Definition: Was ist Ungewissheit?
Ungewissheit (Englisch: uncertainty) bezeichnet einen mentalen Zustand des Nicht-Wissens und der Unsicherheit über künftige Entwicklungen oder kommende Zustände. Sie beschreibt ein negatives Gefühl, bei dem zwar mögliche Szenarien bekannt sind, jedoch keine verlässlichen Informationen über die Eintrittswahrscheinlichkeit. Es ist ein Schwebezustand, bei dem der weitere Verlauf unklar ist. Unterscheiden sollten Sie allerdings zwischen:
- Gesunde Besorgnis
Auseinandersetzung mit einem realistischen Problem und Vorsorge mit Lösung. - Ungesunde Sorgen
Zukunftsängste und Spekulationen auf Basis von Gefühlen und vagen Annahmen.
Synonyme
Unsicherheit, Verunsicherung, Zweifel, Zwiespalt, Hader, Vorbehalte oder Bedenken.
Das Gegenteil ist Gewissheit, Sicherheit oder Wissen. Hierbei herrscht vollkommene Klarheit über die Entwicklung und die Zukunft.
Abgrenzung: Risiko vs. Ambiguität
In der Entscheidungstheorie wird häufig mit kalkulierbaren Risiken gerechnet. Bei Ungewissheit sind die Handlungsalternativen jedoch weder vollständig bekannt, noch lassen sich Wahrscheinlichkeiten mathematisch berechnen. Das führt psychologisch oft zu Orientierungslosigkeit oder Angst vor der Zukunft, weil diese ungewiss bzw. unbekannt ist. Hiervon abzugrenzen sind die Begriffe „Risiko“ und „Ambiguität“:
Begriff |
Bedeutung |
| Ungewissheit | Fehlende Informationen über die Zukunft, Ausgang ungewiss. |
| Risiko | Die möglichen Folgen sind bekannt, die Wahrscheinlichkeit lässt sich abschätzen. |
| Ambiguität | Die Informationen sind widersprüchlich oder mehrdeutig. Es gibt mehrere plausible Deutungen. |
Die Fähigkeit, mit widersprüchlichen oder mehrdeutigen Informationen umzugehen und diese auszuhalten, ohne gleich vorschnelle Schlüsse zu ziehen, heißt in der Fachsprache Ambiguitätstoleranz.
Unsicherheit vs. Ungewissheit
Ein Konzept zur Abgrenzung von Unsicherheit und Ungewissheit entwickelten Joseph Luft und Harry Ingham 1955 als Grundlage des Johari-Fensters. Populär wurde es jedoch 2002 als der damalige US-Verteidigungsminister Donald H. Rumsfeld in einer Pressekonferenz zwischen bekannten Unsicherheiten („known unknowns“) und unbekannten Unsicherheiten („unknown unknowns“) unterschied:
| Known Knowns Ich weiß, dass ich es weiß (z.B. Fakten) |
Known Unknowns Ich weiß, dass ich es nicht weiß (z.B. Risiken) |
| Unknown Knowns Ich weiß nicht, was ich weiß (z.B. unbewusstes Wissen) |
Unknown Unknowns Ich weiß nicht, dass ich es nicht weiß (z.B. Krisen) |
Beschreibung
Ungewissheit gehört zum Leben – auch wenn wir sie am liebsten vermeiden würden. Die meisten Menschen wünschen sich Sicherheit, Klarheit und Orientierung. Doch genau diese fehlen manchmal: Wir stehen vor einer wichtigen Entscheidung, aber kennen den Ausgang nicht und wissen nicht, welcher Weg der richtige ist. In solchen Momenten reagiert unser Gehirn und versetzt den Körper in erhöhte Alarmbereitschaft: Stresshormone (Cortisol) werden ausgeschüttet, das Herz schlägt schneller und die Aufmerksamkeit steigt. Gleichzeitig benötigt das Gehirn mehr Energie, um Informationen zu verarbeiten, Optionen abzuwägen und neue Lösungen zu entwickeln. Diese Reaktion ist jedoch vollkommen normal. Ungewissheit ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein natürlicher Zustand, der Sie dazu bringt, die Situation zu analysieren, Erfahrungen zu nutzen und passende Entscheidungen zu treffen. Richtig eingeordnet kann Ungewissheit sogar Ihre Anpassungsfähigkeit fördern und Ihnen helfen, bessere Strategien für unbekannte Situationen zu entwickeln.
