Multijobber: Mehrere Jobs koordinieren

Multijobber gibt es heute in fast allen Branchen und den meisten größeren Unternehmen. Längst beschreibt der Begriff dabei nicht mehr ausschließlich Menschen, die auf mehrere Jobs angewiesen sind, um zu überleben. Sie gehören zwar leider nach wie vor zur Gruppe der Multijobber, doch in den letzten Jahren haben sich auch Arbeitnehmer mit im Grunde gut bezahlten Jobs auf die Suche nach nebenberuflichen Aufgaben und weiteren Standbeinen gemacht. Auch wenn die Voraussetzungen sehr unterschiedlich sind, verbindet die verschiedenen Multijobber doch die Notwendigkeit, mehrere Jobs zu koordinieren und die zahlreichen Aufgaben unter einen Hut zu bekommen. Damit Ihnen das gelingt und Sie auch noch von den verschiedenen Jobs profitieren, bedarf es einer strikten Organisation und einer klaren Strategie…

Multijobber: Mehrere Jobs koordinieren

Multijobber: Voraussetzungen und Vorbereitung

Auch wenn die Bezeichnung Multijobber einen anderen Eindruck erweckt, handelt es sich hier keineswegs um eine homogene Gruppe. Die Motivation für die Arbeit in mehreren Jobs ist so individuell wie die Erwartungen und Ziele der einzelnen Multijobber und lassen sich nicht pauschal abarbeiten. Die Bandbreite der Gründe ist breitgefächert und umfasst beispielsweise…

  • … eine unzureichende Bezahlung im Hauptjob.
  • … fehlende Abwechslung oder monotone Aufgaben.
  • … Interesse an anderen Fachbereichen und Arbeitsweisen.
  • … das Bedürfnis nach Sicherheit und den Aufbau mehrerer Standbeine.
  • Neugier und den Drang, Neues auszuprobieren.
  • … das Bedürfnis, den eigenen Horizont zu erweitern.
  • … die Vorbereitung eines Job- oder Branchenwechsels.

Die folgenden Tipps richten sich grundsätzlich an alle Multijobber. Es liegt dabei aber in der Natur der Sache, dass Sie – abhängig von Ihrer Ausgangssituation – nicht alle Tipps eins zu eins umsetzen oder nutzen können. Sind Sie beispielsweise aus finanziellen Gründen auf mehrere Jobs angewiesen, ist Ihr Gestaltungsspielraum verständlicherweise begrenzt.

Zahl der Multijobber steigt an

Dass Multijobber längst keine Seltenheit mehr sind, zeigt sich auch in den Entwicklungen der Zahlen. So berichtet die Wirtschaftswoche bereits 2014 darüber, dass erstmals mehr als drei Millionen Menschen in Deutschland einen Nebenberuf ausüben. Dieser Trend zeichnet sich bereits seit Jahren ab.

In diesem Jahr sind es allein 2,5 Millionen Deutsche, die zusätzlich zum Hauptberuf noch in einem Minijob arbeiten.

Einige Voraussetzungen sollten jedoch alle Multijobber schaffen und bei der Vorbereitung beachten. Für Arbeitnehmer sehen die wichtigsten Punkte folgendermaßen aus:

  • Klären Sie mit Ihrem Arbeitgeber ab, ob Sie nebenberuflich in weiteren Jobs arbeiten dürfen. Lassen Sie sich die Zustimmung schriftlich geben. Eine Gratis-Vorlage finden Sie hier.
  • Achten Sie unbedingt darauf, welche Aufgaben, Arbeiten und Firmen in der schriftlichen Zustimmung oder Ihrem Arbeitsvertrag ausgeschlossen sind. Für Konkurrenzfirmen dürfen Sie in der Regel beispielsweise nicht arbeiten.
  • Klären Sie auch ab, ob es zeitliche Einschränkungen für die nebenberufliche Arbeit gibt.
  • Auch in einem Nebenjob sollte es einen Arbeitsvertrag geben. Das gilt auch dann, wenn Sie als Minijobber arbeiten.
  • Prüfen Sie unbedingt im Vorfeld, ob Sie Haupt- und Nebenjob zeitlich vereinbaren können. Berücksichtigen Sie dabei auch die notwendigen Fahrtzeiten zwischen den beiden Arbeitsorten und bedenken Sie Projekte, die Sie im Hauptjob zeitlich stärker beanspruchen können.
  • Apropos Fahrt: Kalkulieren Sie bitte gründlich, ob sich der Nebenjob finanziell rechnet, wenn Sie alle anfallenden Kosten – auch Ihre Fahrtkosten – abziehen.
  • Klären Sie auch im Nebenjob ab, wie Sie während der Arbeitszeit versichert sind.

