Neue Wege gehen: Nachfolger steigen nicht auf

Ein Nachfolger ist jemand, der künftig die Position einer anderen Person einnimmt, diesem Menschen – in der Regel auf natürliche Weise – in seiner Funktion ablöst. Die meisten Nachfolger betrachten dies zunächst positiv. Schließlich geht damit meist ein Aufstieg einher. Doch die Nachfolge kann auch eine Bürde sein: Man tritt in die Fußstapfen eines Vorgängers, übernimmt dessen Erbe (oder Erblast) und muss sich nun selbst beweisen. Und hier lehrt uns die Geschichte ein paar Lektionen: Nachfolger (im Wortsinn) steigen nicht wirklich auf. Sie setzen nur fort, was andere schon angelegt haben – und sind daher meist schnell wieder Geschichte. Eine unbekannte dazu. Wer als Nachfolger dagegen neue Wege geht, hinterlässt auch neue Spuren…

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Neue Wege gehen: Nachfolger steigen nicht auf

Die Geschichte der Nachfolger

Dazu gibt es gleich zwei bemerkenswerte Beispiele aus der (biblischen) Geschichte und Parabeln:

Für Israel gibt es wohl keinen berühmteren Feldherrn als König David.

Seine Karriere beginnt er als Hirtenjunge, er besiegt den Riesen Goliath, wird König und aus seinen zahlreichen Schlachten geht er immer wieder als Sieger hervor. Er unterwirft die Philister, holt die Bundeslade nach Jerusalem, bezwingt die Moabiter, besiegt den König von Syrien, unterjocht die Ammoniter, schlägt die Amalekiter und setzt in seinem Reich Recht und Gesetz ein.

Als sein Sohn Salomo viele Jahre später gekrönt wird, hat der es nicht leicht, in diese Fußstapfen zu treten. Als Kriegsherr kann er allenfalls eine Kopie abgeben. Darum wählt er eine andere Strategie, um sich zu profilieren: Weisheit.

Er wird der König des Friedens und der Gerechtigkeit, baut für seinen Gott einen gigantischen Tempel und geht damit ebenfalls in die Geschichte ein.

Die Bibel sagt, dass es vor und auch nach ihm keinen Menschen auf Erden gab, der weiser gewesen wäre. Salomo ist der Idealtyp eines Nachfolgers.

Alexander der Große wählte wiederum einen anderen Weg.

Er hasste seinen Vater, König Philipp von Makedonien. Der war vorsichtig, hielt große Reden, liebte Ringkämpfe, den Wein und die Huren. Allerdings hatte er einen Großteil Griechenlands erobert. Um über dessen Schatten hinauszuwachsen, imitierte Alexander seinen Vater nicht – er wollte ihn übertreffen und wurde mutiger, brutaler, rücksichtsloser.

Wer sich ihm in den Weg stellte, wurde niedergemetzelt – selbst getreue Weggefährten. So schuf er ein Reich, dessen Ausmaße bis heute legendär sind und die Visionen seines Vaters weit überstiegen.

Beide Männer – Alexander wie Salomo – wählten instinktiv die richtige Strategie: Sie versuchten erst gar nicht, großen Männern nachzufolgen.

Kopien genießen nie dieselbe Verehrung wie Originale. Wer seinem Vorgänger nacheifert, muss doppelt so viel leisten, um sich einen eigenen Namen zu schaffen. Größere Schritte gelingen nur auf dem eigenen Weg.

Anderen Schritt Voraus Sein 6 Tipps Grafik

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Erfolge lassen sich nur selten wiederholen

Nicht selten steckt hinter diesem Verhalten ein Vater-Sohn-Komplex: Väter, die Großes erreicht haben, sind stolz darauf und beginnen, je älter sie werden, ihre Söhne durch Ratschläge zu dominieren. Kinder solcher Väter oder Nachfolger solcher Chefs haben nur zwei Alternativen:

  • Entweder, sie werden vorsichtige, unterwürfige Genussmenschen, die das angehäufte Vermögen durchbringen.
  • Oder sie gründen ein eigenes Reich.

Das heißt nicht, dass jeder Spross vollends zum Rebell mutieren müsste, um glücklich zu werden. Alle Fehler selbst begehen zu wollen, wäre töricht. Umgekehrt schützt aber der eigene Weg vor dem naiven Rat, jeder Erfolg ließe sich wiederholen. Weil sich Umstände nie gleichen, gelingt das nie.

Machen Sie also lieber gleich Ihr eigenes Ding.

[Bildnachweis: Lightpoet by Shutterstock.com]
1. März 2020 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt mehr als 20 Jahre als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.



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