Job Crafting: So macht der Job wieder Spaß
Und stellen meist fest, dass es hier und da doch noch hakt, dass aus dem vermeintlichen Paradies schnell wieder eine Job-Hölle wird. Die Wahrheit ist: Den Traumjob gibt es nicht. Man muss ihn sich selbst erschaffen. Das geht - mit Job Crafting!

Job Crafting: Was ist das?

Der Ablauf ist nicht selten so: Man sieht eine tolle Stellenanzeige im Netz, bewirbt sich, das Unternehmen sagt Ja. Juchhe, Frohlocken, ein Karrieresprung, ein Traumjob! Hinterher aber ist man deprimiert, dass man doch wieder nur Befehle ausführen und dem Chef hinterherwischen muss, dass die vermeintliche Traumstelle nur ein Rohrkrepierer ist.

Hier liegt das Problem. Denn DEN perfekten Job gibt es nicht. Vielmehr muss man sich seinen Traumjob selbst erschaffen, sagt zumindest Psychologe und Verhaltensökonom Dan Ariely.

"Was die Leute nicht verstehen ist, dass wir die Fähigkeit haben, einen Job nach unseren Vorstellungen zu formen", so Ariely zum Business Insider. Seiner Meinung nach ist das bei den meisten Menschen so, die wie geschaffen zu sein scheinen für ihren Job, die ihre Berufung offensichtlich gefunden haben: Es gibt in diesen Fällen meist nicht die perfekte Übereinstimmung zwischen Person und Stelle von Tag eins an.

Job Crafting: Kann es auch Burnout verhindern?

job-crafting-burnoutWas verursacht einen Burnout?

Nach Ansicht von Wissenschaftlern aus Zürich und Leipzig spielen vor allem zwei Aspekte eine Rolle: zum einen das Machtmotiv. Macht im Sinne von Stärke, Selbstachtung, Disziplin, die man im Job innehabe, erlebe und fühle, weil man Verantwortung trägt.

Dann wäre das Affiliationsbedürfnis zu nennen, das Verlangen nach Zugehörigkeit. Persönliche Bindungen am Arbeitsplatz, die Vertrauen spenden und ein Zusammengehörigkeitsgefühl erzeugen.

Fehlt beides, steigt demzufolge die Burnout-Gefahr. Die Psyche leidet, der Stresspegel steigt, später auch der Körper.

Wie entgegenwirken? "Zum Beispiel könnte jemand mit einem großem Affiliationsbedürfnis seine Aufgaben in einer kollaborativeren Art und Weise angehen und versuchen, mehr Möglichkeiten für Teamwork zu finden“, empfiehlt die Züricher Psychologie-Professorin Veronika Brandstätter.

Ihr Rat also: Job Crafting als proaktive Strategie, um Burnout vorzubeugen.

Job Crafting: Die perfekte Stelle gibt es nicht

"Es war vermutlich ein langer Prozess, in dessen Verlauf sich die Person ein bisschen geändert hat und der Job sich ein bisschen geändert hat."

Mit anderen Worten: Der Bewerber und die Stelle waren zum Zeitpunkt des ersten Treffens noch zwei völlig andere. Erst mit der Zeit ist daraus eine Liebesgeschichte geworden.

"Die Leute glauben, dass sie ihren idealen Job schon ganz zu Beginn finden müssen. Dabei realisieren sie nicht, dass sich unser Leben ständig ändert. Wir lernen neue Fähigkeiten, wir passen uns an und auch die Jobs passen sich an."

Ariely empfiehlt eben nicht den Vorsatz: "Sieh dich nach dem perfekten Job um."

Sondern diesen: "Sieh dich nach einem Job um, der grundsätzlich in die richtige Richtung geht, in Bezug auf deine Fähigkeiten, deine Leidenschaft und so weiter. Mach dir nicht zu viele Gedanken darum, dass es perfekt passen sollte, denn wenn du nach einem Job suchst, der perfekt passt, wirst du niemals fündig."

Mehr Sinn durch Job Crafting

Das Prinzip ist auch als Job Crafting bekannt und geht auf eine Studie von 2001 zurück. Die Wissenschaftlerinnen Amy Wrzesniewski und Jane E. Dutton hatten die 28 Mitarbeiter einer Putzkolonne in einem Uni-Krankenhaus ausgiebig zu ihrer Jobzufriedenheit befragt.

Die einen antworteten nun so, wie man es gemeinhin wohl erwarten würden. Sie fanden den Job nicht wahnsinnig erfüllend oder befriedigend. Sie putzten, weil sie dafür Geld bekamen und sie putzen so, wie es von ihnen erwartet wurde.

Andere aber gingen in ihrem Beruf regelrecht auf. Sie waren glücklicher und zufriedener als ihre Kollegen, lieferten auch bessere Leistungen ab. Aber warum?

Der Grund: Sie formten sich ihren Job nach ihrem Gusto. Einige liehen aufgewühlten Patienten ein Ohr, andere begleiteten sie zu ihren Autos auf den Parkplatz (obwohl sie dafür hätten gefeuert werden können).

Tipp für Arbeitgeber: Stellen Sie überqualifizierte Bewerber ein!

job-crafting-arbeitgeber Was passiert, wenn Sie einen Bewerber einstellen, der für die Stelle ganz offensichtlich überqualifiziert ist?

Entweder ist derjenige, so die gängige Annahme, unterfordert und kündigt nach kurzer Zeit. Oder er verhält sich wie ein hochbegabter Schüler im Unterricht - extrem lustlos. Debakel vorprogrammiert!

Ein chinesisch-amerikanisches Forscherteam ist da allerdings ganz anderer Meinung. In einer Studie - im Academy of Management Journal veröffentlicht - fanden sie heraus, dass Überkompetente ein echter Gewinn für das Unternehmen sein können.

