Doppelte Haushaltsführung: So wird sie steuerlich behandelt

Wer als Arbeitnehmer weit weg vom eigentlichen Zuhause arbeiten muss, ist auf eine doppelte Haushaltsführung angewiesen. Die Kosten dafür kann er in gewissem Rahmen bei der Einkommensteuererklärung geltend machen und so sein zu versteuernde Einkommen mindern.

Doch was gilt steuerlich gesehen als doppelte Haushaltsführung und unter welchen Bedingungen wird sie vom Finanzamt anerkannt und wann nicht? Und welche Kosten können Sie genau geltend machen? Wir haben uns das Thema einmal näher für Sie angesehen…

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Doppelte Haushaltsführung: So wird sie steuerlich behandelt

Was zählt als doppelte Haushaltsführung?

Wenn es der Job erfordert, dass Sie aufgrund von einer zu großer Entfernung zwischen Ihrem Arbeitsplatz und Ihrem Zuhause einen zweiten Haushalt führen müssen, dann sind die Kosten dafür unter bestimmten Voraussetzungen von der Steuer absetzbar. Dies betrifft sowohl die laufenden Mehraufwendungen für Unterkunft, Verpflegung und Heimfahrten als auch einmalige Ausgaben für den Umzug und die Einrichtung.

Doch für eine doppelte Haushaltsführung muss noch nicht einmal eine eigene Wohnung angemietet werden – es reicht, wenn Sie im Hotel übernachten. Viel wichtiger ist für das Finanzamt die Begründung. Laut § 9 Absatz 1 des Einkommensteuergesetzes (EStG) gilt es steuerlich gesehen als doppelte Haushaltsführung, wenn …

  • Sie aus beruflichen Gründen an einem Ort wohnen müssen, der zu weit zum täglichen Pendeln ist.
  • Ihr Zweitwohnsitz nur aus beruflichen Gründen genutzt wird und der Lebensmittelpunkt weiterhin Ihr Erstwohnsitz ist.
  • Sie an Ihrem Hauptwohnsitz einen eigenen Hausstand haben, an dem Sie sich finanziell beteiligen.

Dabei müssen alle drei Voraussetzungen erfüllt sein. Insbesondere bei den letzten beiden Punkten gibt jedoch es oft Missverständnisse.

Ein Lebensmittelpunkt in einem eigenen Hausstand mit finanzieller Beteiligung bedeutet, dass Sie zum einen persönliche Beziehungen (zum Beispiel Familie, Lebenspartner, Freundeskreis, Hobbys) dort haben müssen und sich zum anderen finanziell zu mindestens zehn Prozent am gemeinsamen Haushalt beteiligen oder diesen sogar alleine führen.

Zudem müssen Sie an Ihrem Hauptwohnsitz entweder Eigentümer, Mieter oder fester Mitbewohner eines Hausstandes sein und die Haushaltsführung mitbestimmen.

Ein Zweitwohnsitz wird außerdem nur anerkannt, wenn Sie am Ort Ihrer beruflichen Tätigkeitsstätte wohnen und eine berufliche Veranlassung für die Übernachtung vorliegt. Eine doppelte Haushaltsführung liegt daher nicht vor, wenn die berufliche Tätigkeit als Auswärtstätigkeit anzusehen ist.

Das ist zum Beispiel der Fall, wenn Sie eine ständig wechselnde Tätigkeitsstätte haben, wie als Mitarbeiter im Außendienst oder als Seminarleiter, der in ganz Deutschland eingesetzt wird. Diese Aufwendungen sind dann wiederum als Reisekosten zu werten.

Wer wiederum seinen Arbeitsplatz durch tägliches Pendeln von ungefähr einer oder 1,5 Stunden erreichen kann, muss damit rechnen, dass dies steuerlich nicht als doppelte Haushaltsführung akzeptiert wird. Das Finanzamt wird eher im Falle einer Versetzung zu einer weit entfernten Dienststelle oder einem neuen Job die Mehraufwendungen anerkennen.

