Muss- und Kann-Qualifikationen: Voraussetzungen für die Bewerbung

Am Anfang sind viele Bewerber erschlagen von den Anforderungen in Stellenanzeigen. Das kann dazu führen, dass im Bewerbungsschreiben falsch gewichtet wird. Dabei wird unterschieden zwischen den Muss- und Kann-Qualifikationen. Wer hier irrtümlicherweise den falschen Schwerpunkt legt, verschenkt seine Chance auf eine erfolgreiche Bewerbung. Dabei ist es keine Raketenwissenschaft, mit ein bisschen Übung kommen Bewerber schnell dahinter, worauf sie bei Stellenanzeigen achten müssen…

Muss- und Kann-Qualifikationen: Voraussetzungen für die Bewerbung

Stellenanzeigen richtig lesen und verstehen

Viele Stellenanzeigen sind so formuliert, dass sie zunächst den Bewerber eher abschrecken. Gesucht wird die eierlegende Wollmilchsau, im Arbeitskontext heißt das:

  • Anfang zwanzig,
  • abgeschlossene Ausbildung,
  • abgeschlossenes Studium,
  • Auslandserfahrung,
  • drei Fremdsprachen fließend sprechend und
  • fünf Jahre Berufserfahrung.

Bewerber sollten sich davon allerdings nicht verunsichern lassen. Für die anspruchsvoll formulierten Stellenausschreibungen gibt es zwei Gründe: Zum einen wünscht sich natürlich jeder Arbeitgeber den Traumkandidaten; dass also alles hineingeschrieben wird, was irgendwie zur Stelle passt, ist verständlich.

Zum anderen fungiert die Anzeige bereits als erster Filter, denn gerade attraktive Arbeitgeber werden mit Bewerbungen geradezu überhäuft. Darunter befinden sich immer auch solche, die sich pro forma bewerben. Um diese direkt im Vorfeld möglichst auszusieben, werden entsprechende Muss- und Kann-Qualifikationen formuliert.

Stellenanzeigen finden Sie auf www.karrieresprung.de.

Stellenanzeigen analysieren: So gehen Sie vor

Rund um eine Stellenanzeige erhalten Sie viele Informationen, die Ihnen bei der Bewerbung nützlich sein können. Diese richtig einordnen zu können, ist erfolgsentscheidend. Es fängt schon damit an, wo ein Arbeitgeber seine Stellenanzeige veröffentlicht, wie alt die Anzeige ist und natürlich, welche Muss- und Kann-Qualifikationen sie enthält.

  • Erscheinungsort

    Greift ein Unternehmen auf ein Branchenblatt, Jobbörsen oder die eigene Webseite zurück? Wer beispielsweise auf seiner eigenen Webseite oder in Fachmagazinen veröffentlicht, spricht Branchenkenner an. Der Vorteil einer Veröffentlichung auf der Unternehmenswebseite:

    Die Anzeige lässt sich den eigenen Wünschen entsprechend gestalten und kostet nichts. Eine Anzeige schalten zu lassen oder einen Headhunter zu bemühen, kann richtig teuer werden. Am günstigsten ist noch die Veröffentlichung in einer Jobbörse ab etwa 500 Euro.

    Für Anzeigen in Printmedien können je nachdem 10.000 Euro veranschlagt werden, für einen Headhunter muss eine Gage von 25 bis 33 Prozent des Jahresgehalts der zu vermittelnden Position einkalkuliert werden. Die meisten Bewerber werden ganz klar mit Online-Jobbörsen erreicht.

  • Alter

    Einer Stellenanzeige im Fachblatt oder in der Jobbörse können Sie für gewöhnlich das Erscheinungsdatum entnehmen. Hier gilt: Je schneller Sie sich auf eine Anzeige bewerben, desto besser. Nicht selten schreiben einige Bewerber noch kurz vor Bewerbungsschluss eine Anzeige, aber gerade große Unternehmen erhalten teilweise Massenbewerbungen.

    Deshalb finden späte Eingänge oftmals keine Beachtung mehr und aus demselben Grund werden Anzeigen auf der eigenen Webseite entfernt, wenn die maximale Anzahl an Bewerbungen erreicht ist. Anders teilweise in Jobbörsen: Der Preis für die Anzeige wurde gezahlt, deshalb kann es passieren, dass die Stelle bereits vergeben ist, obwohl die Stellenbeschreibung online noch einzusehen ist.

    Auch geraten manche Anzeigen in Vergessenheit oder werden mehrfach geschaltet. Als grobe Orientierung: Bei Stellenanzeigen, die älter als zwei Wochen sind, sollten sich Bewerber im Zweifelsfalle vorab telefonisch erkundigen, ob die Stelle noch vakant ist.

