Auch wenn die erste Steuererklärung für Berufsanfänger, Azubis und Studenten eine Hürde ist, lohnt sie sich häufig. Der überschaubare Mehraufwand hat sich schnell ausbezahlt, da bei Berufsanfängern die Rückerstattung oft höher ist als bei langjährigen Angestellten. Steuern können Sie sogar dann sparen, wenn Sie gar keine Einkünfte haben...

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Erste Steuererklärung: Lohnt sie sich?

Wahrscheinlich ja. Das zeigen schon die offiziellen Daten. So gab es nach Angaben des Statistischen Bundesamts im Jahr 2013 rund 23,7 Millionen unbeschränkt Steuerpflichtige in Deutschland. Darunter fallen alle Personen, die ausschließlich Einnahmen aus nichtselbstständiger Arbeit beziehen (plus evtl. Kapitaleinkünfte).

Davon ließen sich 13,2 Millionen zur Einkommensteuer veranlagen, wovon wiederum 11,5 Millionen in den Genuss einer Steuerrückerstattung kamen - der weit überwiegende Teil also. Im Durchschnitt lag die Rückerstattung bei 935 Euro.

60 Prozent aller Rückerstattungen lagen im Bereich zwischen 100 und 1.000 Euro. Nur bei rund zehn Prozent fiel sie geringer als 100 Euro aus. Ein Prozent der Steuerpflichtigen durfte sich gar über einen Erstattungsbetrag von mehr als 5.000 Euro freuen.

Demgegenüber mussten nur 1,5 Millionen selbst eine Rückerstattung an das Finanzamt leisten - durchschnittlich 988 Euro. Hier bewegten sich 57 Prozent der Fälle im Bereich zwischen 100 und 1.000 Euro. Aber 23 Prozent mussten weniger als 100 Euro nachzahlen, nur drei Prozent eine hohe Summe von mehr als 5.000 Euro.

Erste Steuererklärung: Auch ohne Einkommen!

Steuern sparen kann sogar, wer ohne Einkünfte ist. "Bei beruflichen Auszeiten und für die Dauer der Kindererziehung sollte in jedem Fall eine Steuererklärung eingereicht werden", sagt Jens Jochen Martin, der als Produktmanager der Haufe Gruppe Seminare zum Thema hält.

Auch aus diesen Gründen sollte man die erste Steuererklärung nicht nach hinten verschieben:

  • Maximal von der Werbekostenpauschale profitieren: Arbeitnehmern steht ohne Nachweise eine Werbekostenpauschale von 1000 Euro zu. Dieser Jahres-Pauschbetrag wird auch dann angesetzt, wenn nicht das komplette Jahr gearbeitet wurde. "Je weniger Monate gearbeitet wurden, desto größer die Rückerstattung durch das Finanzamt", so Martin.
  • Steuerklassenwechsel bei Heirat: Die größte Steuerersparnis wird erreicht, wenn ein Ehepartner Alleinverdiener ist. Oder wenn ein Ehepartner mindestens 60 Prozent des gemeinsamen Einkommens einbringt. Die Heirat ermöglicht den Wechsel in eine steuerlich günstigere Steuerklasse. Verdienen beide Partner gleich viel, ist die Steuerersparnis durch eine Heirat nicht höher.

Steuererklärung: Wer muss eine abgeben?

Sie ist manchmal Pflicht, manchmal nicht. Eine Steuererklärung abgeben MÜSSEN Sie unter anderem, wenn Sie...

  • zwei Jobs ausüben.
  • steuerpflichtige Nebeneinkünfte, von denen keine Lohnsteuer einbehalten wurde, von mehr als 410 Euro im Jahr haben.
  • auch Ihr Ehe- oder Lebenspartner Arbeitslohn bezogen hat und nach der Steuerklasse fünf, sechs oder dem Faktorverfahren besteuert wird.
  • Sie für Kapitalerträge noch Abgeltungssteuer abführen müssen.


Die Vereinigte Lohnsteuerhilfe erklärt es kurz und gut in ihrem Video (siehe unten). Nebenbemerkung: Den Lohnsteuerhilfeverein können Sie natürlich - wie jeden Steuerberater auch - engagieren, um die Arbeit outzusourcen.

Sie können Ihre erste Steuererklärung aber auch komplett selbst in Angriff nehmen - oder mit Unterstützung einer Steuersoftware. Tipp: Tun Sie das!

Gerade für Berufsanfänger ist es durchaus empfehlenswert, sich mit der Steuermaterie näher auseinanderzusetzen.