Die Forscher untersuchten dabei Lehrer und technische Facharbeiter in einer Spielzeugfabrik. Sowohl die überqualifizierten Lehrer als auch die Spielzeugtechniker erhielten von ihren Vorgesetzten Bestnoten - und betrieben aktiv Job Crafting. So organisierten die Lehrer freiwillig Schulveranstaltungen und experimentierten im Unterricht mit neuen Lernmethoden. Die Techniker entwarfen alternative Ideen für Spielzeuge.

Die Erklärung dahinter: Überqualifizierte sind mit ihrer Arbeit schneller fertig - und haben mehr Zeit, um sich anderen Aufgaben zu widmen. Und sie sind grundsätzlich auch bereit, über die reine Pflichterfüllung hinauszugehen. Entscheidend sei, so die Studienautoren, dass man sie nicht dazu zwinge. Job Crafting müsse immer die freie Entscheidung eines Mitarbeiters sein.

Einen Haken gibt es aber doch: Ist der Mitarbeiter sehr stark überqualifiziert, kehrt sich der Effekt wieder um. Denn sind die Aufgaben zu simpel und anspruchslos, deprimiert das auch den einfallsreichsten High Potential. Dann hilft auch kein Job Crafting mehr.

Beispiele für Job Crafting

Sie übernahmen also freiwillig Aufgaben, die (zusätzlichen) Sinn stifteten, ihre Arbeit aufwerteten, ihnen Freude bereiteten - und nebenbei auch ihre Wahrnehmung durch das Krankenhauspersonal veränderten.

In Abwandlung an ein berühmtes Kennedy-Zitat könnte man also sagen: Frage nicht, was dein Job für dich tun kann. Sondern, was du für deinen Job - und damit indirekt wieder für dich selbst - tun kannst.

Beispiele für Job Crafting könnten sein:

  • Ein Angestellter, der aus reinem Interesse Marktforschung - z.B. in Form von Internet-Umfragen - für seine kleine Firma betreibt.
  • Ein Lehrer, der Sport-, IT- oder Theaterkurse gibt (ohne es zu müssen).
  • Ein Hausmeister, der gleichzeitig die gute Seele des Hauses spielt und sich die Sorgen und Nöte der Mitarbeiter anhört.
  • Ein Controller, der aus Spaß am Schreiben für sein Unternehmen bloggt.

Diese Beispiele sind natürlich nicht in jedem Szenario praktikabel oder realistisch. Es könnte ja sein, dass die Aufgabe, die man so gerne zusätzlich übernehmen würde, in den klaren Verantwortungsbereich eines Kollegen fällt.

Oder dass die Wunsch-Aufgabe zu komplex ist oder man dafür schlichtweg keine Zeit hat. Doch gilt es beim Job Crafting, genau die Dinge im Jobprofil zu finden, die sich überlappen: Betätigungen, denen man gerne nachgehen würden - und das zeitlich und praktisch auch könnte.

Job Crafting kann ansteckend sein

Im besten Fall hört der Effekt damit noch nicht auf. Der Theorie nach färbt Job Crafting auch auf die Kollegen ab. Wer also mit gutem Beispiel vorangeht und sich seinen Traumjob selbst zimmert, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass andere Kollegen dies nachahmen.

Eine Studie der Penn State ergänzte die Vorzüge sogar noch: Sogar offensichtliche Fehlbesetzungen würden durch Job Crafting zwar nicht zu Traumjobbern - aber könnten immerhin zu guten Mitarbeitern werden.

Fazit: Wer auf seinen Traumjob wartet, wartet in der Tat ewig.

Job Crafting: Diese Fragen stellen!

job-crafting-checklisteEs gibt vier Wege, über die man sich Job Crafting nähern kann. Sie führen über die Aufgaben, Umfeld, innere Einstellung sowie Zeit und Ort.

Wer sich unterwegs immer wieder diese Fragen stellt, macht schnell Fortschritte:

  1. Aufgaben

    • Welche Aufgaben kann und würde ich gerne zusätzlich übernehmen?
    • Wie kann ich mehr Verantwortung übernehmen?
    • Welche Aufgaben kann und will ich in Zukunft eigenständig erledigen?
    • Wie kann ich meinem Arbeitgeber stärker helfen?
    • Wie kann ich komplexe Aufgaben vereinfachen?
  2. Umfeld

    • Wer inspiriert mich?
    • Wie kann ich mein Verhältnis zu Kollegen und Vorgesetzten verbessern?
    • Was kann ich den anderen anbieten, damit sie mich im Gegenzug unterstützen?
    • Was kann ich mir von den anderen abschauen?
    • Mit welchen Kollegen möchte ich häufiger zusammenarbeiten?
  3. Innere Einstellung

    • Was würde meinem Job mehr Sinn verleihen?
    • Wo liegen meine Stärken?
    • Wo liegen meine Schwächen?
    • Was stört mich an meinem Job am meisten?
    • Was würde mich zufriedener machen?
  4. Zeit und Ort

    • Wie kann ich meinen Arbeitsplatz attraktiver gestalten?
    • Wie kann ich meinen Arbeitsalltag vereinfachen, ohne an Produktivität zu verlieren?
    • Welche Hilfsmittel würden mir helfen?
    • Wie komme ich gesünder durch den Arbeitstag?
    • Welche Schichten würde ich gerne tauschen, übernehmen oder abgeben?

Job Crafting: Das sagt die Expertin

Amy Wrzesniewski hat den Begriff Job Crafting entscheidend geprägt. Das sagt sie selbst:

[Bildnachweis: g-stockstudio by Shutterstock.com]

Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, erzählen Sie es weiter...