Geschäftsessen: Alle Tischmanieren und Knigge-Regeln

Bei keinem anderen Bereich assoziieren die Menschen so stark gutes Benehmen wie bei Tisch (und bei Geschäftsessen). Tischmanieren haben die größte Außenwirkung, gelten als Indiz für Noblesse und eine gute Kinderstube – und sind zugleich ein häufiger Stolperstein. Sowohl für Bewerber als auch für Geschäftspartner sind gute Manieren von besonderer Bedeutung. Gefürchtet ist dabei das Hummeressen (zu Unrecht), unterschätzt werden regelmäßig Spaghetti (reines Knigge-Kamikaze) und selbst eine profane Suppe wird manchem zum Verhängnis. Muss aber nicht: Die wichtigsten Tischmanieren haben wir hier als Knigge-ABC für Geschäftsessen für Sie zusammengefasst. Diese Benimmregeln sollte wirklich jeder kennen und beherrschen…

Geschäftsessen: Alle Tischmanieren und Knigge-Regeln

Definition: Wann redet man von einem Geschäftsessen?

Definition: Wann redet man von einem Geschäftsessen?Wann wird ein Essen zum Geschäftsessen? Die wohl einfachste Definition für ein Geschäftsessen lautet: Immer wenn es sich um eine dienstliche Einladung handelt und ein Vorgesetzter oder Geschäftspartner anwesend ist, handelt es sich um ein Geschäftsessen.

Dabei ist es unerheblich, ob dieses Treffen im Rahmen einer Verhandlung im Restaurant, bei einer Betriebsfeier, bei einem Vorstellungsgespräch oder Assessment Center vorkommt (was tatsächlich passiert). Selbst die Einladung beim Chef zuhause zählt noch dazu. Die Anlässe können variieren – die Etikette-Regeln und Verhaltensgrundsätze aber bleiben.

Falls Sie das Geschäftsessen später beim Finanzamt anmelden und von der Steuer absetzen wollen, gelten indes drei formale Voraussetzungen für ein Geschäftsessen, das als solches auch anerkannt wird:

  • Geschäftlicher Anlass: Wenn Sie sich geschäftlich zum Essen verabreden, verfolgen Sie einen Zweck: Sie wollen partnerschaftliche Pläne schmieden oder einen Vertrag abschließen. Kurz: Der Anlass „Geschäftsessen“ reicht auf dem Bewirtungsbeleg nicht. Der Zweck der Bewirtung muss als ein wirtschaftlicher erkennbar sein – etwa: „Besprechung über mögliche Zusammenarbeit bei XYZ“.
  • Betriebsfremde Personen: Für ein Geschäftsessen müssen im Restaurant externe Geschäftspartner anwesend sein. Zum Beispiel: andere Unternehmer, Dienstleister, Freiberufler, Behördenvertreter, Journalisten und Blogger, sogar Steuerberater. Mitarbeiter zählen aber nicht dazu – das wäre eine Mitarbeiterbewirtung und die ist nicht steuerfrei. Sie brauchen also – wie es im juristischen Fachjargon heißt – mindestens eine betriebsfremde Person mit am Tisch, mit der Sie Geschäfte machen wollen.
  • Korrekter Bewirtungsbeleg: Um das Geschäftsessen absetzen zu können, brauchen Sie natürlich noch eine Rechnung. Dieser sogenannte Bewirtungsbeleg ist zwingend erforderlich. Dort werden auch der Anlass, die bewirteten Personen und das Datum genannt. Auch das Trinkgeld sollten Sie dort aufführen, denn es ist ebenfalls steuerlich absetzbar.

Sind alle drei Grundvoraussetzungen erfüllt, laut § 4 Abs. 5 Nr. 2 des Einkommensteuergesetzes 70 Prozent der Bewirtungskosten absetzen. Hinzu kommt die gesamte Vorsteuer. Sie ist voll abzugsfähig.

Tischmanieren: Erfolg dank gutem Benehmen bei Tisch

Wer beruflich erfolgreich sein will, braucht gute Manieren. Unternehmen nutzen solche Umgangsformen, um sich im Vertrieb und Service von der Konkurrenz abzuheben. Bei Bewerbern wiederum können gute Umgangsformen den Ausschlag geben, besonders in gehobenen Positionen und wenn die fachliche Kompetenz aller Kandidaten relativ ähnlich ist.

Schließlich gilt: Wer sich rücksichtsvoll, kultiviert und offen im Vorstellungsgespräch oder bei einem (simulierten) Geschäftsessen zeigt, ist auch hinterher im Job und gegenüber Kunden kein Egomane.

