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Termine, Termine, Termine! Und damit sie nicht in Vergessenheit geraten, notieren wir sie uns. Notizbücher sind beliebte Begleiter vieler Intellektueller. Schon Goethe nahm sie mit auf seine Reisen nach Italien, um seine Eindrücke aufzuschreiben. Warum es also nicht den Großen nachtun und selbst etwas gestalten? Bullet Journaling heißt der neuste Trend aus den USA und beschreibt genau das: Sie schnappen sich eine Kladde Ihrer Wahl und gestalten Ihren eigenen, höchst individuellen Terminkalender, ein Bullet Journal. Aber ein Bullet Journal kann viel mehr sein als ein Terminkalender oder Notizbuch – Sie dokumentieren damit auch Ihre ganz persönlichen Eindrücke. Wie? So...

Bullet Journal: Zurück in die Zukunft

Es klingt wie das neue Heilsversprechen: Mit einem Bullet Journal vergisst du nie wieder Termine! Mit einem Bullet Journal bist du total durchorganisiert. Tod den Notizzetteln – es lebe das Bullet Journal! Okay, das ist jetzt ein bisschen übertrieben. Nicht übertrieben ist hingegen, dass sich rund um das Gestalten von Bullet Journals ein regelrechter Hype entwickelt hat. Da gibt es Fangemeinden auf Pinterest und Youtube; Blogger, die sich der Gestaltung von Notizbüchern verschrieben haben und nicht müde werden, die Vorzüge des Bullet Journals anzupreisen.

Das ist insofern überraschend, als dass mit Bullet Journaling letztlich ein Retrotrend eingesetzt hat. Für alles gibt es heutzutage eine App; ich kann meine Kalorien zählen, nachprüfen, wieviel ich mich heute schon bewegt habe und natürlich kann ich meine To-Do-Liste auch als App fürs Smartphone installieren. Und im Zeitalter der Digitalisierung nun also der Schritt zurück ins Analoge. Das schreit förmlich nach Gegenkultur.

Was andererseits nicht überrascht, denn eins ist gleichgeblieben: Der Wunsch nach Individualität. Und hier liegt die Stärke der Bullet Journals: Ihrer Kreativität und Ihren Gestaltungswünschen sind keine Grenzen gesetzt.

Die Lösung Ihrer Terminprobleme: Das Bullet Journal

Das betrifft nicht nur den Aufbau des Bullet Journals, sondern reicht bis ins kleinste Detail: Sind Sie der spielerische Typ, der sich kreativ austoben möchte oder doch eher Minimalist? Kein Problem. Sie tragen nur das ein, was Sie brauchen. Eine praktische Anleitung, wie Sie Ihr ganz eigenes Bullet Journal gestalten, sehen Sie hier:

Und nichts weniger als das verspricht der Erfinder, Ryder Carroll:

To track the past, organise the present, and plan for the future

Also die Möglichkeit, Vergangenes zu verfolgen, seine Gegenwart zu organisieren und die Zukunft zu planen. Und das gilt auch im übertragenen Sinne: Ihr Bullet Journal kann mehr sein als einfach nur ein schnöder Terminkalender. Es soll dabei helfen, Ihren Alltag insgesamt zu organisieren. Behalten Sie die Übersicht über Geburtstage und Verabredungen und gestalten Zeitmanagement einmal anders.

Bullet Journal: Was braucht es?

Wie bei jedem kreativen Prozess benötigen Sie auch hier bestimmte Zutaten. Die eines Bullet Journals sind folgende:

  • Eine Kladde.

    Dafür greifen Sie zum Lieblingsnotizbuch Ihrer Wahl – welche Größe, ob liniert, kariert oder blank ist komplett Ihnen überlassen. Allerdings bietet es sich an, nicht unbedingt zum kleinsten Exemplar zu greifen, wenn Sie sich kreativ austoben wollen. Einige begeisterte Bullet Journaler raten zu eher dezent gestaltetem Papier. Der Vorteil hier ist, dass entsprechend schwach gesetzte Punkte eine Orientierungshilfe bieten, um malerisch nicht abzurutschen. Gleichzeitig ermöglichen sie genügend Spielraum für die eigene Gestaltung.

  • Stifte, wir brauchen mehr Stifte!

