Falsch im Job: Ändern oder bleiben?

Regelmäßig veröffentlicht der Gallup-Index Zahlen, denen zufolge ein Großteil der deutschen Arbeitnehmer falsch im Job ist: Die Zufriedenheit ist erschreckend niedrig – Konsequenzen sind mangelndes Engagement, Dienst nach Vorschrift und hohe Fluktuationsraten. Das ist für den Arbeitnehmer frustrierend, aber für Unternehmen nicht minder. Nicht jeder kann Superstar werden. Aber wann ist man eigentlich falsch im Job? Woran Sie erkennen, dass Sie sich falsch entschieden haben und wie Sie damit umgehen…

Falsch im Job: Ändern oder bleiben?

Falsch im Job: Was unsere Entscheidungen beeinflusst

An sich ist in Deutschland jeder frei, seinen Job selbst zu wählen und sich bewusst für oder gegen einen bestimmten Beruf zu entscheiden. Was zunächst allerdings so simpel klingt, ist in der Realität diversen Faktoren unterworfen:

  • Persönliche Faktoren

    Darunter ist Ihre individuelle Eignung für den Beruf zu verstehen. Sie haben sich schon immer für bestimmte Dinge interessiert, waren handwerklich besonders geschickt, hatten ein enormes Zahlengedächtnis oder ein Faible für die Technik. Auch Ihre Fähigkeiten und Ihre Persönlichkeit fließen in die Berufswahl, beispielsweise sind sehr extrovertierte Menschen geeignet für Kundenkontakt.

  • Soziale Faktoren

    Nicht unwesentlich bestimmt in Deutschland immer noch die Herkunft und Schichtzugehörigkeit die Bildungschancen und damit auch die Berufswahl. Wer aus einem bildungsfernen Elternhaus stammt, hat es ungleich schwerer, da der Zugang zu Informationen und Möglichkeiten deutlich beschränkter ist. Andere Berufe scheiden aus, weil sie nicht prestigeträchtig genug sind oder unter wirtschaftlichen Aspekten als unattraktiv eingestuft werden.

So kann es vorkommen, dass jemand Jura studiert, nur weil er aus einer Anwaltsfamilie stammt und vom Kind erwartet wird, dass es später einmal die väterliche Anwaltskanzlei übernimmt.

Oder aber Sie waren nach der Schule noch reichlich orientierungslos und der Vater hat zur Sicherheit schon mal eine Ausbildungsstelle klargemacht – und Sie sind irgendwie in eine Branche hineingerutscht, die nicht wirklich Ihren Neigungen entspricht.

Gerade der Einfluss von Eltern, aber auch von Freunden bei der Berufswahl ist nicht zu unterschätzen, vor allem, wenn jemand sich nicht wirklich damit auseinandersetzt, was er oder sie selbst von einem Job erwartet.

Falsch im Job: Fahrplan für die Analyse

Eine gewisse Unsicherheit ist in jeder Anfangsphase normal, das gilt auch für Berufserfahrene, die beispielsweise den Job wechseln. Üblicherweise wird hier auf die ersten 90 Tage im neuen Job verwiesen:

Die stellen eine gewisse Belastungsprobe für den Neuzugang dar, da er sich sowohl fachlich als auch menschlich beweisen muss. Unter Umständen sehen die Kollegen in ihm sogar eine Bedrohung, denn er bringt das feste Gefüge durcheinander.

Inessa Kulich, Director bei Jobactive + Hanfried Consulting und spezialisiert auf die Vermittlung von Fach- und Führungskräften, dazu: „Ob Sie diese Zeit wirklich brauchen, hängt mit Sicherheit davon ab, wie komplex Ihre Aufgaben und das Unternehmen sind.“

Sie rät Arbeitnehmern, die das Gefühl haben, falsch im Job zu sein, besser früher als später herauszufinden, ob es wirklich nicht mit dem Job passt, und zwar folgendermaßen:

