Kurzschlussreaktion: Warum Sie sich selbst schaden

Manchmal ist das Maß einfach voll. Wer sich schon länger über etwas geärgert und immer stillgehalten hat, hat irgendwann genug – dann kann es zur Kurzschlussreaktion kommen: Im allergrößten Ärger wird plötzlich der Job hingeschmissen, Türen geknallt, sich vom Partner getrennt. Die lange ausgehaltene Spannung ist binnen Sekunden verpufft. Allerdings kann dafür ein Scherbenhaufen vor den Füßen liegen. Kurzschlussreaktionen sind nämlich gar nicht so ungefährlich. Warum Sie sich damit selbst schaden und was Sie tun können…

Kurzschlussreaktion: Warum Sie sich selbst schaden

Kurzschlussreaktion Definition: Hals über Kopf

Kurzschlussreaktion Definition Bedeutung synonym Kurzschlusshandlung im Affekt handeln StromDen Begriff Kurzschluss kennen wir aus der Elektrik: Fließt zwischen zwei Polen einer Spannungsquelle der Strom ohne Widerstand – beispielsweise durch ein Gerät, das mit Strom betrieben wird – dann kommt es zum Kurzschluss. Als Ergebnis dieser Kurzschlussreaktion sitzt man oft ohne Strom im Dunkeln.

Was ist eine Kurzschlussreaktion bezogen auf den Menschen? Gemeint ist eine Reaktion, die in einer Kurzschlusshandlung besteht. Übertragen auf den elektrischen Kurzschluss, fehlt bei der Kurzschlussreaktion ebenfalls ein Widerstand, nämlich meist in Form der Besonnenheit und der Reflexion.

Begleitet wird diese reaktive Handlung durch starke, meist kurz andauernde Emotionen, sogenannte Affekte, wie beispielsweise Wut und Angst. Daher wird synonym zu Kurzschlussreaktion von Affekthandlung gesprochen.

Hervorgerufen werden Kurzschlussreaktionen zumeist durch bereits länger schwelende Konflikte. Es ist der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt: Aus einem aktuellen Anlass heraus – etwa eine Provokation – entlädt sich der Frust oder die Anspannung in einer Kurzschlussreaktion.

Hintergrund sind oftmals Gefühlseinstellungen wie:

Kurzschlussreaktion: Psychologie sieht Falschmeldungen als Ursache

Unser Gehirn gleicht einem Supercomputer: Ständig muss es aus einer Vielzahl von Sinneseindrücken auswählen, welche ans Bewusstsein weitergeleitet werden und entsprechende Handlungen veranlassen. Es wird geschätzt, dass allein die Augen in einer Sekunde wenigstens 10 Millionen Bits ans Gehirn weiterleiten.

Diese Auswahl geschieht nicht bewusst, hat aber dennoch Konsequenzen, denn manchmal werden am Verstand vorbei Entscheidungen getroffen. Diese Kurzschlussreaktion ist wie eine Falschmeldung beim Computer. Hervorgerufen wird sie durch biochemische Prozesse.

Diese können im Ablauf gestört sein, etwa bei Menschen mit mangelnder Impulskontrolle. Davon können beispielsweise Menschen betroffen sein, die an einer Borderline-Störung leiden.

Nicht selten leiden sie unter emotionaler Instabilität, sind sehr impulsiv und neigen zu riskantem oder aggressivem Verhalten. Natürlich hat nicht jeder, der in einer Kurzschlussreaktion handelt, gleich eine schwerwiegende psychische Störung. Gleichwohl gibt es ein bestimmtes psychologisches Profil bei Affekthandlungen:

Etliche Faktoren begünstigen eine Kurzschlussreaktion, so dass die eigene Persönlichkeit nicht das Hauptkriterium sein muss. So ist beispielsweise bekannt, dass Drogen und Alkohol enthemmen. Aber auch Schlafmangel hat drastische Konsequenzen:

Eine Studie von Schweizer Forschern untersuchte das Risikoverhalten von männlichen Studenten. Dabei zeigte sich, dass diejenigen mit nur fünf Stunden Schlaf pro Nacht deutlich riskantere Entscheidungen fällten als die Studenten der Kontrollgruppe, die ausreichend Schlaf erhielten.

Zu ganz ähnlichen Ergebnissen kam eine weitere Studie, die den Zusammenhang zwischen Führungskompetenzen und Schlafverhalten untersuchte.

Wenig überraschend: Auch Führungskräfte brauchen Schlaf. Anderenfalls lässt sich häufig gereiztes, launisches Verhalten beobachten, das in Konflikten mündet. Auch werden riskante Entscheidungen – also Kurzschlussreaktionen – häufiger gefällt.

Folgen der Kurzschlussreaktion: Nicht automatisch Kündigung

Unter juristischen und kriminologischen Aspekten betrachtet kann eine Kurzschlussreaktion, wenn sie vom Psychiater oder Psychologen entsprechend eingestuft wird, zur Schuldunfähigkeit führen. So wird allerdings nur bei massiven Bewusstseinsstörungen entschieden.

Wenngleich die meisten Kurzschlussreaktionen im Berufsleben noch vergleichsweise harmlos ablaufen dürften, können andere strafrechtliche Konsequenzen haben. Unerlaubtes Entfernen vom Arbeitsplatz nach Streit mit dem Chef könnte Sie den Job kosten:

Dann nämlich, wenn Sie Ihre Pflichten so schwer verletzt haben, dass eine weitere Zusammenarbeit mit Ihnen für Ihren Chef unzumutbar ist. Wer in einer Kurzschlussreaktion wüste Beleidigungen ausstößt oder gar den Tatbestand der Körperverletzung erfüllt, muss mit einer fristlosen Kündigung rechnen.