Doch auch, wenn Sie aus privaten Gründen von Ihrem Beschäftigungsort wegziehen (zum Beispiel um mit Ihrem Partner zusammen zu wohnen), kann eine doppelte Haushaltsführung vom Finanzamt akzeptiert werden.

Was ist von der Steuer absetzbar

Wem eine doppelte Haushaltsführung anerkannt wurde, kann den finanziellen Mehraufwand, den der Zweitwohnsitz erfordert, entweder als Werbungskosten von der Steuer absetzen oder aber vom Arbeitgeber steuerfrei ersetzt bekommen. Beides zusammen ist selbstverständlich nicht möglich, da dies einen doppelten steuerlicher Vorteil bedeuten würde.

Zu den monatlichen Kosten, die Sie beim Finanzamt geltend machen können, zählen demnach:

  • Fahrtkosten zwischen Erst- und Zweitwohnsitz (30 Cent pro Kilometer)
  • Unterkunftskosten (Miete, Hotelkosten, Stellplatz)
  • Nebenkosten (Strom, Müll, Wasser, Heizung, Reinigung, Hausmeister, GEZ-Gebühren)
  • Pauschalen für Verpflegungsmehraufwand in den ersten drei Monaten (28 Euro pro vollem Arbeitstag und 14 Euro bei einem An- und Abreistetag)

Diese regelmäßig anfallenden Kosten können Sie bis zu einem Betrag von maximal 1.000 Euro monatlich bei der Steuer geltend machen und mindern demnach Ihr zu versteuerndes Einkommen dementsprechend. Sie sind auf die Folgemonate übertragbar, in der Steuererklärung gilt daher abzugsfähige Betrag von 12.000 Euro pro Jahr.

Zusätzlich sind noch einmalige Kosten steuerlich begünstigt. Diese entstehen in den meisten Fällen beim Einzug in die Zweitwohnung. So sind dies zum Beispiel:

  • Maklercourtage und Anzeigengebühr für die Suche der Zweitwohnung
  • Renovierungskosten für Farbe, Tapete und Böden
  • Umzugskosten wie Mietwagen, Umzugshelfer, Kartons
  • Anschaffungskosten für eine Ersteinrichtung in Küche, Schlaf-, Wohn-, Arbeits- und Badezimmer (übersteigen diese jedoch einen Nettowert von 800 Euro, müssen sie über mehrere Jahre abgeschrieben werden)
  • Anschaffungskosten für eine Grundausstattung an Haushaltsartikeln, Reinigungsmitteln und ähnliches

Es versteht sich von selbst, dass Sie diese Kosten belegen müssen. Also sollten Sie die entsprechenden Rechnungen gut aufbewahren.

Die Beträge für eine doppelte Haushaltsführung müssen Sie in Ihrer Steuererklärung in der Anlage N angeben.

Ledige und die doppelte Haushaltsführung

Wer eine Familie oder zumindest einen Lebenspartner am Hauptwohnsitz hat, für den ist es kein Problem, diesen zu begründen. Doch was ist mit dem ledigen Student, der ein mehrmonatiges, bezahltes Praktikum entfernt von seiner Wohngemeinschaft absolviert?

Grundsätzlich gilt die Absetzbarkeit einer doppelten Haushaltsführung sowohl für Verheiratete, als auch für Alleinstehende (also Arbeitnehmer, die ledig, geschieden oder getrennt lebend sind). Auch für Ledige gilt also, dass Sie einen entsprechend eingerichteten Wohnsitz nachweisen müssen, bei dem sie Eigentümer oder (Unter-)Mieter sind und diesen Haushalt auch eigenständig (mit) führen.