Wenn Sie als Arbeitnehmer nicht sicher sind, ob Ihr Arbeitgeber bereit ist, eine nebenberufliche Tätigkeit zu tolerieren, sollten Sie keinesfalls versuchen, diese zu verheimlichen und auf eigene Faust anzufangen! Sicher, dass kann gut gehen – vermutlich kennen Sie einige Beispiele aus Ihrem Umfeld – doch das damit verbundene Risiko ist enorm. Nicht nur, das es bei Unfällen im Nebenjob zu echten Problemen mit der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall kommen kann, Ihr Arbeitgeber kann Sie aufgrund einer nicht genehmigten Nebentätigkeit auch kündigen. Suchen Sie lieber das Gespräch mit Ihrem Chef und gehen Sie das Thema offen an.

Ein oft vergessener Aspekt: Stimmen Sie Ihren Wunsch nach mehreren Jobs auch mit Ihrem Partner und Ihrer Familie ab. Selbst wenn Sie aus finanziellen Gründen mehrere Jobs brauchen und daher keine Wahl haben, sollten Sie mit den Ihnen nahestehenden und wichtigen Menschen darüber sprechen. Machen Sie ehrlich und offen deutlich, welche Auswirkungen die zusätzlichen Jobs zeitlich und organisatorisch haben werden und warum Sie diesen Schritt gehen wollen. Es kann durchaus sein, dass Sie zunächst nicht auf das erhoffte Verständnis treffen und mit Widerstand zurechtkommen müssen. Doch dieser zwingt Sie dazu, sich selbst nochmals intensiv mit Ihrem Vorhaben zu befassen und zeigt Ihnen, ob Sie wirklich hinter dem Schritt stehen oder ob es sich nur um eine fixe Idee handelt, die Ihnen gar nicht so wichtig ist.

Multijobber: So koordinieren Sie mehrere Jobs

Haben Sie die Voraussetzungen geschaffen und alle Abstimmungen hinter sich gebracht, kann die Arbeit als Multijobber beginnen. Damit Sie in den verschiedenen Jobs jedoch gute Qualität liefern und selbst davon – nicht nur finanziell sondern auch perspektivisch – profitieren können, ist eine strikte Organisation und Koordination der Jobs unerlässlich. Hier spielen mehrere grundlegende Punkte eine Rolle:

  • Ihre laufende Kommunikation und Abstimmung mit Ihren Arbeitgebern/Auftraggebern
  • Ihre persönlichen Ziele und Erwartungen an die Jobs
  • Ihre räumlichen und technischen Rahmenbedingungen
  • Ihre Prioritäten und Leistungsbereitschaft
  • Ihre Balance zwischen Arbeit und Privatleben
  • Ihr individuelles Organisationssystem

Gerade das Organisationssystem stellt die Grundlage für alle weiteren Aktivitäten und Tipps dar. Nur wenn Sie für sich wissen, wie Sie Termine und Aufgaben im Blick behalten, Dokumente systematisch ablegen und sich selbst organisieren können, kann die Arbeit als Multijobber auf Dauer funktionieren. Viel grundlegender sind jedoch – wenn auch auf einer höheren Flughöhe angesiedelt – Ihre Prioritäten und Leistungsbereitschaft. Wissen Sie wirklich, wie viel Ihnen Ihre Jobs wert sind? Sind sich über die Konsequenzen und notwendigen Einschnitte in anderen Lebensbereichen im Klaren? Akzeptieren Sie diese voll und ganz? Diese Fragen sind sicherlich nicht angenehm, doch genau deshalb sollten Sie sich regelmäßig mit ihnen befassen. Nur wenn Sie sich die Antworten immer wieder vor Augen führen, können Sie vermeiden, dass die Arbeit als Multijobber Sie nachhaltig frustriert und ausbrennt.

