Paula-Prinzip: Gegenteil zum Peter-Prinzip bremst Frauen

Das Paula-Prinzip ist das Gegenteil zum Peter-Prinzip und beschreibt ein strukturelles Phänomen, wonach qualifizierte Frauen häufig im Job unter ihrem Potenzial und auf Positionen verharren, für die sie überqualifiziert sind. Während Männer eher bis zur Stufe der eigenen Inkompetenz befördert werden (Peter-Prinzip), arbeiten viele Frauen unterhalb ihres Kompetenzniveaus. Gründe und Gegenstrategien…

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Das Wichtigste auf einen Blick

  • Ursprung: Geprägt wurde der Begriff „Paula-Prinzip vom britischen Autor Tom Schuller als Gegenstück zum populären Peter-Prinzip. Laut Wissenschaft sind für den weiblichen Karriereknick sechs Gründe verantwortlich.
  • Peter-Prinzip: Das Peter-Prinzip besagt, dass Männer so lange befördert werden, bis sie die Stufe der eigenen Inkompetenz erreichen.
  • Bildungs-Kompetenz-Lücke: Frauen stellen mehr als 50 % der Hochschulabsolventen und 45 % der Promovierenden. Gleichzeitig bekleiden sie nur 15-30 % der obersten Führungspositionen in Deutschland.
  • Gender-Pay-Gap: Frauen beziehen im Schnitt 18 % weniger Gehalt als Männer (unbereinigtes Pay Gap) und 7 % weniger bei gleicher Position und Qualifikation (bereinigt).
  • Self-Selection: Studien zeigen, dass sich Männer oft auf Stellen bewerben, deren Anforderungen sie nur zu 60 % erfüllen. Frauen neigen dazu, erst bei 90 % Übereinstimmung.

Welche Rolle spielt der Unconscious Bias?

Der Unconscious Bias beschreibt, wie unbewusste Vorurteile und kognitive Verzerrungen (sog. Bias) das eigene Denken und Handeln beeinflussen. Diese Denkschubladen können dazu führen, dass Frauen relevante Kompetenzen abgesprochen oder sie in traditionelle Rollen gedrängt werden. Nur durch das Bewusstsein für diese „blinden Flecken“ lässt sich die Unterförderung von Frauen systematisch umkehren.

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Was sind die Ursachen für das Paula-Prinzip?

Dass Frauen im Job häufig nicht ihr volles Potenzial ausschöpfen können, hat nach Tom Schuller und zahlreichen Studien zum Paula-Prinzip hauptsächlich sechs Gründe:

1. Diskriminierung

Zwar haben sich die Arbeitsbedingungen für Frauen in den vergangenen Jahren kontinuierlich verbessert. Dennoch kämpfen noch immer viele mit Diskriminierung am Arbeitsplatz aufgrund ihres Geschlechts. Das beginnt damit, dass junge Frauen „im gebärfähigen Alter“ erst gar nicht eingestellt werden, geht weiter mit einem geringeren Gehalt für gleiche Arbeit und endet bei sexueller Belästigung im Berufsalltag. All diese Diskriminierungen bremsen die Karriere von Frauen aus.

2. Strukturen

Es arbeiten deutlich mehr Frauen in Teilzeit als Männer. Häufig, weil sie die Hauptlast der Care-Arbeit (z.B. Kinderbetreuung) tragen. Das aber senkt zugleich ihre Karrierechancen und die Aussicht auf eine Beförderung. Selbst der Wechsel von einem Teilzeitjob auf eine Vollzeitstelle bleibt ihnen dadurch oft verwehrt. Wissenschaftler sprechen hierbei auch von „Part-time-work shaming“ – Frauen müssen sich rechtfertigen, wenn sie lieber in Teilzeit arbeiten.

3. Selbstvertrauen

Hinzu kommt ein häufig geringeres Selbstvertrauen: Während sich Männer eher überschätzen und regelmäßig in Szene setzen oder Selbstmarketing betreiben, trauen sich Frauen weniger zu oder haben gar Angst vor einer Beförderung, weil sie nicht alle Voraussetzungen erfüllen. Oder aber sie bewerben sich gar nicht erst auf Jobs, für die sie durchaus geeignet wären.

4. Netzwerke

Der Punkt hat sich in den vergangenen Jahren zwar verbessert. Dennoch verfügen Männer meist über größere Seilschaften und netzwerken im Business besser und intensiver als Frauen. Das verschafft ihnen zusätzliche Vorteile auf dem verdeckten Arbeitsmarkt. Frauen wiederum fehlen einschlägige Business-Kontakte, Förderer und Mentoren, weshalb sie in geringer qualifizierten Jobs feststecken.

5. Rollen

In Deutschland herrscht noch überwiegend eine klassische Rollenverteilung: Der Mann macht Karriere, die Frau kümmert sich um Kinder und Haushalt. Ähnlich sieht es bei pflegebedürftigen Angehörigen aus: Auch um die sorgen sich meistens die Frauen. Verstärkt wird das Problem durch die geringere Bezahlung der Frauen: So ist es für Paare eine wirtschaftlich sinnvolle Entscheidung, dass die Frau zurücksteckt, um das höhere Einkommen (des Mannes) zu sichern.

6. Prioritäten

Die letzte Ursache des Paula-Prinzips geht darauf zurück, dass einige Frauen tatsächlich andere Prioritäten setzen als Männer: Sie streben keine vertikale Karriere an oder setzen diese nicht an erster Stelle. Auch das sorgt dafür, dass sie weniger schnell auf der Karriereleiter aufsteigen und lieber eine Fachkarriere forcieren.

