Erste Berufserfahrung: Was heißt das in der Bewerbung?

Viele Unternehmen setzen sie in der Bewerbung voraus: erste Berufserfahrung. Für Bewerber und Berufseinsteiger ist diese Anforderung oft eine Hürde: Haben sie überhaupt eine Chance auf den Job – so ganz ohne Berufserfahrungen? Und gibt es einen Unterschied zwischen „erster“ Berufserfahrung und „einschlägiger“? Wir zeigen, was Sie mitbringen müssen, wenn „erste Berufserfahrung“ in der Stellenanzeige gefordert wird und wie Sie solche Erfahrungen sammeln können, um Ihre Bewerbungschancen zu steigern…

Erste Berufserfahrung: Was heißt das in der Bewerbung?

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Was bedeutet erste Berufserfahrung?

In jeder Stellenanzeige stehen Kenntnisse, Kompetenzen, Qualifikationen, die Bewerber in der Bewerbung mitbringen müssen. Dazu zählen häufig auch erste Berufserfahrungen.

Gemeint ist damit, dass Sie schon einmal Arbeitsluft geschnuppert haben und Ihr Know-how nicht nur theoretischer Natur ist. Sie konnten es schon – hier und da – in der Praxis anwenden, vorzugsweise in einem vergleichbaren Job oder Beruf.

Was damit nicht gemeint ist, ist eine langjährige Mitarbeit oder mehrjährige Erfahrungen und Expertise im selben Beruf. Work & Travel sowie Ehrenämter zählen allerdings auch nicht dazu.

Erste oder einschlägige Berufserfahrung: Unterschiede?

Gerade Absolventen und Berufseinsteiger sollten die Formulierungen in Stellenanzeigen genau lesen: Heißt es dort beispielsweise „Erste Berufserfahrung ist von Vorteil“, handelt es sich um eine „weiche“ Formulierung und damit um eine Kann-Anforderung. Gut, wenn Sie diese Bedingung erfüllen, zwingende Voraussetzung ist sie aber nicht.

Anders sieht es aus, wenn Sie einen Satz lesen, wie: „Erste Berufserfahrung wird vorausgesetzt“. Sie merken schon: Die Formulierung klingt wesentlich härter – es ist damit eine Muss-Qualifikation. Wer dieses Kriterium nicht erfüllt, hat häufig nur geringe Jobchancen.

Gleichzeitig gilt es zwischen unterschiedlichen Berufserfahrungen zu unterscheiden:

  • Erste Berufserfahrung

    Wird im Jobangebot die Berufserfahrung gar nicht erwähnt, spielt sie wenig bis keine Rolle. Steht dort so etwas wie „Idealerweise bringen Sie bereits erste Berufserfahrung mit“, wünschen sich Personaler von Ihnen, dass Sie bereits Praxiserfahrung gesammelt haben. Das kann in einem regulären Arbeitsverhältnis gewesen sein, in einem mehrmonatigen Praktikum sowie Neben- oder Minijob im entsprechenden Bereich. Salopp könnte man sagen: Sie sind kein reiner Theoretiker und nicht mehr grün hinter den Ohren.

  • Einschlägige Berufserfahrung

    Bei „einschlägigen“ oder „relevanten“ Berufserfahrungen erwartet der Arbeitgeber schon mehr. Bewerber sollten dann in diesem Bereich, in der gleichen Branche oder vergleichbaren Position gearbeitet haben und sich mit den Aufgaben und Ablaufen auskennen. Einschlägige Berufserfahrung sagt zwar nichts über die Dauer der Beschäftigung aus. Gemeint ist aber, dass Sie wissen, mit welchen Aufgaben Sie es zu tun bekommen und in der Lage sind, diese schnell und eigenständig zu übernehmen. Bei einschlägigen Berufserfahrungen besitzen Sie einen direkten Bezug zum angestrebten Job sowie relevantes Vorwissen.

  • Mehrjährige Berufserfahrung

    Synonyme sind „langjährige Berufserfahrung“, „fundierte Berufserfahrung“ oder „umfassende Berufserfahrung“. Hierbei wird in der Regel eine vorherige Beschäftigung von fünf oder mehr Jahren in einer passenden Position erwartet. Der Arbeitgeber setzt voraus, dass Sie sich bestens auskennen, Kontakte mitbringen und sich im neuen Umfeld sofort zurechtfinden. Meist handelt es sich dabei um höhere Positionen oder Jobs für Spezialisten. Berufsanfänger haben hier kaum eine Chance.

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Warum verlangen Personaler erste Berufserfahrung?

