Elterngeld Plus: Wie Sie davon profitieren

Familie und Job unter einen Hut zu bekommen, stellt berufstätige Eltern vor eine immense Herausforderung. Vollzeit berufstätig sein und trotzdem Zeit für die Kinder zu haben – wie soll das gehen? Die Doppelbelastung macht das Familienleben zur Zerreißprobe. Das hat auch die Bundesregierung erkannt und will mit dem Elterngeld Plus stärker auf die Bedürfnisse von berufstätigen Eltern eingehen. Wir erläutern wie…

Elterngeld Plus: Wie Sie davon profitieren

Was ist das Elterngeld Plus?

Auf der Homepage des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend heißt es:

Das Elterngeld ist eine Familienleistung für alle Eltern, die ihr Kind in den ersten 14 Lebensmonaten vorrangig selbst betreuen wollen und deshalb nicht voll erwerbstätig sind. Elterngeld gibt es für alle Eltern, die vor der Geburt ihres Kindes erwerbstätig waren (Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Beamtinnen und Beamte, Selbstständige etc.).

Aber auch Eltern ohne Erwerbseinkommen vor der Geburt ihres Kindes (etwa Hausfrauen, Arbeitslose, Studierende), die ihr Kind selbst betreuen und nicht mehr als 30 Wochenstunden arbeiten, bekommen den einkommensunabhängigen Mindestbetrag des Elterngeldes von 300 Euro.

Damit ist das Elterngeld ein Ersatz für das Nettoeinkommen des Elternteils, das sich entscheidet zuhause das Kind zu betreuen. Allerdings wird nicht das volle Einkommen ersetzt, sondern nur ein gewisser Anteil:

  • Bei einem Nettoeinkommen von 1.240 Euro und mehr erhält man 65 Prozent.
  • Bei einem Nettoeinkommen zwischen 1.000 und 1.200 Euro erhält man 67 Prozent.

Diese Leistungen sind im Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG) festgeschrieben.

Was ist das Problem am Elterngeld?

Das Elterngeld wird nur für einen Zeitraum von bis zu 14 Monaten nach der Geburt gezahlt. Entscheiden sich die Eltern jedoch dazu, vorher wieder berufstätig zu werden, verlieren sie einen Teil des Anspruchs. Damit erhalten Eltern, die ganz aus dem Job aussteigen, deutlich mehr Geld vom Staat als solche, die direkt nach der Geburt wieder Teilzeit arbeiten.

Was ändert sich mit dem Elterngeld Plus?

Elterngeld PlusAm 4. Juni beschloss das Bundeskabinett das Elterngeld Plus, ein Gesetz, das die Gerechtigkeitslücke für teilzeitberufstätige Eltern schließen soll. Das ändert sich:

  1. Zahlungsdauer

    Künftig können Eltern, die in Teilzeit arbeiten, das Elterngeld Plus bis zu 28 Monate beziehen. Das heißt, sie können bis zu 30 Stunden pro Woche arbeiten und beziehen doppelt solange Elterngeld. Damit lohnt sich der frühere Wiedereinstieg in den Job.

  2. Partnerbonus

    Teilen sich Vater und Mutter die Betreuung ihres Kindes und arbeiten parallel für mindestens vier Monate zwischen 25 und 30 Wochenstunden, erhalten sie jeweils zusätzlich für vier Monate Elterngeld Plus. Damit soll die partnerschaftliche Aufteilung von Familie und Arbeit unterstützt werden.

  3. Elternzeit

    Diese wird durch die neue Regelung deutlich flexibler. Wie bisher können Eltern bis zum 3. Geburtstag eines Kindes eine unbezahlte Auszeit vom Job nehmen. Künftig können 24 Monate, statt bisher zwölf, zwischen dem 3. und dem 8. Geburtstag des Kindes genommen werden. Eine Zustimmung des Arbeitgebers wird dafür nicht mehr notwendig sein. Jedoch muss die Elternzeit nach dem 3. Geburtstag des Kindes nach der Neuregelung 13 Wochen vorher angemeldet werden – Elternzeit vor dem 3. Geburtstag nach wie vor nur sieben Wochen vorher. Zudem können beide Elternteile ihre Elternzeit in je drei, statt wie bisher zwei Abschnitte aufteilen.