Adolph Freiherr Knigge schrieb „Über den Umgang mit Menschen“ als Anleitung seinen Mitmenschen mit Respekt und Toleranz zu begegnen. Zwar seien selbst die klügsten Köpfe nicht vor gesellschaftlichen Fauxpas gefeit. Doch gerade deshalb seien gute Manieren eine hohe Kunst.

Gerade diesen guten Umgang mit Menschen kann man lernen. Wobei wir uns in diesem Artikel speziell auf die Tischmanieren beim Geschäftsessen konzentrieren wollen. Als Orientierung dienen dafür unterschiedlichste Benimm- und Knigge-Regeln. Diese zu kennen, hilft Ihnen, formvollendet aufzutreten und Fettnäpfchen souverän zu umschiffen.

Knigge-Test: Können Sie Geschäftsessen?

Tischmanieren Knigge TestBevor wir mit den Tischmanieren beginnen aber noch ein kleiner Selbsttest: Wie fit sind Sie im Bereich Geschäftsessen? Kennen Sie die „20 nach 4 Stellung“ und wissen Sie, wie man ein Weinglas richtig hält?

Testen Sie Ihr Wissen und Ihre guten Tischmanieren! Die Auflösung zu diesem Geschäftsessen-Quiz finden Sie am Ende des Tests. Viel Spaß…

Welches Restaurant ist immer eine sichere Wahl für ein Geschäftsessen?
  • Der Asiate. Exotische Küche kommt bei den Gästen immer gut an. Es zeigt, wie weltmännisch Sie sind.
  • Der gehobene Italiener. Mit Risotto und Tiramisu kann man beim Geschäftsessen nichts falsch machen.
  • Das gut bürgerliche Wirtshaus. Gute Hausmannskost macht satt und ist lecker.
Wie wird Suppe richtig gegessen?
  • Sie tunken Ihr Brot in die Suppe, schlürfen und pusten.
  • Sie beugen den Kopf leicht nach vorne, damit nichts aufs Hemd tropft.
  • Sie führen den Löffel mit der Spitze zuerst zum Mund.
Welches Hauptgericht wählen Sie?
  • Spaghetti. Mit Nudeln kann man nichts verkehrt machen. Sie sind günstig und schmecken gut.
  • Risotto. Risotto ist abwechslungsreich und es lässt sich unfallfrei essen.
  • Fisch. Der ist gesund, und es macht beim Geschäftsessen einen guten Eindruck, wenn Sie einen teuren Fisch wählen.
Wie hält man das Weinglas richtig?
  • Weingläser werden immer am Stiel gehalten. Dann entstehen keine Fingerabdrücke.
  • Weingläser werden am Kelch gehalten. Dann hat man einen sicheren Griff.
  • Es ist völlig egal, wo das Glas gehalten wird. Das darf jeder selbst entscheiden.
Nach welchen Kriterien wählt man den Wein beim Geschäftsessen aus?
  • Nach der Faustregel: Weißer Wein zu weißem Fleisch und roter Wein zu roten Fleisch.
  • Nach dem Preis. Man wählt den teuersten Wein auf der Karte.
  • Nach Geschmack. Erlaubt ist, was schmeckt.
Sie haben versehentlich das eigene Weinglas umgestoßen. Nun läuft der Wein quer über den Tisch und auf die Hose des Kollegen. Wie verhalten Sie sich?
  • Sie springen auf, greifen Ihre Serviette oder die Taschentücher in Ihrer Jackentasche und beginnen über den Tisch zu wischen und den Rotweinfleck zu entfernen. Dabei entschuldigen Sie sich überschwänglich für das Missgeschick.
  • Sie bitten die Bedienung Ihnen zu helfen, das Missgeschick zu beseitigen. Sie entschuldigen Sie bei Ihrem Kollegen und bieten an, die Kosten für die Reinigung zu tragen.
  • Sie schauen verschämt zu Boden und warten bis der Gastgeber der Bedienung Bescheid gibt.
Bei dem Geschäftsessen wird ein 3-Gänge-Menü aufgetischt. Auf dem Tisch liegt viel Besteck. Welches Besteck verwenden Sie?
  • Sie arbeiten sich von außen nach innen.
  • Sie arbeiten sich von innen nach außen.
  • Sie verwenden für jeden Gang das gleiche Besteck.
Wie kleiden Sie sich zu einem Geschäftsessen?
  • So wie Sie auch ins Büro kommen würden: Sakko und Hemd oder Blazer und Bluse.
  • Anzug und Krawatte oder ein Kostüm sind ein Muss.
  • Mit einem legeren Kleidungsstil ist man immer gut beraten.
Sie sind zu früh im Restaurant und setzen sich schon an den Tisch. Der Kellner bringt die Karte. Wie verhalten Sie sich?
  • Sie bestellen ein Wasser, um die Zeit zu überbrücken.
  • Sie bestellen sich einen Kaffee, um fit zu sein, wenn die anderen eintreffen.
  • Sie lehnen dankend ab und warten bis alle Gäste anwesend sind.
Sie möchten während des Geschäftsessens die Toilette aufsuchen. Was machen Sie mit der Serviette?
  • Sie lassen diese auf Ihrem Stuhl liegen.
  • Sie legen diese links neben den Teller.
  • Sie nehmen die Serviette mit auf die Toilette.
Wie prostet man sich richtig zu?
  • Nach dem Motto hoch die Tassen nimmt man, was man gerade zur Hand hat und scheppert beherzt mit den Gläsern aneinander.
  • Sie rufen „Prost zusammen“ und stoßen dann mit jedem Reih um an.
  • Sie heben Ihr Glas nur leicht an und nicken den anderen zu.
Worüber unterhält man sich während des Essens?
  • Sie diskutieren über die Qualität des Essen, Erfahrungen auf Geschäftsreisen und Hobbys.
  • Sie sprechen über die Arbeit.
  • Sie diskutieren die aktuelle politische Lage im Ausland.
Wann wird übers Geschäft gesprochen?
  • Sobald sich alle gesetzt und etwas zu trinken haben, geht es ums Geschäft. Zeit ist bekanntlich Geld.
  • Sie warten bis sich die passende Gelegenheit bietet. Der genaue Zeitpunkt spielt dabei keine Rolle.
  • Erst nach dem Dessert wird über Geschäftliches gesprochen. Auch wenn es Geschäftsessen heißt: Vorher betreibt man Smalltalk.
Wie signalisieren Sie dem Servicepersonal, dass Sie aufgegessen haben und abgeräumt werden kann?
  • Sie legen Ihr Besteck in der 20 nach 4 Stellung auf den Teller. Gabel und Messer liegen dabei parallel zueinander.
  • Sie legen Ihr Besteck in der 20 nach 8 Stellung. Die Gabel ist auf acht Uhr und das Messer auf vier Uhr.
  • Sie legen Ihre Serviette auf den Teller.
Wie signalisieren Sie dem Kellner, dass Sie gerne zahlen möchten?
  • Sie räuspern sich oder husten laut, damit der Kellner auf Sie aufmerksam wird.
  • Sie rufen: „Herr Ober, die Rechnung bitte“.
  • Sie suchen den Blickkontakt mit dem Kellner, warten bis dieser an den Tisch kommt und teilen ihm dann mit, dass Sie gerne zahlen würden.