  1. Ursachenforschung: Benennen Sie die Umstände, Personen oder Situationen, die zu Ihrem Unwohlsein beitragen. Ist es die normale anfängliche Nervosität oder fühlen Sie täglich einen inneren Widerstand?
  2. Lösungsorientierung: Gehen Sie strategisch vor und überlegen Sie, was Sie an Ihrer Situation konkret verändern könnten, bevor Sie sich anderen mitteilen.
  3. Kommunikation: Suchen Sie nun das Gespräch mit Ihrem direkten Vorgesetzten. Schildern Sie ihm die Gründe für Ihre Unzufriedenheit und unterbreiten Sie Ihre Lösungen.
  4. Konsequenz: Sind Ihre Vorschläge auf offene Ohren getroffen? Wenn die Ursachen für Ihre Unzufriedenheit behoben werden konnten, waren Sie erfolgreich. Ist das nicht der Fall, sollten Sie tätig werden –
    entweder, indem Sie weiter daran arbeiten oder aber kündigen.
  5. Verabschiedung: Für den Fall, dass Sie kündigen, sollten Sie bedenken: Man sieht sich immer zweimal im Leben. Geben Sie keinerlei Anlass für Unzufriedenheit mit Ihnen, kommen Sie bis zum Schluss Ihren Aufgaben nach und stellen Sie eine reibungslose Übergabe sicher. Dann wird man sich gerne an Sie erinnern.

Ursachenforschung Checkliste: Wo liegen die Gründe?

Falsch im Job ChecklisteGerade im Informationsnebel einer neuen Tätigkeit mag es schwerfallen, klar zu erblicken, worin die Unzufriedenheit begründet ist.

Anfangs muss man sich erstmal sortieren, die Kollegen und das Unternehmen kennenlernen, die Abläufe. Das Gehirn läuft auf Hochtouren, Sie sind vielleicht deutlich müder am Ende des Tages, als Sie es eigentlich von sich gewohnt sind.

Um sich selbst auf die Sprünge zu helfen, haben wir einige typische Punkte zusammengetragen, die für Frust sorgen können:

  • Erwartungen

    Eine Stellenbeschreibung weckt bestimmte Erwartungen, auf die im Vorstellungsgespräch eingegangen wird. Haben sich diese Beschreibungen bewahrheitet? Gibt es Grund zur Annahme, dass wesentlich wohlwollender beschrieben wurde, als es Ihren bisherigen Erfahrungen entspricht? Um einen besseren Überblick zu erhalten, sollten Sie Ihren Tagesablauf notieren und mit den Aufgaben der Stellenbeschreibung vergleichen.

  • Arbeitsbelastung

    Es kann immer mal Zeiten geben (beispielsweise saisonal beeinflusst), in denen die Auftragslage recht hoch oder niedrig ist. Ist jedoch Überforderung oder Unterforderung eher der Dauerzustand, dann ist das ein Indiz dafür, dass Sie falsch im Job sind. Beides kann sich negativ auf Sie auswirken und sollte Sie zum handeln motivieren, bevor Sie einen Burnout haben oder vor lauter Langeweile innerlich kündigen.

  • Verantwortung

    Je nach hierarchischer Position sollten Sie einen gewissen Spielraum über Entscheidungen haben. Manche Chefs sind jedoch der Ansicht, dass ohne sie nichts läuft und betreiben Mikromanagement. Dann wird plötzlich alles kontrolliert, die Mitarbeiter haben gar keinen Spielraum. Das umgekehrte Beispiel ist allerdings genauso schlimm: Wenn Sie für Dinge verantwortlich gemacht werden, die nicht zu Ihrem Aufgabenbereich gehören.

  • Betriebsklima

    Wie kommen Sie mit Ihrem Vorgesetzten zurecht, wie mit den Kollegen? Zu einem guten Betriebsklima gehört, dass Sie Probleme ansprechen können, dass Sie fair behandelt werden. Regelmäßiges Feedback, Anerkennung und Lob vom Chef haben einen großen Einfluss auf die Zufriedenheit. Ebenso wie Kollegen, auf die Sie sich verlassen können, weil sie hilfsbereit sind. Wenn jedoch kein Teamgeist herrscht, sondern gegeneinander intrigiert wird, manche Lorbeeren für die Arbeit anderer einheimsen, dann ist Ärger vorprogrammiert.

