Bewerbung wiederholen: Warum nicht?
Eine Absage ist immer enttäuschend. Gerade dann, wenn Sie sich den Job wirklich gewünscht haben. Dennoch kann eine erneute Bewerbung beim selben Arbeitgeber sinnvoll sein. Nicht zuletzt, weil Sie damit Ihre echtes Interesse am Unternehmen und Durchhaltevermögen beweisen.
Zwar schließt eine Absage die Wiederbewerbung nicht aus, verboten ist sie ebenfalls nicht. Sie sollten jedoch mindestens 2 Monate abwarten und in der Zwischenzeit Ihre Bewerbungsunterlagen optimieren sowie fehlende Qualifikationen oder Erfahrungen nachholen bzw. auszubauen.
Was sind gute Gründe für die erneute Bewerbung?
Für die Wiederholung einer Bewerbung beim selben Arbeitgeber gibt es unterschiedliche Szenarien. In diesen Fällen kann sich eine erneute Bewerbung trotz Absage lohnen:
- Die Stelle bleibt weiterhin ausgeschrieben.
- Dieselbe Stelle wird wieder ausgeschrieben.
- Es gibt eine neue passende Stelle beim Arbeitgeber.
- Zwischen alter und neuer Bewerbung liegen mindestens 2 Monate.
In manchen Absageschreiben steht sogar, dass man sich über eine erneute Bewerbung zu einem späteren Zeitpunkt freuen würde. Auch dann sollten Sie eine Wiederbewerbung angehen.
Wie oft kann ich mich bei einem Unternehmen bewerben?
Für die Anzahl der Bewerbungen bei einem Arbeitgeber gibt es kein Limit. Um glaubwürdig zu bleiben, sollten Sie im zweiten Anlauf aber neue Argumente nennen können. Wer sich schon mehrfach erfolglos beworben hat, sollte einsehen, dass es nicht passt. Wenn Sie sich hingegen auf zwei ausgeschriebene Stellen gleichzeitig bewerben, spricht man von einer Mehrfachbewerbung.
Kann ich mich auch beim alten Arbeitgeber bewerben?
Manche berufliche Entwicklung führt zum Ex-Arbeitgeber zurück. Vorteil: Beide Seiten kennen sich schon. Die Bewerbung beim alten Arbeitgeber ist ebenfalls möglich, aber kein Selbstläufer. Den Schritt sollten Sie gründlich bedenken und mögliche Fallstricke beachten (siehe auch: Bumerang-Arbeitnehmer).
Bewerbung wiederholen: So gehen Sie vor
Sie haben sich dazu entschieden, Ihre Bewerbung zu wiederholen? Dann heißt es jetzt: Strategisch vorgehen! Ihre erneute Bewerbung sollte nicht wie ein einfaches Replay wirken. Verstehen Sie den zweiten Anlauf als komplett neue Bewerbung. Tipps, wie Sie dabei vorgehen:
1. Unternehmen anrufen
Wenn Sie in einer Jobbörse dieselbe Stellenanzeige, denselben Job nochmal entdecken, schreiben Sie keine E-Mail, um nachzufragen, ob die Stelle noch frei ist und Sie die Bewerbung wiederholen können. Rufen Sie an! Im besten Fall haben Sie noch eine Visitenkarte des Personalers aus dem Vorstellungsgespräch. Falls nicht: Fragen Sie sich durch, wer für das Jobangebot und die Bewerberauswahl zuständig ist.
Doppelter Vorteil: Mit dem Anruf bringen Sie sich erneut in Erinnerung und können gleichzeitig nützliche Informationen erfragen – z.B. warum die Stelle noch nicht besetzt ist oder ob sich am Anforderungsprofil etwas geändert hat.
2. Absagegründe analysieren
Der Erfolg der Wiederbewerbung hängt enorm davon ab, wie gut Sie den oder die Absagegründe kennen. Analysieren Sie Stellenanzeige und eigene Unterlagen nochmal gewissenhaft und selbstkritisch, um Ihre Bewerbungschancen zu erhöhen. Vielleicht war es nur die fehlende Sympathie bei ersten Mal, und nun bearbeitet eine ganz andere Personalerin die Bewerbung?!
Vergleichen Sie alte und neue Stellenanzeige: Gibt es Unterschiede? Haben sich die Schwerpunkte verlagert? Welche Qualifikation oder Erfahrungen werden jetzt gesucht? All das sollten Sie für die zweite Bewerbung nutzen.
3. Bewerbung optimieren
Bitte niemals dieselbe Bewerbungsmappe einreichen! Wenn Sie eine Bewerbung wiederholen, haben Sie einen unschlagbaren Vorteil: Sie wissen, was nicht funktioniert. Deshalb: Unbedingt die Bewerbung optimieren: das Bewerbungsschreiben neu formulieren, den Lebenslauf verbessern, das Layout der Bewerbung übersichtlicher gestalten.