Auflösung zum Geschäftsessen-Knigge

Die Auflösung zum Quiz finden Sie HIER im PDF zum kostenlosen herunterladen.

Tischmanieren ABC: Manieren offenbaren sich in Kleinigkeiten

Gleich vorweg: Ein Geschäftsessen unterscheidet sich von einem lockeren Beisammensein mit Freunden kolossal. Hier geht es wesentlich förmlicher zu – immerhin ist das Business-Essen immer auch ein Werben um Vertrauen und eine künftige oder anhaltende Geschäftsbeziehung. Ein misslungenes Geschäftsessen hingegen kann sich von ein paar Peinlichkeiten und Etikette-Fehlern bis hin zu einem wirtschaftlichen Fiasko entwickeln.

Damit Ihnen das beim nächsten Geschäftsessen nicht passiert, sollten Sie die folgenden Knigge-Tipps (in Form eines ABC) mindestens im Hinterkopf behalten…

  • Alkohol: Mittrinken oder richtig ablehnen?

    Grundsätzlich gilt: Alkohol darf immer ohne Angabe von Gründen abgelehnt werden. Der Gastgeber kann sogar Alkohol ausschenken und selbst Wasser trinken. Kein Fauxpas.

    Wird vor dem Essen ein Aperitif gereicht, wird dieser nicht mit an den Tisch genommen, das erledigen Kellner. Die eingedeckten Gläser am Tisch werden von rechts nach links verwendet, Besteck von außen nach innen. Alle Gläser werden am Stiel angefasst oder im unteren Drittel und nur bis zu einem Drittel eingeschenkt.

  • Bouillon: Nie den Löffel pusten!

