Work-Fun-Balance: So stellen Sie sie her

Das Büro ist kein Comedy-Club. Zahlen wollen eruiert, Projekte durchgezogen, knallharte Ziele erreicht werden. Spaß? Das ist etwas für den Feierabend, eine Privatangelegenheit. Stopp! Ganz ohne Schabernack sollten Sie nicht durchs Arbeitsleben gehen. Das macht nicht nur Spaß, sondern hat noch andere Vorteile. Auf die richtige Work-Fun-Balance kommt es an…

Work-Fun-Balance: So stellen Sie sie her

Work-Fun-Balance: Was soll das sein?

Work-Fun-Balance ist angelehnt an die berühmte Work-Life-Balance.

Den Begriff gibt es de facto nicht, eine Definition kann jeder selbst vornehmen. Unserer Meinung nach ist eine ausgeglichene Work-Fun-Balance erreicht, wenn Sie die richtige Mischung aus Fun und Ernsthaftigkeit finden, Humor und Seriosität am Arbeitsplatz in Einklang bringen. Wenn vor lauter Arbeit der Spaß nicht gänzlich auf der Strecke bleibt.

Natürlich: Eine Modeverkäuferin sollte im Ladengeschäft nicht unentwegt feixen. Das würde Kunden verschrecken. Ein Anwalt, der seinem Klienten einen Scherz nach dem anderen auftischt, verspielt Vertrauen. Einem Buchhalter, der ständig den Schalk im Nacken hat, könnte ein schmerzhafter Fehler unterlaufen. Das spricht dafür, den Spaß zu drosseln, sich auf die Arbeit zu konzentrieren.

Und dennoch: Der Arbeitsplatz sollte keine humorfreie Zone sein. Warum das wichtig ist? Wir sagen es Ihnen…

Work-Fun-Balance: 4 Gründe für mehr Spaß am Arbeitsplatz

  1. Es hat einen Lerneffekt

    Menschen lernen nicht nur hinzu, wenn sie sich fix auf eine Sache konzentrieren. Wir lernen auch so, ganz nebenbei, wie kleine Kinder, die beim Spielen dieses und jenes aufschnappen. Auch am Arbeitsplatz. Und: Wenn wir im Büro Spaß haben, ist der Lerneffekt sogar noch größer.

    Das ist die Grundaussage einer Studie der Penn State University, die Ende 2016 veröffentlicht wurde. Es sei keineswegs so, dass eine Spaßveranstaltung an sich einen Lerneffekt hätte. Nach dem Motto: Wenn wir zusammen blödeln, bilden sich in meinem Hirn neue Synapsen.

    Vielmehr führe Vergnügen aber zu einem angenehmeren Arbeitsumfeld. Und in dem sei es einfacher, zwanglos Neues auszuprobieren, der Kreativität freien Lauf zu lassen, keine Angst vor Fehlern zu haben.

    Vergnügen ist demnach nicht nur gleichzusetzen mit Ablenkung, sondern auch mit Optimismus, Ausdauer, Aufmerksamkeit. Und es führt dazu, dass sich die Kollegen besser verstehen und gegenseitig helfen. Mehr Fun, mehr Kooperation.

    Wichtig sei dabei, so das Argument der Penn State, dass der Vorgesetzte die Clownerie unterstützt und nicht unterdrückt. Das gelingt zum Beispiel durch Teambuilding-Übungen, gemeinsame Mittagessen oder kleine Feiern.

  2. Es hält die Mitarbeiter im Unternehmen

    Eine positive Work-Fun-Balance kann die Fluktuation im Unternehmen senken. Das ist gerade für Firmen interessant, in denen es ein ständiges Kommen und Gehen gibt, zum Beispiel in der Gastronomie und Hotellerie.

    Laut US-Wissenschaftlern aus Penn State, Maryland und Ohio erhöht sich die Verweildauer im Unternehmen – insbesondere von jungen Angestellten – wenn der Vorgesetzte Spaß versteht und gerne mal eine Prise Humor einstreut.

    Es gibt aber einen Haken: Die Angestellten verkaufen gleichzeitig weniger, jedenfalls in der untersuchten Gastro-Branche. Zur Wahrheit gehört auch: Jux und Dollerei können sehr wohl ablenken, Zeit und Konzentration kosten, die Arbeitsproduktivität senken.

