Wohngemeinschaft: So klappt das Zusammenleben

Nach dem Auszug aus dem elterlichen Heim steht für viele Erstsemester das Leben in einer Wohngemeinschaft an. Damit das Zusammenleben mit den neuen Mitbewohnern klappt, sollten Sie sich an gewisse Regeln halten. In manchen WG’s geht es gar strenger zu, als bei der Familie. So weit sollten Sie nicht gehen, denn sonst wird das Zusammenleben krampfig statt entspannt. Was Sie von Anfang an beachten sollten…

Wohngemeinschaft: So klappt das Zusammenleben

Wohngemeinschaft: Die Marotten der lieben Mitbewohner…

Manche Mitbewohner sind eine besondere Spezies. Da gibt es die Sorte Mensch, die den vollen Aschenbecher in den Kühlschrank stellt: Hauptsache, das Ding ist aus dem Weg. Andere sind notorische Putzdienstverweigerer oder bunkern ihre fleckige und wenig wohlriechende Wäsche tagelang in der Badewanne. Kurzum: Das Leben in der Studenten-WG bietet gewisse Finessen – darauf sollten Sie gefasst sein. Selbst wenn Sie Ihre Mitbewohner gut kennen, birgt der gemeinsame Alltag Herausforderungen mit sich.

„Endlich keine Regeln mehr“, mögen Sie gedacht haben, als Sie aus dem Elternhaus in die Wohngemeinschaft gezogen sind. Sorry! Den Zahn müssen wir Ihnen an dieser Stelle ziehen. Möglicherweise bekommen Sie sogar schneller Verständnis für Mamas oder Papas wiederkehrende Bitte, die Musik doch ein wenig leiser zu drehen oder einen Kopfhörer aufzusetzen, als Ihnen lieb ist.

Diese Situation könnte Ihnen bald wieder begegnen. Jedoch in einer anderen Rollenverteilung. Denn laute Musik, die nicht Ihrem Geschmack entspricht, ist besonders nervig, wenn Sie sich beispielsweise auf Ihre nächste Klausur an der Uni vorbereiten. Nun wollen Sie aber auch nicht der Spielverderber sein und herumnörgeln, richtig?

Niemand ist gerne der Spielverderber in der WG

Das ist verständlich, zumal sich der Zimmernachbar von Anfang an so zugänglich zeigte und anbot: Wenn es euch zu laut wird, klopft einfach. In Wirklichkeit ist das aber gar nicht so liberal. Denn er bürdet damit Ihnen auf, sich immer wieder neu zur Beschwerde aufzuraffen. Gerade, wenn das Zusammenleben in der Wohngemeinschaft noch frisch ist, macht das keiner gern. Hier hilft es, von vornherein klare Absprachen zu treffen: Wer Musik nur hört, wenn sie laut ist, Stöpsel ins Ohr und Rückzug ins eigene Zimmer.

Ähnlich verhält es sich auch in anderen Bereichen des Zusammenlebens. Viele Konflikte in der Wohngemeinschaft entstehen gar nicht erst, wenn man bestimmte Dinge vorab anspricht. Regeln Sie Ihren Alltag dort, wo es zu Überschneidungen kommt. Wer hat zur selben Zeit morgens Vorlesungen? Wann möchte wer ins Bad? Nichts ist zum Beispiel nerviger, als ein morgendlicher Stau vor der Badezimmertür.

Der eine ist Frühaufsteher, während der andere lange pennt, dafür aber die Nacht zum Tag macht? Vereinbaren Sie Kernzeiten, in denen eine normale Alltags-Betriebsamkeit für alle okay ist. Außerhalb dieser Zeiten kann man sein Handy etwas leiser stellen, gedämpft sprechen und insbesondere in den späteren Abenstunden auf lautstarke Besucher verzichten. Es gibt schließlich genügend Kneipen, auf die Sie ausweichen können.

Wohngemeinschaft-Tipps: Intimsphäre wahren

Wichtig ist auch, die Intimsphäre der anderen zu respektieren. Jeder braucht mal Zeit für sich. Auch hier helfen kleine Signale, die jeder auf Anhieb versteht. Lassen Sie Ihre Türen offen, sind Sie ansprechbar. Ist das Wohngemeinschaft-Zimmer zu, signalisieren Sie, dass Sie Ruhe wollen. Was bei Managern klappt, sollte auch in einer WG umsetzbar sein. Und falls doch mal etwas Wichtiges ist: Klopfen nicht vergessen.

Auch das Thema Einkaufen wird gerne zum Konfliktherd: Milch, Toilettenpapier, Alufolie, Waschpulver – alles ist immer genau dann leer, wenn Sie es dringend brauchen. Auf Dauer nervt es ungemein, wenn Sie einkaufen und die anderen alles aufbrauchen. Umgekehrt natürlich auch. Daher sollte sich am besten jeder selbst um seine Sachen, die er zum täglichen Leben braucht, kümmern.

Das gilt insbesondere für Lebensmittel, die jeder in seinem eigenen Kühlschrankfach lagern kann. Das hat auch den entscheidenden Vorteil, dass es keinen Hickhack gibt, wer mit Einkaufen dran ist, oder immer wieder die Frage aufploppt, warum die Haushaltskasse denn schon wieder leer ist.