  4. Mehrlinge

    Eltern von Mehrlingen bekommen künftig neben einer Bonuszahlung von 300 Euro zwei zusätzliche Partnermonate.

Laut Bundesregierung soll es auch möglich sein Elterngeld, Elterngeld Plus und Partnerbonus zu kombinieren. Das könnte dann laut Bundesregierung so aussehen:

Pausiert etwa die Mutter für sechs Monate und bezieht volles Elterngeld, so kann sie anschließend für zwölf Monate ElterngeldPlus beziehen. Ihr Partner kann zwei Monate Elterngeld oder vier Monate ElterngeldPlus nutzen. Arbeiten beide im Anschluss für mindestens vier Monate Teilzeit mit 25 bis 30 Wochenstunden, können beide jeweils für diese vier Monate ElterngeldPlus erhalten.

Wie viel mehr Geld hätten teilzeitberufstätige Eltern?

So wird das klassische Elterngeld berechnet (hier exemplarisch für einen Elternteil und 12 Monate):

  • Durchschnittliches Netto-Einkommen während der 12 Monate vor der Geburt des Kindes: 2400 Euro
  • Monatlicher Elterngeldanspruch für bis zu 12 Monate: 1560 Euro (= 65 Prozent von 2400 Euro)
  • Summe der Elterngeldzahlungen: 18.720 Euro

So wird das Elterngeld bei Teilzeitarbeit berechnet:

  • Fiktives Netto-Teilzeiteinkommen: 1000 Euro pro Monat
  • Differenzbetrag zum Vollzeit-Netto: 1400 Euro
  • Monatlicher Elterngeldanspruch: 910 Euro (= 65 Prozent von 1400 Euro)
  • Verlust im Vergleich zum Elterngeld ohne Erwerbstätigkeit: 650 Euro
  • Gesamteinkommen: 1910 Euro
  • Summe der Elterngeldzahlungen: 10.920 Euro

So soll das Elterngeld Plus funktionieren:

  • Teilzeitgehalt: 1000 Euro
  • Elterngeld Plus: 780 Euro (die Hälfte des Betrages vom klassischen Elterngeld, ausgezahlt über 24 statt 12 Monate)
  • Gesamteinkommen: 1780 Euro
  • Summe der Elterngeldzahlungen: 18.720 Euro (gestreckt auf zwei Jahre)

Ergebnis des Vergleichs: Elterngeld Plus bedeutet also kurzfristig etwas weniger Geld im Monat zur Verfügung zu haben (hier: 130 Euro weniger). Langfristig ergibt sich aber ein Plus durch die Summe der Elterngeldzahlungen (hier: 7800 Euro mehr).

Wann tritt die neue Regelung in Kraft?

Ab dem 1. Juli 2015 können Eltern künftig Elterngeld Plus beantragen.

Was ist das Ziel des Elterngeld Plus?

Die Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig war eine der treibenden Kräfte. Für sie sei es der erste Schritt auf dem Weg zur Familienarbeitszeit. „Mit dem neuen ElterngeldPlus und einer flexibleren Elternzeit ermöglichen wir Eltern, Familie und Beruf gemeinsam zu managen – durch eine längere Förderung und bessere und individuellere Möglichkeiten, die Anforderungen partnerschaftlich aufzuteilen. Das bringt eine neue Qualität in die Familienpolitik – und dafür gibt es große Zustimmung in den Familien und in der Gesellschaft“, so Schwesig.

Was sind Kritikpunkte?

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) kritisiert:

Es ist nicht akzeptabel, dass immer mehr individuelle Ansprüche für Arbeitnehmer auf Gestaltung ihrer Arbeitszeit geschaffen werden und die betrieblichen Belange immer weniger berücksichtigt werden. Der notwendige Ausgleich zwischen den Wünschen der Eltern und den betrieblichen Notwendigkeiten wird damit zunehmend erschwert.