    Die Schreibwarenindustrie dürfte dieser Trend außerordentlich freuen, denn Ihren Gestaltungswünschen sind keine Grenzen gesetzt. Ob Buntstifte, Filzstifte, Bleistifte oder Marker – her damit. Sie wollen schließlich Prioritäten markieren können. Wichtige Termine, Verabredungen, Deadlines und Ideen lassen sich farblich ganz hervorragend abheben, so dass Sie auf den ersten Blick erkennen, welche Relevanz sich hinter einem Eintrag verbirgt.

  • Ein Lineal.

    Klingt jetzt erstmal nicht so kreativ, aber auch große Künstler sind nicht ohne ausgekommen – wie Skizzen Leonardo da Vincis auch heute noch zeigen. Gerade für die Gestaltung des Index bietet sich ein Lineal an. Wenn erstmal das Gerüst steht und erst recht, wenn Sie Übung haben, wird Ihnen vermutlich vieles so leicht von der Hand gehen, dass Sie dieses Werkzeug kaum noch brauchen werden.

  • Und sonst?

    Aufkleber, Post-Its oder Mini-Kalenderstempel: Ihrer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Alles kann hinein. Das hängt natürlich ganz von Ihrem persönlichen Gestaltungswillen und der Übersichtlichkeit ab. Das Bullet Journal kann Ihr Tagebuch werden. Es kann der neue Malbuch-Ersatz werden. Mandalas waren gestern. Heute ist Bullet Journal.

Bullet Journal: So funktioniert es

  1. Inhaltsverzeichnis

    Sie haben alle Utensilien beisammen? Na fein, dann kann es losgehen. Nehmen Sie Ihre handelsübliche Kladde und schlagen Sie sie auf der ersten Doppelseite auf. Diese Seite wird Ihr Index, Ihr Inhaltsverzeichnis. Naturgemäß sieht es am Anfang etwas leer aus – das liegt auch daran, dass die konkrete Gestaltung des Bullet Journals weiter hinten anfängt.

  2. Jahresübersicht/Future Log

    Nun knöpfen Sie sich die übernächste Doppelseite vor. Zwecks besserer Übersichtlichkeit teilen Sie die Anzahl der Linien durch drei und malen eine Trennlinie anhand des Lineals. Sie haben nun drei Kästen pro Seite und schreiben in jeden den Monat hinein – so erhalten Sie eine Übersicht über das erste halbe Jahr.

    Wenn Sie beispielsweise im November mit Ihrem Bullet Journal beginnen, dann reicht die Übersicht von November bis April. Dann fügen Sie die Seitenzahlen eins bis vier hinzu und notieren diese in Ihrem Inhaltsverzeichnis. In die Jahresübersicht kommen idealerweise Ihre langfristigen Projekte.

  3. Monatsübersicht

    Nach Ihrer Jahresübersicht folgt die monatliche Übersicht. Sie blättern zur nächsten Doppelseite vor und beschriften beide Seiten mit dem ersten Monat. Auf der linken Seite wird der Monatskalender entstehen: Dafür schreiben Sie in einer schmalen Spalte am linken äußeren Rand die Monatstage untereinander auf. Anschließend folgt neben jedem Tag die Zuordnung durch den jeweiligen Wochentag anhand des Anfangsbuchstabens. Angenommen, Sie wollten bereits nächste Woche mit dem Bullet Journal beginnen, würden Sie also

    21 M für Montag, den 21. November schreiben.

    Die rechte Seite wird Ihre monatliche To-Do-Liste. Dort schreiben Sie alle die Aufgaben hinein, die in dem jeweiligen Monat erledigt werden sollen. Vor jede Aufgabe wird ein Aufzählungszeichen, ein dicker Punkt, gesetzt. (Dieses Aufzählungszeichen ist letztlich Namensgeber dieses Terminplaners.) Auch hier werden wieder die Seitenzahlen notiert und anschließend im Inhaltsverzeichnis ergänzt.