    Hingegen verbesserte sich im Studienexeperiment die Verkaufsbilanz – insbesondere von älteren Beschäftigten – wenn es regelmäßige Fun-Aktivitäten gab. Picknicks, Geburtstagsfeiern, Sportveranstaltungen. Fun-Aktivitäten und Spaß am Arbeitsplatz ist wohlgemerkt nicht das Gleiche.

    Fazit der Forscher: Spaß wirkt, ist aber kein Allheilmittel. Es komme darauf an, welche Ziel man verfolgt. Unterm Strich könne die Work-Fun-Balance aber sehr positiv sein, sogar zu größerer Produktivität UND geringerer Fluktuation führen.

  3. Es stärkt den Zusammenhalt

    Dem Chef einfach mal einen ironischen Spruch reindrücken oder dem Kollegen einen schlüpfrigen Joke erzählen – das ist offenbar gar keine schlechte Idee.

    Wenn Menschen zusammen lachen, schaffen sie eine Verbindung. Sie stärken ihre freundschaftlichen Bande, ihre Gemeinschaft. Und das wirkt sich positiv auf ihre Arbeitsleistung aus.

    So argumentieren Psychologen der University of Missouri-Columbia in einer früheren Studie. Sie empfehlen sogar, nicht einmal in interkulturellen Szenarien darauf zu verzichten. Einem Kollegen aus China oder Indien will man ja nur ungern auf den Schlips treten, durch eine unsensible Geste oder Äußerung. Also verzichtet man ganz darauf. Falsch, meinen die Wissenschaftler.

    So beraubt man sich der Chance, zusammen zu lachen, Verbindendes herzustellen, wenngleich ein Risiko für Fettnäpfchen zweifellos besteht. Aber generell gilt wohl: Wer um die Wette strahlt, arbeitet besser zusammen.

  4. Es funktioniert immer und überall

    „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“ Eine Redewendung, an die sich oft gehalten wird. Wer einen Riesen-Stapel Dokumente auf dem Schreibtisch liegen hat, spart sich die Albernheiten für später auf. Hinterher ist man gelöst, befreit, empfänglich für Späße.

    Nein! Der Spaßfaktor ist vorher genauso groß wie hinterher, fanden US-Wissenschaftler heraus. Unser Vergnügen werde keineswegs durch die Aussicht auf eine anstrengende Aufgabe gemindert.

    Es macht also keinen Sinn, auf Spaß zu verzichten, um ihn zu einem späteren Zeitpunkt nachzuholen. Nach dem Motto: Erst hake ich hier meine Aufgaben ab, dann habe ich den Kopf frei, wir treffen uns in der Kaffeeküche und machen Quatsch zusammen.

    Unnötig! Sie können auch vor der Anstrengung herzhaft zusammen lachen.

    Und das wirkt sogar bis übers Büro hinaus. Macht der Beruf Spaß, fühlen wir uns auch nach Feierabend wohler. Das ist Common Sense, aber auch wissenschaftlich belegt.

    Mehr Freude im Arbeitsalltag, mehr Glück zuhause. Die richtige Work-Fun-Balance macht es.

14 Tipps, um mehr Spaß zu haben

14 Tipps, um mehr Spaß zu habenSpaß haben, ja gerne. Aber wie? Karrierebibel hat 14 Anregungen, um den Arbeitsalltag freudiger zu gestalten:

  • Kickertisch oder Tischtennisplatte aufbauen
  • Playstation spielen
  • Flipper aufstellen
  • Pokémon Go spielen
  • Kneipentour machen (nach Feierabend wohlgemerkt)
  • Schreibtisch dekorieren
  • Pizza bestellen
  • Eis holen
  • Yoga praktizieren
  • Bundesliga-Tippspiel organisieren
  • Whatsapp-Gruppe einrichten
  • Post-it-Nachrichten schreiben
  • Aprilscherze planen
  • Musik (kurzzeitig) laut aufdrehen
[Bildnachweis: YAKOBCHUK VIACHESLAV by Shutterstock.com]
11. August 2018 Autor: Sebastian Wolking

Sebastian Wolking ist Redakteur der Karrierebibel. Er hat Geschichte, Politikwissenschaften und Germanistik studiert und als Online-Redakteur gearbeitet. Sein Interesse gilt den Veränderungen des Arbeitsmarktes durch die digitale Revolution.

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