Was ist Ungewissheit?
Ungewissheit bezeichnet einen Zustand, in dem wichtige Informationen fehlen und der Ausgang einer Situation offen ist. Sie wissen beispielsweise nicht, ob Sie eine Zusage bekommen, wie sich eine Beziehung entwickelt oder welche Folgen eine Entscheidung haben wird. Auf Englisch bedeutet Ungewissheit „uncertainty“.
Typisch für Ungewissheit ist fehlende Gewissheit über die Zukunft. Mögliche Entwicklungen lassen sich zwar durchspielen, aber nicht zuverlässig vorhersagen. Synonyme sind Unsicherheit, Verunsicherung, Zweifel oder Unbestimmtheit. Das Gegenteil von Ungewissheit ist Gewissheit bzw. Sicherheit.
Was ist der Unterschied zwischen Ungewissheit und Unsicherheit?
Die Begriffe werden im Alltag häufig synonym verwendet. Ungewissheit bezeichnet vor allem das objektive Nichtwissen: Wichtige Informationen fehlen oder die weitere Entwicklung ist unbekannt. Unsicherheit beschreibt zusätzlich das subjektive Gefühl, das daraus entstehen kann. Sie können also mit einer ungewissen Situation konfrontiert sein und trotzdem innerlich ruhig bleiben. Umgekehrt können Sie sich unsicher fühlen, obwohl objektiv bereits viele Informationen vorliegen.
Begriff |
Bedeutung |
| Ungewissheit | Der Ausgang oder die weitere Entwicklung ist nicht bekannt. |
| Unsicherheit | Fehlende Sicherheit oder das Gefühl, eine Situation nicht zuverlässig einschätzen zu können. |
| Risiko | Mögliche Folgen sind bekannt und ihre Wahrscheinlichkeit lässt sich zumindest abschätzen. |
Warum fällt uns Ungewissheit so schwer?
Menschen suchen nach Orientierung und möchten wissen, was sie erwartet. Ungewissheit verhindert genau das: Sie lässt mehrere Entwicklungen offen und erschwert die Vorbereitung darauf. Das beschäftigt unsere Gedanken und verleitet dazu, immer wieder nach neuen Informationen oder vermeintlicher Sicherheit zu suchen.
Besonders belastend wird Ungewissheit, wenn Ihnen das Ergebnis wichtig ist. Wer auf die Rückmeldung nach einem Vorstellungsgespräch wartet, denkt nicht deshalb ständig daran, weil er die Zukunft grundsätzlich nicht aushält. Die mögliche Zusage oder Absage hat konkrete Folgen. Je bedeutsamer das Ergebnis und je geringer der eigene Einfluss darauf, desto quälender wirkt häufig das Warten. Hinzu kommt ein psychologischer Unterschied: Manche Menschen tolerieren offene Situationen relativ gut, andere empfinden sie schnell als Bedrohung. Diese geringe Toleranz gegenüber Ungewissheit fördert Grübeln, Sorgen und den Versuch, möglichst jede Unsicherheit zu vermeiden.
Warum ist Ungewissheit manchmal schlimmer als eine Enttäuschung?
Eine Enttäuschung schafft zumindest Klarheit. Bei Ungewissheit bleibt dagegen offen, ob Sie hoffen, handeln, warten oder sich auf einen negativen Ausgang vorbereiten sollten. Genau dieser Schwebezustand hält die gedankliche Beschäftigung mit einer Situation aufrecht. Daher empfinden manche Menschen selbst eine unangenehme Gewissheit als erleichternder als langes Nichtwissen.
Wie kann ich Ungewissheit aushalten?
Ungewissheit lässt sich nicht vollständig beseitigen. Sie können aber beeinflussen, wie viel Raum Sie dem Nichtwissen geben und wie Sie darauf reagieren. Diese Strategien haben sich hierbei bewährt:
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Akzeptieren Sie das Nichtwissen
Versuchen Sie nicht, für jede offene Frage sofort eine Antwort zu finden. Manche Informationen stehen Ihnen schlicht noch nicht zur Verfügung. Erinnern Sie sich daran: „Ich weiß es im Moment nicht“ ist eine Beschreibung der Situation – keine Katastrophe.