Das unerlaubte Entfernen vom Arbeitsplatz nach Streit muss allerdings nicht so enden: Dann nämlich, wenn Sie sich verbale und physische Gewalt gespart und stattdessen lediglich woanders Ihr Gemüt in einem Spaziergang beruhigt haben.

Kehren Sie am selben Tag zum Arbeitsplatz zurück und nehmen Ihre Arbeit wieder auf oder bieten Ihrem Chef an, sie weiter zu erledigen, sieht es gut für Sie aus. Selbst eine Krankschreibung am nächsten Tag rechtfertigt keine fristlose Kündigung (Az.: 10 Sa 49/06).

Soweit der arbeitsrechtliche Teil. Je nach Ausmaß Ihres Kurzschlusses kann eine Beziehung irreparablen Schaden nehmen: Wer im Affekt Kollegen beleidigt oder seinem Partner Dinge an den Kopf wirft à la Was ich dir immer schon sagen wollte…, nimmt in Kauf, dass es zu massiven Kränkungen kommt.

Trennungen als Kurzschlussreaktion oder infolge solcher Verhaltensweisen kommen immer wieder vor. Sie deuten allerdings auch darauf hin, dass bereits zuvor etwas im Argen war – und sei es nur, dass nicht genügend kommuniziert wurde.

Emotionskontrolle Training: Gefühle sinnvoll kanalisieren

Was aber, wenn Sie vielleicht jemand sind, der zu impulsiven Handlungen neigt? Vielleicht häufiger bei sich Blackouts beobachtet? Gerade, wer unter hohem Stress steht, entwickelt einen Tunnelblick.

Wenn dann verschiedene Optionen nicht gesehen werden, kann das in einer Kurzschlussreaktion münden. Sie beugen dem vor, indem Sie lernen, Ihre Emotionen zu kontrollieren. Wie das funktionieren kann:

  • Ausgleich

    Wenn Sie merken, dass sich bei Ihnen etwas aufstaut, brauchen Sie einen Ausgleich. Wie Sie ihn gestalten, hängt von Ihrer Persönlichkeit ab. Sport ist ein probates Mittel, Dampf abzulassen. Wir powern uns aus, Adrenalin wird abgebaut, Glückshormone ausgeschüttet und gleichzeitig tun wir etwas für unsere Fitness. Andere bevorzugen ein gutes Gespräch mit Freunden und holen sich wertvolle Tipps. Und ein Dritter entspannt sich mit Meditation und Entspannungsübungen.

  • Ablenkung

    Am besten funktioniert Ablenkung, wenn andere Sinne involviert sind. Die kalte Dusche ist im Büro leider selten verfügbar. Ein Spaziergang (schnellen Schrittes) an der frischen Luft ist eine Möglichkeit, denn Sie bekommen neue Sinneseindrücke. Oder Sie hören diese Musik, die den Stress um 65 Prozent senkt.

  • Einstellung

    Arbeiten Sie an Ihrer generellen Einstellung. Lebensfreude und Optimismus werden Ihnen auf Dauer ein Gefühl der Gewissheit geben. Die Gewissheit, dass Sie sich mithilfe Ihrer Kompetenzen auch aus Konfliktsituationen wieder herausmanövrieren können. Wer sich selbst gegenüber gnädig ist, verurteilt andere Menschen nicht so schnell. Gestehen Sie anderen Menschen ebenso zu, Fehler zu machen wie sie Ihnen hin und wieder passieren.

Kurzschlussreaktion rückgängig machen

Und wenn es doch einmal passiert? Manchmal ergibt ein Wort das andere. So biegen Sie es wieder gerade:

  • Selbstreflexion

    Zur Kurzschlussreaktion gehört, dass Sie schneller reagiert haben, als Sie nachdenken konnten. Das holen Sie nach, indem Sie Selbstreflexion betreiben: Was ist da gerade passiert, wieso habe ich so reagiert, was hat das Verhalten des Gesprächspartners in mir ausgelöst? Habe ich womöglich überreagiert? Basiert meine Reaktion auf einem Missverständnis?

  • Reue

    Vielleicht haben Sie in der Sache sogar recht gehabt: Der Punkt ist, wie Sie es kommunizieren. Wenn Sie Reue zeigen, dann heißt das nicht zwangsläufig, dass Sie zugeben, im Unrecht zu sein. Vielmehr bedeutet es, dass Sie reflektiert haben und Ihr Verhalten an diesem Punkt unpassend finden. Dazu gehört, sich für die Kurzschlussreaktion zu entschuldigen, wenn Sie beispielsweise laut geworden sind oder anderweitig unangemessen reagiert haben.

  • Friedensangebot

    Oftmals sind Menschen gesprächsbereiter, wenn sie nicht nur mit einem Problem konfrontiert werden, sondern ihnen ein Angebot, eine Lösung gemacht wird. Was immer der Auslöser für Ihre Kurzschlussreaktion war: Wie lässt sich das Problem angehen? Wer Problemlösungskompetenz hat, zeigt, dass er Dinge konstruktiv angeht. Der prinzipiell gute Wille ist erkennbar und macht eine Kurzschlussreaktion verzeihlich.

[Bildnachweis: Borysevych.com by Shutterstock.com]
20. April 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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