Streitkultur: Beispiele für schlechte + 7 Tipps für eine gute Diskussion

Streiten, bis die Fetzen fliegen, ist im beruflichen Kontext selten angezeigt. Andererseits bedeutet eine gute Streitkultur nicht, dass man zwangsläufig mit der eigenen Meinung hinter dem Berg halten müsse. Im Gegenteil. Diskussionen und Meinungsverschiedenheiten sind erwünscht und fördern den Erfolg eines Teams. Warum Konflikte dazu gehören und wie Sie eine Streitkultur etablieren, von der am Ende alle profitieren…

Streitkultur: Beispiele für schlechte + 7 Tipps für eine gute Diskussion

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Definition: Was bedeutet Streitkultur?

Streitkultur bezeichnet die Art und Weise, wie Personen mit Meinungsverschiedenheiten umgehen. Gemeint ist nicht die Lust am Streit, sondern die konstruktive Auseinandersetzung auf einer sachlichen Ebene. Das Ziel ist nicht einfach, andere zu überzeugen oder deren Meinung zu diskreditieren. Stattdessen sucht Streitkultur den Austausch und untermauert den eigenen Standpunkt mit Argumenten. Gleichzeitig sind Menschen in einer gesunden Streitkultur bereit, offen für die Perspektiven der Gesprächspartner zu bleiben.

Im Internet lässt sich eine oftmals sehr aggressive Streitkultur beobachten. In Foren oder auch in den Kommentaren bei Facebook sucht man meist vergebens nach konstruktivem Austausch. Eine wirklich positive Streitkultur scheint selten vorzukommen. Aus unterschiedlichen Gründen:

  • Streitkultur besteht in Beleidigungen
    Ein Teil fühlt sich sofort persönlich angegriffen, wenn andere Kritik äußern. Daraus resultieren dann schnell zwei verhärtete Fronten, die absolut unfähig sind, einen Kompromiss zu finden oder gemeinsam zu diskutieren. Auch außerhalb des Internets glauben einige Menschen, Diskussionen oder Streit hätten etwas mit persönlichen Beleidigungen zu tun.
  • Streitkultur besteht in Vermeidungshaltung
    Daneben gibt es noch das andere Extrem. Diejenigen, die jedem Streit aus dem Weg gehen wollen und immer nur Harmonie suchen. Im Zweifelsfall ignorieren sie die eigene Meinung und stimmen anderen zu, nur um mögliche Auseinandersetzungen von vornherein zu vermeiden. Beides hat recht wenig mit einer guten Streitkultur zu tun.
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Gute Teams brauchen Reibungspunkte

Zunächst zwei Beispiele für eine schlechte Streitkultur und das Problem daran:

  • Alle sind einer Meinung
    Gemeinsam soll ein Team ein größeres Projekt bearbeiten. Im Meeting bespricht es das weitere Vorgehen. Innerhalb kürzester Zeit ist man sich einig, jeder hat seine Aufgaben, es kommt zu keinerlei Meinungsverschiedenheiten und alle machen sich an die Arbeit.
  • Keiner äußert seine Meinung
    Der Vorgesetzte ist unempfänglich für Kritik, regiert die Abteilung eher mit autoritärem Führungsstil. Abweichende Meinungen empfindet er als Infragestellen seiner Position und Sägen am Stuhl. Daher traut sich niemand, seine Meinung zu äußern.

Beide Szenarien sind Gift für ein Unternehmen. Auch wenn das erste Beispiel Eindruck erweckt, das Team würde bestens funktionieren und tolle Ergebnisse abliefern. Und im zweiten Beispiel werden innovative Ansätze sofort im Keim erstickt. Erst Diskussionen und abweichende Standpunkte führen zu einem Abwägen der Argumente. Dazu können Fragen gehören wie:

  • Ist das wirklich der beste Weg?
  • Sollten wir nicht lieber etwas anderes ausprobieren?
  • Warum sollten wir wie bisher weitermachen, wenn das immer wieder zu Problemen führt?

Tatsächlich führen verschiedene Meinungen und unterschiedliche Ansätze innerhalb eines Teams meist zu besseren Ergebnissen. Das perfekte Team ist eben nicht fünf Mal ein möglichst gleicher Charakter, sondern besteht aus Gegensätzen, die sich ergänzen können. Bei richtiger Umsetzung einer guten Streitkultur sind Diskussionen in einem solchen Umfeld normal – und alles andere als schädlich.

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7 Tipps für eine bessere Streitkultur

Eine gute Streitkultur bedeutet aber genauso wenig, Konflikte heraufzubeschwören. Es geht immer um den richtigen Umgang mit Meinungsverschiedenheiten. Wenn ständig und über alles ein großer Streit ausbricht, sollte ein Unternehmen sich fragen, woran das liegt und entsprechend darauf reagieren. Verschiedene Meinungen müssen Teams nicht entzweien, sondern können zu einem gemeinsamen Ergebnis beitragen. Wir haben hier einige Tipps, wie Sie eine bereichernde Streitkultur erfolgreich einführen und umsetzen:

1. Halten Sie die Person heraus

In einer guten Streitkultur geht nie darum, die Persönlichkeit eines anderen anzugreifen. Fallen Kritikpunkte zu einem Vorschlag ein, sollten Sie diese vorbringen, um nach Lösungen zu suchen. Einen Einwand darauf zu begründen, dass der Kollege ein eigensinniger Einzelkämpfer ist, bringt hingegen niemanden weiter.

