Mutterschaftsgeld: Das bekommen Sie vor und nach der Geburt

Während des Mutterschutzes stehen schwangere Frauen und Frauen kurz nach der Entbindung unter dem besonderen Schutz des Gesetzgebers. Dazu zählt nicht nur der – umgangssprachlich so bezeichnete – Mutterschaftsurlaub, sondern auch das Mutterschaftsgeld. Mit dieser Leistung soll sichergestellt werden, dass Arbeitnehmerinnen während der gesetzlichen Mutterschutzfristen finanziell keinen Nachteil erfahren. Und nicht nur Arbeitnehmerinnen können in den Genuss von Mutterschaftsgeld kommen…

Mutterschaftsgeld: Das bekommen Sie vor und nach der Geburt

Mutterschaftsgeld: Wer hat Anspruch?

Dem Mutterschutzgesetz ist es zu verdanken, dass es einen besseren Schutz für schwangere, entbundene und stillende Frauen gibt. Damit einher ging ein Kündigungsschutz und das Recht, sechs Wochen vor der Entbindung der Arbeit fernzubleiben.

Anspruch auf Mutterschaftsgeld haben diejenigen berufstätigen Frauen, die freiwillig oder pflichtversichert in der gesetzlichen Krankenkasse (GVK) sind und Anspruch auf Krankengeld haben.

Anspruch haben damit…

  • Voll- oder Teilzeitbeschäftigte
  • befristet Beschäftigte
  • kurzfristig Beschäftigte
  • Studentinnen mit Nebenjob
  • Arbeitnehmerinnen, die einen Minijob ausüben
  • freiwillig gesetzlich versicherte Selbstständige mit Anspruch auf Krankengeld
  • Arbeitslose Frauen, die Arbeitslosengeld I beziehen
  • Arbeitnehmerinnen in Elternzeit,
  • bei denen mindestens eine der folgenden Voraussetzungen gegeben ist:

  • sie befinden sich in einem Arbeitsverhältnis
  • sie wurden während der Schwangerschaft zulässig gekündigt
  • sie sind eigenständiges Mitglied in einer gesetzlichen Krankenkasse und haben Anspruch auf Krankengeld
  • sie werden ein Arbeitsverhältnis nach dem Beginn der Schutzfrist aufnehmen.

Selbständig arbeitende Frauen fallen nicht unter das Mutterschutzgesetz und die dortigen Schutzregelungen, können aber Mutterschaftsgeld im Rahmen einer Zusatzversicherung erhalten.

Werdenden Müttern steht während der Schutzfristen, also sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Entbindung sowie am Entbindungstag Mutterschaftsgeld zu. Das Mutterschaftsgeld wird von acht auf zwölf Wochen ab dem Entbindungstag verlängert, wenn es eine Mehrlings- oder Frühgeburt gibt.

Kommt ein Kind mit Behinderung zur Welt, die in den ersten acht Wochen nach der Geburt ärztlich festgestellt wird, verlängert sich die Zahlung des Mutterschaftsgeldes ebenfalls um vier Wochen. Frühgeburten haben keinen Einfluss auf das Mutterschaftsgeld, bei einer Geburt vor dem errechneten Termin wird es entsprechend länger gezahlt.

Kein Anspruch auf Mutterschaftsgeld

Wer übrigens seine Mutterschutzfrist nicht in Anspruch nimmt, sondern normal weiterarbeitet, erhält kein Mutterschaftsgeld. Stattdessen wird das reguläre Gehalt weitergezahlt. Ebenfalls ruht der Anspruch auf Mutterschaftsgeld, wenn Sie lediglich stundenweise weiterarbeiten.

Auch Studentinnen und schwangere Auszubildende haben in der Regel keinen Anspruch auf Mutterschaftsgeld. Ebenso schwangere Arbeitslose, die Arbeitslosengeld II beziehen. Für diesen Personenkreis gibt es aber eine Ausnahme: Sie können ab der 13. Schwangerschaftswoche einen Mehrbedarf geltend machten, der aktuell bei 17 Prozent des Regelsatzes liegt.

Überblick: Bekomme ich Mutterschaftsgeld?

