Unternehmensnachfolge: Definition, Möglichkeiten, Probleme

Oft wird über die Gründung und Führung eines Unternehmens nachgedacht und diskutiert. Um die Unternehmensnachfolge macht sich lange Zeit kaum jemand Gedanken. Bis das Thema akut auf der Tagesordnung steht und unumgänglich wird. Plötzlich müssen dringende Frage geklärt werden: Wie wird die Unternehmensnachfolge geregelt? Welche Alternativen gibt es und wer ist dafür überhaupt geeignet? Hier erfahren Sie, was als Unternehmensnachfolge bezeichnet wird, welche Möglichkeiten dabei offen stehen und vor welchen Problemen stehen können, wenn ein Unternehmen an den Nachfolger gehen soll…

Unternehmensnachfolge: Definition, Möglichkeiten, Probleme

Definition: Was ist die Unternehmensnachfolge?

Unternehmensnachfolge Definition Erklärung ChecklisteAls Unternehmensnachfolge wird die gesamte Planung, Organisation und Umsetzung bezeichnet, wenn ein Betrieb an einen Nachfolger übergeben wird. Uneinigkeit herrscht hingegen bei der Frage, wann genau von einer Unternehmensnachfolge gesprochen wird und in welchen Situationen eine andere Umschreibung angebracht und sinnvoller ist.

Der klassische Fall einer Unternehmensnachfolge findet in klein- und mittelständischen Unternehmen statt, die noch von der Gründungsfamilie oder einem einzelnen Gründer geleitet werden. Soll der Führungsposten irgendwann abgegeben werden, steht die Nachfolge für das Unternehmen an. Die Gründe für diesen Schritt können vielfältig sein:

  • Tod oder Krankheit
  • Eintritt in den Ruhestand
  • Fokus auf neue und andere Projekte
  • Nötige Veränderungen oder Neuorientierungen im Unternehmen

Im Kern geht es bei der Unternehmensnachfolge um eine Besetzungsfrage auf der höchsten Ebene, also eine Personalveränderung an der Spitze der Geschäftsführung.

Dies kommt jedoch auch bei anderen wirtschaftlichen Unternehmen vor, die nicht von einer Familie geleitet werden. So kann bei einer weiteren Auffassung auch von einer Unternehmensnachfolge gesprochen werden, wenn beispielsweise bei einem Großkonzern das Management getauscht wird.

Möglichkeiten: So kann eine Unternehmensnachfolge aussehen

Für eine Unternehmensnachfolge gibt es kein eindeutiges Muster, nach dem der Wechsel an der Führung zwangsläufig stattzufinden hat. Abhängig von der individuellen Situation, den Ursachen für die Unternehmensnachfolge sowie den damit verbundenen kurz- und langfristigen Zielen, gibt es verschiedene Alternativen.

Kommen mehrere Optionen infrage, ist es für den Erfolg des gesamten Unternehmens wichtig, den richtigen Weg zu wählen. Bevor eine endgültige Entscheidung über die Unternehmensnachfolge getroffen wird, sollte diese gründlich hinterfragt, geplant und durchdacht werden.

Zu den Möglichkeiten, die sich für eine Unternehmensnachfolge ergeben, zählen:

  • Übernahme durch Kinder

    Diese Variante ist sehr häufig und bei vielen Unternehmern besonders beliebt. Wenn bei einem Familienunternehmen der bisherige Geschäftsführer ersetzt wird, übernehmen Sohn oder Tochter das Kommando. Der Nachwuchs tritt somit in die Fußstapfen von Vater oder Mutter und leitet den Familienbetrieb weiter. Eine solche Übernahme durch die eigenen Kinder gibt es in allen Bereichen und von kleinen bis zu großen Unternehmen.

  • Verkauf des Unternehmens

    Bei einer Unternehmensnachfolge muss der Betrieb nicht unbedingt in der eigenen Familie bleiben. Wollen die Kinder etwa einen anderen Karriereweg einschlagen oder es gibt keinen Nachwuchs, kann ein externer Käufer für das Unternehmen gefunden werden. Wird ein passendes Angebot gefunden, kann der Betrieb dann an einen neuen Eigentümer und Geschäftsführer übergehen, der in Zukunft das Unternehmen leitet.

  • Einstellung eines neuen Managements

    Zieht sich der bisherige Eigentümer und Geschäftsführer aus dem aktiven Geschäft, müssen bei einer Unternehmensnachfolge (abhängig davon, wie eng der Begriff gefasst wird), nicht zwangsläufig alle eigenen Beteiligungen abgegeben werden. Denkbar ist beispielsweise eine Lösung, bei der eine neues Management und Führungspositionen eingesetzt werden, der Gründer und Vorgänger aber im Hintergrund als Eigentümer bestehen bleibt.

Unternehmensnachfolge: Alternative zur Neugründung?

