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Toxische Positivität: Definition, Ursachen & Beispiele

Optimismus und eine grundsätzlich positive Denkweise bringen viele Vorteile. Doch die Dosis macht das Gift. Toxische Positivität lässt keine negativen Emotionen zu. Selbst in der größten Katastrophe wird noch das Gute in der Situation gesehen. Was nach toller Kämpfer-Mentalität klingt, bringt in Wahrheit viele Probleme. Denn: Werden negative Gefühle nicht verarbeitet, häufen sie sich an. Was toxische Positivität bedeutet, welche Ursachen sie hat und was Sie dagegen tun können…



Toxische Positivität: Definition, Ursachen & Beispiele

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Definition: Was ist toxische Positivität?

Toxische Positivität ist eine übertriebene und erzwungene optimistische Denkweise. Negative Gefühle werden unterdrückt, indem in wirklich jeder Situation das Gute, der kleine Hoffnungsschimmer oder der Strohhalm gesehen wird, an den man sich klammern kann. Trauer, Wut, Frust, Verzweiflung, Niedergeschlagenheit – solche Emotionen lassen toxisch positive Menschen nicht zu. Dabei können Sie selbst betroffen sein, aber auch Ihr enges Umfeld kann toxisch positiv auftreten und Sie damit beeinflussen.

Es ist eine zwanghafte und völlig maßlose Form des Optimismus. Betroffene verdrängen – teils bewusst, teils unbewusst – die eigenen negativen Emotionen. Der Fokus liegt immer auf einem möglichen positiven Aspekt. Egal, wie klein dieser ist und wie belastend die eigene Situation gerade ist.

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Beispiele für toxische Positivität

Optimistische Gedanken und gute Laune sind nicht gleich toxische Positivität. Erst, wenn ein normales und gesundes Ausmaß überschritten wird und das optimistische Denken zwanghaft ist, wird die Positivität toxisch und damit schädlich. Hier einige Beispiele für toxische Positivität:

  • Jobverlust
    Sie verlieren unerwartet Ihren Job, bekommen eine Kündigung und auf der Karriereleiter geht es einen großen Schritt zurück. Ein guter Grund für Frust und Kummer. Toxische Positivität sieht hingegen ausschließlich die Chance auf einen Neuanfang, ohne die Sorgen zu akzeptieren.
  • Beziehungsende
    Nicht jede Beziehung ist für die Ewigkeit bestimmt. Mit der Trennung gehen meist viele Tränen und langer Liebeskummer einher. Nicht so bei toxischer Positivität. Die Einstellung hier: Jetzt ist es doch viel besser, der Partner hat nicht gepasst und nun ist man endlich wieder frei und glücklich.
  • Bewerbungsabsage
    Nach langer Jobsuche haben Sie Ihren absoluten Traumjob gefunden. Tolle Aufgaben, toller Arbeitgeber, tolle Rahmenbedingungen – dann kommt die Absage auf Ihre Bewerbung. Sie sollten verständlicherweise niedergeschlagen sein, doch stattdessen wischen Sie die negativen Gefühle weg und reden sich ein, dass der Job doch nicht so gut war.
  • Geplatzter Traum
    Seit vielen Jahren hatten Sie einen großen Traum, doch es wird klar: Es klappt einfach nicht. Ob eine große Reise, ein eigenes Haus, der Start in die Selbstständigkeit oder ein anderer Herzenswunsch – müssen Sie sich von einem Lebensziel verabschieden, macht dies normalerweise traurig und wütend. Doch auch hier unterdrücken toxisch positive Menschen jede Negativität und finden etwas Positives, auf das sie sich konzentrieren können.
  • Verlust
    Der Verlust von nahestehenden Menschen ist eine traumatische Erfahrung voller negativer Emotionen. Angefangen von Verlustängsten bis zu tiefer Trauer und Verzweiflung. Toxische Positivität verdrängt selbst in dieser schlimmen Phase negative Gefühle und lässt keine Trauer zu. Der Blick geht nur zu den schönen Momenten und Erinnerungen, ohne sich mit den eigenen Emotionen auseinanderzusetzen.

Typische Sprüche und Formulierungen bei toxischer Positivität

Toxische Positivität ist eine Denk- und Handlungsweise, die sich in der Sprache widerspiegelt. Hier sind einige typische Formulierungen, an denen Sie die toxischen Denkmuster erkennen können:

  • „Das ist doch alles nicht so schlimm.“
  • „Sieh es doch mal positiv…“
  • „Good vibes only!“
  • „Alles wird gut.“
  • „Denk doch einfach an was Schöneres.“
  • „Betrachtet man das Gesamtbild, geht es dir doch gut.“
  • „Jetzt schau doch mal auf die positiven Seiten.“
  • „Was dich nicht umbringt, macht dich stärker.“
  • „Es ist viel besser, als du jetzt glaubst.“
  • „Kopf hoch…“
  • „Es gibt echt Schlimmeres…“

Solche Sprüche sind oft gut gemeint, aber sehr gefährlich. Sie sollen aufheitern, reden aber die Gefühle klein – entweder die eigenen, aber auch die bei anderen Menschen.

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Ursachen: Warum entsteht toxische Positivität?