  • Muss- und Kann-Qualifikationen

    Als Faustregel können Sie sich merken: Die ersten drei Punkte zu Beginn zählen für ein Unternehmen meist zu den Muss-Qualifikationen, also jenen, die für die Stelle unverzichtbar sind. Hier geht es in der Regel um die Ausbildung oder das Studium in einem bestimmten Bereich oder eine Anzahl von Jahren, die der Bewerber als Berufserfahrung hat.

    Häufig handelt es sich bei den Muss-Qualifikationen um Hard Skills, also solche Fähigkeiten und Kenntnisse, die sich anhand von Zeugnissen überprüfen und vergleichen lassen. Die Kann-Qualifikationen hingegen sind meist Soft Skills, die das Unternehmen sich vom Kandidaten wünscht.

    In den seltensten Fällen werden Sie 100 Prozent aller Anforderungen erfüllen können, aber das ist kein Grund, das Handtuch zu werfen. Hier ist gerade für Frauen ein bisschen mehr Selbstbewusstsein und Realitätsnähe gefragt: Wer hinter 70 bis 80 Prozent der Muss- und Kann-Kriterien einen Haken setzen und sich mit dem Aufgabenbereich identifizieren kann, sollte sich bewerben.

Begriffsklärung: Muss, Soll oder Kann?

Stellenanzeigen richtig lesen Übung und verstehen was bedeutet wünschenswert in Stellenausschreibung Reisebereitschaft analysieren Beispiel DefinitionHier ist von den Muss- und Kann-Qualifikationen die Rede, was identisch ist mit Muss- und Kann-Anforderungen. Manche Bewerbungsratgeber treffen die Unterscheidung in Muss- und Soll-Anforderungen oder Soll- und Kann-Qualifikationen. Letzteres Beispiel ist sprachlich identisch mit unserer Unterscheidung in Muss- und Kann-Qualifikationen.

Die Bezeichnung Muss- und Soll-Anforderungen ist insofern irritierend, als beide Verben eine hohe Dringlichkeit beinhalten und damit vermuten lassen, dass beide Anforderungsarten gleich zu gewichten wären. Die Formulierung stammt aus dem Projektmanagement, in dem anhand von Muss-Soll-Kann-Schemata unterschiedlich abgestuft Prioritäten gesetzt werden.

Gemeint ist in allen diesen Fällen das Gleiche: Für Sie gilt es in Stellenanzeigen den Teil zu identifizieren, den der Arbeitgeber unbedingt erwartet und dann herauszufiltern, was zusätzlich willkommen ist.

Muss-Qualifikationen im Detail: Welche sind erforderlich?

Um es direkt vorweg zu sagen: Auch wenn Sie nicht bis ins letzte Detail alle Anforderungen erfüllen müssen – es gibt Bereiche bei den Muss- und Kann-Qualifikationen, die sind für Unternehmen nicht verhandelbar. Gerade die Muss-Qualifikationen stehen nicht umsonst an prominenter Stelle, sind häufig durch Fettdruck oder Schriftgröße betont.

Ein Unternehmen, dass ausdrücklich einen Servicetechniker sucht, wird keinen Kaufmann für Büromanagement einstellen, sofern es nicht zwei Stellenausschreibungen für eben diese beiden Berufe gibt. So etwas kann vorkommen und wird als Schlagzeile deutlich erkennbar formuliert, zum Beispiel:

Wir suchen zur Verstärkung unserer Teams einen Servicetechniker (m/w) UND einen Kaufmann (m/w) für Büromanagement. Ihr Profil als Servicetechniker ist:… Ihr Profil als Kaufmann für Büromanagement ist:…

Alternativ können Stellenausschreibungen sich an verwandte Berufe richten oder versuchen, mit alten Berufsbezeichnungen Bewerber mit eben diesen Qualifikationen ebenfalls anzusprechen. Das kann zum Beispiel folgendermaßen formuliert sein:

Wir suchen zur Verstärkung unseres Teams einen Servicetechniker, wahlweise auch mit abgeschlossener Ausbildung als Elektroniker, Mechatroniker oder Industriemechaniker mit elektrischen Kenntnissen.