  4. Tagesübersicht

    Sie ahnen es: Sie schlagen die nächste Doppelseite auf. Oben links beginnen Sie mit der Nennung des Wochentags. Dann kommen Ihre Einträge hinzu. Die Art Ihrer Einträge können Sie in drei Kategorien aufteilen und entsprechend kenntlich machen:

    • Aufgaben erhalten einen Aufzählungspunkt,
    • Ereignisse erhalten einen kleinen Kreis und
    • Notizen erhalten einen Spiegelstrich.

    Aber auch hier können Sie noch eine Gewichtung vornehmen, indem Sie mit sogenannten Signifikanten arbeiten. Vor einem Aufzählungspunkt, Kreis oder Spiegelstrich setzten Sie wahlweise ein...

    • Sternchen für sehr wichtige Aufgaben,
    • Ausrufezeichen für Ideen, persönliche Mottos und ein
    • Auge für die Dinge, die noch genauerer Informationen bedürfen.

    Dieser Bereich nennt sich Schnellerfassung, weil das Aufzeichnen und Organisieren der zu erledigenden Aufgaben dadurch beschleunigt wird. Am Ende eines jeden Monats legt man die nächste Monatsübersicht an. Nun werden die Tagesübersichten des Vormonats überprüft: Wurde alles erledigt? Die erledigten Aufgaben werden mit einem X auf dem Aufzählungszeichen überschrieben. Bei den nicht erledigten fragen Sie sich: Sind sie es noch wert erledigt zu werden?

    Falls nein, streichen Sie sie durch. Falls doch, wird ein Pfeil nach rechts über den Aufzählungspunkt gemalt und der Eintrag in den neuen Monat übernommen. Sollte eine Aufgabe seit Monaten überfällig sein, wird ein Pfeil nach links gesetzt und der Eintrag wandert in einen entsprechenden Monat in die Jahresübersicht. Carroll bezeichnet dieses Zurückübertragen einer Aufgabe als Migration. Sie hilft Ihnen dabei, Zeitfresser von wichtigen Dingen zu unterscheiden und somit effizienter zu arbeiten.

  5. Sammlungen

    Wenn Sie ähnliche Aufgaben und Notizen haben, können Sie auch Sammlungen anlegen. Dazu gehen Sie auf die nächste Doppelseite und versehen Sie mit einem Schlagwort oder einer Überschrift. Versehen Sie die Seiten mit Seitenzahlen. Nun übertragen Sie Aufgaben und Notizen in die Sammlung. Anschließend wird im Inhaltsverzeichnis die Seitenzahl festgehalten. So eine Sammlung bietet sich besonders bei Einkaufslisten, Projekten oder Unterricht an.

Bullet Journal: Doch nur ein Terminplaner?

Mit diesen fünf Bereichen haben Sie das Grundgerüst des Bullet Journals. Die Vorteile des Bullet Journals sind, dass es nicht nur persönlich gestaltet ist, sondern es flexibel an Ihre Bedürfnisse angepasst werden kann: Sie haben vielleicht mal weniger zu tun? Macht nichts, Sie brauchen keine Seiten zu verschwenden, dann lassen Sie halt ein, zwei Wochen aus.

Umgekehrt genauso: Sie sind gerade im Urlaub und wollen Ihre Erinnerungen festhalten? Dann packen Sie diese halt auf zwei Seiten pro Tag statt eines ursprünglich dafür vorgesehenen Mini-Kästchens.

Und eins ist ganz sicher: Im Gegensatz zu einer App Sie müssen keine Sorge haben, dass eine Datenkrake Ihre Gewohnheiten ausspioniert. Solange Sie das Bullet Journal nicht verlieren, dürfte der Datenschutz garantiert sein. Und, haben Sie Lust bekommen?

Kleines Einmaleins der Begriffe:

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  • Bullet Journal: Terminplaner
  • Doodles: Kritzeleien, Skizzen
  • Challenges: wörtlich: Herausforderungen; hier: persönliche Ziele
  • Dotted: gepunktete Linien (von engl. dot = Punkt)
  • Index: Inhaltsverzeichnis
  • Rapid Logging: Schnellerfassung
  • Future Log: Jahresübersicht
  • Migration: Zurücksetzung eines Eintrags

Inspirationen für 15 unterschiedliche Designs und Layouts von Bullet Journals finden Sie zum Beispiel auch hier:

bullet-journal-designideen-01

[Bildnachweis: Lovgretphoto by Shutterstock.com]

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