Daher gilt auch eine Wohngemeinschaft als Lebensmittelpunkt, wenn die genannten Voraussetzungen erfüllt sind. Eine Ferienwohnung oder ein Besuch mit Übernachtung beim Partner hingegen wird nicht vom Finanzamt anerkannt.

Ebenso gilt ein Zimmer im Haushalt der Eltern nicht als doppelte Haushaltsführung. Dies entschieden mehrere Finanzgerichte (Beispielhaft sind hier die Urteile 13 K 13187/16 vom Finanzgericht Berlin-Brandenburg und VI B 74/16 vom Bundesfinanzhof zu nennen).

Den Nachweis, dass der Erstwohnsitz sowohl den Lebensmittelpunkt darstellt, als auch die finanzielle Beteiligung von mindestens zehn Prozent am Hausstand gewährleistet ist, obliegt auf Nachfrage des Finanzamtes dem Steuerpflichtigen (anhand eines Mietvertrages zum Beispiel).

Auch Heimfahrten und die Verpflegungspauschale können Sie genauso geltend machen, wenn Sie ledig sind und keine Familie haben. Auch wenn diese umgangssprachlich als Familienheimfahrten bezeichnet werden, sind sie für Alleinstehende ebenfalls absetzbar und es besteht hier ebenso kein Unterschied in der Veranlagung gegenüber Verheirateten.

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Doppelte Haushaltsführung im Ausland

Wer im Ausland arbeitet und seinen Hauptwohnsitz in Deutschland hat, kann grundsätzlich ebenfalls eine doppelte Haushaltsführung geltend machen, sofern der Wohnsitz dort beruflich veranlasst ist. In welchem Land sich der Zweithaushalt befindet, ist für das Finanzamt zunächst nicht von Belang.

Wird der Arbeitslohn jedoch von einem ausländischen Arbeitgeber nach dortigem Recht ausbezahlt, greift ein Abzug bei den Werbungskosten unter Umständen nicht. Dies ist der Fall, wenn aufgrund eines Doppelbesteuerungsabkommens zwischen den entsprechenden Ländern (insbesondere innerhalb der Europäischen Union) eine Besteuerung im Inland ohnehin nicht gegeben ist, da diese im Ausland bereits erfolgt ist.

In diesem Fall gilt das Steuerrecht des entsprechenden Landes, in dem die Tätigkeit ausgeübt und versteuert wird. Entscheidend ist dabei, wo die Wertschöpfung stattfindet.

So erging es zum Beispiel einem Arbeitnehmer, der bei einer Tochterfirma seines Unternehmens in den Vereinigten Staaten von Amerika eingesetzt wurde. Nach dem Steuerrecht der USA ist der Mehraufwand für eine doppelte Haushaltsführung steuerlich nicht zu berücksichtigen, wenn dieser länger als 183 Tage andauert.

Obwohl das Gehalt vom deutschen Mutterkonzern ausbezahlt wurde, unterlag es somit dem amerikanischen Steuerrecht. Somit konnte der Arbeitnehmer die Kosten für den Auslandsaufenthalt nicht als doppelte Haushaltsführung geltend machen, sondern lediglich deutlich begrenzter als Reisekosten.

Daher gilt es, im Einzelfall vorher abzuklären, wie und nach welchem Recht Sie die Tätigkeit im Ausland steuerlich absetzen können. Sollte dies nach deutschem Steuerrecht geschehen, ist dies problemlos wie geschildert möglich. Falls die Versteuerung jedoch nach ausländischem Recht vorgenommen werden muss, gelten mitunter andere Regelungen beziehungsweise Pauschalbeträge.

[Bildnachweis: Karrierebibel.de]
10. Juni 2020 Tilman Schulze Redakteur Autor: Tilman Schulze

Tilman Schulze, Jahrgang 1973, arbeitet zudem freiberuflich als Kommunikationstrainer, Coach und Mediator in Freiburg und Umgebung. Als Autor einiger Bücher ist er es gewohnt, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen und mit der Sprache zu spielen.



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