Minirock-Index: Rocklänge als Wirtschafts-Indikator

Schon immer haben Ökonomen versucht, die wirtschaftliche Entwicklung vorherzusagen. Einer der skurrilsten Indikatoren ist der sogenannte Minirock-Index. Der besagt: Zieht die Konjunktur an, werden die Röcke kürzer – und umgekehrt. Den Zusammenhang erkannte der Ökonom George Taylor schon in den 1920er-Jahren. Für Ökonomen und Konsumforscher war und ist der Rocksaum seitdem ein guter Indikator, wie viel Vertrauen die Bevölkerung in die Wirtschaft hat. Aber ist das nicht totaler Unfug? Und was ist am Minirock-Index wirklich dran? Wissenschaftler haben das inzwischen empirisch nachgeprüft – mit erstaunlichem Ergebnis…

Minirock-Index: Rocklänge als Wirtschafts-Indikator

Minirock-Index: Die Rocklänge als Wirtschafts-Indikator

Modetrends als Konsum- und Konjunkturindikatoren? Zugegeben, der Zusammenhang ist auf den ersten Blick mehr als wundersam. Er wird aber begründet durch die Geschichte:

  • Als Deutschland beispielsweise in den Fünfzigern zum Wirtschaftswunderland avancierte, da trug Frau gerne einen Minirock, der zuweilen nicht viel breiter war als ein gemeiner Gürtel.
  • Mit der Rezession in den frühen Neunzigern wurde die Mode wieder züchtiger und die Röcke und Kleider wadenlang.

Aber können viel nacktes Bein und ein knapper Rock tatsächlich aufzeigen, wie gut es um die Wirtschaft bestellt ist? Oder handelt es sich dabei vielmehr um eine zufällige Korrelation und vorübergehende Modeerscheinung?

„Nein“, sagen Wissenschaftler inzwischen: „Es ist kein Zufall„, weiß zum Beispiel Marjolein van Baardwijk und Philip Hans Franses vom Econometric Institute der Erasmus School of Economics in Rotterdam.

Die Forscher haben in ihrer kürzlich veröffentlichten Studie den Minirock-Index und damit den Zusammenhang zwischen Rocklänge und Rezession wissenschaftlich untersucht – und konnten ihn bestätigen.

So sieht der Minirock-Index grafisch aus:

Minirock-Index Rocklängen

Allerdings – und um die Geschichte kurz zu halten – reagieren Mode und Wirtschaft nach der vorliegenden Untersuchung etwa drei Jahre zeitversetzt aufeinander.

In den Worten der Autoren:

Es ist keinesfalls nur eine urbane Legende, dass der Rocksaum mit der Wirtschaft korreliert. In Zeiten des Niedergangs sinkt der Saum zu Boden, während er, wenn die Wirtschaft boomt, wieder steigt. Die Röcke werden dann messbar kürzer. Wir haben die Saum-Daten über einen Zeitraum von 1921 bis 2009 gesammelt und diese mit den Konjunkturzyklen verglichen. Die wichtigste Erkenntnis unserer Studie ist: Die urbane Legende ist keine – sie ist wahr, aber mit einer Zeitverzögerung von etwa drei Jahren.

Auch die Meinungsforscher des renommierten Instituts für Demoskopie in Allensbach sind inzwischen davon überzeugt, dass der Vergleich zwischen Minirock und Aktienindex alles andere als an den Haaren herbeigezogen ist. Tatsächlich beobachte das Institut „seit vielen Jahren einen verblüffenden Zusammenhang zwischen Entwicklungen in der Wirtschaft, zwischen Wirtschaftskonjunktur und den schwer zu entschlüsselnden Signalen, die uns die Mode gibt“, schreiben die Forscher in ihrer Minirock-Studie.

Oder anders ausgedrückt: Die Wirtschaftskrise der vergangenen Monate dürfte die Rocksäume spätestens im Jahr 2011 und 2012 kräftig nach unten ziehen.

[Bildnachweis: Dreamcat by Shutterstock.com]
30. September 2010 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.


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