Resilienzfaktoren: Die 7 Säulen der Resilienz

Resilienz – die Widerstandskraft der Seele – basiert auf mehreren Faktoren. Diese Resilienzfaktoren werden auch die „sieben Säulen der Resilienz“ genannt. Sie tragen maßgeblich zur Bewältigung von Lebenskrisen bei und helfen uns, das innere Gleichgewicht wiederzufinden und zu stabilisieren. Manche Menschen können dank dieser Resilienzfaktoren und „sieben Säulen“ sogar gestärkt aus Krisensituationen hervorgehen. Entscheidend ist jedoch, wie stark diese Faktoren bei einem ausgeprägt sind. Welche Eigenschaften dazu gehören und wie Sie Ihre Resilienzfaktoren stärken können…

Resilienzfaktoren: Die 7 Säulen der Resilienz

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Definition: Was sind Resilienzfaktoren?

Während die meisten Menschen Schicksalsschläge, Traumata oder schwere Lebenskrise nur schwer überwinden, gehen andere daraus nahezu unbeschadet hervor. Vielleicht sogar noch gestärkt. Hinfallen, Krone richten, aufstehen, weitermachen… Das ist die Macht und Kraft der Resilienz. Der Begriff stammt aus dem Lateinischen „resilire“, übersetzt: „zurückspringen“ oder „abprallen“. Heute wird er meist mit „Widerstandsfähigkeit“ übersetzt.

Es ist die Fähigkeit, Rückschläge, Frustration, Stress oder Krisen mithilfe erlernter, persönlicher Ressourcen innerhalb kürzester Zeit zu überwinden und zu meistern. Diese persönlichen Ressourcen sind die Resilienzfaktoren.

Was ist das Resilienz Gegenteil?

Der Resilienz gegenüber steht übrigens die sogenannte „Vulnerabilität“. Sie beschreibt die besondere Verwundbarkeit eines Menschen. Vulnerable Menschen sind hochsensibel oder „zartbesaitet“ und werden besonders leicht durch negative Ereignisse verletzt und heruntergezogen.

Resilienzforschung und Psychologie

Eine der ersten, die diese Resilienzfaktoren entdeckte, ist die Psychologin Emmy Werner. In einer Langzeitstudie begleitete sie von 1955 an 40 Jahre lang rund 700 Jungen und Mädchen auf der hawaiianischen Insel Kauai. Dabei entdeckte sie, dass einige der Kinder trotz erschwerten Bedingungen, wie Armut, Alkohol- und Gewaltproblemen in der Familie, gesunde und erfolgreiche Erwachsene wurden. Unter ihnen gab es kaum Arbeitslosigkeit, Scheidungen, Gesetzeskonflikte oder chronische Erkrankungen. Kurz: Es waren besonders resiliente Menschen.

Auch deswegen wird Resilienz oft als „Immunsystem der Seele“ bezeichnet. Sie stärkt uns für die Herausforderungen des Lebens, des Alltags und Berufs und wirkt wie ein Schutzschild gegen traumatische Ereignisse, wie etwa Unfälle, Jobverlust, schwere Krankheit oder den Verlust einer geliebten Person. Resiliente Menschen sind Stehauf-Menschen im Wortsinn. Nach Krisen finden Sie schnell wieder auf die Beine und zurück in ihre psychische Balance.

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Was sind die 7 Säulen der Resilienz?

Zu den Resilienzfaktoren gehören sieben Charaktereigenschaften, die die Stress- und Krisenbewältigung erleichtern. Zusammen bilden sie die sogenannten 7 Säulen der Resilienz.

7 Säulen der Resilienz

1. Selbstbewusstsein

Resiliente Menschen glauben an sich. Statt in die Opferrolle zu schlüpfen, werden sie aktiv. Dank ihres ausgeprägten Selbstvertrauens und unerschütterlichen Selbstglaubes sind sie überzeugt, sich selbst aus jeder misslichen Lage manövrieren zu können. Es ist eine Form der mentalen Stärke.

2. Kontaktfreude

Schwierigkeiten lösen resiliente Menschen nie alleine. Sie suchen sich aktiv Hilfe und Unterstützer, die einfühlsam sind, Mut machen und an Stärken erinnern. Entsprechend bauen diese Menschen viele, lang anhaltende Beziehungen auf.

3. Gefühlsstabilität

Resiliente Menschen können ihre Emotionen und Aufmerksamkeit bewusst analysieren. Deshalb empfinden Sie hohe Belastungen auch nicht als Druck, sondern als Herausforderung (siehe: emotionale Reife).

4. Optimismus

Für den Neurowissenschaftler und Mitbegründer des Deutschen Resilienz-Zentrums, Raffael Kalisch, zählt Optimismus zu einer DER tragenden Säulen der Resilienz. Widerstandsfähige Menschen verallgemeinern bei einer Niederlage nichts, Motto: „Ich schaffe es nie!“ Vielmehr sagen sie: „Diesmal hatte ich keinen Erfolg, nächstes Mal schon.“ Kurz: Sie blicken auch weiterhin zuversichtlich in die Zukunft. So bekommt die Krise erst gar kein Schwergewicht, sondern bleibt ein zeitlich begrenztes Ereignis.

5. Handlungskontrolle

Resiliente Menschen können ihre Gefühle regulieren. Sie reagieren nicht impulsiv, sondern agieren überlegt, kontrolliert und reflektiert. Dazu gehört auch, sofortige Belohnungen zugunsten eines höheren Ziels in der Zukunft aufzuschieben. Der Fachbegriff dafür: „Gratifikationsverzicht„. Eine wichtige Komponente der emotionalen Intelligenz.