    Suppen sind echte Manieren-Minen. Die Grundregeln: nicht pusten, nicht schlürfen, nicht mit dem Brot tunken und den Löffel nur mit der Spitze zum Mund führen. Die Frage, ob Suppenreste ausgetrunken werden dürfen, entscheidet der Inhalt: Cremesuppen sowie Suppen mit Einlagen werden ausschließlich gelöffelt, klare Brühen hingegen dürfen auch getrunken werden. Sie werden in der Regel in einer Suppentasse (mit Henkel) serviert.

    Übrigens: Zum Auslöffeln den Suppenteller nie schräg stellen – auch wenn die Suppe noch so lecker war.

  • Couvert-Brot: Abbrechen und bestreichen!

    Es ist heute Sitte, vor dem Essen Brot zu reichen. Das ist aber keine Vorspeise, sondern eine Beilage zur Vorspeise. Dazu steht meist auch ein kleiner Teller und ein kleines Messer auf dem Tisch.

    Achtung: Das sogenannte Couvert-Brot wird nur gebrochen und nie wie eine ordinäre Stulle im Ganzen mit Butter bestrichen und dann gegessen. Allein richtig ist, das Brot in mundgerechte Happen zu brechen, jedes Stück einzeln zu bestreichen und mit der linken (!) Hand zu essen.

  • Drängeln: Stolperfallen am Buffet.

    Zu vielen Anlässen werden die Speisen heute an Buffets gereicht. Das garantiert eine große Auswahl und ermöglicht den Gästen, nur das zu essen, worauf sie Appetit haben. Allerdings lauern auch hier einige Stolperfallen: Drängeln, insbesondere bei einem Geschäftsessen oder einer Betriebsfeier ist tabu. Ebenso das Überhäufen von Tellern (ganz schlimm: Antipasti-Vorspeisen neben dampfenden Sauerbraten) – lieber öfter gehen.

    Auch Suppe darf wiederholt genommen werden. Als stillos gilt indes das Naschen am Buffet sowie das Lästern über die aufgebauten Speisen. Wenn schon Smalltalk, dann bitte nur Launiges, Lustiges, Verbindendes.

  • Espresso: Der richtige Zeitpunkt für den Kaffee.

    Klingt banal, wird aber in besseren Kreisen gerne zum Fauxpas: Heiße Getränke, die in Tassen nach dem Essen gereicht werden, dürfen erst serviert werden, wenn alle Besteckteile (Messer, Gabel, Teller & co.) abgeräumt sind. Allenfalls wenn vorher noch ein Digestif serviert wurde, darf dieser zum Espresso, Kaffee oder Mokka stehenbleiben.

    Sektgläser bleiben ebenfalls unangetastet. Und bitte beim Trinken nie den kleinen Finger abspreizen – affektiert.

  • Fisch: So wird er richtig gegessen.

    Bei Geschäftsessen gerne als Benimmfalle geschmäht. Ist aber ganz einfach: Wird der Fisch im Ganzen serviert, werden zuerst Flossen entfernt, dann mit dem Fischmesser von Kopf bis Schwanz die Filets geteilt, der Fisch aufgeklappt und die Gräten in einem gelöst. Sie kommen auf einen Extrateller. Bei Forellen nicht die Bäckchen (liegen hinter den Kiemen) vergessen. Delikatesse!

    Geräucherter Fisch dagegen wird mit normalem Besteck gegessen. Ebenso Hähnchen. Nur wenn es nicht anders geht, darf man bei Geflügel die Hände hinzuziehen. Bitte danach Fingerschale benutzen. Apropos Fingerfood: Artischocken, Austern, Canapés, Garnelen, Muscheln, Spareribs, Wachteln dürfen ebenfalls mit den Fingern gegessen werden.

  • Getränke: Den richtigen Wein auswählen.

    Die alte Regel – weißes Fleisch, weißer Wein; rotes Fleisch, roter Wein – ist überholt. Erlaubt ist heute, was schmeckt. Zum ersten Schluck jedoch fordert allein der Gastgeber auf (bei Geschäftsessen der, der später zahlt). Solange bitte warten.

  • Hummer: Ein Klassiker beim Geschäftsessen.

    Richtiges Hummeressen ist ebenfalls ein gefürchteter Klassiker – auch zu unrecht: Zum klassischen Hummeressen werden in der Regel rote Servietten gereicht, die auch in den Hemdkragen gestopft werden dürfen (rot, weil sich eventuelle Flecken aus hellen Stoffen nur schwer entfernen lassen). Zum Essen dürfen Scheren und Beine in die Hand genommen werden. Das Scherenfleisch wird mit den Zacken der Hummergabel herausgezogen, der Rest mit Messer und Gabel des Menübestecks gegessen.