Mutterschaftsgeld Berechnung Arbeitgeber arbeitslosDie einzelnen Bestimmungen, wer unter welchen Bedingungen Mutterschaftsgeld beantragen kann, können ganz schön verwirrend sein. Zur besseren Übersicht haben wir die verschiedenen Fälle inklusive Höhe des Mutterschaftsgeldes sowie korrektem Ansprechpartner hier aufgeführt:

  • Arbeitnehmerinnen (GKV): bis 13 Euro täglich und Arbeitgeberzuschuss; Krankenkasse und Arbeitgeber
  • Arbeitnehmerinnen (PKV): einmalige Zahlung bis 210 Euro und Arbeitgeberzuschuss; Bundes­versicherungsamt und Arbeitgeber
  • Arbeitnehmerinnen (familienversichert): einmalige Zahlung bis 210 Euro und Arbeitgeberzuschuss; Bundesversicherungsamt und Arbeitgeber
  • Beamtinnen/Soldatinnen: kein Mutterschaftsgeld, aber Fortzahlung Bezüge; Dienstherr
  • Empfängerinnen von ALG I: Mutterschaftsgeld in Höhe des Arbeitslosengeldes; Krankenkasse
  • Empfängerinnen von ALG II: kein Mutterschaftsgeld, aber Fortzahlung ALG II und ab 13. Woche 17 Prozent Mehrbedarf; Jobcenter
  • Geringfügig Beschäftigte (GKV): bis 13 Euro täglich und Arbeitgeberzuschuss; Krankenkasse und Arbeitgeber
  • Geringfügig Beschäftigte (PKV): einmalige Zahlung bis 210 Euro und Arbeitgeberzuschuss; Bundesversicherungsamt und Arbeitgeber
  • Geringfügig Beschäftigte (familienversichert): einmalige Zahlung bis 210 Euro und Arbeitgeberzuschuss; Bundes­versicherungsamt und Arbeitgeber
  • Hausfrauen: kein Mutterschaftsgeld
  • Selbstständige (freiwillig in GKV mit Krankengeld): Mutterschaftsgeld wie Krankengeld = 70 Prozent vom Nettogehalt; Krankenkasse
  • Selbstständige (freiwillig in GKV ohne Krankengeld): kein Mutterschaftsgeld
  • Selbstständige (PKV): kein Mutterschaftsgeld
  • Selbstständige (familienversichert): kein Mutterschaftsgeld
  • Selbstständige (KSK): Mutterschaftsgeld wie Krankengeld = 70 Prozent des beitragspflichtigen Gehalts der letzten zwölf Monate; Krankenkasse

Übrigens: Viele freiberufliche Künstlerinnen und Publizistinnen sind über die Künstlersozialkasse (KSK) in der gesetzlichen Krankenkasse pflichtversichert. Sie fallen ebenfalls unter das Mutterschutzgesetz. Den Antrag auf Mutterschaftsgeld stellen sie nicht bei der KSK, sondern direkt bei ihrer Krankenkasse.

Mutterschaftsgeld berechnen: So viel Geld erhalten Sie

Die Höhe des Mutterschaftsgeldes hängt vom durchschnittlichen Nettogehalt der letzten drei Monate vor Beginn der Schutzfrist ab. Pro Kalendertag erhalten Sie von der gesetzlichen Krankenkasse höchstens 13 Euro Mutterschaftsgeld.

Sie bekommen zusätzlich vom Arbeitgeber einen Zuschuss zum Mutterschaftsgeld, wenn das durchschnittliche Nettoarbeitsentgelt 13 Euro pro Kalendertag überschreitet, Sie also über 390 Euro netto im Monat verdienen.

Eine Beispielrechnung: Eine Arbeitnehmerin, die in der Lohnsteuerklasse V besteuert wird, erhält ein regelmäßiges Bruttogehalt von 2.300 Euro. Netto bleiben ihr am Ende des Monats 1.266,21 Euro.

Im nächsten Schritt wird der Lohn auf die Kalendertage umgerechnet. Bei drei Monaten ergibt sich dabei:

1.266,21 Euro x 3 = 3798,63 Euro

Diese Summe wird nun durch 90 geteilt, womit sich der Betrag für den einzelnen Kalendertag ergibt:

3798,63 Euro / 90 = 42,20 Euro.