Ihre persönlichen Ziele und Erwartungen an die verschiedenen Jobs sind vor allem dann relevant, wenn Sie entscheiden, wie viel Engagement, Zeit und Energie Sie in die verschiedenen Arbeiten investieren. Hier sollten Sie bitte auch die möglichen Perspektiven der verschiedenen Jobs bedenken und für sich prüfen, welche davon attraktiv sind und welche Bereiche Sie ausbauen wollen. Um Ihre Perspektiven realistisch einschätzen zu können, ist die fortlaufende und offene Kommunikation mit Ihren Arbeit- oder Auftraggebern unerlässlich. Nur im direkten Austausch können Sie einschätzen, ob sich Ihnen im Unternehmen oder Projekt echte Entwicklungschancen bieten oder ob die theoretischen Möglichkeiten in der Praxis für Sie unerreichbar sind.

Multijobber: Maximaler Nutzen durch strategisches Vorgehen

Neben dem zusätzlichen Einkommen und der Erfahrung in anderen – oder völlig neuen – Arbeitsbereichen und Unternehmen können Sie als Multijobber auch perspektivisch von Ihren verschiedenen Jobs profitieren. Wenn ein möglicher Job- oder Branchenwechsel nicht bereits die Motivation für die Aufnahme mehrerer Jobs ist, kann sich diese Option zumindest während Ihrer Arbeit als Multijobber ergeben. Idealerweise achten Sie daher bereits bei der Auswahl Ihrer Jobs darauf, dass Sie sich die verschiedenen Bereiche grundsätzlich als dauerhaftes Arbeitsfeld vorstellen können.

Alternativ können Sie Ihre verschiedenen Jobs natürlich auch dazu nutzen, um sich neue Bereiche und Branchen anzuschauen und dort Erfahrungen zu sammeln. Für diesen Ansatz bieten sich befristete Verträge für Ihre Nebenjobs an, da Sie diese beenden können, ohne kündigen zu müssen und von Anfang an eine klare zeitliche Perspektive haben. Diese kann rein psychologisch wichtig sein, um sich auf einen solchen Versuch überhaupt einzulassen. Natürlich besteht für Arbeitnehmer auch die Möglichkeit, nebenberuflich die ersten Schritte als Freelancer zu wagen und damit einen vollständigen Wechsel in den Freiberuf vorzubereiten. Diese Option bietet sich vor allem dann an, wenn Sie ohnehin mit dem Gedanken spielen, den Schritt jedoch aus verschiedenen Gründen nicht angehen können oder wollen.

Noch ein abschließender Hinweis, der besonders wichtig ist: Sie sollten die zeitliche, organisatorische und vor allem mentale Belastung der Arbeit als Multijobber nicht unterschätzen. Wenn Sie in jedem Job gute oder gar hervorragende Leistung bringen und das Maximum für sich mitnehmen wollen, werden Sie im Blick auf Energie und Leistungsfähigkeit früher oder später an Ihre Grenzen stoßen. Akzeptieren Sie diese und nehmen Sie sie an, können Sie daraus viel lernen und sich persönlich und fachlich weiterentwickeln. Selbst wenn die Arbeit als Multijobber für Sie eine (finanzielle) Notwendigkeit darstellt, können Sie Ihre Jobs zumindest im begrenzten Umfang gestalten und für sich nutzen. Arbeiten Sie dann ausdauernd und strategisch an einer Verbesserung, kann sich Ihre berufliche Situation nach und nach positiv verändern.

[Bildnachweis: peart, Ditty_about_summer, GaudiLab by Shutterstock.com]
8. Juni 2016 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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