Idealerweise haben Sie in der Zwischenzeit weitere, relevante Zusatzqualifikationen hinzu gewonnen oder verfügen nun über mehr Muss-Qualifikationen. Auch ein Bewerbungscoaching kann helfen, eine professionelle Bewerbung zu erstellen, die besser funktioniert.
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4. Vorstellungsgespräch trainieren
Gab es schon ein Bewerbungsgespräch, an dem Sie gescheitert sind? Dann gehen Sie das Interview und Ihre Vorstellungsgespräch Notizen nochmal durch: Wonach wurde gefragt? Was war den Personalern wichtig? Wobei hatten Sie keine guten Antworten? Eine gute Vorbereitung ist die halbe Miete! Stellen Sie sich im Recall auf heikle Fragen ein und bereiten Sie diesmal bessere Rückfragen vor. Auch hierbei kann ein Bewerbungstraining helfen.
Auf gleiche Stelle nochmal bewerben – Formulierungen
Ob Anschreiben oder Lebenslauf: Die Formulierungen in Ihrer erneuten Bewerbung sollten unbedingt frisch und anders lauten als beim ersten Mal. Übernehmen Sie keine Texte der erfolglosen Bewerbung, sondern schreiben Sie so hochmotiviert, als würden Sie sich zum ersten Mal bei dem Unternehmen und Arbeitgeber bewerben!
Das bedeutet zugleich: Thematisieren Sie die vergangene Absage möglichst nicht, sondern blicken Sie nach vorne und konzentrieren Sie sich voll und ganz auf die jetzt erforderlichen Qualifikationen oder Ihre neu gewonnenen Fähigkeiten, die Sie für den Job auszeichnen. Allenfalls eine persönliche Weiterentwicklung können Sie in Anschreiben oder Lebenslauf nochmal hervorheben, um Personalern zu beweisen: „Ich bin jetzt noch besser geeignet!“
Grundprinzipien der Wiederbewerbung
- Zeigen Sie, dass Sie sich weiterentwickelt haben – fachlich, persönlich.
- Erklären Sie das erneute Interesse, ohne defensiv zu wirken.
- Drücken Sie anhaltendes Interesse aus, aber nicht weil Sie sonst nichts haben.
- Bleiben Sie im Ton positiv und selbstbewusst, ohne sich zu rechtfertigen.
Gute Formulierungen und Beispiele für eine Bewerbung beim selben Arbeitgeber auf dieselbe Stelle sind:
- „Bereits im vergangenen Jahr habe ich auf die Position als [Stelle] beworben. Mein Interesse an dieser Aufgabe ist in der Zwischenzeit sogar noch gewachsen: Durch [neue Erfahrungen, Weiterbildungen, Projekte] habe ich meine Qualifikationen gezielt weiterentwickelt und möchte mich nun erneut für diese Stelle empfehlen.“
- „Nach meiner Bewerbung im [Monat/Jahr] auf die Position als [Stelle] habe ich die Zeit genutzt, um meine Kenntnisse in [relevanter Bereich] weiter zu vertiefen. Besonders durch [Beispiel] habe ich wertvolle Erfahrungen gesammelt, die mich heute noch besser für diese Aufgabe qualifizieren.“
- „Als Teil des Teams bei [Unternehmen] habe ich die Aufgaben als [Position] noch besser kennengelernt. Umso mehr reizt mich erneut die Möglichkeit, meine zusätzlichen Erfahrungen im Bereich [Beispiel] in Ihrem Unternehmen gezielt einzubringen.“
- „Seit meiner vergangenen Bewerbung habe ich besonders im Bereich [Beispiel] dazugelernt, was mir ermöglicht, die Anforderungen der ausgeschriebenen Stelle heute noch besser auszufüllen.“
- „Die erneute Ausschreibung der Position als [Stelle] hat mein Interesse sofort wieder geweckt – ich bin überzeugt, dass ich mit meinem erweiterten Profil nun einen noch passenderen Beitrag leisten kann.“
- „Ich habe die Entwicklung der Abteilung [oder des Projekts] mit großem Interesse verfolgt und sehe darin spannende Anknüpfungspunkte für meine neuen Erfahrungen in [Bereich]. Ich bin überzeugt, dass ich heute mit meinen zusätzlichen Erfahrungen und meiner großen Motivation einen echten Mehrwert für Ihr Team bieten kann.“
Schlechte Formulierungen vermeiden
Die folgenden Formulierungen sollten Sie bei Ihrer erneuten Bewerbung beim selben Arbeitgeber hingegen nicht benutzen:
- „Vielleicht erinnern Sie sich noch an mich. Da ich beim letzten Mal nicht berücksichtigt wurde, versuche ich es heute erneut…“ – klingt zu defensiv bis verzweifelt.