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Trennen Sie Fakten von Befürchtungen
Fragen Sie sich, was Sie tatsächlich wissen und was Sie lediglich vermuten. Aus „Ich habe noch keine Antwort auf meine Bewerbung“ wird im Kopf schnell „Die wollen mich bestimmt nicht“. Der zweite Satz ist keine Information, sondern eine Interpretation.
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Konzentrieren Sie sich auf Ihren Einflussbereich
Überlegen Sie, was Sie jetzt konkret tun können. Sie können beispielsweise nach angemessener Wartezeit nachfragen, weitere Bewerbungen schreiben oder Informationen sammeln. Was außerhalb Ihres Einflusses liegt, lässt sich durch zusätzliches Grübeln nicht kontrollieren.
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Setzen Sie dem Grübeln Grenzen
Ständig E-Mails abzurufen, Nachrichten zu kontrollieren oder dieselben Szenarien durchzuspielen, schafft selten mehr Gewissheit. Legen Sie bewusst fest, wann Sie sich wieder mit dem Thema beschäftigen. Dazwischen richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf andere Aufgaben.
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Stärken Sie Ihr Selbstvertrauen
Ungewissheit verliert einen Teil ihres Schreckens, wenn Sie sich zutrauen, auch mit einem unerwünschten Ausgang fertigzuwerden. Erinnern Sie sich an frühere Situationen, in denen Sie mit Veränderungen oder Rückschlägen umgehen mussten. Selbstvertrauen bedeutet auch: Ich weiß nicht, was passiert – aber ich traue mir zu, darauf zu reagieren.
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Gewöhnen Sie sich an kleine Unsicherheiten
Sie müssen nicht jede Situation vollständig planen. Treffen Sie bewusst kleinere Entscheidungen ohne endlose Recherche oder probieren Sie gelegentlich etwas Neues aus. Solche Erfahrungen zeigen Ihnen, dass ein offener Ausgang nicht automatisch zu einem schlechten Ergebnis führt.
Was tun bei quälender Ungewissheit?
Fragen Sie sich zuerst: „Gibt es jetzt etwas, das ich tun oder klären kann?“ Falls ja, legen Sie den nächsten konkreten Schritt fest. Falls nein, bestimmen Sie einen Zeitpunkt, an dem Sie die Situation erneut prüfen. Bis dahin hilft weiteres Nachdenken nicht weiter. Wird die Ungewissheit dauerhaft so belastend, dass Ängste, Schlafprobleme oder der Alltag erheblich darunter leiden, sollten Sie sich professionelle Unterstützung suchen.
Wie treffe ich Entscheidungen trotz Ungewissheit?
Viele Entscheidungen müssen fallen, bevor alle Informationen vorliegen. Wer auf vollständige Gewissheit wartet, verschiebt deshalb Entscheidungen möglicherweise endlos. Stattdessen benötigen Sie eine ausreichende Entscheidungsgrundlage.
Prüfen Sie zunächst, welche Informationen wirklich noch fehlen. Sind diese beschaffbar und für die Entscheidung relevant, holen Sie sie ein. Sind sie nicht verfügbar, arbeiten Sie mit dem Wissen, das Sie haben. Vergleichen Sie anschließend die realistischen Optionen und fragen Sie sich, welche Folgen Sie jeweils tragen könnten. Ein Plan B hilft zusätzlich. Er garantiert keinen guten Ausgang, beantwortet aber die wichtige Frage: „Was mache ich, wenn es anders kommt als gehofft?“ Damit ersetzen Sie unmögliche Gewissheit durch konkrete Handlungsfähigkeit.
Ungewissheit im Job: Was hilft?
Eine ausstehende Bewerbung, eine mögliche Umstrukturierung oder die Frage nach einer Vertragsverlängerung lassen sich nicht durch Grübeln beschleunigen. Klären Sie deshalb, bis wann Sie mit einer Entscheidung rechnen können und wann eine Nachfrage sinnvoll ist. Gleichzeitig sollten Sie Alternativen offenhalten. Bewerben Sie sich beispielsweise weiter, statt sämtliche Hoffnungen auf eine einzige Zusage zu setzen. So gewinnen Sie Handlungsspielraum zurück, obwohl die endgültige Entscheidung noch aussteht.
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