    Die Hummerzange dient nur für den Fall, dass der Koch den Lobster noch nicht die Zangen geknackt hat. Hummer wird übrigens immer mit einem Extrateller für die leeren Schalen serviert. Am Ende gibt es ein Schälchen mit Zitronenwasser, in dem man sich die Finger säubern kann.

  • Interaktion: Smalltalk statt Smartphone.

    In Deutschland gibt es inzwischen mehr Handys als Einwohner. Die Wahrscheinlichkeit ist also groß, dass jeder der Gäste eines in der Tasche hat. Zum Business-Essen werden diese aber bitte abgeschaltet, mindestens auf Vibrationsalarm umgeschaltet. In guten Restaurants kann man sie auch beim Oberkellner hinterlegen, der einen dann ruft, falls man angerufen wird.

    Grob unhöflich wäre es, das Telefon neben den Teller zu legen. Das sagt: Der mögliche Anruf ist mir wichtiger als mein Gegenüber.

  • Jungbrunnen: Zum Schminken bitte zurückziehen.

    Die Außenwirkung ist heute ein wesentlicher Baustein für die Karriere. Gepflegte Kleidung, Hände und Haare gehören zu gutem Stil dazu. Bei Frauen ebenso wie bei Männern. Allerdings ist es laut Knigge eine Unsitte, sein Make-up bei Tisch aufzufrischen, den Lippenstift nachzuziehen oder die Augen zu tuschen. Dazu zieht sich frau stets diskret in die Waschräume zurück.

  • Karte: Visitenkarten richtig würdigen.

    Hier geht es nicht um die Speise-, sondern um die Visitenkarte. Die wird auf keinen Fall ungelesen weggesteckt. Besser: Drei Sekunden überfliegen und auf eventuell vorhandene Titel achten, die mündlich nicht vorgestellt wurden. Erwähnen! Das freut jeden. Bei einem Treffen übergibt der Gast als Erster seine Karte – in Gruppen und beim Geschäftsessen erhält sie zuerst der Ranghöchste.

    Ist eine Hierarchie nicht erkennbar, werden die Karten der Reihe nach verteilt, beginnend mit der Ihnen nächsten Person. Natürlich überreichen Sie nur saubere und aktuelle Karten. Haben sich Adresse oder Durchwahl geändert, sollte man spätestens eine Woche danach neue Karten haben.

  • Liegenschaften: Besteckcodes bei Tisch

    Die Lage des Essbestecks ist zugleich ein Code für das Servicepersonal. Die sogenannte 20-nach-8-Stellung (Gabel auf 8 Uhr, Messer auf 4 Uhr) sagt, dass Sie eine Pause machen; die 20-nach-4-Stellung (Messer und Gabel liegen parallel auf 4 Uhr) dagegen bedeutet: „Ich bin fertig“. Andere angebliche Codes gehören ins Reich der Mythen. Eine reale Regel, die jedoch kaum beachtet wird: Einmal aufgenommen, darf das Besteck die Tischdecke nicht mehr berühren.

    Geschäftsessen Besteck Codes Grafik

  • Malheur: Fehler können passieren.

    Das kann passieren: Sie stoßen ein Weinglas um, kleckern dem Nachbarn auf den Schoß, Brot fällt zu Boden. Alles kein Desaster – solange Sie kein Aufheben darum machen. Bitten Sie diskret den Kellner heran, der die Spuren beseitigt.

    Ist Ihr Nachbar in Mitleidenschaft gezogen, bitten Sie ihn formvollendet um Entschuldigung und bieten an, für etwaige Reinigungskosten aufzukommen. Sind Sie selbst betroffen, ziehen Sie sich mit einer Entschuldigung auf die Toilette zurück und trocknen dort Ihre Kleidung – nicht bei Tisch! Und für die Zuschauer gilt: Großzügig darüber hinwegsehen, nicht kommentieren.

  • Niesen: Sagt man noch „Gesundheit“?

    Nieser unterscheiden sich in zwei Gruppen: die Unterdrücker und die Windmaschinen. Egal zu welchem Hatschi-Typ Sie gehören – wenden Sie sich dabei ab. Besser noch Sie benutzen ein Taschentuch. Ansonsten bitte immer die linke Hand. Mit der Rechten geben Sie vielleicht später noch jemandem die Hand. In einigen Kulturen (zum Beispiel arabischer Raum, Indien) gilt die Rechte als besonders rein, nur mit ihr wird gegessen. Wer vorher reinniest, könnte genauso gut ins Essen spucken.