  • Arbeitsumfeld

    Lässt man Ihnen Möglichkeiten zur Arbeitsplatzgestaltung? Haben Sie Ihren Arbeitsplatz in einem Großraumbüro? Wer in einem stressigen Umfeld sich kaum konzentrieren kann, auf unbequemen Büromöbeln mit Rückenschmerzen zu kämpfen hat,
    geht wesentlich unmotivierter zur Arbeit.

Lösungsorientiertheit: Was lässt sich ändern?

Sie haben sich gemäß des Fahrplans mit Ihrer Situation auseinandergesetzt, das heißt, an diesem Punkt wissen Sie, woher das Gefühl kommt, falsch im Job zu sein. Nun geht es darum, die identifizierten Probleme zu lösen. Dafür sollten Sie nie unvorbereitet in ein Gespräch mit dem Chef oder gar Kollegen gehen.

„Bevor Sie das Gespräch it Kollegen oder Vorgesetzten suchen, sollten Sie mögliche Lösungen durchdenken. Wenn Sie Lösungsvorschläge in ein kritisches Gespräch mitbringen, sind Ihre Erfolgschancen höher“, weiß Inessa Kulich.

  • Ihre Erwartungen wurden enttäuscht.

    Egal ob Sie sich geirrt haben oder der Personaler Ihnen Märchen erzählt hat – entscheidend ist, ob Sie sich damit arrangieren können. Listen Sie auf, welche Aufgaben und Tätigkeiten Sie erledigen wollen. Möglicherweise lassen sich zu einem späteren Zeitpunkt in einem Gespräch neue oder andere Tätigkeiten hinzunehmen.

  • Ihre Arbeitsbelastung ist zu hoch/niedrig.

    Überlegen Sie, was dazu beiträgt, dass Sie sich überlastet/unterfordert fühlen. Bei Überbelastung kann auch das Selbstmanagement eine Rolle spielen. Notieren Sie, welche Aufgaben und Tätigkeiten welche Zeit in Anspruch nehmen. Planen Sie regelmäßig anfallende Aufgaben und setzen Sie sich Deadlines.

  • Sie tragen zu wenig/viel Verantwortung

    Informieren Sie sich, wie üblicherweise in diesem Job Ihr Entscheidungsspielraum aussieht. Vergleichen Sie, ob das von Ihren Möglichkeiten abweicht und überlegen Sie dabei, welche Kompetenzen Sie für einen reibungslosen Arbeitsablauf wünschen beziehungsweise benötigen.

  • Das Betriebsklima lässt zu wünschen übrig.

    Haben Sie Schwierigkeiten mit dem Vorgesetzten? Gibt es Streitigkeiten mit den Kollegen? Versuchen Sie zu trennen zwischen sachlicher und persönlicher Ebene. Nehmen Sie die andere Perspektive ein: Könnte Ihr Gegenüber mit seiner Argumentation recht haben?

  • Das Arbeitsumfeld stört Sie.

    Für einen reibungslosen Ablauf müssen auch die Arbeitsbedingungen stimmen. Ist das Umfeld trist, versuchen Sie es ein wenig persönlicher zu gestalten. Bei zu hoher Lärmbelastung könnten Sie auf Kopfhörer oder Ohrstöpsel zurückgreifen.

Kommunikation: Benennen Sie klar die Probleme

Natürlich haben Sie nur bis zu einem gewissen Grad die Macht, Dinge zu ändern – geht es etwa darum, dass Sie unter einem schlechten Betriebsklima leiden, weil Sie Ausgrenzung erleben, reicht es nicht, sich positive Gedanken zu machen.

