Anruf vor Bewerbung: 5 Tipps und 5 gute Gründe

Ein Anruf vor der Bewerbung gilt als Geheimwaffe, um die Chancen der Jobsuche zu erhöhen. So rufen immer mehr Kandidaten in Personalabteilungen an, um ein kurzes Telefonat zu führen, bevor die Unterlagen eingereicht werden. Das Problem: Ein Anruf vor der Bewerbung ist nicht automatisch ein Pluspunkt. Falsch angegangen geht es sogar nach hinten los und mit dem Anruf hinterlassen Sie einen schlechten ersten Eindruck. Soll nicht heißen, dass Sie auf den Anruf verzichten müssen. Entscheidend ist, dass Sie den Anruf vor der Bewerbung gründlich vorbereiten und den richtigen Grund haben, um die Nummer des Personalers zu wählen…

Anruf vor Bewerbung: 5 Tipps und 5 gute Gründe

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Anruf vor Bewerbung: So können Sie profitieren

Klassischerweise beginnt ein Bewerbungsprozess mit dem Einreichen der Unterlagen, nachdem Sie eine passende Stellenanzeige gefunden haben. Mittlerweile setzen jedoch immer mehr Bewerber darauf, schon vorher beim Personaler anzurufen und einen ersten Kontakt herzustellen.

Der Gedanke ist simpel: Mit einem kurzen Anruf vor der Bewerbung stellen Sie sich beim Unternehmen vor und schon sind Sie im Rennen um die freie Stelle einige Plätze nach vorne gekommen. Klingt fast zu schön, um wahr zu sein, kann aber – unter Umständen – tatsächlich funktionieren.

Diese Vorteile kann ein Anruf vor der Bewerbung haben

  • Sie bringen Ihren Namen ins Spiel

    Mit einem vorherigen Anruf beim Personaler können Sie sich vorstellen und (hoffentlich) mit Ihrem Namen im Gedächtnis bleiben. In einem Stapel voller identischer Bewerbungsunterlagen, kann es ein großer Vorteil sein, wenn Ihr Gesprächspartner Ihren Namen wiedererkennt. So können Sie aus der Masse herausstechen und auf sich aufmerksam machen.

  • Sie haben einen Einstieg für die Bewerbung

    Beim Anschreiben stellt bereits der erste Satz oftmals die größte Hürde dar. Mit einem Anruf vor der Bewerbung haben Sie bereits eine gute Möglichkeit, um Ihr Schreiben zu beginnen. Beziehen Sie sich auf das freundliche Gespräch und betonen Sie, dass es Sie in Ihrem Wunsch, für das Unternehmen zu arbeiten, noch weiter bestärkt hat.

  • Sie können wichtige Fragen stellen

    Durch einen Anruf vor der Bewerbung können Sie zusätzliche Informationen einholen. Sollten Ihrerseits nach der gründlichen Lektüre der Stellenanzeige noch wichtige Fragen offen sein, sind Personaler die richtigen Ansprechpartner. Achten Sie darauf, dass es tatsächlich relevante Fragen und Informationen sind – vermeiden Sie es, nach offensichtlichen Dingen zu fragen oder Informationen zu erbitten, die leicht in der Ausschreibung oder auf der Unternehmenshomepage zu finden sind.

  • Sie verdeutlichen Ihr Interesse

    Richtig eingesetzt können Sie mit dem Anruf zeigen: Ich will diesen Job unbedingt! So können Sie Ihr Interesse und Ihre Motivation noch einmal verdeutlichen. Das unterstreicht den Gesamteindruck, den Sie mit Ihrer Bewerbung machen wollen.

Vorsicht: Nachteile beim telefonischen Erstkontakt

Bei all den Vorteilen sollten Sie sich dennoch gut überlegen, ob Sie zum Hörer greifen, um vor Ihrer Bewerbung anzurufen. Wenn es gut läuft, haben Sie Pluspunkte gesammelt. Allerdings kann sich dieser Effekt schnell ins Gegenteil drehen.