    Haben Sie bei Tisch eine Niesattacke sowie links und rechts Tischnachbarn, dann rucken Sie mit dem Stuhl etwas zurück und niesen ebenfalls nach links (wegen der linken Hand). Danach entschuldigen Sie sich kurz und leise. „Gesundheit!“ wird übrigens nicht mehr gewünscht. Husten wird ja auch nicht kommentiert.

  • Ovationen: Wer grüßt wen zuerst?

    Die entscheidende Frage bei Geschäftsessen und den gegenseitigen Aufwartungen: Wer trifft wen wo?

    • Privat: Hier grüßt immer der, der dazukommt oder den anderen zuerst sieht.
    • Geschäftlich: Hier zählt allein die Hierarchie.

    Allerdings sollten sich bei Empfängen immer diejenigen zuerst begrüßen und die Hand geben, die sich kennen – also nicht zwangsläufig der Dame zuerst. Danach stellt der Rangniedrigere seine Begleitung vor, was daraufhin der Ranghöhere ebenfalls mit seiner Begleitung macht.

    Jetzt sind alle mit einander bekannt und können sich gegenseitig die Hand geben. NIE schütteln! Ein sanfter Druck von ein bis drei Sekunden reicht. Und sehen Sie dem anderen dabei in die Augen.

    Begruessung Anleitung Grafik Handschlag

  • Prosten: Richtig anstoßen.

    Bei fast jedem Fest, jedem Aperitif lassen Gäste gerne Gläser zusammenscheppern und sprechen ein Hoch aus. Ein schöner, alter Brauch – aber häufig unangebracht. Nur mit Wein, Champagner oder Sekt wird angestoßen (Ausnahme: Bier bei Volksfesten). Nicht aber mit Longdrink-, Milchkaffeegläsern oder gar Tassen. Bei Geschäftstreffen und Geschäftsessen wird heute meist sogar ganz darauf verzichtet. Vornehmer ist sowieso, das Glas lediglich anzuheben, sich zuzunicken und zuzuprosten. Und dabei immer Blickkontakt halten: Cheers!

  • Quittung: Wer zahlt die Rechnung beim Geschäftsessen?

    Wenn Sie im Restaurant die Rechnung möchten, rufen Sie bitte nicht „Herr Ooober…!“ Blickkontakt reicht. Besser noch Sie begleichen die Rechnung vom Tisch entfernt, sodass Ihre Gäste davon nichts mitbekommen.

    Trinkgeld (engl. „Tip“: to improve promptness) bekommen nur Angestellte, nie der Besitzer (gilt auch für Restaurant, Friseur, Taxi). Zehn Prozent sind inzwischen üblich, im Ausland besser 15 Prozent.

  • Rede: So bringen Sie einen Toast aus.

    Wer eine Tischrede halten will, hat mindestens zwei Tage vorher den Gastgeber darüber zu informieren. Der legt dann eine bestimmte Reihenfolge fest und teilt sie den Rednern sowie Küche und Personal mit. Während der Rede wird weder serviert, nachgeschenkt, gegessen, getrunken, noch das Gespräch mit dem Tischnachbarn fortgesetzt. Stegreif- oder Tischreden werden deshalb meist erst zwischen Hauptgang und Dessert gehalten. Dann sind alle satt.

    Reden sollten nicht länger als 10 Minuten dauern, Gäste sind durstig. Die Begrüßungsrede steht allein dem Gastgeber zu. Sie wird beim Aperitif im Stehen gehalten oder unmittelbar nach dem Servieren der ersten (kalten) Vorspeise. Dazu erhebt sich der Gastgeber vom Stuhl und wartet, bis die Gäste ruhig geworden sind. Nicht ans Glas klopfen – unfein. Das gilt erst recht für übereifrige Tischnachbarn. Blickkontakte sind souveräner.

    Nach der Begrüßung darf maximal eine Rede folgen. Sie wird üblicherweise von der ranghöchsten Person an der Tafel gehalten – oder vom Ehrengast. Inhaltlich ist alles erlaubt, was keinen der Anwesenden kritisiert und alle erheitert. Bei einem Businesslunch ist zudem ein Lob des Geschäftspartners wichtig.

    Etwas anders sieht die Etikette für einen Trinkspruch (englisch: „Toast“) aus. Der darf immer wieder mal ausgerufen werden – meist um sich gegenseitig Gesundheit oder eine erfolgreiche Partnerschaft beziehungsweise ein gutes Geschäft zu wünschen.

