Schlechte Nachricht überbringen: So geht’s

Die meisten Menschen verkünden am liebsten gute Nachrichten. Vor schlechten drücken sie sich. Damit macht man sich keine Freunde. Schlechte Nachrichten zu überbringen, war schon immer unbeliebt: In der Antike war es häufig ein finaler Job. In 99 Prozent der Fälle endete er damit, dass der Hiobsbote seinen Kopf verlor. Die Sitten haben sich in den vergangenen Jahrhunderten zum Glück weiterentwickelt. Aber schlechte Nachrichten gibt es noch immer – und ihre Überbringer auch. Jedoch gelten inzwischen andere Regeln: Drückeberger disqualifizieren sich, denn das gehört zu jedem Beruf: Verantwortung übernehmen, Entscheidungen treffen und diese vertreten – auch wenn es schwer fällt und unangenehm ist. Deshalb: 5 erprobte Wege, wie Sie Hiobsbotschaften professionell vermitteln

Schlechte Nachricht überbringen: So geht's

Schlechte Nachricht überbringen: Schweigen ist keine Lösung

Das Problem mit den schlechten Nachrichten ist: Sie zu ignorieren, beseitigt sie nicht. Früher oder später kommt alles ans Licht – dummerweise oft dann, wenn der Zeitpunkt besonders ungünstig ist. Dann rollen zwar keine Köpfe mehr, aber Laufbahnen können dabei durchaus schon mal abrupt enden.

Zudem neigen unbeachtete Probleme dazu, größer zu werden. Also: Auch wenn es weh tut – es ist eine Chance, an dieser Aufgabe zu wachsen sowie sich selbst und dem Unternehmen, für das man arbeitet, einen Gefallen zu tun.

Dazu eine persönliche Geschichte – ein Beispiel:

Es war noch während meines Studiums. Ich arbeitete in den Semesterferien bei einem größeren Unternehmen, um meine Haushaltskasse aufzubessern. Genau genommen, konnte man dabei nicht einmal von einer Kasse sprechen, sie war leerer als manche Versprechungen. Ich hatte aber das Glück in eine Abteilung mit einem vorbildlichen Chef zu kommen. Mein Job war zwar nur der eines fleischgewordenen Schnellhefters, doch lies er mich das nie spüren.

In der Abteilung gab es allerdings auch einen Kollegen, der zwar zuverlässig seine Zielvorgaben erfüllte, jedoch ein krummer Hund war: Er war arrogant, launisch, pflegte allerlei Heimlichkeiten und man wusste nie so recht, ob er nicht auch ab und an Kopierpapier mitgehen ließ. Kurz: Er war gut, aber keiner konnte ihn leiden.

Als ich dort anfing, ging das schon eine Weile so. Ich weiß nicht, wie lange oder ob sich der Kollege erst in jüngerer Zeit negativ verändert hatte. Fest steht nur, dass dieser Mann mit seiner ganzen Art das Klima vergiftete. Auch als Neuling war das spürbar.

Binnen zwei Wochen war auch ich von dem Kollegen völlig genervt. Ich bilde mir nicht ein, der letzte Tropfen im Fass gewesen zu sein, dennoch nahm sich mein damaliger Chef nach dieser Zeit den Mann zur Brust. Es wurde ein lautes Gespräch, selbst durch verschlossene Türen. Danach war klar, der Mann würde die Abteilung verlassen.

Ich war schon damals recht neugierig und fragte meinen Chef später beim Mittagessen, was passiert war und warum er so gehandelt hatte. Ich erinnere mich noch gut an seine Erklärung: „Ich hatte keine andere Wahl“, sagte der Chef. „Ich bin hier angetreten, um Werte wie Fairness, Transparenz und Kollegialität hochzuhalten. Hätte ich den nicht rausgeschmissen, wären das für die anderen nur leeres Geschwätz geblieben. Wenn man von seinen Leuten ein bestimmtes Verhalten erwartet, dann muss man jede Personen belohnen, die das an den Tag legt, aber sich auch konsequent von denen trennen, die das nicht tun.“

Mich hat das damals nachhaltig beeindruckt. Ich kenne zahlreiche Manager, die anders handeln und den Weg des geringsten Widerstands wählen. Sie trennen sich von miesen Mitarbeitern entweder gar nicht (und hoffen, die Sache regelt sich von allein) oder sie handeln heimlich, still und leise. Die offiziellen Begründungen klingen dann so: „Der Meier hat aus persönlichen Gründen gekündigt, um mehr Zeit mit seiner Familie verbringen zu können.“ Das glauben zwar nur die Naiven, aber Effekte auf das Team hat es auch nicht.

Wer dagegen offen verkündet, dass der Meier geschasst wurde, weil er Unternehmenswerte mit Füßen getreten hat oder schlecht und stinkend faul war, kann sicher sein, dass sich schon dessen Nachfolger anders verhalten wird. Ganz zu schweigen von all denen, die jemals am Eintreten der Führungskraft für diese Werte gezweifelt haben.