Von dem Betrag, der der Schwangeren pro Kalendertag zusteht, werden nun 13 Euro abgezogen (die Leistung der Krankenkasse). Bleiben 29,20 Euro übrig, die der Arbeitgeber beisteuern muss.

Liegt das durchschnittliche Nettogehalt einer Arbeitnehmerin unter den 390 Euro im Monat, so erhält sie Mutterschaftsgeld ausschließlich von der gesetzlichen Krankenkasse.

Etwas anders gestaltet sich die Lage bei arbeitslosen oder privat versicherten Müttern. Arbeitslose Mütter erhalten Mutterschaftsgeld in Höhe des Arbeitslosengeldes, gezahlt von der Krankenkasse.

Selbständig arbeitende Frauen erhalten kein Mutterschaftsgeld, können aber mit ihrer privaten Krankenkasse eine Krankentagegeldversicherung abschließen. Wer einen solchen Vertrag abgeschlossen hat, erhält seit Februar 2017 im Mutterschutz Krankentagegeld. Die Höhe ist in diesem Fall abhängig von dem individuellen Vertrag.

Wer privat versichert und in einem Angestelltenverhältnis beschäftigt ist, erhält kein Mutterschaftsgeld aus der gesetzlichen Krankenversicherung. Allerdings wird der Arbeitgeberzuschuss so berechnet, als ob sie gesetzlich versichert wären. Sie erhalten vom Arbeitgeber Ihr Nettogehalt abzüglich der 13 Euro pro Arbeitstag, die durch die gesetzliche Krankenkasse gezahlt würden.

Wie wird die Leistung besteuert?

Das Mutterschaftsgeld braucht im Prinzip nicht versteuert zu werden. „Im Prinzip“ bedeutet dabei, dass das Geld dem Progressionsvorbehalt unterliegt. Das heißt, dass das Mutterschaftsgeld zwar nicht in das zu versteuernde Einkommen eingerechnet wird, sich dadurch aber trotzdem der Steuersatz ändert, zu dem das übrige Einkommen versteuert wird.

In der Regel ist das zwar nur ein geringfügiger Prozentsatz – zahlen muss man ihn aber trotzdem.

Mutterschaftsgeld beantragen: So geht’s

Um in den Genuss der Lohnersatzzahlung zu kommen, müssen Schwangere einen Antrag auf Mutterschaftsgeld stellen. Damit alles reibungslos verläuft und Sie finanziell abgesichert sind, wenn Sie zuhause bleiben, sollten Sie sich frühzeitig um die notwendigen Unterlagen kümmern.

Frauen, die gesetzlich krankenversichert sind, beantragen das Mutterschaftsgeld bei ihrer Krankenkasse. Erforderlich ist dafür eine ärztliche Bescheinigung mit dem voraussichtlichen Geburtstermin. Die wird von der zuständigen Ärztin oder Hebamme in zweifacher Ausfertigung, je einer für Ihre Krankenkasse und Ihren Arbeitgeber, ausgestellt.

Der Durchschlag für die Krankenkasse gilt als Antrag auf Mutterschaftsgeld und muss mit Ihren persönlichen Daten wie Kontoverbindung versehen und unterschrieben an die Krankenkasse geschickt werden. Diese setzt sich mit Ihrem Arbeitgeber in Verbindung, um das Gehalt der vergangenen Monate in Erfahrung zu bringen.

Bis zu sieben Wochen vor dem errechneten Geburtstermin können Sie den Antrag bei Ihrer Krankenkasse stellen, Ihre Ärztin stellt die notwendige Bescheinigung erst eine Woche vor Beginn der Schutzfrist aus. Idealerweise schicken Sie den Antrag noch vor dem Geburtstermin zu Ihrer Krankenkasse, damit Sie pünktlich das Mutterschaftsgeld überwiesen bekommen.

Die zweite Ausfertigung der ärztlichen Bescheinigung reichen Sie bei Ihrem Arbeitgeber ein. Sie stellen damit sicher, dass Sie den Arbeitgeberzuschuss erhalten.

Damit das Mutterschaftsgeld auch in den acht Wochen nach der Geburt gezahlt wird, müssen Sie die Geburtsurkunde Ihres Kindes bei der Krankenkasse einreichen.