  • Serviette: Mehr als ein Abwischtuch.

    Die Serviette wird ausgebreitet und einmal gefaltet stets auf den Schoß gelegt. Ausnahme: Hummer- oder Krebsessen. Hier darf sie um den Hals gebunden werden. Sollte der Stoff während des Essens versehentlich zu Boden fallen, bitten Sie das Personal, Ihnen eine neue zu geben. Nicht aufheben!

    Wer kurz aufstehen muss, legt die Serviette locker zusammen, links neben den Teller (amerikanisch: auf den Stuhl, gilt hierzulande allerdings als unhygienisch). Der Gastgeber deutet mit derselben Geste an, dass das Essen beendet ist. Bis dahin lassen die Gäste die Serviette auf ihrem Schoß. Danach legen sie diese ebenfalls links neben den Teller – nicht auf den Teller und auch nicht gefaltet unter das Besteck.

  • Tischgespräche: Die Kunst des Smalltalk.

    Vor allem international ist das lockere Parlieren Geschäftsgrundlage. Wer sich so unverbindlich austauscht, lernt sich kennen, betont Gemeinsamkeiten, schafft eine gute Atmosphäre. Das ist das ganze Geheimnis und zugleich der Leitfaden für mögliche Themen: Ein erster Einstieg können Gespräche rund um den Ort sein, an dem man sich trifft. Alternativ eignen sich auch der Anlass, das Essen, die Zusammenstellung des Menüs sowie die Qualität der Getränke. Alle Bemerkungen müssen aber stets positiv sein!

    Weitere Einstiege sind gemeinsame Bekannte, Kunst, Musik, besuchte Städte in aller Welt, Urlaubs- oder Geschäftsreisen, Speisen und Getränke, Sport, TV-Sendungen und Hobbys. Notfalls auch das Wetter. Tabu sind dagegen Kritik, selbst wenn sie Dritte betrifft, politische, religiöse und andere weltanschauliche Diskussionen sowie Gespräche über Krankheiten, Gebrechen und Tod.

  • Unpünktlichkeit: Die Gebote der Höflichkeit.

    Höfliche Menschen sind pünktlich. Auch Chefs, die ihren Rang gerne mal damit dokumentieren, dass alle anderen auf sie warten müssen. Überpünktlichkeit ist bei einer Einladung jedoch genauso unhöflich. Meist wird noch bis zum letzten Moment vorbereitet.

    Bei Veranstaltungen mit freier Platzwahl wirkt es zudem unsouverän und gierig, zu früh zu kommen. Etwas verspäten (maximal eine Stunde) darf man sich bei Firmenfesten, Cocktailempfängen, Modeschauen oder Einladungen, auf denen „c.t.“ (cum tempore) vermerkt ist. Bei „s.t.“ (sine tempore) erscheinen Sie auf die Minute genau.

  • Verzichten: Ablehnen – aber richtig.

    Bestimmte Beilagen oder ganze Gänge können Sie jederzeit auslassen. Diskretes ablehnen ist erlaubt – mit Betonung auf „diskret“. Also nicht: „Das mag ich nicht!“

    Falls Beilagenplatten durchgereicht werden, reichen Sie diese unkommentiert weiter. Dasselbe gilt, falls Sie erst nach dem Probieren feststellen, dass es Ihnen nicht schmeckt. Es ist keine Schande, einen Rest auf dem Teller liegen zu lassen.

    Wenn Sie der Kellner später danach fragt, ob es nicht geschmeckt hat, können Sie charmant antworten, dass es einfach zu viel war. Es sei, denn das Gemüse war tatsächlich verkocht, dann dürfen Sie das durchaus erwähnen.

  • Wein: Richtig verkosten.

    Wein atmet Geschichte. Wer gekonnt den Kelch schwenkt, seine Nase tief in das bauchige Glas taucht, mit seelenwunder Miene das Bouquet in seine Stirnhöhle saugt und dazu Nuancen von Lakritz, Cassis oder Pfeffer wahrnimmt, beeindruckt immer noch und suggeriert mit derlei Brimborium zugleich feinsinnigen Geschmack und Durchblick. Noch mehr freilich, wenn er für die Gesellschaft den passenden Wein zum Essen wählt.

    Achtung Minenfeld: Falls Ihnen der Kellner einen Testschluck einschenkt, tut er das nur, damit Sie die Qualität des Weines prüfen können, ob dieser richtig temperiert ist oder korkelt. Ob er Ihnen schmeckt oder nicht, steht nicht zur Debatte – das oblag bereits Ihrer Kompetenz bei der Auswahl. Ist alles in Ordnung, brauchen Sie nur nicken. Das ist für den Ober das Signal, dass auch allen anderen eingeschenkt wird.