Erkennbar sind die Muss-Qualifikationen an der Wortwahl:

  • Perfekte Kenntnisse in XY setzen wir voraus.
  • Berücksichtigt werden nur Bewerbungen mit Abschluss / Erfahrungen in XY.
  • Unbedingt notwendig sind Erfahrungen in XY.
  • Wir suchen einen Mitarbeiter mit guten Kenntnissen in XY.
  • Zwingend erforderlich ist Erfahrung in XY.
  • Sie verfügen über nachweisliche Erfolge im Bereich XY.
  • Eine abgeschlossene Ausbildung als XY ist Voraussetzung.
  • Sie passen zu uns, wenn Sie XY mitbringen.
  • Wir erwarten sehr gute Kenntnisse in XY.
  • Sie besitzen einen Führerschein der Klasse B / Gabelstaplerschein.
  • Regelmäßige Dienstreisen sind für Sie selbstverständlich.
  • Sie haben Ihr Hochschulstudium in XY mit sehr guten Noten abgeschlossen.
  • Ein freundliches Wesen und gute Kommunikation zeichnen Sie aus.
  • Sie bringen Erfahrungen im Bereich XY mit.

Unbedingt notwendig, zwingend, dringend, erwarten – das alles zeigt unverhandelbare Muss-Qualifikationen, die das Unternehmen beim Bewerber voraussetzt. Verben wie haben, besitzen, auszeichnen, mitbringen zeigen, dass Sie bereits über diese Kriterien verfügen und nicht noch mitten im Erwerb stecken.

Ein Unternehmen, das einen Ingenieur mit abgeschlossenem Masterstudium sucht, wird nicht auf einen Studenten kurz vor dem Bachelor zurückgreifen.

Kann-Qualifikationen im Detail: Was bedeutet wünschenswert?

Kann-Qualifikationen sind im Gegensatz zu den Muss-Qualifikationen sprachlich deutlich weicher formuliert. Wünschenswert heißt eben, dass der Arbeitgeber es toll fände, wenn Sie darüber verfügen – aber es ist kein Einstellungskriterium. Allerdings sind diese Anforderungen nicht zu unterschätzen:

Sie können ein Indiz dafür sein, in welche Richtung ein Unternehmen zukünftig zu operieren plant. Sind etwa Japanischkenntnisse wünschenswert, könnte das ein Indiz für zukünftige Zusammenarbeit mit japanischen Geschäftspartnern sein.

Selbst wenn Sie zum jetzigen Zeitpunkt nicht über diese Kann-Qualifikation verfügen, kann es sinnvoll sein, sich damit zu beschäftigen oder dies im Anschreiben zum Ausdruck zu bringen, sofern Sie das bereits tun, zum Beispiel so:

Derzeit besuche ich den Japanischkurs Teil II für Fortgeschrittene, den ich voraussichtlich im Herbst mit dem Sprachzertifikat XY abschließen werde.

Weitere, typische Formulierungen für Kann-Qualifikationen sind:

  • Erfahrungen in XY sind erwünscht.
  • Von Vorteil sind Kenntnisse in XY.
  • Wenn Sie zusätzlich noch XY mitbringen, sollten wir uns kennenlernen.
  • Grundkenntnisse im Bereich XY runden Ihr Profil ab.
  • Erste Erfahrungen in XY sind wünschenswert.
  • Idealerweise bringen Sie Reisebereitschaft mit.
  • Erwünscht sind Kenntnisse in XY, jedoch keine Bedingung.
  • Ausbaufähige Kenntnisse in XY sehen wir gerne.
  • Gerne sehen wir Erfahrungen im Bereich XY.

Achtung bei beliebigen Formulierungen!

Was aus den obigen Muss- und Kann-Qualifikationen hervorgegangen sein sollte: Es lässt sich nicht pauschal sagen, ob bestimmte Qualifikationen ausschließlich der einen oder anderen Kategorie zuzuordnen ist. Das hängt vom jeweiligen Stellenprofil ab. Auch wenn Hard Skills immer eine große Rolle spielen werden, geht es nicht ohne Sozialkompetenz.

In manchen Berufen wird sie sogar eine ebenso große Rolle spielen, beispielsweise im sozialen und pflegerischen Bereich. Ein Sozialpädagoge, Altenpfleger oder Psychologe ohne Empathie wäre eine Fehlbesetzung. Ebenso klar ist, dass die jeweils geforderte Ausbildung unabdingbar ist.

Ob etwas Muss- oder Kann-Qualifikation ist, hängt also mitunter vom Kontext ab. Vorsicht ist allerdings geboten, wenn Sie auf Stellenanzeigen stoßen, bei denen überhaupt keine Anforderungen existieren und die sehr beliebig formuliert sind.

Ist beispielsweise lediglich von „interessanten Aufgaben“, „reizvollen Inhalten“ bei „überdurchschnittlicher Bezahlung“ und „sofortigem Jobantritt“ die Rede, sollten Sie Abstand nehmen. Hierbei handelt es sich häufig um unseriöse Angebote, bei denen Kandidaten schlimmstenfalls sogar in Vorkasse gehen müssen.

[Bildnachweis: Olena Yakobchuk by Shutterstock.com]

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26. Juli 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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