Die BDA sieht vor allem den Bedarf:

  • die Kinderbetreuung und Ganztagsschulen bedarfsgerecht und qualitativ hochwertig ausbauen, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fördern.
  • die Fehlanreize im Steuer- und Sozialversicherungsrecht zu mindern. Diese begünstigten noch die Alleinverdienerehe und setzen damit falsche Anreize für Frauen, auf eine Erwerbstätigkeit zu verzichten.

Der Verband alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV) kritisiert zwei Punkte:

  • Den Partnerbonuns:

    Äußerst kritisch nimmt der VAMV zu Kenntnis, dass an den Anspruchsvoraussetzungen für Alleinerziehende für den Bezug von Partnermonaten sowie dem Partnerschaftsbonus an der alten Regelung festgehalten wurde, die an das alleinige Sorgerecht bzw. das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht anknüpft. Der Gesetzgeber möchte einerseits die gemeinsame Sorge etablieren und schließt andererseits Alleinerziehende mit gemeinsamem Sorgerecht vom Bezug der sogenannten Partnermonate sowie des Partnerschaftsbonus beim Elterngeld aus. Hier besteht dringender Änderungsbedarf.

  • Die Anspruchsvoraussetzung: Der VAMV hält die Anspruchsvoraussetzungen von 25 bis 30 Wochenstunden für alleinerziehende Mütter als zu hoch.

    Alleinerziehende sind bis zum Alter des jüngsten Kindes von 15 Jahren durchschnittlich nicht mehr als 23,6 Wochenstunden erwerbstätig. Mit Kindern unter drei Jahren sind sie im Durchschnitt 7,8 Wochenstunden erwerbstätig.

Der Verband sieht folgenden Bedarf:

  • Differenzierung: Um tatsächlich auch Alleinerziehende zu erreichen regt der VAMV deshalb an, für Alleinerziehende mehr Spielraum hin zu einem geringeren Erwerbsumfang als Anspruchsvoraussetzung vorzusehen. Alleinerziehende haben eine höhere Belastung als Paarfamilien, um bestehende Benachteiligungen ein Stück weit auszugleichen, sind differenzierte Lösungen durchaus zu rechtfertigen.
  • Kinderbetreuung: Ein wesentlicher Grund dafür ist nach wie vor der Mangel an passender guter Kinderbetreuung, die auch an Randzeiten und an Wochenenden angeboten werden muss, damit sie zu den Arbeitszeiten zum Beispiel im Schichtdienst, im Einzelhandel oder Krankenhaus passt. Alleinerziehende können gerade nicht mit Hilfe des Partners ein mangelndes Angebot ausgleichen.

Die Zeit hält einen Ansturm auf das Elterngeld Plus für unwahrscheinlich. Sie schreibt:

Dass es einen Run auf diese Regelung geben wird, ist allerdings kaum zu erwarten. Denn die bisherige Erfahrung zeigt: Vor allem viele Frauen wollen wenigstens das erste Jahr gerne mit ihrem Kind verbringen. Die wenigsten sind geneigt, einen Säugling direkt nach dem Mutterschutz in fremde Hände zu geben, was auch bei Teilzeitarbeit nötig wäre, falls die Arbeitszeit der Eltern sich nicht so aufeinander abstimmen lässt, dass keine zusätzliche Betreuung erforderlich ist.

Von daher ist das Elterngeld Plus zwar eine Verbesserung für die Eltern, die schon bisher sofort wieder in den Beruf eingestiegen sind – betreffen dürfte das vor allem auch Alleinerziehende. Von zuletzt 800.000 Elterngeldbeziehern haben nur 33.000 im ersten Bezugsmonat bereits wieder gearbeitet, im letzten Bezugsmonat waren es 57.000.

Apropos: Was halten Sie vom neuen Elterngeld Plus?

[Bildnachweis: vasylshepella, Mila Supinskaya by Shutterstock.com]
13. Juni 2014 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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