- „Von meiner ersten Bewerbung waren Sie noch nicht überzeugt. Ich hoffe, diesmal habe ich mehr Glück und Sie geben mir eine zweite Chance…“ – den Zufall betonen ist unprofessionell.
- „Obwohl ich mit meiner letzten Bewerbung erfolglos eine Absage kassiert habe, möchte es noch einmal probieren…“ – zu negativ und nicht zielgerichtet.
Erneute Bewerbung nach Vorstellungsgespräch – Formulierungen
Ihre erste Bewerbung war zwar erfolgreich, dafür waren Sie nach dem Vorstellungsgespräch raus. Das bedeutet: Sie waren grundsätzlich passend qualifiziert – ein anderer Kandidat oder eine Kandidatin hab aber mehr überzeugt.
In dem Fall sollten Sie ausdrücken, dass Sie das Gespräch positiv in Erinnerung haben und sich inzwischen fachlich oder persönlich weiterentwickelt haben. Gleichzeitig ist das Interesse an der Position und am Unternehmen unverändert stark, sodass Sie sich jetzt mit noch besserer Passung bewerben.
Selbstbewusste Beispiele und Formulierungen sind:
- „Nach dem angenehmen und aufschlussreichen Gespräch zur Position als [Stelle] im [Monat/Jahr] ist mein Interesse an einer Mitarbeit bei Ihnen noch weiter gewachsen. Die erneute Ausschreibung der Stelle habe ich mit großer Freude gesehen – und möchte mich hiermit erneut für die Position bewerben.“
- „Unser Gespräch über die Position als [Stelle] im [Monat/Jahr] habe ich in sehr positiver Erinnerung. Seitdem konnte ich meine Kenntnisse in [Bereich] weiter ausbauen, sodass ich heute mit noch besserer Qualifikation und Motivation erneut mein Interesse an der Stelle bekräftigen möchte.“
- „Nach unserem konstruktiven Austausch im [Monat/Jahr] und dem damaligen Feedback habe ich die Zeit genutzt, um meine Kenntnisse in [Bereich] gezielt zu vertiefen. Umso mehr freut es mich, dass die Position nun erneut ausgeschrieben ist – gerne möchte ich mich mit meinem erweiterten Profil nochmals vorstellen.“
Bewerbung wiederholen: Bessere Voraussetzungen schaffen
Neben den schon erwähnten Tipps für die zweite Bewerbung gibt es noch ein paar psychologische Faktoren, die Sie nutzen können, um die Jobchancen zu steigern, wenn Sie Ihre Bewerbung wiederholen:
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Ärger zulassen
Absagen sind immer eine Enttäuschung, der Ärger darüber verständlich. Erlauben Sie sich anfangs zu trauern und wütend zu sein – aber nur 24 Stunden lang! Danach blicken Sie wieder nach vorn. Selbstmitleid ist keine Strategie.
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Nichts persönlich nehmen
Natürlich kratzt der Korb am Selbstbewusstsein. Eine Absage ist aber kein Gottesurteil. Die Personaler fanden einen anderen Kandidaten besser. Sie sind deswegen aber kein Verlierer, sondern haben immer noch zahlreiche Chancen, die Sie gezielt nutzen.
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Feedback erbitten
Auch wenn viele Recruiter kaum über die wahren Absagegründe sprechen: Fragen Sie trotzdem nach! Oder bitten Sie um eine Empfehlung, was Sie zukünftig besser machen können. Jedes Feedback hilft, auch das zwischen den Zeilen. Wenn Sie freundlich und respektvoll bleiben, behält man Sie überdies in guter Erinnerung – was nützlich ist, wenn Sie die Bewerbung wiederholen.
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Hartnäckig bleiben
Auch wenn es schwerfällt: Behalten Sie Ihre positive Attitüde. Das ist Ihre schärfste Waffe bei der erneuten Bewerbung. Wer zum Bittsteller schrumpft, wirkt weniger attraktiv. Sie sind ein Kämpfer – und haben noch immer Feuer für diese Position!
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Bewerbung wiederholen: Ja oder nein?
Ob Sie sich beim selben Unternehmen nach einer Absage erneut bewerben, liegt nicht zuletzt an Ihrer individuellen Situation: Was sagt Ihr Bauchgefühl? Können Sie nennenswerte, neue Argumente für sich ins Feld führen? Konnten Sie die Gründe oder Defizite beseitigen, die beim erstem Mal zur Absage geführt haben? Ist der Job die zweite Chance wirklich wert?
Die Bewerbung zu wiederholen, ist zwar kein Selbstläufer – sie hat aber Aussicht auf Erfolg, solange die zweite Bewerbung kein Abklatsch der ersten ist. Hartnäckigkeit zahlt sich aus. Nutzen Sie also Ihre zweite Chance. Mehr als wieder „Nein“ sagen, kann der Arbeitgeber nicht…
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