Zwar müssen Sie Zeit (und Nerven) investieren, aber Sie gewinnen erstens Erfahrung und sammeln Wissen, das Ihnen später noch nützlich sein kann. Und zweitens hält sich der Aufwand meist in Grenzen, da Sie als Jobstarter noch nicht über so viele Posten verfügen - und bei weitem nicht jede Anlage in der Steuererklärung ausfüllen müssen.

Erste Steuererklärung: Welche Formulare brauche ich?

Für Anfänger: Das sind die für Jobneulinge wichtigsten Anlagen, die Sie im Rahmen der Steuererklärung ausfüllen...

  • Anlage N: Hier tragen Sie alle Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit ein.
  • Anlage KAP: Hier kommen Ihre Kapitaleinkünfte hinein, also die Zinsen für Sparbuch, Tagesgeldkonto oder Aktienfonds.
  • Anlage AV: Haben Sie einen Riester-Vertrag abgeschlossen? Dann bitte hier eintragen.
  • Anlage S: Alle Einkünfte aus selbstständiger Arbeit gehören in diese Anlage.
  • Anlage Vorsorgeaufwand: Beiträge zur Altersversorgung und Krankenversicherung finden hier Platz.
  • Anlage Kind: Haben Sie Kinder? Die finden hier Berücksichtigung.

Erste Steuererklärung: Diese Kosten können Sie absetzen

  • Werbungskosten

    Darunter fallen alle Kosten, die dem Beruf oder einer Ausbildung zugeordnet werden können. Zum Beispiel die Kosten für Fortbildungen sowie Fahrtkosten.

    So können Sie für die einfache Entfernung zwischen Wohn- und Arbeitsort pro Kilometer einen Betrag in Höhe von 30 Cent ansetzen. Dabei handelt es sich um die Entfernungspauschale oder wie der Volksmund sie nennt: die Pendlerpauschale.

    Übrigens spielt es keine Rolle, mit welchem Verkehrsmittel Sie die Strecke zurücklegen oder ob Sie sogar zu Fuß zur Arbeit gehen. Aber: Das Finanzamt berücksichtigt generell nur die kürzeste Straßenverbindung.


  • Arbeitsmittel

    Arbeitsmittel gehören formell noch zu den Werbungskosten. Dazu zählen zum Beispiel Fachliteratur, Büromaterialien und Berufskleidung. Beispiel: Arztkittel, Richterrobe oder Handwerker-Blaumann. Ein Business-Anzug fürs Büro lässt sich dagegen nicht absetzen.

    Auch Computer, Smarpthones oder Tablets sind als Arbeitsmittel abzugsfähig - solange sie beruflich genutzt werden. Wird etwa das Notebook ausschließlich für berufliche Zwecke hochgefahren, kann man den gesamten Anschaffungspreis von der Steuer absetzen. Unbedingt Quittungen aufbewahren!


  • Bewerbungskosten

    Auch sie zählen zu den Werbungskosten. In die Kategorie Bewerbungskosten fallen Bewerbungsmappen, Porto, Kopien, Bewerbungsfotos, Inserate, auch die Reisekosten für Anfahrten zu Bewerbungsgesprächen. Sie können die Kosten allerdings nicht absetzen, wenn sie zuvor schon vom Arbeitgeber oder der Bundesagentur erstattet wurden.


  • Studienkosten

    Die Kosten für ein Zweitstudium können von der Steuer abgesetzt werden. Mit Zweitstudium ist ein Studium gemeint, das man nach einer schon erfolgten Berufsausbildung oder einem absolvierten Erststudium aufnimmt.

    Achtung: In mehreren Verfahren hat der Bundesfinanzhof entschieden, dass die Ungleichbehandlung von Studenten in der Erst- und Zweitausbildung verfassungswidrig ist. Nun soll das Bundesverfassungsgericht endgültig klären, ob in Zukunft auch die Kosten für ein Erststudium steuerlich geltend gemacht werden können. Fortsetzung folgt...


  • Kontoführungsgebühren

    Das Finanzamt erkennt eine Kontoführungspauschale von 16 Euro jährlich an - ohne Einzelnachweise. Sie können sich die Pauschale also auch dann sichern, wenn Sie ein kostenloses Girokonto haben.


  • Umzugskosten

    Für den ersten Job in eine neue Stadt? In diesem Fall ist die Chance groß, dass Sie die Umzugskosten steuerlich absetzen können.

    Zum Beispiel für einen Mietwagen oder die Spedition, für Maklergebühren und doppelte Mietzahlungen. Allerdings nur dann, wenn der Umzug wirklich beruflich veranlasst ist. Das ist dann der Fall, wenn durch den Umzug die Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsstätte erheblich verkürzt wird - um mindestens eine Stunde Fahrtzeit.


