Kennen Sie die 24-Stunden-Regel? Ich kannte sie bisher nicht. Eigentlich ist sie auch keine wirkliche Regel im Sinne eines ehernen Gesetzes. Eher eine Art Erinnerung daran, dass das Leben weitergeht. Kurz gesagt lautet die 24-Stunden-Regel so: Falls Sie sich auf einen Job beworben und eine Absage kassiert haben, dürfen Sie exakt 24 Stunden darüber Trübsal blasen. Danach ist Schluss mit der Trauer und Sie blicken bitte wieder positiv in die Zukunft. Denn nur so haben Sie beim nächsten Vorstellungsgespräch auch wieder die richtige und wichtige (Gewinner-)Attitüde...

24 Stunden Regel Trauer Niederlage ueberwinden

24-Stunden-Regel: Die 4 typischen Trauerphasen

Natürlich ist es nie schön, einen Korb zu bekommen oder abgelehnt zu werden. Da hat man sich alle Mühe gegeben, viele Stunden und Muße in seine Bewerbung investiert, wartet vielleicht noch eine gefühlte Ewigkeit auf eine Antwort (wenn sie überhaupt kommt) - und dann gibt es lediglich einen nichtssagenden Dreizeiler mit der Jobabsage. Danke - für nichts!

Nicht schön, das.

Tatsächlich machen die meisten in einer solchen Situation 4 typische Phasen der Trauer durch, die wir in der folgenden Grafik kurz skizziert haben:

Trauerphasen Grafik 24 Stunden Regel

  1. Phase: Verneinung

    Die erste Phase, wie wir auf Rückschläge reagieren, dauert in der Regel nicht lange, kann aber unterschiedlich heftig ausfallen: Wir wollen es einfach nicht wahrhaben. "Kann nicht sein, die müssen einen Fehler gemacht haben, bestimmt eine Verwechslung, das Vorstellungsgespräch lief doch so gut..." Manche ignorieren die Mail oder den Absage-Brief auch erst einmal. Und bei Nachfragen der Freunde oder Familie, ob es schon etwas Neues gibt, weichen sie aus: "Nö, noch nicht..." Solange, bis Verneinen nicht mehr wirkt oder glaubwürdig ist.

  2. Phase: Trauer und Wut

    Auf die Verneinung folgt meist Trauer. Nicht selten reagieren Menschen, wenn sie mit schlechten Nachrichten konfrontiert werden, darauf aber auch mit Wut. Die Emotionen kochen hoch, der Ärger schwillt an, es werden Schuldige gesucht: "Mieser Laden, ganz schlechter Arbeitgeber, dieses A.... von Personaler!!!" Einige kontern die Absage gar mit einer Art Hexenjagd, machen ihrem Zorn in den sozialen Netzwerken Luft oder schreiben schlechte Kommentare in Arbeitgeberbewertungsportale. Menschlich ist das leicht zu erklären: Das Selbstwertgefühl ist angeknackst; die Enttäuschung fällt umso größer aus, je mehr wir uns den Job gewünscht haben oder brauchen; und statt einer sachlichen Analyse ist es zunächst leichter, wenn sich der Zorn nach außen richtet und durch irgendwelche Verschwörungstheorien kanalisiert wird. Darin liegt aber auch eine Gefahr: Was vielleicht falsch gelaufen ist, wird so nicht erkannt. Und: So manche(r) verfällt danach in Selbstmitleid.

  3. Phase: Akzeptanz

    Irgendwann erkennen wir (hoffentlich), dass Verleugnung, Ärger, Selbstmitleid und wütende Kommentare an der Situation nichts ändern. Die Jobabsage bleibt. Gut, wer diese Phase schnell erreicht - je früher, desto besser. Denn hier beginnen wir mit der Absage konstruktiv umzugehen: Was ist schief gelaufen? Wo habe ich vielleicht selbst Fehler gemacht? Was lerne ich daraus, was kann ich ändern? Hat der Job vielleicht gar nicht gepasst? Suche ich mir regelmäßig die falschen Stellen heraus? Sind meine Vorstellungen unrealistisch? ... All diese Fragen können helfen, die aktuelle Niederlage in einen späteren Sieg zu verwandeln. Die Situation zu akzeptieren, wie sie ist, bleibt dafür aber eine wesentliche Voraussetzung.

  4. Phase: Loslassen und Neustart

    Der Schritt in die richtige Richtung ist gemacht. Jetzt gilt es, loszulassen und den Blick von der Vergangenheit weg und wieder nach vorne in die Zukunft zu richten. Wir machen uns klar, dass wir auf jeden Fall einen neuen Job finden werden - nur vielleicht nicht in den Traumzeiten, wie wir uns das wünschen. Immerhin: Aus den Erfahrungen lässt sich lernen und die Bewerbungsstrategie anpassen und optimieren. Vielleicht ist auch ein Bewerbungscoaching nötig. So oder so: Wir haben wieder die Energie, um uns um neue Bewerbungen zu kümmern...

Um insbesondere die ersten beiden Phasen abzumildern und zu verkürzen, ist die 24-Stunden-Regel so wichtig. Schon allein, weil wir uns bewusst machen, dass Trauern zwar völlig okay ist, dass das Leben aber auch weitergeht und weitergehen muss.

24-Stunden-Regel: Bewerbungsabsagen zum Vorteil nutzen

Zugegeben, das klingt ein bisschen esoterisch und nach typischem Du-Musst-Nur-Positiv-Denken-Blabla. Gleichzeitig ist diese Regel eine schöne und leicht zu merkende Ermahnung an einen selbst, bei Rückschlägen (aller Art) nicht allzu lange in Selbstmitleid zu versinken.

24 Stunden Frust sind verständlich, menschlich, okay. Danach aber sollten Sie die temporäre Niederlage und Bewerbungsabsage zu Ihrem Vorteil nutzen. Auch das klingt komisch, funktioniert aber - etwa so:

  1. Nehmen Sie es nie persönlich!

    Klar, Absagen, womöglich gar wiederholte, tun weh und nagen am Selbstwertgefühl. Sollten sie aber nicht. Denn das heißt nicht, dass Sie nicht gut wären. Womöglich waren Sie sogar überqualifiziert oder für diesen Job einfach der oder die Falsche. Gut so! Sie wollen schließlich den Job finden, der zu Ihnen passt.

  2. Lernen Sie daraus!

    Nutzen Sie die Gelegenheit, um nach Gründen für die Absage zu fragen: Was haben Sie falsch gemacht? Was hat Ihnen gefehlt? Nicht alle Personaler werden ehrlich darauf antworten, weil sie fürchten sonst angreifbar zu werden. Versuchen Sie es trotzdem, etwa telefonisch - und lesen Sie zwischen den Zeilen. Um zu lernen, können Sie sogar Testbewerbungen initiieren.

  3. Verbessern Sie Ihre Bewerbung!

    Kritik, selbst konstruktive, muss man erst einmal verdauen (24 Stunden!). Danach aber können Sie jede Niederlage in steigende Chancen verwandeln: Was Sie nicht persönlich nehmen, macht Sie selbstbewusster, stärker. Und Fehler, die Sie jetzt kennen, begehen Sie kein zweites Mal. So wird Ihre Bewerbung von Mal zu Mal perfekter - während Ihre Mitbewerber immer noch lernen.

[Bildnachweis: Doppelganger4 by Shutterstock.com]

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