Elterngeld Plus: Wie Sie davon profitieren

Mit dem Elterngeld Plus legte die Bundesregierung eine Reform des bis dahin gültigen Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG) vor. Ziel ist es, Familie und Beruf mit einer flexibleren Elternzeit und verschiedenen Varianten des Elterngelds besser managen zu können. Erreicht wird dies durch eine längere Förderungsdauer und individuelle Möglichkeiten für Eltern, die familiären Aufgaben untereinander aufzuteilen. Welche Vorzüge Elterngeld Plus bietet…

Elterngeld Plus: Wie Sie davon profitieren

Was ist das Elterngeld Plus?

Um die Vorzüge von Elterngeld Plus erklären zu können, muss eine kurze allgemeine Erklärung zu Elterngeld gegeben werden. Elterngeld soll es Eltern von Babys und kleinen Kindern ermöglichen, ihr Kind selbst zu betreuen und dabei finanziell über die Runden zu kommen.

Denn für Kindererziehung und Betreuung reduzieren viele Arbeitnehmer – oft die Frauen – ihre Arbeitszeit oder verzichten ganz auf den Job. Dabei ist es unerheblich, ob Sie mit einem Partner Ihr Kind aufziehen oder alleinstehend sind.

Mit der Reform zum 1. Juli 2015 wird das Elterngeld in drei Varianten angeboten:

  • Basiselterngeld

    Aus dem früheren Elterngeld wurde mit der Reform Basiselterngeld. Das wird beiden Elternteilen gemeinsam für 12 Monate gewährt. Verzichtet ein Elternteil nach der Geburt auf einen Teil seines Einkommens, wird die Zeit um weitere zwei Monate auf insgesamt 14 aufgestockt. Die Bezugsmonate können unterschiedlich aufgeteilt werden, allerdings muss in jedem Fall Basiselterngeld für mindestens zwei Lebensmonate innerhalb der ersten 14 Lebensmonate beantragt werden.

  • Elterngeld Plus

    Eltern haben die Möglichkeit, je einen Bezugsmonat Basiselterngeld in die doppelte Zeit umzuwandeln, das heißt, statt 14 Lebensmonate können bis zu 28 Monate mit Elterngeld Plus gemacht werden. Mit der doppelten Bezugsdauer verringert sich das Elterngeld Plus um die Hälfte gegenüber dem Basiselterngeld.

  • Partnerschaftsbonus

    Außerdem bekommen Sie vier weitere Monate Elterngeld Plus mit dem Partnerschaftsbonus. Möglich ist er für Eltern, die sich die Erziehung teilen, während ein Partner in Teilzeitarbeit tätig ist. Der Partnerschaftsbonus wird nach dem 14. Lebensmonat gewährt.

Wer bekommt Elterngeld?

Das Problem in der Vergangenheit: Dreiviertel aller Frauen blieben für die Kindererziehung zuhause. Das bedeutete nicht nur weniger Rentenpunkte bei der eigenen Rente, sondern erforderte von den Vätern einen Vollzeitjob. Der erschwerte es ihnen, genügend Zeit (außerhalb der Freizeit und den Wochenenden) mit den eigenen Kindern zu verbringen.

Mit den neuen Regelungen zum Elterngeld Plus werden gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Frauen können schneller wieder in den Job einsteigen und verlieren nicht den Anschluss. Väter erleben mehr von ihren Kindern und Arbeitgeber verlieren nicht automatisch eine qualifizierte Arbeitskraft.

Elterngeld und Elterngeld Plus bekommen…

  • Eltern, die bis zur Geburt erwerbstätig waren – Arbeitnehmer, Auszubildende, Beamte, Selbständige
  • Eltern, die vor der Geburt nicht erwerbstätig waren – Arbeitslose, Hausfrauen, Studierende

Voraussetzungen dafür sind:

  • Sie leben in Deutschland.
  • Das Kind (leiblich, Kind von Partner oder Adoptivkind) lebt mit Ihnen im selben Haushalt.
  • Das Kind wird von den Eltern selbst erzogen. In Ausnahmefällen ist auch Erziehung und Betreuung durch Großeltern oder andere Verwandte möglich.
  • Sie gehen keiner Arbeit nach oder arbeiten maximal 30 Stunden pro Woche.

Da für das Elterngeld nicht mehr als 30 Stunden die Woche gearbeitet werden darf, nutzen viele Arbeitnehmer die Elternzeit, um von Vollzeit auf Teilzeitarbeit umzustellen. So können Sie Ihre Arbeitszeit verringern und gleichzeitig Elterngeld beziehen.

Elterngeld Plus: Höhe und Besonderheiten

Damit ist das Elterngeld ein Ersatz für das Nettoeinkommen des Elternteils, der sich entscheidet, zuhause das Kind zu betreuen. Allerdings wird nicht das volle Einkommen ersetzt, sondern nur ein gewisser Anteil:

  • Bei einem Nettoeinkommen von 1.240 Euro und mehr erhält man 65 Prozent.
  • Bei einem Nettoeinkommen zwischen 1.000 und 1.200 Euro erhält man 67 Prozent.