Personaler sind chronisch im Stress, haben immer viel zu tun und arbeiten an vielen Baustellen gleichzeitig. Natürlich gehört dazu auch, Anrufe von Bewerbern und potenziellen neuen Mitarbeitern anzunehmen. Stellen diese sich jedoch als reine Zeitverschwendung heraus, bleibt kein positiver Eindruck, sondern ein bitterer Beigeschmack. Wer scheinbar ohne Grund anruft oder minutenlang ins Telefon schweigt, weil ihm die Worte fehlen, kommt dem Traumjob nicht näher. Eins ist klar: Ein negativer Eindruck durch den Anruf vor der Bewerbung lässt sich nur schwer revidieren.

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Gute Gründe: Wann ist ein Anruf vor der Bewerbung sinnvoll?

Ein Anruf vor der Bewerbung darf nicht zum Selbstzweck verkommen. Mit der Einstellung „Das macht man jetzt so…“ oder „Ich habe gehört, es bringt einen Vorteil“ ist das Vorhaben meist zum Scheitern verurteilt. Als Grundregel gilt: Ihr Anruf vor der Bewerbung muss einen konkreten Grund und Anlass haben. Fehlt dieser, fällt das auch Ihrem Gesprächspartner auf. Überlegen Sie sich gründlich, warum Sie den Personaler sprechen wollen, bevor Sie zum Hörer greifen.

Gute Gründe und Fragen für den Anruf vor der Bewerbung

  • Aktualität

    Stellenanzeigen sind über einen langen Zeitraum zu finden – manchmal selbst dann noch, wenn die Position bereits besetzt wurde. Wenn Sie erst mit Verspätung auf einen möglichen Job aufmerksam geworden sind, ist es deshalb völlig legitim, am Telefon Ihr Interesse zu bekunden und nachzufragen, ob die Stelle noch frei ist.

  • Rückfrage zu Qualifikationen

    Sie bringen nicht zu 100 Prozent die Qualifikationen und Erfahrungen mit, die der Arbeitgeber als wünschenswert bezeichnet? Um sicherzugehen, dass Ihre Bewerbung trotzdem eine Chance hat, können Sie im Vorfeld nachfragen, Ihre Situation schildern und erfahren, ob sich die Bewerbung lohnt.

  • Details zum Arbeitsfeld

    Welche Verantwortungsbereiche umfasst die ausgeschriebene Position? Wo liegt der Schwerpunkt der Tätigkeit? Welche Ziele stehen im Vordergrund? Werden solche Informationen und Details nicht oder nicht ausreichend in der Stellenanzeige erläutert, können Sie am Telefon nachhaken.

  • Informationen für Ihre Entscheidung

    Bevor Sie Ihre Bewerbung einreichen, sollten Sie sicher sein, dass der Job zu Ihnen und Ihren Erwartungen passt. Benötigen Sie zusätzliche Informationen für diese Entscheidung, kann ein Anruf vor der Bewerbung sinnvoll sein. Sie können beispielsweise erfragen, ob es die Möglichkeit einer Home-Office-Regelung, ob die Stelle Schichtdienst beinhaltet oder mit wie vielen Dienstreisen Sie rechnen müssen.

  • Technische Schwierigkeiten

    Zahlreiche Unternehmen setzen heutzutage auf ein Online-Bewerbungssystem, über das Interessenten sich bewerben können. Gibt es hierbei technische Probleme, können Sie sich in jedem Fall telefonisch an den Personaler wenden. Dabei muss es sich jedoch wirklich um ein Problem handeln. Wer anruft, weil er nicht weiß, wie er seinen Lebenslauf hochlädt oder PDF Dateien zusammenfügt, schießt sich selbst ins Aus.

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Tipps für einen erfolgreichen Anruf beim Personaler

Zunächst einmal gilt: Wenn Sie aus gutem Grund vor der Bewerbung anrufen, gibt es keinen Grund zur Panik. Unternehmen sind auf Anfragen von Bewerbern eingestellt, während eines laufenden Bewerbungsprozesses rechnen Personaler damit, dass Kandidaten telefonisch nachfragen und Informationen einholen. Auf die leichte Schulter nehmen sollten Sie das Telefonat dennoch nicht. Die folgenden Tipps können Ihnen helfen, damit das Gespräch zum Erfolg wird.