Unternehmensnachfolge Definition Checkliste Probleme SchwierigkeitenEin Unternehmen zu gründen ist nicht schwer. Es müssen zwar einige bürokratische Hürden gemeistert werden, doch die Schritte in die Selbstständigkeit sind jedem möglich. Ein Unternehmen aufzubauen, zum Erfolg zu führen, auf dem Markt zu etablieren und gegen die Konkurrenz zu behaupten, ist hingegen eine ganz andere Herausforderung. Gründer tragen ein großes Risiko, müssen zahlreiche Schwierigkeiten überwinden und gerade zu Beginn lassen nennenswerte Einnahmen meist auf sich warten.

Da stellt sich die Frage: Muss es immer eine Neugründung sein, um sich selbstständig zu machen? Wer sich einen anderen Weg vorstellen kann, sollte sich die Unternehmensnachfolge als Alternative einmal genauer anschauen.

Dabei liegen mehrere Vorteile auf der Hand:

  • Bei einer Unternehmensnachfolge werden sofort Umsätze generiert.
  • Es ist ein eingespieltes Team vorhanden.
  • Das Unternehmen ist bereits etabliert und (bestenfalls) erfolgreich.
  • Sie umgehen viele der Startschwierigkeiten.

Auf der anderen Seite hat eine solche Unternehmensnachfolge natürlich auch Nachteile, die nicht verschwiegen werden sollten. So sind Sie als Nachfolger weniger flexibel in der Gestaltung der eigenen Selbstständigkeit. Viele Entscheidungen wurden bereits getroffen, die Weichen sind gestellt.

Zudem liegt es nicht in der Natur vieler Gründer, sich in ein solch gemachtes Nest zu setzen. Vielen geht es gerade darum, etwas Eigenes aufzubauen – mit allen Entscheidungen und Schwierigkeiten die dazu gehören.

Wer glaubt, dass eine Unternehmensnachfolge risikofrei sei, irrt sich. Ein auf den ersten Blick gut laufender Betrieb kann sich nach der Übernahme im schlimmsten Fall als Scherbenhaufen entpuppen. Ohne gründliche Prüfung, möglicherweise mit der Hilfe eines Experten, sollten Sie bei der Übernahme entsprechend vorsichtig sein.

Probleme, die bei der Unternehmensnachfolge entstehen können

Im Idealfall läuft die Unternehmensnachfolge reibungslos ab und trägt sogar zum Erfolg des Unternehmens bei. Leider zeigt die Praxis, dass dies nur in seltenen Fällen gelingt. Verschiedene Probleme können sogar dazu führen, dass ein vorher erfolgreiches Unternehmen in ernsthafte Schwierigkeiten gerät.

Um diese zu verhindern oder wenigstens abzuschwächen, sollten Sie die häufigsten Probleme kennen und sich frühzeitig damit auseinandersetzen:

  • Streit unter den Nachfolgern

    Wird ein Familienbetrieb an mehrere Kinder übergeben, sind diese längst nicht immer einer Meinung, wie es mit dem Unternehmen weitergehen soll. Das kann schon bei der Aufteilung beginnen und zieht sich über die strategische Ausrichtung bis zur Produktionsvielfalt und Entscheidungen im täglichen Geschäft. An solchen Streitigkeiten zerbricht nicht nur die Familie, sondern möglicherweise auch das Unternehmen.

  • Schnelle und große Veränderungen

    Nachfolger wollen sich bemerkbar machen. So werden schnelle und große Veränderungen angestrebt. In einigen Fällen ist das ratsam und notwendig, in anderen kann es zum Problem werden. Eine Kehrtwende kann das Unternehmen in eine falsche Richtung führen, Veränderungen um jeden Preis sind nicht automatisch richtig und hilfreich.

  • Unmut unter den Mitarbeitern

    Von der Unternehmensnachfolge sind auch die Mitarbeiter betroffen. Ein Wechsel an der Spitze des Unternehmens ist in jeder Abteilung spürbar. Allerdings ist das Personal nicht immer einverstanden und glücklich mit der Unternehmensnachfolge. Die damit verbundenen Veränderungen können zum Nachteil für Angestellte werden, Maßnahmen werden als unnötig oder schlichtweg falsch empfunden und mangelhafte Kommunikation führt zu verärgerten Angestellten.

  • Unfähigkeit in der Führungsposition

    Leider kommt auch das vor: Der auserkorene Nachfolger entpuppt sich bereits nach kurzer Zeit als vollkommen unqualifiziert, um die ihm angedachte Aufgabe zu übernehmen. Durch die Überforderung werden zunehmend Fehler gemacht, die schlimmstenfalls die Existenz des gesamten Betriebs bedrohen können.

23. Juli 2019 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.


Ebenfalls interessant:

Weiter zur Startseite