebt auch von der Gestaltung durch soziales Engagement. Wenn jeder nur für sich selbst sorgt, ist nicht für jeden gesorgt. Sondern es bleiben die Schwächeren auf der Strecke, die auf Hilfe angewiesen sind. Nicht zuletzt bedeutet Gleichgültigkeit den Belangen anderer gegenüber, dass diese womöglich durch Zerstörung und Ausbeutung bedroht sind. Dann nämlich, wenn unethisches Handeln keinerlei Konsequenzen nach sich zieht.

Job

Teilnahmslose Menschen interessieren sich nur für wenige Dinge. Sie erledigen das Nötigste, machen Dienst nach Vorschrift. Um nicht anzuecken oder ihre Ruhe zu haben, bilden sie sich keine Meinung. Allerdings gibt es immer wieder Situationen, in denen es wichtig ist, Stellung zu beziehen, um für Fairness zu sorgen. So etwas zahlt gleichzeitig auf den Zusammenhalt unter Kollegen und damit auf das Betriebsklima ein.

Wer gleichgültig und desinteressiert ist, zeigt wenig Einsatz. Interesse und Leistungsbereitschaft sind allerdings nötig, um beruflich voranzukommen. Das geht bereits damit los, sich für die Unternehmensziele zu interessieren, wo soll es zukünftig hingehen? Oder Wissensdurst zu zeigen, wenn es darum geht, sich neue Kenntnisse und Fähigkeiten anzueignen, die im Job nützlich sein können. Sich mit Ideen und der Bereitschaft, zusätzliche Aufgaben zu übernehmen, einzubringen. Dieses Verhalten lässt eine Person aus der Masse herausragen und ist notwendig, wenn Sie eine Beförderung planen.

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Wie kann man weniger gleichgültig werden?

Natürlich wird es immer Situationen geben, in denen es besser ist, sich nicht allzu intensiv mit zu beschäftigen. Wir treffen (besonders im Arbeitskontext) immer wieder auf schwierige Menschen, mit denen wir auskommen müssen. Ein bisschen mehr Gleichgültigkeit an der einen oder anderen Stelle schont das Nervenkostüm. Vor allem, wenn eine Konfliktlösung nicht möglich ist, eine Konflikteskalation aber vermieden werden soll.

Andererseits verbaut zu große Gleichgültigkeit Perspektiven und steht Veränderungen im Weg. Das ist besonders ärgerlich, wenn ein „Weiter so“ genau das ist, was Sie nicht wollen. Wer weniger gleichgültig werden und dennoch auf sich Acht geben will, sollte diese Tipps beachten:

  • Bilden Sie sich
    Wissen ist Macht – eine fundierte Meinung können Sie sich bilden, wenn Sie sich über bestimmte Bereiche informieren. Das können persönliche Interessen und Hobbys sein. Ebenso gut gesellschaftliche Themen wie Umwelt, Politik, Geschichte, Kultur.
  • Interagieren Sie
    Wer desinteressiert an anderen ist, läuft Gefahr zu vereinsamen und zum Eigenbrötler zu werden. Interaktion mit anderen ist deutlich abwechslungsreicher und inspirierender. Und es hat den großen Vorteil, dass Sie sich vernetzen – ganz gleich, ob Sie einem gemeinsamen Hobby wie Fußball frönen, in der Gemeinde aktiv sind oder sich ehrenamtlich engagieren.
  • Meditieren Sie
    Wenn Sie eine Auszeit von anderen brauchen oder Gefahr laufen, sich über jemanden besonders aufzuregen, sind Meditationen hilfreich. Besonders die Metta-Meditation eignet sich dazu, Ärger anderen gegenüber abzubauen und stattdessen zu mehr aufrichtigem Interesse zu gelangen.

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[Bildnachweis: Karrierebibel.de]

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