Hinter der Forderung nach ersten Erfahrungen im Job stehen vor allem zwei Gedanken:

  1. Schneller Einstieg
    Berufserfahrung ermöglicht immer einen schnelleren Einstieg. Die Einarbeitung (auch Onboarding genannt) fällt kürzer aus oder ganz weg. Entsprechende Kandidaten arbeiten oft auch eigenständiger.
  2. Schnelle Ergebnisse
    Berufserfahrung zeigt an, dass ein Arbeitnehmer sein „Handwerk“ versteht. Bedeutet: Der oder die Bewerberin kennt sich aus; weiß, welche Aufgaben und Abläufe wie zu erledigen sind und kann daher schnelle Ergebnisse liefern.

Wenn Sie solche Formulierungen in Jobangeboten und Stellenanzeigen lesen, dürfen Sie also davon ausgehen, dass man Sie nicht lange einarbeiten wird, sondern dass Sie ziemlich schnell eigene Aufgaben und Projekte übertragen bekommen. Das kann gut sein – aber auch eine Herausforderung.

Fragen Sie daher unbedingt im Bewerbungsgespräch nach der genauen Einarbeitung, wie diese abläuft oder wie lange sie dauert.

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Erste Berufserfahrung sammeln: 3 Tipps

Wie gesagt: Wird „erste Berufserfahrung“ gewünscht, klingt das oft schwieriger als es ist. Gerade wenn es sich um Kann-Anforderungen handelt, liegt die Erwartungen der Personaler nicht allzu hoch. Viele Bewerber haben dann auch Chancen, wenn Sie beispielsweise nur 70-80 Prozent des Anforderungsprofils erfüllen.

Berufserfahrungen machen sich aber immer gut im Lebenslauf. Wer meint, deswegen mit der Bewerbung zu scheitern und Absagen zu bekommen, kann diese noch jederzeit nachträglich sammeln. Zum Beispiel so:

Machen Sie ein Praktikum

Der für viele einfachste Weg zur ersten Berufserfahrung ist ein Praktikum. Das können Studenten in den Semesterferien, als Pflichtteil des Studiums oder nach Abschluss absolvieren. Achten Sie aber darauf, dass es sich nicht nur um ein 2-wöchiges, sondern möglichst längeres Praktikum handelt. Ideal sind 3-6 Monate, um hinterher von „erster Berufserfahrung“ sprechen zu können.

Arbeiten Sie als Werkstudent

Sollten Sie sich noch im Studium befinden, können Sie erste Berufserfahrung sammeln, indem Sie als Werkstudent arbeiten. Hier bekommen Sie die Möglichkeit, frühzeitig im Unternehmen mitzuarbeiten, die Arbeit kennenzulernen und wichtige Kontakte zu knüpfen, die Ihnen später helfen, den Berufseinstieg schneller zu schaffen.

Machen Sie eine Ausbildung

Eine Ausbildung gilt automatisch als erste Berufserfahrung. Sie ist ohnehin praxisnah angelegt. Gleiches gilt für ein duales Studium, das bei vielen Arbeitgebern hoch im Kurs steht.

Jobben Sie freiberuflich

Wer freiberuflich arbeiten will, gewinnt ebenfalls erste Berufserfahrung. Freiberufler müssen sich um ihre Aufträge selber kümmern und meist auch Reputation und Reichweite aufbauen. Das braucht Zeit und Energie – ist aber mit entsprechenden Berufserfahrungen verbunden.

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Wohin gehört die Berufserfahrung in der Bewerbung?

Wird Berufserfahrung für den Job vorausgesetzt, sollten Sie diese in der Bewerbung dokumentieren. Der richtige Ort dafür ist der tabellarische Lebenslauf – und dort meist der erste Abschnitt nach den persönlichen Daten.

Unter der Überschrift „Beruflicher Werdegang“, „Praxiserfahrung“ oder „Berufserfahrung“ listen Sie dort links den Zeitraum der Beschäftigung auf (Muster: MM/JJJJ – MM/JJJJ). In die rechte Spalte kommt dann der genau Titel und die Jobbezeichnung, der Arbeitgeber und darunter – in Stichpunkten – die entsprechenden Erfahrungen. Versuchen Sie die Angaben danach auszuwählen, was für die ausgeschriebene Stelle relevant sein könnte. Also nicht Masse, sondern Klasse zählt!

Das Ergebnis könnte zum Beispiel so aussehen:

Lebenslauf Beruflicher Werdegang

Falls nötig, können Sie zusätzlich im Bewerbungsschreiben auf Ihre erste Berufserfahrung eingehen. Hier haben Sie zum Beispiel die Möglichkeit, auszuformulieren, wie Sie die gesammelten Berufserfahrungen im neuen Job gewinnbringend einsetzen wollen oder wie der neue Arbeitgeber davon profitiert. Weitere Tipps und Informationen hierzu finden Sie in unserem Artikel zur Bewerbung ohne Berufserfahrung.

[Bildnachweis: ashva by Shutterstock.com]

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