  • Xenien: Kleine Geschenke für den Gastgeber.

    Xenien – so nannte der römische Dichter Martial seine Gastgeschenke – eine Sammlung von Begleitversen. Heute gehört es zum guten Ton, insbesondere bei privaten Einladungen, ein kleines Präsent zu überbringen. Falls Sie Blumen verschenken wollen: Sträuße werden immer mit einer Begleitkarte und nie im Einwickelpapier überreicht – und stets mit beiden Händen entgegengenommen. Treffen Paare aufeinander, überreicht der Mann der Gastgeberin den Strauß. Weibliche Singles tun das ebenfalls.

    Geschenke müssen vom Gastgeber nicht sofort ausgepackt werden. Im Laufe des Abends, zu passender Gelegenheit reicht völlig. Das zu vergessen, wäre allerdings eine Beleidigung. Wer zu seinem Chef und einem geschäftlichen Termin nach Hause eingeladen wird, braucht kein Geschenk mitbringen. Kümmert sich dessen Partner jedoch um die Gäste, sollte man am nächsten Tag Blumen schicken.

  • Y-Chromosom: Was sich für den Gentleman gehört.

    Mit der Emanzipation haben sich auch einige Benimmregeln und Tischmanieren für Geschäftsessen geändert: So war es früher Usus, dass die Frau zuerst die Treppe hinaufgeht, damit der Mann sie bei einem Sturz auffangen konnte. Heute gilt dies nur noch bei schmalen Treppen. Sind die Stufen breit genug, gehen Mann und Frau nebeneinander. Bei einem Restaurantbesuch geht indes immer der Gast voran – und zwar der Mann. Das stammt noch aus dem Mittelalter, wo der Mann seine Dame stets schützen musste.

    Freier ist man inzwischen beim Ankleiden beziehungsweise Ablegen von Mänteln & Co. Höfliche Herren nehmen Damen zwar noch immer den Mantel ab und helfen ihnen wieder hinein. Es darf inzwischen aber auch die Dame dem Herrn helfen, wenn er allein nicht klarkommt. In beiden Fällen ist die Hilfe protestlos anzunehmen, um selbst nicht unhöflich zu sein. Verändert hat sich bei Einladungen auch die Anrede: „Herr Dieter Meier und Frau Silke Meier“ ist richtig; „Herr und Frau Meier“ wäre diskriminierend.

  • Zahnstocher: Bitte nie vor den anderen!

    Versuchen Sie bitte nicht Speisereste mit der Zunge aus den Zähnen zu lösen. Noch schlimmer: der Einsatz eines Zahnstochers bei Tisch. Da sowieso jeder weiß, was Sie hinter vorgehaltener Hand tun, sollten Sie dazu lieber die Toilette aufsuchen – wie für alle kosmetischen Reparaturen (Kämmen, Schminken, Fingernägel säubern). Und fragen Sie bitte nicht nach der „Toilette“, sondern lieber nach den „Erfrischungsräumen“. Das ist charmanter.

PS: Das ABC der Tischmanieren für Geschäftsessen können Sie sich selbstverständlich auch hier kostenlos als PDF herunterladen. Wir wünschen…

Guten Appetit – und viel Erfolg!

Geschäftsessen im Ausland: Tipps für interkulturelle Kompetenz

Tischmanieren Geschäftsessen Ausland Knigge TippsNicht überall auf der Welt gilt die gleiche Etikette beim Essen und Tischmanieren können sich ein wenig unterscheiden. Damit Sie nicht in ein Fettnäpfchen treten, haben wir einige der Besondersheiten im Ausland aufgelistet:

  • In Asien sollte man sich nicht die Nase beim Essen putzten. Das wird als grob unhöflich empfunden.
  • In Italien werden Spaghetti nicht mit dem Löffel aufgedreht. Dafür wird allein die Gabel verwendet.
  • In arabischen Ländern, in Indien und Teilen Afrikas gilt die linke Hand als unrein. Mit ihr wird nicht gegessen.
  • In Thailand wird mit dem Löffel gegessen. Mit der Gabel wird das Essen nur auf den Löffel geschoben. Ein Messer wird in der Regel nicht gereicht, denn das Essen ist bereits portioniert.

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[Bildnachweis: Rawpixel by Shutterstock.com]
10. September 2018 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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