6. Realismus

Resilienz bedeutet, für sich realistische Ziele zu entwickeln. So können einen temporäre Wendepunkte im Leben auch nicht aus der Bahn oder aus dem Gleichgewicht werfen. Aus der Desaster-Forschung (die gibt es wirklich!) weiß man heute: Resiliente Menschen sehen das Unheil nicht durch eine rosarote Brille. Sie gehen aber konstruktiver als andere mit ihrem Schmerz und einer Tragödie um (siehe: realistischer Optimismus).

7. Analysestärke

Resiliente Menschen sind flexibel im Denken und Handeln. Sie können die Ursachen eines negativen Erlebnisses identifizieren und zugleich die Perspektive wechseln. Statt zu fragen: „Warum ich?“ richten Sie den Blick nach vorne und fragen: „Wozu ist das gut?“

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Resilienzfaktoren oder Schutzfaktoren?

Diese Resilienzfaktoren oder „sieben Säulen der Resilienz“ sind heute allerdings nicht unumstritten. Wissenschaftler streiten sich immer wieder darüber, welche Resilienzfaktoren maßgeblich zur Widerstandsfähigkeit beitragen und welche weniger. Unterschieden werden dabei inzwischen „echte“ Resilienzfaktoren und „falsche“. Letztere werden auch „Schutzfaktoren“ genannt. Zu den sieben „echten“ Resilienzfaktoren gehören aktuell:

  • Emotionsteuerung
    Dieser Resilienzfaktor bedeutet, dass jemand seine Gefühle weitestgehend unter Kontrolle hat. Wer diese Fähigkeit besitzt, nimmt seine Gefühle wahr und weiß, was er oder sie tun kann, um sich beispielsweise bei Stress wieder zu beruhigen.
  • Empathie
    Empathische Menschen können sich in die Gefühlswelt anderer hineinversetzen. Diese Empathie ermöglicht es ihnen, ebenso Verständnis für das eigene Verhalten aufzubringen und angemessen zu reagieren.
  • Impulskontrolle
    Wer seine Impulse unterdrücken und bestimmte Bedürfnisse verschieben kann, verfügt über eine größere Selbstdisziplin. Diese Menschen schaffen es, sich von Störungen nicht ablenken zu lassen und ihr Ziel unbeirrt weiter zu verfolgen.
  • Kausalanalyse
    Zu den echten Resilienzfaktoren zählt auch die Kausalanalyse. Bedeutet: Sie sind in der Lage Zusammenhänge von Problemen zu erkennen und aus Fehlern zu lernen. Menschen mit geringer Resilienz suchen die Schuld für Misserfolge dagegen oft bei sich.
  • Optimismus
    Bei diesem Resilienzfaktor geht es um eine positive Grundhaltung. Sie sehen eher das halbvolle als das halbleere Glas. Zwar wird dabei nichts beschönigt. Sie können aber selbst schweren Lagen noch etwas Positives abgewinnen.
  • Selbstwirksamkeit
    Diese Fähigkeit beschreibt die Überzeugung, selbst schwierige Aufgaben oder Probleme durch eigenes Handeln bewältigen zu können. Oder anders ausgedrückt: Selbstwirksamkeit bedeutet, darauf zu vertrauen, es auch alleine schaffen zu können.
  • Zielorientierung
    Menschen mit dieser Fähigkeit verlieren nie ihren Fokus – egal, was kommt. Vielleicht müssen Sie Umwege gehen, vielleicht ändern sich Bedingungen. Aber ihr Ziel behalten sie im Auge und verfolgen es konsequent weiter. Auch in der Krise.
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Resilienzfaktoren fördern: Wie funktioniert das?

Resilienz ist zu einem Teil angeboren. Sie lässt sich aber ebenso trainieren und stärken. Insbesondere über den Hebel der Resilienzfaktoren. Eine vielbeachtete Gemeinschaftsstudie der Universitäten Münster, Mainz und Leipzig kam zu dem Ergebnis: Unsere Persönlichkeit ist wandelbarer als angenommen. Wollen Sie resilienter werden, sollten Sie die genannten Resilienzfaktoren fördern. Zum Beispiel so:

Selbstreflexion

Setzen Sie sich mit den Krisen auseinander, die Sie im Leben schon erlebt und durchlebt haben: Sitzenbleiben in der Schule, der erste Liebeskummer oder eine Kündigung. Was war daran krisenhaft? Was haben Sie in dieser Situation gemacht? Wer oder was hat bei der Bewältigung geholfen? Die wichtigste Erkenntnis bei diesem Reflexionsprozess ist, dass Sie die Krisen allesamt überstanden haben. Sei es aus eigener Kraft oder mithilfe anderer. Beste Voraussetzungen auch weitere Herausforderungen zu meistern!

Verarbeitung

Gehen Sie konstruktiv mit Ihren Krisen um. Zum Beispiel, indem Sie ein Tagebuch schreiben. Schreiben hilft generell Gedanken zu sortieren und Erlebnisse zu verarbeiten. Sie können aber natürlich auch Gespräche mit guten Freunden führen und diese ins Vertrauen ziehen, wenn Sie etwas belastet. Entscheidend ist, dass Sie Klarheit über sich, Ihre Gefühlswelt und Denkmuster gewinnen. Was zum nächsten Punkt führt…

Denkweise

Verändern Sie Ihre Denkweise. Resilienz ist auch eine Entscheidungssache. Es gibt Menschen, die haben unvorstellbares Leid hinter sich gebracht. Dennoch hat es keiner geschafft, sie zu brechen. Der menschliche Wille kann Berge versetzen. Schon die eigene Überzeugung, dass Sie Resilienzfaktoren besitzen, macht Sie stärker. Eine solche Überzeugung entsteht sicher nicht über Nacht. Aber den Prozess dorthin können Sie fördern.

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[Bildnachweis: Karrierebibel.de]

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