Harmoniebedürfnis: So schadet es der Karriere

Ein Harmoniebedürfnis ist nichts schlechtes. Zu einer Gefahr für die berufliche (und auch private) Kommunikation wird das ausgeprägte Harmoniebedürfnis jedoch dann, wenn es uns davon abhält, Konflikte richtig anzugehen und zu lösen. Gerade Arbeitnehmer in Führungspositionen können sich ein derartiges Verhalten nicht erlauben. Langfristig schaden sie damit dem Unternehmen, den Mitarbeitern und sich selbst. Wie man übertriebenes Harmoniebedürfnis erkennt und was Sie dagegen unternehmen können, erfahren Sie hier…

Harmoniebedürfnis: So schadet es der Karriere

Harmoniebedürfnis: Was versteht man darunter?

Harmoniebedürfnis: Was versteht man darunter?Personen mit einem sehr ausgeprägten Harmoniebedürfnis können Streit und Konflikte nur schwer ertragen. Sie versuchen um jeden Preis solche Situationen zu vermeiden. Das machen sie in der Regel, indem sie sich an ihr Gegenüber anpassen, seine Meinung übernehmen und so den Konflikt entschärfen. Häufig geht das zulasten der eigenen Bedürfnisse und Person.

Harmoniebedürfnis kennt man auch unter den Synonymen

  • Harmoniestreben
  • Harmoniesucht
  • Harmonieliebe
  • Harmoniebedürftigkeit

Erkennen Sie diese Kommunikationsmuster?

Wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es auch wieder hinaus. Bestimmte Arten zu kommunizieren deuten darauf hin, dass wir ein übertriebenes Harmoniebedürfnis haben. Überprüfen Sie es im nächsten Gespräch mit Ihren Kollegen und Vorgesetzten doch gleich einmal selbst. Benutzen Sie eine der folgenden Formulierungen?:

Vielleicht wäre es ganz schön, wenn Du/Sie…

Eigentlich würde ich vorschlagen, dass wir das folgendermaßen machen könnten…

Ich hatte mir überlegt, dass vielleicht Herr/Frau XY die Aufgabe übernehmen könnte.

Wenn Sie weiblich sind, stehen die Chancen gut, dass Sie diese Formulierungen in der ein oder anderen Form in Ihrer täglichen Kommunikation nutzen. Studien deuten darauf hin, dass besonders Frauen diese Art zu kommunizieren bevorzugen. Sie klingt weniger fordernd und schwächt das Gesagte ab. Haben Frauen aber im Job das Sagen oder möchten Sie in die Position kommen, im Job das Sagen zu haben, ist das der falsche Weg.

Kurzum, Frauen und Männer kommunizieren auf ganz unterschiedliche Weise – zumindest in der Tendenz.

Der männliche Kommunikationsstil zeichnet sich durch eine eher direkten Sprachverwendung aus. Die Sätze sind knapp gehalten und kurz formuliert. Das Gegenüber hat in der Regel wenig Interpretationsspielraum, was ein Mann mit seiner Aussage gemeint haben könnte. Wenn ein Mann möchte, dass das Fenster im Büro geschlossen werden soll, weil es zieht, wird er das auch so formulieren.

Herr/Frau XY, würden Sie bitte das Fenster zu machen?

Frauen dagegen tun sich in der Regel schwer mit direkten Forderungen und Anordnungen.

Finden Sie eigentlich auch, dass es im Büro etwas kühl geworden ist?

Sie neigen dazu eher indirekt zu formulieren und nutzen gerne den Konjunktiv für ihre Aussagen. Eine direkte Aufforderung fällt Frauen, die den weiblichen Kommunikationsstil pflegen, sehr schwer und korreliert daher mit einem gesteigerten Harmoniebedürfnis.

Ist gesteigertes Harmoniebedürfnis ein weibliches Problem?

