Mein Chef liegt falsch: Was kann ich tun?

Ihr Vorgesetzter sagt etwas und Sie denken: Mein Chef liegt falsch. Das Hierarchiegefälle macht Kritik ohnehin nicht einfach. Und in manchen Fällen prallt sie ohne Effekt ab. Dennoch muss die Arbeit weitergehen. Inkompetente Chefs gibt es häufiger als gedacht (oder gehofft). Manch fähiger Mitarbeiter sieht seine Felle wegschwimmen – jahrelang wurde etwas aufgebaut und dann gibt es einen Personalwechsel an der Spitze und die neue Führung erweist sich als völlig unfähig. Was tun? Sehenden Auges ins Unglück rennen? Die Notbremse ziehen? Aber wie? Das erfahren Sie hier…

Mein Chef liegt falsch: Was kann ich tun?

Mein Chef liegt falsch: Bis zur Unfähigkeit befördert

Es gibt Fälle, da hat der Mitarbeiter einfach Pech. Das Peter-Prinzip führt dazu, dass irgendwann Personen auf einem Arbeitsplatz landen, für den sie nicht geschaffen sind.

Wer unter so einem Vorgesetzten arbeiten muss, denkt vermutlich häufiger: Mein Chef liegt falsch. Daneben besteht die Möglichkeit, dass der Chef sehr wohl etwas von seinem Handwerk versteht, aber einfach sehr uneinsichtig ist, wenn es die eigenen Unzulänglichkeiten betrifft.

Manche Chefs wie der verstorbene Steve Jobs sind berühmt-berüchtigt, wenn es um ihr mitunter cholerisches Verhalten geht. Über jegliche Kritik erhaben und nur von unfähigen Mitarbeitern umgeben – das mag die Sichtweise so mancher Chefs sein. Dennoch können auch sie hin und wieder irren.

Wenngleich Jobs im persönlichen Umgang schwierig war, so konnte er bei Fehlern Einsicht zeigen. Das berichtet sein Biograph Walter Isaacson über Begebenheiten zwischen Jobs und seiner Marketingmitarbeiterin Joanna Hoffman. Für die Mitarbeiter eines solchen Chefs ist es trotzdem immer ein Balanceakt, vor allem dann, wenn sie noch neu in einem Unternehmen sind.

Der Chef kann noch nicht so recht eingeschätzt werden, der eine oder andere Mitarbeiter ist womöglich selbst eher unsicher in seiner Wahrnehmung. Und dann schwebt über allem noch das größte Problem: Wer den Chef kritisiert, fliegt – so die größte Befürchtung.

Das ist so in letzter Konsequenz viel zu drastisch gedacht, aber nicht immer ist klar, wie viel Kritik erlaubt beziehungsweise erwünscht ist.

Mein Chef liegt falsch: Droht die Kündigung?

Mein Chef liegt falschDas Problem ist letztlich, dass es im Auge des Betrachters – in dem Fall: des Chefs – liegt, was als Arbeitsverweigerung und damit potenziell kündigungswürdig gilt. Er sitzt am längeren Hebel und wenn ihm oder ihr Ihre Meinung nicht passt, wird es dauerhaft eher unangenehm im Unternehmen.

Gleichzeitig muss gesagt werden, dass Kündigungen nicht ohne Weiteres möglich sind. Zunächst einmal kommt es auf die Art und Weise an, wie Sie Kritik anbringen. Jeder normale Chef sollte freie Meinungsäußerungen und selbst kritische Anmerkungen tolerieren und sogar willkommen heißen.

Anders sieht es natürlich aus, wenn der Mitarbeiter als Querulant für konstantes Querschießen bekannt ist und wenig Konstruktives beiträgt:

Eher ungünstig:

  • Sie legen sofort die Arbeit nieder.
  • Sie werden laut.
  • Sie vergreifen sich im Ton.
  • Sie führen Ihren Chef vor.

Deutlich besser:

  • Sie warten einen günstigen Moment ab.
  • Sie formulieren diplomatisch (statt: Das ist unklug so… lieber: Die neue Methode erschwert…).
  • Sie haben sich Argumente zurecht gelegt.
  • Sie schlagen Alternativen vor.

Neben eindeutigen Rechtsbrüchen dürfen Sie die Arbeit verweigern, wenn die Anweisung des Chefs gegen Ihre Glaubensgrundsätze verstößt oder unzumutbar ist, beispielsweise, weil Ihre Gesundheit darunter leiden würde. Trifft allerdings keiner dieser Gründe zu, kann Ihnen eine Abmahnung und bei wiederholter Weigerung schließlich die Kündigung drohen.

Bedeutung von Widerspruch

Es gibt immer wieder Situationen und Bereiche, in denen klarer Widerspruch und Trotz gefordert sind und nichts mit Verweigerungshaltung oder gar Befehlsverweigerung zu tun haben. Am eindeutigsten sind solche Zuwiderhandlungen seitens der Arbeitnehmer geschützt, wenn die Anweisungen des Chefs auf einen Rechtsbruch hinauslaufen.