Die genaue Höhe von Basiselterngeld und Elterngeld Plus ist abhängig davon, ob Sie ein Einkommen hatten und in welcher Höhe Ihr Verdienst vor der Geburt des Kindes war. Minimum 300 Euro und höchstens 1.800 Euro stehen Ihnen an Basiselterngeld zur Verfügung.

Dementsprechend 150 Euro beziehungsweise maximal 900 Euro bei Elterngeld Plus. Das Minimum steht all denjenigen zur Verfügung, die vor der Geburt des Kindes nicht erwerbstätig waren. Zu dieser Summe hinzu kommen noch:

  • Geschwisterbonus: Weitere 10 Prozent des Elterngeldes, mindestens aber 75 Euro (bei Basiselterngeld) beziehungsweise 37,50 Euro (bei Elterngeld Plus).
  • Mehrlingszuschlag: Bei Mehrlingsgeburten werden weitere 300 Euro (bei Basiselterngeld) beziehungsweise 150 Euro (bei Elterngeld Plus) für jedes weitere neugeborene Kind gezahlt.

Besonderheiten nach der Reform

  • Nachteil

    Das Elterngeld wird nur für einen Zeitraum von bis zu 14 Monaten nach der Geburt gezahlt. Entscheiden sich die Eltern jedoch dazu, vorher wieder berufstätig zu werden, verlieren sie einen Teil des Anspruchs. Damit erhalten Eltern, die ganz aus dem Job aussteigen, deutlich mehr Geld vom Staat als solche, die direkt nach der Geburt wieder Teilzeit arbeiten.

  • Vorteil

    Die Elternzeit wird durch die neue Regelung deutlich flexibler. Wie bisher können Eltern bis zum 3. Geburtstag eines Kindes eine unbezahlte Auszeit vom Job nehmen. Künftig können 24 Monate, statt bisher zwölf, zwischen dem 3. und dem 8. Geburtstag des Kindes genommen werden. Eine Zustimmung des Arbeitgebers wird dafür nicht mehr notwendig sein. Jedoch muss die Elternzeit nach dem 3. Geburtstag des Kindes nach der Neuregelung 13 Wochen vorher angemeldet werden – Elternzeit vor dem 3. Geburtstag nach wie vor nur sieben Wochen vorher. Zudem können beide Elternteile ihre Elternzeit in je drei, statt wie bisher zwei Abschnitte aufteilen.

Wie viel mehr Geld bekommen teilzeitberufstätige Eltern?

So wird das klassische Elterngeld berechnet (hier exemplarisch für einen Elternteil und 12 Monate):

  • Durchschnittliches Netto-Einkommen während der 12 Monate vor der Geburt des Kindes: 2400 Euro
  • Monatlicher Elterngeldanspruch für bis zu 12 Monate: 1560 Euro (= 65 Prozent von 2400 Euro)
  • Summe der Elterngeldzahlungen: 18.720 Euro

So wird das Elterngeld bei Teilzeitarbeit berechnet:

  • Fiktives Netto-Teilzeiteinkommen: 1000 Euro pro Monat
  • Differenzbetrag zum Vollzeit-Netto: 1400 Euro
  • Monatlicher Elterngeldanspruch: 910 Euro (= 65 Prozent von 1400 Euro)
  • Verlust im Vergleich zum Elterngeld ohne Erwerbstätigkeit: 650 Euro
  • Gesamteinkommen: 1910 Euro
  • Summe der Elterngeldzahlungen: 10.920 Euro

So funktioniert das Elterngeld Plus:

  • Teilzeitgehalt: 1000 Euro
  • Elterngeld Plus: 780 Euro (die Hälfte des Betrages vom klassischen Elterngeld, ausgezahlt über 24 statt 12 Monate)
  • Gesamteinkommen: 1780 Euro
  • Summe der Elterngeldzahlungen: 18.720 Euro (gestreckt auf zwei Jahre)

Ergebnis des Vergleichs: Elterngeld Plus bedeutet also kurzfristig etwas weniger Geld im Monat zur Verfügung zu haben (hier: 130 Euro weniger). Langfristig ergibt sich aber ein Plus durch die Summe der Elterngeldzahlungen (hier: 7800 Euro mehr).

Elterngeld Plus Rechner und Antragsformulare

Elterngeld Plus Rechner 2018 2019 zweites KindDas Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bietet einen Rechner an, mit dem sich errechnen und planen lässt, wie Mütter und Väter ihre wirtschaftliche Existenz sichern.

Im Folgenden die Links für den Elterngeld Plus Rechner und die Antragsformulare:

  • Rechner mit Planer: Hier kann zwischen Basiselterngeld und Elterngeld Plus gewählt oder beides miteinander kombiniert werden.
  • Online-Antrag: Für die Bundesländer Berlin und Sachsen besteht bereits die Möglichkeit, Elterngeld online zu beantragen.
  • Antragsformulare: Für die anderen Bundesländer finden Sie in dieser Liste Antragsformulare, die eigenständig heruntergeladen und ausgefüllt werden müssen.

Bonus: Video zu Elterngeld Plus

Wie das Elterngeld Plus funktioniert, und was Sie steuerlich beachten sollten, können Sie außerdem diesem Video entnehmen:

[Bildnachweis: SLP_London by Shutterstock.com]
7. Februar 2019 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.


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