Ist gesteigertes Harmoniebedürfnis ein weibliches Problem? Harmoniebedürfnis an sich müsste noch gar kein Problem sein. Schließlich ist pauschal nichts dagegen einzuwenden, wenn Konflikte ergebnisoffen ausdiskutiert und schließlich in einen Kompromiss aufgelöst werden, statt zu eskalieren. Es kommt aber auf die Dosis des Harmoniebedürfnisses an – und hier scheinen Frauen es etwas zu gut zu meinen.

Ein Grund liegt in der Sozialisation. Während es für Männer vollkommen in Ordnung, ja sogar wünschenswert ist, dass sie in die Rolle des starken Führers schlüpfen, ist das bei Frauen in den meisten Situationen noch nicht akzeptiert. Besonders schwierig ist es für Frauen in Branchen, in denen noch das klassische Rollenbild vorherrschend und dementsprechend der sogenannte Gender-Gap noch sehr ausgeprägt ist.

Zu großes Harmoniebedürfnis behindert die Karriere

Im Beruf kann ein zu großes Harmoniebedürfnis zu Führungskonflikten führen. Vorgesetzte, die eher passiv führen, laufen Gefahr, nicht die Harmonie, sondern Konflikte zu fördern. Wer seine Ideen und Anweisungen als Führungskraft nicht durchsetzen kann, wird langfristig Probleme bekommen. Die Mitarbeiter fühlen sich ohne richtigen Anführer und agieren entsprechend orientierungslos.

Wenn Vorgesetzte und Kollegen aus falsch verstandenem Harmoniebedürfnis Konflikte nicht mehr offen ausdiskutieren und gemeinsam zu einer Lösung kommen, verstärkt das die Konflikte noch weiter. Denn wo immer Menschen miteinander arbeiten ist es ganz natürlich, dass es zu Konflikten und unterschiedlichen Meinungen kommt. Die Aufgabe besteht dann darin, diese zu lösen.

Geht man es richtig an, kann das sogar positiv für das Unternehmen und die Mitarbeiter sein: Im Austausch der verschiedenen Meinungen und Ansichten werden neue Ideen geboren, die fruchtbar für die Entwicklung des Unternehmens sein können. Auf der anderen Seite fühlen sich die Mitarbeiter wertgeschätzt und ernst genommen, was sich wiederum positiv auf die Motivation auswirkt.

Kurzum, einer muss den Hut aufhaben, damit das Team weiß, wo die Reise des Unternehmens hingehen soll.

Werden Mitarbeiter aus falsch verstandenem Harmoniebedürfnis sich selbst überlassen, weil Führungskräfte keine konkreten Anweisungen und Erwartungen formulieren können, gerät das Unternehmensziel aus dem Auge und die Mitarbeiter können sich nicht weiterentwickeln. Wo es keine Kritik gibt, da haben Mitarbeiter auch keine Chance, aus ihrem Fehler im Job zu lernen.

Das erwarten Mitarbeiter von einer Führungskraft

Das erwarten Mitarbeiter von einer Führungskraft Erstaunlich viele Arbeitnehmer sind sich über die grundsätzlichen Eigenschaften einer guten Führungskraft einig. Wer eine leitende Postion anstrebt, sollte diese daher kennen:

  • Vorgesetzte sollen die Mitarbeiter fördern und zu deren Entwicklung beitragen.
  • Vorgesetzte sollen klare Entscheidungen treffen und deren Umsetzung kontrollieren.
  • Vorgesetzte sollen Ziele deutlich definieren und die Rahmenbedingungen schaffen, diese umzusetzen.
  • Vorgesetzte sollen den Mitarbeitern in regelmäßigen Abständen ein klares Feedback geben.
  • Vorgesetzte sollen ihre Mitarbeiter für ausgezeichnete Arbeit loben.
  • Vorgesetzte sollen die Mitarbeiter eigenverantwortlich handeln lassen.

Kurz gesagt, Führungskräfte haben eine Vorbildfunktion für das gesamte Unternehmen. Da sollte falsch verstandenes Harmoniebedürfnis nicht im Wege stehen.