In solchen Fällen muss keiner Angst vor Kündigung haben beziehungsweise jedes Arbeitsgericht wird Ihnen Recht geben: Ihr Chef darf keine illegalen Handlungen von Ihnen verlangen. Verstöße gegen geltendes Recht sind eine Sache. Was aber, wenn das Recht keinen Schutz bietet? Kennzeichen von Unrechtsstaaten ist nun mal eine Gesetzgebung, die nicht auf den Schutz der Bevölkerung, sondern den alleinigen Schutz der Mächtigen ausgelegt ist. In solchen Fällen ist Widerstand ein moralisches Gebot.

Selbst wenn das Recht bestimmte Aktivitäten zum Widerspruch abdeckt – beispielsweise die Gründung eines Betriebsrats, den Eintritt in eine Gewerkschaft, Teilnahme am Streik – kann es dennoch sein, dass die Unternehmenspolitik dem zuwiderläuft. Nicht immer sind kritische Anmerkungen gewünscht, die Arbeit von Betriebsräten und Gewerkschaftlern wird teilweise als Sand im Getriebe empfunden.

So wundert es nicht, dass manche offene Konfrontation unterbinden und stattdessen in ihren Compliance-Richtlinien Anweisungen festhalten, in denen das Miteinander nur im positiven Sinne als Teamplayer erwünscht ist.

Vorteile von Widerspruch

Auch wenn es nicht so angenehm ist: Unternehmen sollten sich im Klaren darüber sein, dass Widerspruch wertvoll ist. Wer nur Ja-Sager um sich scharrt, wird nicht wachsen, weder geistig-emotional, noch bezogen auf den Markt. Dem Chef zu sagen, dass er falsch liegt, kann letztlich auch für den Mitarbeiter eine Art Befreiungsschlag sein, denn es gehört natürlich Rückgrat dazu, gerade bei Despoten:

  • Sie machen Ihrem Ärger Luft

    Die eigene Meinung zu sagen ist eine unglaubliche Entlastung. Nicht selten fressen Menschen den Ärger in sich hinein, aus Angst vor Konsequenzen. Das schürt auf Dauer nur die Unzufriedenheit und manchmal muss es einfach nur raus – natürlich angemessen und in der Sache korrekt. Wer aber ständig das Gefühl hat, sich zu verbiegen, tut weder sich, noch dem Unternehmen einen Gefallen. Solche Mitarbeiter schieben irgendwann nur noch Dienst nach Vorschrift, jeglicher Wille sich einzubringen, ist erloschen.

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  • Mögliche Fehler werden vermieden

    Stimmt die Kritik des Arbeitnehmers, können Fehler vermieden oder behoben werden. Das spart finanzielle, zeitliche und personelle Ressourcen. Kunden durch Produktrückrufe erst umständlich erklären zu müssen, dass in der Produktions- oder Lieferkette ein Fehler gemacht wurde, ist deutlich aufwändiger und unter Umständen reputationsschädigend.

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  • Die Arbeitsatmosphäre gewinnt dadurch

    Wenn jeder sagen darf, was er denkt ohne gleich den Rausschmiss fürchten zu müssen, verbessert das automatisch die Stimmung. Die Menschen fühlen sich freier und können offener denken und agieren. Gleichzeitig trägt das zu größerer Loyalität bei.

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  • Entscheidungen werden qualitativ besser

    Dadurch, dass kritische Ansätze vorgebracht werden, werden unterm Strich bessere Entscheidungen getroffen. Es können die Vor- und Nachteile abgewägt und Alternativen in Betracht gezogen werden.

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Was tun, wenn der Chef nicht hört?

Sie halten den neuen Ansatz Ihres Chefs für völlig verkehrt, befürchten größere Komplikationen, wenn seine Vorgaben so umgesetzt werden? Bis zu einem gewissen Grad ist Widerspruch wichtig, auch wenn Vorgaben weder gesetzlich noch moralisch fragwürdig sind. Was können Sie noch tun? Die folgenden Tipps setzen natürlich voraus, dass Sie selbst sich nicht irren.

  1. Überprüfung

    Nicht immer reicht die Vorstellungskraft, manches muss mit eigenen Augen gesehen werden, das gilt für Mitarbeiter als auch für Vorgesetzte. Ein erster Schritt besteht darin, den Weg des Chefs einzuschlagen. Vielleicht haben Sie Ihrerseits etwas nicht bedacht und die Methode des Chefs funktioniert doch. Falls die Methode nicht funktioniert, liefern Sie mit dem Versuch direkt den Beweis der mangelnden Praktikabilität oder sogar des Scheiterns.

  2. Profilierung

    Nun können Sie sich denken „Ich hab’s ja gleich gewusst“ – aber bloß nicht sagen – keiner mag Besserwisser. Gleichzeitig ist das Ihre Chance: Belegen Sie mithilfe von Fakten, Daten und Zahlen Ihre Einschätzung, warum die vom Chef vorgeschlagene Methode nicht funktionieren konnte. Zu einer guten Analyse gehört allerdings nicht nur das bereits Offensichtliche, sondern eine Problemlösung. Schlagen Sie dem Vorgesetzten alternative Wege für sein Problem vor.

  3. Loyalität

    Ihr Chef ist immer noch uneinsichtig? Dann liegt es an Ihnen, Loyalität zu beweisen und diese Entscheidung mitzutragen. Manchmal braucht es etwas länger, bis Fehlentwicklungen sich für alle deutlich abzeichnen und letztlich repräsentieren auch Sie das Unternehmen nach außen.

[Bildnachweis: maraga by Shutterstock.com]
22. Mai 2019 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.



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