Merkmale & Ursachen
Ungewissheit entsteht immer dann, wenn Informationen fehlen, die Zukunft vollkommen offen ist und Sie die Folgen Ihrer Entscheidungen nicht sicher einschätzen können.
- Offener Ausgang
Sie wissen nicht, wie sich eine Situation entwickelt. - Informationsmangel
Es fehlen wichtige Fakten oder verlässliche Daten. - Schwierige Entscheidungen
Mehrere Optionen erscheinen möglich, aber keine eindeutig richtig. - Kontrollverlust
Sie können den Verlauf nur begrenzt beeinflussen. - Innere Anspannung
Zweifel, Grübeln oder Nervosität nehmen zu. - Erhöhte Aufmerksamkeit
Sie beobachten Ihre Umgebung genauer und suchen nach Orientierung. -
Gravierende Veränderungen
Unbekannte Aufgaben oder ungewohnte Situationen – etwa ein Jobwechsel, Umzug oder eine neue Lebensphase.
-
Komplexe Situationen
Es gibt zu viele Einflussfaktoren und Zusammenhänge, die Sie nicht alle abschätzen oder überblicken können.
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Unvorhersehbare Ereignisse
Wirtschaftliche Krisen oder persönliche Schicksalsschläge, die Sie vor enorme Herausforderungen stellen.
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Plötzlicher Zeitdruck
Es müssen Entscheidungen getroffen werden, obwohl noch nicht alle Fakten bekannt sind. Widersprüchliche Aussagen erschweren zudem eine klare Einschätzung.
Typische Merkmale der Ungewissheit
Häufige Ursachen der Ungewissheit
Wie gut Menschen mit Ungewissheit umgehen können, ist unterschiedlich ausgeprägt. Manche psychologische Studien deuten darauf hin, dass sowohl genetische Veranlagung als auch Erziehung eine Rolle spielen. Etwa durch Überbehütung im Elternhaus. Wer Unsicherheit nur schwer erträgt, nimmt ungewisse Situationen häufig als bedrohlich wahr, unterschätzt die eigenen Bewältigungsfähigkeiten und versucht, jedes Risiko zu vermeiden. Diese sogenannte Intoleranz gegenüber Ungewissheit kann Ängste verstärken und den Handlungsspielraum erheblich einschränken.
Bedeutung
Je schlechter Sie mit Ungewissheit umgehen, desto stärker und negativer beeinflusst sie Ihr Denken und Handeln. Wird sie zum Dauerzustand, kann sie erhebliche Folgen haben: Ängste nehmen zu, weil Sie überall Risiken und Unsicherheiten wahrnehmen. Gleichzeitig fällt es schwerer, Entscheidungen zu treffen oder überhaupt ins Handeln zu kommen. Statt Chancen zu nutzen, vermeiden Sie mögliche Fehler und schließen Optionen vorschnell aus. Das führt häufig zu schlechteren Ergebnissen und verstärkt den Eindruck, die Kontrolle zu verlieren. Mit der Zeit können dadurch Selbstzweifel wachsen, das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten sinkt, und Sie trauen sich immer weniger zu.
