Zuverdienst: Das bleibt für Sie übrig

Zuverdienst – das klingt nach leicht verdientem Geld. Studenten können sich etwas hinzuverdienen, Rentner, sogar Hartz IV-Empfänger. Aber nicht immer ist der Nebenerwerb kompatibel mit dem Hauptberuf. Die wichtigsten Infos für alle, die etwa dazuverdienen wollen. Zuverdienst – Das müssen Sie wissen…

Zuverdienst: Das bleibt für Sie übrig

Zuverdienst: Definition

Zuverdienst-Definition Ein Angestellter (oder Beamter), der einer Nebentätigkeit nachgeht, erwirtschaftet neben seinem Haupteinkommen ein weiteres – einen Zuverdienst. Der Zweitjob kann dabei unterschiedlicher Art sein: Es kann sich um einen Mini-Job handeln, eine kurzfristige Beschäftigung oder einen Midi-Job.

Einen Zuverdienst erarbeiten sich auch Studenten oder Rentner, die einer Beschäftigung nachgehen. Aber wie viel wird angerechnet – aufs Bafög, die Rente oder Hartz IV? Hier sind die wichtigsten Infos und Fakten zum Zuverdienst

Zuverdienst für Studenten

Studierende, die nebenher arbeiten, üben in der Regel einen Mini-Job aus. Vorteil: Bis zu einem Verdienst von 450 Euro im Monat bleibt die kostenlose Familienversicherung in der gesetzlichen Krankenkasse erhalten. Erst bei Beträgen, die darüber hinausgehen, wird der ermäßigte Studentenbeitrag fällig.

Für den Arbeitgeber fallen zudem keine Beiträge für die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung an. Auch kann sich der Mini-Jobber auf Antrag von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen – das bringt mehr netto vom Brutto.

Übrigens: Die 450-Euro-Grenze ist nicht starr. Wer beispielsweise drei Monate lang darunter bleibt, könnte die folgenden drei Monate entsprechend mehr verdienen, ohne dass sich am Status des Mini-Jobs etwas ändert. Ausschlaggebend ist die jährliche Verdienstobergrenze von 5.400 Euro.

Achtung: Urlaubs- und Weihnachtsgeld werden angerechnet. Wer also konstant 450 Euro monatlich verdient und sich am Ende des Jahres über Weihnachtsgeld freut, rutscht möglicherweise in die Sozialversicherungspflicht. In diesem Fall kann es sinnvoll sein, auf den Bonus zu verzichten.

Für Studenten, die mehr als 450 Euro im Monat verdienen (wollen), bietet sich eine Anstellung als Werkstudent an. Der Arbeitgeber spart Sozialabgaben, der Student bleibt (unter bestimmten Umständen) kostenfrei familienversichert. Wer mehrere Mini-Jobs gleichzeitig hat, muss ebenfalls Beiträge für die Sozialversicherung abführen.

Besonderheit für Bafög-Empfänger: Sie dürfen nur 4.880 Euro im Jahr hinzuverdienen. Das sind 406,66 Euro im Monat. Liegen sie über dieser Grenze, könnte die Bafög-Förderung gekürzt oder sogar ganz gestrichen werden.

Zuverdienst bei Hartz IV

Hartz IV-Empfänger können ein zusätzliches Einkommen beziehen, müssen dieses aber anrechnen lassen. Dabei existieren Freibeträge. Der Grundfreibetrag liegt bei 100 Euro. Wenn Sie als Hartz IV-Empfänger also beispielsweise einen Mini-Job annehmen, dürfen Sie die ersten 100 Euro in jedem Fall behalten.

Für den Teil des Einkommens, der 100 Euro übersteigt und nicht mehr als 1000 Euro beträgt, werden weitere 20 Prozent als Freibetrag gewährt. Bedeutet im Rechenbeispiel: Von Ihrem Mini-Job-Gehalt dürfen Sie zunächst 100 Euro ohne Abzüge behalten – Grundfreibetrag. Für die restlichen 350 Euro gilt der Freibetrag von 20 Prozent. Davon bleiben ihnen also weitere 70 Euro. Ihr Zuverdienst liegt bei insgesamt 170 Euro.

Die gibt es zusätzlich zum Hartz IV-Satz. Der Regelsatz wurde zu Beginn 2018 von 409 auf 416 Euro angehoben. Paare bekommen 374 Euro pro Person.

Und: Sie können möglicherweise noch weitere Kosten geltend machen, die Ihre Abzüge vermindern – Fahrtkosten oder Beiträge zur Altersvorsorge zum Beispiel. Das Jobcenter entscheidet dann im Einzelfall.

Eine weitere Option für Arbeitslose lautet: Ein-Euro-Job. Ein-Euro-Jobs bieten einen wenig attraktiven Verdienst, sind in den vergangenen Jahren stark zurückgefahren worden und keineswegs eine Erfolgsgeschichte.

Aber: Ein-Euro-Jobs werden nicht auf das Arbeitslosengeld 2 (Hartz IV) angerechnet. Den Verdienst aus einem Ein-Euro-Job dürfen Sie ohne Abzüge behalten.