Versuchen Sie sachlich zu bleiben und die Diskussion wirklich auf das Thema zu beschränken, das zur Debatte steht. Beginnen Sie einmal damit, über die Person an sich zu streiten, leidet die Arbeitsatmosphäre, an konstruktive, zielführende Zusammenarbeit ist nicht mehr zu denken.

2. Schließen Sie keine Meinung von vornherein aus

Es ist leicht, manche Vorschläge kategorisch auszuschließen. Allerdings vermitteln Sie damit auf der einen Seite das Signal, dass die Meinung einer Person weniger wert sei. Auf der anderen Seite nehmen Sie sich selbst die Möglichkeit, die positiven Seiten einer Idee in die Lösung eines Problems mit einzubeziehen.

Fragen Sie sich bei jedem neuen Vorschlag: Gibt es etwas, das wir daraus nutzen können? Selbst wenn nicht die ganze Idee vielversprechend ist, gibt es meist dennoch Teile, die man adaptieren sollte, um zum Ergebnis beizutragen.

3. Machen Sie keine Vorwürfe

Streitigkeiten führen schnell zu gegenseitigen Anschuldigungen. Du hast dies… und Du hast jenes… und überhaupt hat der andere ja überhaupt keine Ahnung, wovon er eigentlich redet. Bei Pauschalisierungen und Vorwürfen ist es nicht verwunderlich, wenn das Gegenüber defensiv und trotzig reagiert. So kommt es höchstens zur Konflikteskalation statt vernünftig die Konflikte zu lösen.

Formulieren Sie deshalb am besten in der Ich-Form. „Ich denke, dass…“, „Ich empfinde es als…“ oder „Meiner Meinung nach…“ So greifen Sie niemanden an, sondern schildern wirklich nur Ihre persönliche Sicht der Dinge. Sie vertreten Ihre Meinung ganz legitim, ohne direkt Vorwürfe zu machen.

4. Lassen Sie die Gegenseite ausreden

Manche Konflikte lassen sich von vornherein vermeiden, wenn beide Seiten dem anderen richtig zuzuhören. Viele Streitigkeiten basieren auf Missverständnissen, weil eine Seite nicht ausreden und ihre Position darlegen durfte. Das ist nicht nur unhöflich, sondern fördert womöglich zukünftige weitere Streitigkeiten.

5. Bringen Sie sich bei jeder Idee voll ein

Trotz guter Streitkultur kann es vorkommen, dass sich die eigene Meinung oder Idee am Ende nicht durchsetzt. Mit Frust und Trotz darauf zu reagieren und sich bei der weiteren Umsetzung anderer Pläne herauszuhalten, wäre reichlich unreif. Niemand verliert gerne oder gesteht sich gerne ein, dass die eigene Idee vielleicht doch nicht die richtige war.

Um dieses Gefühl zu überwinden, sollten Sie sich verdeutlichen, dass es in einer Streitkultur nicht ums Gewinnen oder Verlieren geht. Das Ziel ist es immer, das beste Ergebnis zu erzielen, unabhängig davon, wer den Vorschlag gemacht hat. Halten Sie das eigene Ego so weit es geht aus den Diskussionen raus und nehmen Sie es nicht persönlich, wenn ein Kollege Ihnen widerspricht.

6. Nehmen Sie sich Zeit

Manche Dinge benötigen eine detailliertere Aufarbeitung. Nehmen Sie sich Zeit für ein Streitgespräch. Zwischen Tür und Angel ist ebenso eine schlechte Idee wie am Ende einer Woche mit Überstunden.

Der richtige Zeitpunkt trägt auch deshalb zu einer gesunden Streitkultur bei, weil dann beide Konfliktparteien die Chance haben, sich zu beruhigen und rational an die Sache heranzugehen. Mitten in einer Auseinandersetzung kann es daher sinnvoll sein, den Streit zu vertagen, um nicht im Affekt Dinge zu äußern, die Sie später bereuen.

7. Verzichten Sie auf Verallgemeinerungen

Im Eifer des Gefechts lässt man sich schnell dazu hinreißen, Handlungen zu verallgemeinern. Immer, ständig, jedes Mal oder nie sind klassische Formulierungen, die in diesen Situationen viel zu häufig benutzt werden. Jede Verallgemeinerung ist immer auch eine Übertreibung.

Beziehen Sie sich lieber auf konkrete und aktuelle Beispiele. Nennen Sie beim Namen, welches Verhalten Sie genau stört, anstatt von immer zu sprechen. Das macht Sie nicht nur glaubwürdiger, sondern gibt dem anderen auch die Chance, wirklich etwas zu ändern.

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