In manchen Fällen mag einfach Neid eine Rolle spielen, so oder so sollten Sie nach eingehender Selbstreflexion das Gespräch suchen. Dafür sollten Sie Probleme und Konflikte immer auf der Ebene lösen, auf der sie entstehen. Wichtig: Geben Sie Ihrem Gegenüber die Gelegenheit, sich auf das Gespräch vorzubereiten.

Sie bekommen so nicht nur die Zeit und Aufmerksamkeit, die Ihr Anliegen verdient, sondern gehen fair mit dem anderen um, der sich im Vorfeld so Gedanken machen kann.

Für das Gespräch sollten Sie Lösungsvorschläge vorbereitet haben. Sprechen Sie die Probleme offen und klar an, zeigen Sie, dass Ihnen an einer einvernehmlichen Lösung gelegen ist. Bitten Sie Ihr Gegenüber um eine Einschätzung – manchmal übersehen wir Dinge, die andere ganz selbstverständlich wahrnehmen. Eventuell gibt es weitere Möglichkeiten, dem Problem zu begegnen.

Für den Abschluss des Gesprächs sollten Sie zu Ergebnissen gekommen sein, was das weitere Vorgehen anbelangt. Vereinbaren Sie nötigenfalls einen neuen Termin, um zu überprüfen, was sich geändert hat, was funktioniert, was möglicherweise nicht funktioniert. „Ein kleines Protokoll, das beide Seiten unterschreiben, schadet nie“, empfiehlt Inessa Kulich.

Konsequenz: Handeln Sie entsprechend

Nun ist es an Ihnen, entsprechend zu handeln. Setzen Sie die Dinge um, die Sie erarbeitet haben. Beobachten Sie, was andere machen. Sehen Sie bei Ihrem Chef oder Kollegen, dass er oder sie sich ebenfalls bemüht? Wurden Missstände beseitigt?

Für solche Fälle kann ein Nachgespräch sinnvoll sein. Auch können Sie zwischendurch daran erinnern, was vereinbart wurde.

Anders sieht es allerdings aus, wenn Sie spüren, dass sich nichts ändert oder Sie schlimmstenfalls sogar nicht ernst genommen werden. Den Job wechseln in der Probezeit geht vergleichsweise leicht, denn Sie haben lediglich eine zweiwöchige Kündigungsfrist.

Bevor Sie jedoch überstürzt handeln, sollten Sie sich auf dem Arbeitsmarkt umschauen, denn sich aus einer bestehenden Stelle heraus zu bewerben sieht immer besser aus als aus der Arbeitslosigkeit.

Flussdiagramm love it leave it change it Grafik

Verabschiedung: Immer korrekt bleiben

Sollten Sie sich für eine Kündigung entschieden haben, dann gestalten Sie Ihre letzte Zeit im Betrieb so, dass man Ihnen nichts nachsagen kann. Das ist aus mehrerlei Hinsicht sinnvoll:

  • Sie wollen ein gutes Arbeitszeugnis.
  • Sie halten sich die Option offen, zu einem späteren Zeitpunkt ins Unternehmen zurückzukehren.
  • Sie vermeiden (gerade bei überschaubaren Branchen) das Risiko, dass Ihnen bereits ein Ruf vorauseilt.

Dazu gehört, dass Sie Ihre Kündigung vorbereiten. Das spart Nerven und stellt sicher, dass Sie an alles denken. Dazu gehört beispielsweise, dass Sie Ihren Vorgesetzten zuerst informieren. Das ist einerseits eine Frage des Respekts und der Position, andererseits natürlich auch vom Verhältnis abhängig.

War das gut, können Sie auch persönlicher formulieren und so Ihre Wertschätzung ausdrücken. In jedem Fall sollten Sie sich um eine gute Übergabe bemühen. Dazu ist es wichtig, dass Sie Ihren Nachfolger einarbeiten, laufende Projekte nach Möglichkeit abschließen.

Und schließlich sollten Sie nicht vergessen, Ihren Ausstand zu geben.

[Bildnachweis: [HBRH by Shutterstock.com]
21. März 2015 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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