Wohngemeinschaft-Regeln für den Alltag

Meist sind es nur kleine Nachlässigkeiten und Unhöflichkeiten, treten sie aber im Rudel auf, können sie unglaublich aufregen. Das sollten Wohngemeinschaft-Bewohner außerdem beachten:

  • Beim Duschen alles zu überfluten und es nicht für nötig zu befinden, die Lachen auf dem Badezimmerboden wegzuwischen, geht gar nicht. Der nächste, der ins Bad tappt, bekommt nasse Füße. Außerdem ist lauwarmes Wasser ein optimaler Herd für Keime. Also: Wischen und Lüften sind unerlässlich.
  • Lange Haare im Waschbecken liegen zu lassen oder die Haarbürste der Mitbewohnerin zu benutzen, ohne sie wieder zu säubern – das sorgt bei den anderen für einen gesunden Ekelfaktor, der leicht zu vermeiden ist.
  • Ebenso wie das stille Örtchen nach dem Toilettengang nicht wieder richtig zu säubern.
  • Oder in der Küche einen Bratling zu braten und das fettverschmutzte, klebrige Kochfeld den anderen zu hinterlassen.

Verlassen Sie ein Zimmer daher stets so, wie Sie sie selbst vorzufinden wünschen. Zur Not hängen Sie einen entsprechenden Merkzettel über Küchen- oder Badezimmertür.

Eine anderer häufiger Streitpunkt ist das regelmäßige Putzen. In punkto Schmutz hat jeder ein anderes Empfinden.

  • Finden Sie Kompromisse. Lassen Sie es nicht zu lax angehen, seien Sie aber auch nicht zu penibel.
  • Erstellen Sie einen einen wöchentlich rotierenden Putzplan, so dass jede Woche jemand anderes die Küche oder das Bad putzt.
  • Falls sich jemand nicht an den Putzplan hält, sprechen Sie ihn an. Notfalls müssen Sie Sanktionen in der Wohngemeinschaft verhängen: Eine Flasche Wein für alle oder ein festgelegter Beitrag in die WG-Kasse. Irgendwann können Sie davon gemeinsam Essen gehen.

Gruppendynamik: Es sollte menscheln

Letztes sollten Sie ohnehin tun, oder gemeinsam die Flasche Wein köpfen. Damit die Gruppendynamik stimmt, sollten Sie sich kennenlernen. Bei gemütliche WG-Abenden etwa. Gemeinsame Erlebnisse und gemeinsamer Spaß schaffen die notwendige Grundlage für ein gelungenes Zusammenleben, da sie das Wir-Gefühl steigern.

Alle Regeln und Pläne nutzen nichts, wenn die Gemeinschaft nicht funktioniert. Für ein wirklich gutes WG-Klima ist es auch mal sinnvoll, die Augen zuzudrücken und Fünfe gerade sein zu lassen. Dazu gehört, dass Sie ab und zu auch mal etwas tun, wozu Sie laut Koch- oder Putzplan nicht verpflichtet wären. Den Müll raustragen, obwohl Sie nicht dran sind, Töpfe spülen, die eigentlich ein anderer benutzt hat. Oder: Nicht wütend auf die Nachtruhe bestehen, wenn der Zimmernachbar seinen Geburtstag feiert. Lieber Sektflasche schnappen, entkorken, mitfeiern.

Sollten dennoch Probleme in der Wohngemeinschaft auftauchen, sprechen Sie diese an:

  • Ist es etwas Wichtiges, sollte das Gespräch nicht zwischen Tür und Angel stattfinden.
  • Bleiben Sie sachlich und beleidigen Sie den anderen nicht.
  • Bilden Sie keine Fronten: Zwei gegen einen – das geht nach hinten los, weil sich der Mitbewohner zwangsläufig in die Ecke gedrängt fühlt.
  • Auch hinter dem Rücken zu tratschen geht gar nicht. Im schlimmsten Fall führt das dazu, dass die Gruppe auseinander bricht.

Aber auch das müssen Sie notfalls akzeptieren. Manchmal klappt es einfach nicht mehr mit dem Zusammenleben. Eine Wohngemeinschaft ist eine Gemeinschaft auf Zeit. Und manchmal ist ein Ende mit Schrecken bekanntlich besser als ein Schrecken ohne Ende.

[Bildnachweis: adriaticfoto by Shutterstock.com]
19. April 2015 Autor: Sonja Dietz

Sonja Dietz arbeitet als freiberufliche Journalistin und Social-Media-Redakteurin. Die studierte Germanistin verfügt über eine vertiefte Expertise im Bereich HR-Management. Ihr besonderes Interesse gilt dem Thema Digitalisierung der Arbeitswelt.

Mehr von der Redaktion und aus dem Netz



Kb Buch Werbung 2019
Stellenanzeigen finden Sie auf www.karrieresprung.de.

Karrierefragen Hinweis Artikel Unten 1000px Fertig gelesen? Zurück zur Startseite!