  • Bereiten Sie sich gründlich vor

    Spontane Anrufe vor der Bewerbung sind keine gute Idee. Nehmen Sie sich Zeit, um das Gespräch vorzubereiten. Informieren Sie sich zunächst gründlich über die Stellenanzeige und die Homepage des Unternehmens. Fragen, die dann noch übrig bleiben, sollten Sie sich in einer kurzen Liste aufschreiben. So vergessen Sie aus Nervosität keine Punkte. Geht es im Gespräch um Qualifikationen für den Job, sollten Sie die wichtigsten Kompetenzen und Erfahrungen vorbereiten. Es ist gut möglich, dass Personaler hier nachfragen, um sich ein besseres Bild zu machen.

  • Wählen Sie einen guten Zeitpunkt

    Im besten Fall erwischen Sie den Personaler, wenn er gerade einige Minuten Zeit für ein Gespräch mit Ihnen entbehren kann. Ganz genau können Sie dies natürlich nie wissen, doch finden Meetings meistens zu Wochenbeginn und vormittags statt. Hier ist Ihr Gesprächspartner möglicherweise im Stress und hat weniger Zeit, auf Ihre Fragen einzugehen. Kurz vor Feierabend ist ebenfalls ein schlechter Zeitpunkt. Besser ist es, wenn Sie nach der Mittagspause am frühen Nachmittag Ihr Glück versuchen. Wichtig ist trotzdem, dass Sie unbedingt nachfragen, ob Ihr Gesprächspartner gerade Zeit für Sie hat oder ob Sie zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal anrufen sollen.

  • Fassen Sie sich kurz

    Ewig langes Ausholen und Geschwafel hat bei einem Anruf vor der Bewerbung nichts zu suchen. Nachdem Sie sich vorstellen und kurz den Grund für Ihren Anruf genannt haben, sollten Sie direkt zum Punkt kommen.

  • Bleiben Sie stets freundlich und professionell

    Der Anruf vor der Bewerbung ist der erste Eindruck, den Sie beim Unternehmen hinterlassen. Entsprechend sollten Sie während des gesamten Gesprächs freundlich und professionell sein. Das beginnt mit der ersten Nachfrage, ob Ihr Gesprächspartner gerade Zeit für einige Fragen hat und endet mit einem herzlichen Dankeschön am Ende des Telefonats. Wichtig ist zudem, dass Sie aufmerksam zuhören und den Gesprächspartner ausreden lassen. Wer nur die Hälfte versteht oder dem anderen ins Wort fällt, macht keinen guten Eindruck.

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Sonderfall Initiativbewerbung: Trotzdem anrufen?

Bei einer Initiativbewerbung schicken Sie Ihre Unterlagen an Unternehmen und Personalabteilungen, obwohl diese gerade keine Stellenanzeige veröffentlicht haben. Auf der einen Seite gibt es somit umso mehr Fragen, die noch zu klären sind – andererseits fehlt ein konkreter Job, zudem Sie Informationen benötigen könnten. Stellt sich die Frage: Ist ein Anruf vor der Bewerbung sinnvoll, wenn Sie sich initiativ bewerben? In den meisten Fällen lautet die Antwort: Nein!

Indem Sie anrufen, Ihr Interesse an einem Job beim Arbeitgeber bekunden und nachfragen, ob gerade Stellen frei sind, umgehen Sie den Zweck einer Initiativbewerbung. Ohnehin wird die Antwort auf die Frage „Suchen Sie gerade jemanden mit meinen Qualifikationen?“ ein „Nein“ sein – ansonsten gäbe es eine entsprechende Stellenanzeige. Besser ist es deshalb, die Unterlagen der Initiativbewerbung ohne vorherigen Anruf einzureichen.

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[Bildnachweis: g-stockstudio by Shutterstock.com]

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Bewerbungsvorlagen
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7. November 2020 Nils Warkentin Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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