Konfliktfähigkeit statt Harmoniestreben

Wir sehen also: Wer es als Führungskraft jedem Mitarbeiter und Kunden recht machen will, wird langfristig keinen Erfolg haben. Konfliktfähigkeit heißt das Zauberwort – und die müssen Vorgesetzte und Mitarbeiter gleichermaßen beherrschen.

Übrigens: Konfliktfähigkeit bedeutet nicht, dass Sie sich von morgens bis abends mit Mitarbeitern und Kollegen streiten sollen. Vielmehr ist Konfliktfähigkeit eine soziale Kompetenz, die es Ihnen erleichtern wird, im Job voranzukommen.

  1. Zwei Seiten der Medaille

    Was für die Medaille gilt, gilt auch für Konflikte. Es gibt nicht nur eine Seite, sondern zwei – mindestens. Starten Sie daher damit, die beiden widerstreitenden Meinungen zu identifizieren. Vielleicht ist ein Grund für den Konflikt auch, dass eine der beiden Seiten etwas falsch verstanden hat.

    So oder so, wenn Sie sich mit beiden Meinungen objektiv und eingehend befassen, bekommen die Streitenden das wichtige Gefühl, das sie ernst genommen werden. So bleiben sie für die weiteren Schritte der Konfliktlösung offen.

    Die Leitfragen dabei sind:

    • Was ist der Kern des Konflikts? Worum geht es?
    • Kennen Sie die Gründe dafür, warum es gerade jetzt zu dieser Auseinandersetzung gekommen ist?
    • Welche langfristen Auswirkungen kann dieser Konflikt für das Team und das gesamte Unternehmen haben?
    • Wie wirken die betroffenen Personen auf Sie (wütend, verletzt, aggressiv…)?
    • Profitiert eine der beiden Seiten von dem Streit?
  2. Bleiben Sie ruhig und sachlich

    Geht es an den Kern der Auseinandersetzung ist ein kühler Kopf gefragt. Versuchen Sie so sachlich wie möglich zu argumentieren und vermeiden Sie Zuschreibungen und Vorwürfe. Am besten Sie formulieren während des Konflikts möglichst viele Ich-Botschaften und achten auf die Feedbackregeln. So stellen Sie sicher, dass Ihr Gegenüber ihnen bis zum Ende zuhört und nicht schon mitten in Ihrer Rede an seiner Apologie feilt.

  3. Gehen Sie kleinschrittig vor

    Wenn Sie einen großen Konflikt vor sich haben, bietet es sich an, ihn nach und nach und nicht als großes Ganzes anzugehen. Das hat auch psychologisch betrachtet einen Vorteil: Kleinere Konflikte lassen sich schneller lösen als große. So haben alle Beteiligten das Gefühl, in kurzer Zeit viel erreicht zu haben – und das beflügelt für die weitere Entschärfung des Konflikts.

  4. Arbeiten Sie an Ihrer inneren Haltung

    Gerade wenn Sie als Führungskraft in einen Streit zwischen Mitarbeitern involviert sind, ist gutes Konfliktmanagement gefragt. Das funktioniert dann besonders gut, wenn Sie selbstsicher und mit der nötigen Portion Selbstbewusstsein auftreten. Legen Sie sich dazu die passende innere Haltung zu. Sie müssen zu jedem Zeitpunkt des Konflikts bereit sein, für Ihre Meinungen und Entscheidungen einzutreten. Zögern gibt es nicht!

    Besonders hier sollten Sie sich vor falsch verstandenem Harmoniebedürfnis hüten. Es bringt nichts, in einem Konflikt beiden Seiten jeweils ein bisschen recht zu geben. Das führt zu keinem Ergebnis und verschleppt den Konflikt nur.

[Bildnachweis: fizkes by Shutterstock.com]
6. Dezember 2018 Julia Sima Autorin Autor: Julia Sima

Julia-Eva Sima arbeitet als freie Journalistin und war mehrere Semester Dozentin an der Universität des Saarlandes. Danach wechselte sie in die Personalbranche und arbeitete unter anderem als Headhunter.

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