Die Zusammenfassung:

  • Bitten Sie Ihren Arzt darum, Ihnen eine Bescheinigung (mit Durchschlag) über den voraussichtlichen Entbindungstermin zu geben.
  • Auf dem Antrag für die Krankenkasse ergänzen Sie
    • Ihre Kontodaten
    • Angaben zu Ihrem Beschäftigungsverhältnis
    • die Adresse Ihres Arbeitgebers

    bevor Sie diesen bei der Krankenkasse einreichen.

  • Die zweite Bescheinigung ist für den Arbeitgeber. Damit können Sie den Arbeitgeberzuschuss beantragen.
  • Schwangere und/oder Mütter, die nur Anspruch auf Mutterschaftsgeld vom Bundesversicherungsamt (geringfügig beschäftigt oder privat versichert) haben, beantragen die Leistungen direkt dort.

Bundesversicherungsamt: Ausnahmen bei Privatversicherten

Mutterschutzgeld Mutterschaftsgeld Bundesversicherungsamt Antrag beantragen und ElterngeldWer selbst nicht gesetzlich krankenversichert ist, hat keinen Anspruch auf das Mutterschaftsgeld der gesetzlichen Krankenkassen. Das gilt für Frauen, die:

  • privat versichert sind (PKV) oder
  • über die Familienversicherung versichert sind.

Trifft das zu, wenden Sie sich an die Mutterschaftsgeldstelle des Bundesversicherungsamtes. Sie können dort eine einmalige Zahlung des Mutterschaftsgeldes in Höhe von bis zu 210 Euro erhalten.

Weitere Voraussetzungen sind:

  • Die schwangere Arbeitnehmerin steht in einem Arbeitsverhältnis – das gilt auch bei geringfügiger Beschäftigung.
  • Das Arbeitsentgelt darf wegen der Inanspruchnahme der Schutzfristen nicht beziehungsweise nicht vollständig gezahlt worden sein.

Der Antrag auf Mutterschaftsgeld vom Bundesversicherungsamt kann bequem als Online-Antrag gestellt werden, so geht es am schnellsten.

Die Beträge des Bundesversicherungsamtes werden nicht auf das Elterngeld angerechnet. Wer keinen Anspruch auf Mutterschaftsgeld hat, aber geringfügig beschäftigt ist, fällt dennoch unter die Regelungen des Mutterschutzgesetzes und hat somit Anspruch auf den Arbeitgeberzuschuss.

Mutterschaftsgeld und Elterngeld: Lohnersatz wird angerechnet

Das Elterngeld wird vom ersten Tag der Geburt an für bis zu 14 Monate bezahlt, das Mutterschaftsgeld wird für acht Wochen nach der Geburt gezahlt. Gleichwohl wird nicht beides gleichzeitig ausgezahlt.

Sowohl das Mutterschaftsgeld als auch der Arbeitgeberzuschuss werden gemäß § 3 Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG) vollständig auf das Elterngeld angerechnet.

Da das Elterngeld eine Lohnersatzleistung darstellt, werden andere Leistungen auf das Elterngeld angerechnet – gleiches gilt für Dienstbezüge von Beamtinnen, die ebenfalls als Ersatzleistung weitergezahlt werden.

Wer also beispielsweise bereits ein Mutterschaftsgeld von 1.600 Euro ausbezahlt bekommt und theoretisch einen Anspruch auf Elterngeld in Höhe von 1.100 Euro hätte, erhält während der Mutterschutzfrist kein weiteres Elterngeld. Diese Regelung können Sie auch nicht umgehen, wenn Sie erst nach Ablauf der Mutterschutzfrist Elterngeld beantragen.

Wichtig zu wissen: Anders verhält es sich beim Zuschuss in Höhe von 210 Euro. Wer keinen Anspruch auf Mutterschaftsgeld von der gesetzlichen Krankenkasse hat und stattdessen die einmalige Zahlung des Bundesversicherungsamtes erhält, dem wird dieses Geld nicht angerechnet. Sie erhalten direkt im Anschluss an die Geburt das Elterngeld.

[Bildnachweis: Pressmaster by Shutterstock.com]
24. Februar 2019 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.



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