Ungewissheit aushalten lernen – unsere Empfehlungen
Hand aufs Herz: Können Sie Ungewissheit wirklich aushalten? Stellen Sie sich vor, Sie bewerben sich auf Ihren absoluten Traumjob und warten auf die Antwort. Wie quälend empfinden Sie die Wartezeit, bis die erlösende Mail kommt? In der Psychologie gibt es einige Methoden, Tipps und Techniken, wie Sie lernen können, besser mit Ungewissheit umzugehen. Das sind aus unserer Erfahrung die besten Strategien:
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Akzeptieren Sie das Risiko
Ein besserer Umgang mit Ungewissheit beginnt mit der richtigen Einstellung zum Risiko. Lernen Sie, zu akzeptieren, dass es nie vollkommene Sicherheit oder eine Garantie gibt. Es bleibt immer ein Restrisiko. Unvorhergesehene Ereignisse lassen sich nunmal nicht einplanen. Statt jede Ungewissheit verhindern zu wollen, sollten Sie besser einen Plan B entwickeln. Der beruhigt zumindest etwas.
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Stärken Sie Ihr Selbstvertrauen
Die Angst vor der Ungewissheit ist immer auch eine Angst, mit unbekannten Situationen nicht umgehen zu können. Ein starkes Selbstvertrauen wirkt dem entgegen. Machen Sie sich Ihre Stärken und bisherige Herausforderungen, die Sie bereits erfolgreich gemeistert haben, erneut bewusst. Sie können das! Schon schrumpft das Ungewisse zum Zwerg.
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Denken Sie optimistischer
Ein gesundes Maß an Optimismus lässt Sie die Ungewissheit leichter aushalten. Denken Sie weniger pessimistisch und gehen Sie nicht vom Worst-Case-Szenario aus: In den meisten Fällen geht es besser aus, als Sie glauben. Machen Sie sich also keine Angst vor Dingen, die sowieso nicht eintreten.
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Verlassen Sie Ihre Komfortzone
Die eigene Komfortzone gibt Ihnen Sicherheit. Dort fühlen sich Menschen gut aufgehoben und geborgen. Dort lernen Sie jedoch auch nie den richtigen Umgang mit Ungewissheit. Um damit besser umgehen zu können, müssen Sie sich öfter aus der Komfortzone wagen – anfangs nur bei kleinen Herausforderungen. So merken Sie, dass die Welt da draußen gar nicht so angsteinflößend ist. Positive Erfahrungen sind ein wichtiger Schritt zu mehr Selbstsicherheit.
- Denken Sie nicht zu viel nach
Ungewissheit lässt sich ebenso in den Griff bekommen, indem Sie einfach ins kalte Wasser springen. Eine Art Schocktherapie mit schneller Wirkung: Wägen Sie nicht lange ab, sondern wagen Sie den ersten Schritt – spontan und aus dem Bauch heraus. Das fällt zu Beginn zwar schwer, stoppt aber die Handlungsunfähigkeit und das lähmende Gefühl einer ungewissen Zukunft unmittelbar.
Sprüche & Zitate
- „Das Leben zeichnet keine geraden Linien.“ – Unbekannt
- „Nichts ist so sicher wie die Ungewissheit.“ – Sprichwort
- „Wer Angst vor dem Fallen hat, lernt nie das Fliegen.“ – Sprichwort
- „Wenn nichts sicher ist, ist alles möglich.“ – Margaret Drabble
- „Man kann den Wind nicht ändern, aber man kann die Segel richtig setzen.“ – Aristoteles
- „Die Ungewissheit ist ein Zustand, der ungemütlich ist, aber Gewissheit ist ein Zustand, der lächerlich ist.“ – Voltaire
- „Die Zukunft hat viele Namen. Für die Schwachen ist sie das Unerreichbare. Für die Furchtsamen ist sie das Unbekannte. Für die Mutigen ist sie die Chance.“ – Victor Hugo
- „Die Angst vor der Ungewissheit ist oft größer als das, was die Ungewissheit am Ende bringt.“ – Unbekannt
- „Das Leben ist ein Abenteuer, das gelernt werden muss, und Ungewissheit ist der Preis, den wir für die Freiheit zahlen.“ – Unbekannt
- „Die Kunst des Lebens besteht mehr im Aushalten von Ungewissheiten als im Festhalten an Sicherheiten.“ – Unbekannt
- „Gehe nicht wohin der Weg führen mag, sondern gehe dorthin, wo kein Weg ist, und hinterlasse eine Spur.“ – Jean Paul