Theoretisch denkbar sogar: Eine Kombination aus Hartz-IV, Mini-Job und Ein-Euro-Job.

Zuverdienst bei Elterngeld

Elterngeld ist dem Wesen nach ein Lohnersatz. Zuverdienst zum Elterngeld – das ist daher erst einmal widersinnig. Einen Zuverdienst zum Elterngeld gibt es nicht.

Allerdings können Bezieher von Elterngeld durchaus arbeiten – 15 bis 30 Stunden pro Woche. Ein Zuverdienst springt dabei aber nur bedingt heraus, denn das erwirtschaftete Einkommen muss mit dem Elterngeld verrechnet werden und führt so zu hohen Abzügen. Finanziell lohnt sich das nur bedingt. Abhilfe soll das neuere Elterngeld Plus schaffen, das in vielen Konstellationen tatsächlich günstiger ist.

Noch komplizierter wird es für Selbstständige. Grundsätzlich dürfen sie unbegrenzt arbeiten, während sie Elterngeld beziehen. Ihr Gewinn wird aber mit dem Elterngeld verrechnet. Die Höhe des Gewinns wiederum hängt davon ab, wann die einzelnen Rechnungen auf dem Konto eingehen und welche Ausgaben ihnen gegenüberstehen – nicht, wann die Rechnungen geschrieben oder die Leistungen erbracht worden sind.

Theoretisch denkbar: Selbstständige, die ihre Kunden bitten, die Rechnungen erst zu einem späteren Zeitpunkt zu begleichen (nach Ende des Elterngeld-Bezugs). So können Selbstständige unbegrenzt arbeiten, den Gewinn in die Zukunft verschieben und das Elterngeld maximieren.

Zuverdienst für Rentner

Rentner dürfen unbegrenzt etwas hinzuverdienen, wenn sie die Regelaltersgrenze schon erreicht haben. In diesem Fall müssen sie ihre Beschäftigung auch nicht dem Rentenversicherungsträger melden.

Seit 2012 wird die Regelaltersgrenze schrittweise vom 65. auf das 67. Lebensjahr angehoben. Wer im Jahr 1952 geboren ist, erreicht sie mit 65 Jahren und sechs Monaten. Alle, die 1964 oder später geboren sind, erreichen die Regelaltersgrenze erst mit 67 Jahren.

Durch die sogenannte Flexi-Rente soll Erwerbstätigkeit auch schon vor Erreichen der Regelaltersgrenze attraktiver – und Teilzeitarbeit mit Teilrentenbezug kombinierbar werden. Das heißt: Seit Juli 2017 können Rentner auch vor Erreichen der Regelaltersgrenze 6.300 Euro im Jahr hinzuverdienen – anrechnungsfrei. Bislang lag die Grenze für sie bei 450 Euro im Monat.

Darüber hinausgehende Verdienste werden zu 40 Prozent auf die Rente angerechnet. Keine Rolle spielt dabei, ob Sie selbstständig oder angestellt beschäftigt sind.

Und noch ein Hinweis: Wenn sie vorzeitig in Rente gehen und nebenbei noch etwas hinzuverdienen, sind Sie dadurch versicherungspflichtig. Sie müssen Beiträge an die Rentenversicherung zahlen, erhöhen dadurch aber auch Ihren Rentenanspruch.

Seit 2017 gibt es auch für alle Renten wegen Erwerbsminderung die gleiche Hinzuverdienstgrenze wie für die Bezieher einer vorgezogenen Altersrente, also 6.300 Euro im Jahr. Was Sie darüber hinaus verdienen, wird auch hier zu 40 Prozent auf die Rente angerechnet.

Bei der Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung wird die jährliche Hinzuverdienstgrenze individuell berechnet. Sie orientiert sich an Ihrem höchsten Einkommen der letzten 15 Jahre. Für das Jahr 2018 wird ein Mindesthinzuverdienst von 14.798,70 Euro jährlich zugrunde gelegt. Der Verdienst, der über dieser Grenze liegt, wird wieder zu 40 Prozent auf die Rente angerechnet.

Fast eine Million Rentner verdienen sich etwas hinzu

Fast eine Million Rentner verdienen sich etwas hinzuJeder neunte Rentner in Deutschland zwischen 65 und 74 Jahren war 2016 nach Angaben des Statistischen Bundesamts erwerbstätig. Das sind elf Prozent aller Ruheständler und insgesamt 942.000 Personen. Vor zehn Jahren betrug der Anteil nur fünf Prozent.

Männer (15 Prozent) arbeiten in diesem Alter noch häufiger als Frauen (8 Prozent). Für die Mehrheit – nämlich 58 Prozent der arbeitenden Rentner – ist die Nebentätigkeit ein Zuverdienst zur Rente. für 37 Prozent war ihr Job sogar die Haupteinnahmequelle.

[Bildnachweis: Maryna Pleshkun by Shutterstock.com]
27. Januar 2018 Autor: Sebastian Wolking

Sebastian Wolking ist Redakteur der Karrierebibel. Er hat Geschichte, Politikwissenschaften und Germanistik studiert und als Online-Redakteur gearbeitet. Sein Interesse gilt den Veränderungen des Arbeitsmarktes durch die digitale Revolution.

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