Jetzt aber zum Kern den Themas: Wie überbringen Sie denn nun schlechte Nachrichten? So…

5 Tipps, schlechte Nachrichten zu überbringen

schlechte Nachricht Hiobsbotschaft ueberbringen Grafik

Nur eine Sache ist schlimmer als schlechte Nachrichten überbringen zu müssen: schlechte Nachrichten zu spät zu überbringen. Nichts hassen Chefs mehr, als von einem Eisberg zu erfahren, wenn das Schiff schon halb voll gelaufen ist. Denn die meisten Probleme verhalten sich wie Krebs: Sie sind heilbar, wenn man sie früh genug erkennt, benennt und etwas dagegen unternimmt.

Hiobsbotschaften rechtzeitig und richtig zu übermitteln, ist allerdings eine Kunst. Die gute Nachricht: Es ist eine, die sich lernen lässt. Im Wesentlichen kommt es darauf an, diese 5 Punkte zu beachten:

  1. Halten Sie alle Fakten parat.

    Hintergründe, Ursachen, wie es dazu kommen konnte… Tragen Sie diese kurz und bündig vor – ohne Ausweichmanöver, ohne Ausflüchte oder Relativierungen. Einfach: So ist es jetzt.

  2. Versuchen Sie nichts schönzureden.

    Oder schlimmer: andere dafür verantwortlich zu machen. Egal, welche Rolle Sie im Team spielen: Beweisen Sie Rückgrat und bitten Sie um Entschuldigung. Wenn Sie der Überbringer der Nachricht sind, sollten Sie auch der Verantwortliche dafür sein – also auch dafür gerade stehen. Einzig zulässig ist die Formulierung im „Wir“-Modus: Wir haben nicht geschafft, dass… Tabu ist dagegen jede Formulierung mit „man“ – zu distanziert.

  3. Beherrschen Sie Ihre Emotionen.

    Seien Sie geduldig. Es kann vorkommen, dass Ihr Chef anschließend für fünf Minuten unter der Decke kreist und seinen Frust auch für die Stockwerte darunter hörbar ventiliert. Halten Sie den Wutausbruch aus und bewahren Sie Fassung. Egal, wie die Sache ausgeht: Er wird Sie allein wegen dieser Standhaftigkeit schätzen.

  4. Bieten Sie eine Lösung an.

    Zumindest aber einen Weg, um die Talfahrt zu stoppen. Nur nicht sofort und im selben Atemzug, das wirkt beschwichtigend und wie ein Schuldeingeständnis.

  5. Sparen Sie sich die guten Nachrichten auf.

    Versuchen Sie bitte nie, schlechte Nachrichten sofort mit ein paar guten in Watte zu packen. Erstens durchschauen Chefs das Sandwich-Manöver, zweitens verbrennen Sie damit meist auch die guten Ergebnisse. Warten Sie lieber eine Weile damit, bis sich der Rauch verzogen hat.

    Schlechte Nachrichten Sprueche

Schlechte Nachrichten verarbeiten

Schlechte Nachrichten verarbeitenSchlechte Nachrichten professionell zu empfangen und damit richtig umzugehen, ist natürlich auch kein Vergnügen. Aber genauso lernbar…

Deshalb, daher und darum: Hier noch unsere Empfehlungen, wie Sie mit schlechten Nachrichten besser und professionell umgehen:

  1. Bleiben Sie ruhig.

    Schreien verschafft zwar Luft, löst das Problem aber nicht. Zudem ist es so: Wenn Sie erst einmal dafür verschrien sind, jedes Mal aus der Haut zu fahren und Rumpelstilzchen Konkurrenz zu machen, wenn Ihnen einer einen Fehler gesteht, werden sich die Leute genau das irgendwann nicht mehr trauen. Die Folge: Verschleppung, Vertuschung, Versenkung.

  2. Verschaffen Sie sich sofort einen Überblick.

    Wenn Sie schon kochen, dann bitte nichts Halbgares. Vergewissern Sie sich vorher, dass Sie auch wirklich alle Fakten kennen, die zu dem Problem geführt haben: Wer, was, wann, wo, warum? Analysieren Sie das Problem, erstellen Sie einen Notfallplan (der natürlich idealerweise schon existiert) und handeln Sie danach. Jetzt geht er zuerst um Schadenbegrenzung.

  3. Geben Sie relevante Informationen weiter.

    Je nachdem wie groß das Dilemma ist auch an mehrere Kollegen: kurz, präzise, emotionslos. Denn auch die wollen die Dinge zuerst von Ihnen und nicht aus den Medien erfahren. Wie das geht, wissen Sie ja jetzt.

Oder wie Molière schon sagte: „Die Menschen gleichen sich in den Worten, aber an den Taten kann man sie unterscheiden.“

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[Bildnachweis: Stock-Asso by Shutterstock.com]
25. Juni 2017 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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