Toxische Positivität ist keine Seltenheit. Jeder hat schon einmal eigene negative Gefühle unterdrückt, einem Familienmitglied, Freund oder Kollegen gut gemeinte Ratschläge gegeben, deren Optimismus aber völlig übers Ziel hinausgeschossen ist. Dabei können verschiedene Ursachen hinter toxischer Positivität stehen:

  • Aufmunterung
    Die Absichten sind gut und Sie wollen einen niedergeschlagenen Mitmenschen aufmuntern. „Ist doch nicht so schlimm. Mach dir keine Sorgen, bald geht es wieder aufwärts.“ Sie wollen über unangenehme Phasen hinweghelfen, indem Sie die negativen Emotionen kleinreden.
  • Unfähigkeit
    Eine häufige Ursache ist die Unfähigkeit zum Umgang mit negativen Gefühlen. Viele Menschen haben verlernt, Frust, Trauer, Wut oder andere Emotionen zu akzeptieren und zu verarbeiten. Das gilt für die eigenen Emotionen, aber besonders auch für gezeigte Gefühle anderer Menschen. Sie selbst wollen schnell aus der Situation oder dem Gespräch entkommen, rasseln ein paar toxisch-positive Sprüche runter und treten die Flucht an.
  • Erwartungen
    Es herrscht ein großer sozialer Druck, immer gut gelaunt, durchsetzungsstark und belastbar zu sein. Schwäche zeigen? Das entspricht nicht den Erwartungen.
  • Gewohnheit
    Für manche ist toxische Positivität bereits zur Gewohnheit geworden. Sie haben sich selbst dazu konditioniert, immer nur das Gute zu sehen und negative Dinge zu ignorieren. Oft dient dies dem Selbstschutz.

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Folgen von toxischer Positivität

Wie schlimm kann zu viel Optimismus schon sein? So denken viele, doch toxische Positivität ist schädlicher, als den meisten bewusst ist. Das erste Problem: Je häufiger Sie Ihre negativen Gefühle unterdrücken, desto schwerer fällt es in Zukunft, diese zuzulassen und zu verarbeiten. Sie können nicht mehr mit Ihrer Wut oder Trauer umgehen, also schieben Sie diese immer wieder beiseite. Ein gefährlicher Abwärtstrend. Wissenschaftler wissen längst: Nicht verarbeitete Emotionen verschwinden nicht einfach, sondern stauen sich nur weiter auf. Bis sie irgendwann nicht mehr kontrolliert werden können.

Zusätzlich erzeugt toxische Positivität einen enormen Druck. Wer ständig Sprüche wie „Das ist doch alles nicht so schlimm…“ hört, fühlt sich dazu gedrängt, dauerhaft gut gelaunt zu sein und das nach außen zu zeigen. Der Drang zur übermäßigen Alles-ist-toll-Attitüde ist eine große Belastung.

In der zwischenmenschlichen Interaktion vermittelt toxische Positivität zudem den Eindruck, Sie würden Ihren Gesprächspartner und dessen Emotionen nicht ernst nehmen. Ihr Gegenüber empfindet starke negative Emotionen und leidet darunter, Sie aber kommen mit einem „Stell dich nicht so an…“ und „Kopf hoch, wird schon wieder…“ Das kann die Beziehung belasten, weil Mitmenschen sich nicht verstanden fühlen.

So stoppen Sie toxische Positivität

Was können Sie gegen toxische Positivität tun? Der erste Schritt ist die Erkenntnis des Problems. Sie müssen sehen, dass Sie sich toxisch positiv verhalten, um etwas daran ändern zu können. Mit diesem Wissen können Sie dann handeln. Zum Abschluss haben wir vier Tipps, wie Sie den überzogenen Optimismus bremsen:

  1. Lassen Sie negative Emotionen zu
    Der erste und wichtigste Tipp: Blocken Sie negative Emotionen nicht sofort ab, sondern lassen Sie diese zu. Akzeptieren Sie, dass Sie wütend, traurig, frustriert, genervt oder auch am Boden zerstört sind. All dies sind wichtige Empfindungen, die Sie nicht einfach unterdrücken dürfen. Das gilt natürlich auch für andere Menschen. Erlauben Sie Ihrem Umfeld negative Gefühle zu empfinden und zu zeigen.
  2. Antworten Sie ehrlich
    Wie oft haben Sie auf die Frage „Wie geht es dir?“ schon mit einem „Alles gut“ geantwortet – obwohl Sie sich überhaupt nicht gut gefühlt haben? Toxische Positivität lässt sich überwinden, wenn Sie offen und ehrlich über Ihre Emotionen sprechen. Öffnen Sie sich Freunden und der Familie gegenüber. Sprechen Sie an, wenn es Ihnen nicht gut geht und nennen Sie die negativen Emotionen beim Namen.
  3. Achten Sie nicht auf die Reaktion anderer
    Negative Gefühle werden verdrängt, damit andere sie nicht sehen. Dabei ist es nicht schlimm, wenn Ihr Umfeld Ihre Wut oder Trauer mitbekommt. Emotionen sind menschlich und wenn Sie einen guten Grund haben, müssen Sie sich für Ihre Gefühle nicht schämen. Wenn Sie gerade traurig sind, dürfen Sie traurig sein – egal, wie andere denken oder reagieren.
  4. Holen Sie sich Hilfe
    Kommen Sie alleine nicht weiter, können Sie das Problem mit Hilfe von außen lösen. Das können Freunde oder Familie sein, die Ihnen dabei helfen, Ihre negativen Emotionen zu akzeptieren und zu verarbeiten. Leiden Sie sehr unter der Situation, kann auch professionelle Hilfe und Beratung eine Lösung sein.

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