  • Steuersoftware

    Steuerberater, Lohnsteuerhilfeverein oder Steuersoftware - Sie haben die freie Wahl. Egal, wofür Sie sich entscheiden - Steuerberatungskosten können Sie bis zu einem Wert von 100 Euro voll absetzen. Noch mehr sparen Sie natürlich, wenn Sie auf (kostenpflichtige) Hilfe komplett verzichten.


  • Sonderausgaben

    Das sind Kosten, die für die Altersvorsorge, gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung, Rentenversicherung, aber auch Spenden aufgewendet werden. Werden keine genauen Angaben gemacht, beträgt der Pauschalbetrag pro Jahr 36 Euro.


  • Außergewöhnliche Belastungen

    Alle Aufwendungen für Krankheitskosten. Darunter fallen Arztrechnungen, Zuzahlungen für Medikamente und Brillen. Aber auch Unterhaltskosten und Katastrophenschäden.


  • Weitere absetzbare Kosten

    Hierunter fallen Handwerkerrechnungen und Dienstleistungen für den Haushalt. In der ersten Steuererklärung ist dieser Kostenblock selten relevant, da Berufsanfänger und Studenten eher wenige Ausgaben dieses Typs haben.

    Andererseits: Sollten Sie Ihre erste eigene Wohnung von Handwerkern streichen, tapezieren und die Heizungsanlage warten lassen, dann können Sie das absetzen.

Erste Steuererklärung: Wann bekomme ich meine Rückerstattung?

Die Bearbeitungsdauer ist abhängig von zwei Faktoren:

  • dem Übermittlungszeitpunkt der Steuererklärung an das Finanzamt und
  • ob sich Rückfragen aus den Angaben ergeben.

"Im Regelfall dauert die Antragsbearbeitung zwischen zwei Wochen und einem Monat", sagt Experte Jens Jochen Martin.

Steuererklärung: Aufbewahrungspflicht für Rechnungen und Belege

Steuererklärung: Aufbewahrungspflicht für Rechnungen und BelegeBeachten Sie bitte: Bei Privatpersonen gibt es keine vorgeschriebenen Aufbewahrungspflichten. Sinnvoll ist es trotzdem, Steuerbelege bis zum Ablauf der einmonatigen Einspruchsfrist nach dem Erhalt des Steuerbescheids aufzubewahren.

So bleibt ein Einspruch auch später möglich, falls sich in die abgegebene Erklärung Fehler eingeschlichen haben.

Erste Steuererklärung: Auch für Azubis?

Als Azubi eine Steuererklärung einreichen - das ergibt im Normalfall keinen Sinn. "Da vom Arbeitslohn nur die Sozialabgaben einbehalten werden", erklärt Jens Jochen Martin. "Wenn keine Steuern gezahlt wurden, können auch keine erstattet werden."

Aber keine Regel ohne Ausnahme: Sind die Werbungskosten höher als die Einnahmen, kann sich die Steuererklärung lohnen. Das Finanzamt stellt in diesem Fall einen Verlust fest und verrechnet diesen steuersparend mit den Einkünften künftiger Jahre.

Erste Steuererklärung: Welche Unterlagen brauche ich?

Um den Aufwand für die Erstellung der ersten Steuererklärung so gering wie möglich zu halten, empfiehlt es sich, alle nötigen Unterlagen schon vor dem Ausfüllen bereit zu halten. Unverzichtbar sind die folgenden Nachweise und Unterlagen:

  • Allgemeine persönliche Daten: Steuernummer, Steueridentifikationsnummer, Name, aktuelle Adresse, Geburtsort und Geburtsdatum. Falls Sie Ihre Steuer-ID nicht mehr oder noch nicht haben, dann wenden Sie sich an das Bundeszentralamt für Steuern oder an das örtliche Finanzamt.
  • Einkommensnachweise: Lohnsteuerbescheinigung, Bescheinigungen für erhaltenes Arbeitslosengeld, Krankengeld, Elterngeld, Abfindungen und Insolvenzausfallgeld
  • Bescheinigungen für Anlage Kind: Kinderbetreuungskosten, Schulgeld, Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge, Ausbildungs- oder Studienbescheinigung und Bafög-Bescheid
  • Belege für Werbungskosten: Fortbildung, Arbeitsmittel, Reise- und Umzugskosten, Beiträge für Berufsverbände und Bewerbungskosten
  • Belege für Sonderausgaben: Kranken- und Pflegeversicherung, aber auch Unfall-, Haftpflicht-, Lebens- und Rentenversicherungsbeiträge sowie Spendennachweise
  • Belege für außergewöhnliche Belastungen: Arzt-Rechnungen, Unterstützung im Haushalt oder Heilpraktiker-Rechnungen
[Bildnachweis: krutar by Shutterstock.com]

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