Paula-Prinzip als Gegenstück zum Peter-Prinzip

Das Peter-Prinzip – ursprünglich als Satire gedacht – sagt im Kern: Mitarbeiter werden so lange befördert, bis sie auf einer Stufe und Position angekommen sind, in der sie überfordert sind. Das kann natürlich auch Frauen passieren. Der wesentliche Unterschied ist aber, dass Männern generell mehr zugetraut wird – Frauen hingegen eher erst nach nachgewiesener Leistung. Das führt zu asymmetrischen Karriereverläufen und mehr vom Peter-Prinzip betroffenen Männern.

Was sind die Folgen des Paula-Prinzips?

Die Effekte des Paula-Prinzips gehen deutlich über individuelle Karriereverläufe hinaus – sie betreffen Organisationen ebenso wie die gesamte Wirtschaft:

  • Ungehobene Talente

    Wenn qualifizierte Frauen unter ihren Möglichkeiten bleiben, wird vorhandenes Know-how nicht genutzt. Das bremst den Fortschritt, die Innovationskraft von Unternehmen und deren langfristiges Wachstum.

  • Weniger Vielfalt

    Fehlende Diversität in Teams wirkt sich messbar aus: Die Kreativität leidet, Perspektiven verengen sich und die Qualität von Entscheidungen und Leistungen sinkt.

  • Verfestigte Machtstrukturen

    Bleiben Führungspositionen überwiegend männlich besetzt, werden bestehende Hierarchien weiter stabilisiert – die Chancengleichheit wird zementiert.

  • Ökonomische Einbußen

    Zahlreiche Studien belegen: Mehr Gleichstellung führt zu stärkerem wirtschaftlichem Wachstum. Wird dieses Potenzial nicht genutzt, entstehen klare Wettbewerbsnachteile.

Das Paula-Prinzip ist kein individuelles Problem, sondern ein strukturelles Hindernis für Fortschritt mit großer Relevanz. Der populärwissenschaftliche Begriff „Paula“ verharmlost das latent. Tatsächlich aber hat das Prinzip weitreichende gesellschaftliche Folgen – nicht nur für Frauen!

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Kritik am Paula-Prinzip

Das Paula-Prinzip ist eher eine sozialwissenschaftliche Beobachtung als eine klar messbare Kausalität. Nicht jede Karriereentscheidung ist automatisch Ausdruck von Diskriminierung. Manche Frauen entscheiden sich tatsächlich bewusst gegen klassische Führungsrollen – etwa wegen Arbeitszeitmodellen, Familienprioritäten oder anderer Lebensziele. Kritiker sagen deshalb: Das Paula-Prinzip läuft Gefahr, jede Abweichung vom traditionellen Karriereideal als Benachteiligung zu interpretieren. Das wäre jedoch normativ. Überdies vernachlässigt das Konzept weitere Karrierefaktoren wie Herkunft, Bildung, Migration oder Alter. So hat eine gut vernetzte Akademikerin aus privilegiertem Umfeld deutlich bessere Chancen als ein Mann ohne akademischen Hintergrund. Solche Überschneidungen („Intersektionalität“) kommen im Paula-Prinzip häufig zu kurz. Der Kern des Paula-Prinzips bleibt aber relevant: Zahlreiche Daten zeigen geschlechtsspezifische Unterschiede bei Beförderungen, Einkommen und Führungspositionen. Die Kritik richtet sich daher meist nicht gegen die Existenz von Ungleichheiten — sondern gegen die Vereinfachung ihrer Ursachen.

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Was tun gegen das Paula-Prinzip?

Ob Peter-Prinzip oder Paula-Prinzip: Wer mehr für Chancengleichheit tun und gegen die strukturelle Ungleichheit unternehmen will, hat folgende Möglichkeiten:

Bewusstsein schaffen

Wer keine Probleme sieht, hat wenig Grund, etwas zu ändern. Schaffen Sie in Ihrem Unternehmen ein Bewusstsein für das Paula-Prinzip und mehr Optionen für weibliche Karrierewege. Viele Veränderungen lassen sich im Miteinander fördern, indem die Männer und männlichen Chefs einbezogen werden und die Vorteile in Vielfalt und Diversität erkennen.

Netzwerke knüpfen

Netzwerke sind kein Monopol der Männer. Vor allem Frauen sollten frühzeitig damit beginnen, Geschäftskontakte zu knüpfen – aber bitte nicht nur weibliche! Das erzeugt lediglich ein neues Ghetto – und weibliche Vetternwirtschaft. Frauennetzwerke sind zwar ein guter Start – bei der Karriere helfen aber primär die gemischten und „losen“ Kontakte dritten oder vierten Grades.

Selbstbewusstsein stärken

Trauen Sie sich mehr zu – insbesondere als Frau! Wer schon bei einem herausfordernden Jobangebot Zweifel bekommt, sollte sich Mentoren oder einen Coach suchen, der einen dabei (mental) unterstützt, sich persönlich weiterzuentwickeln. Profitieren Sie von der Erfahrung anderer – und sei es nur als ehemalige „Paula“.

Was können Arbeitgeber gegen das Paula-Prinzip unternehmen?

  • Motivierende Stellenausschreibungen

    Unternehmen sollten Formulierungen wählen, die Kompetenzen statt Stereotype betonen. Da sich Frauen oft erst bewerben, wenn sie 90 % der Anforderungen erfüllen, hilft es, explizit zwischen Muss- und Kann-Anforderungen zu unterscheiden.

  • Transparente Beförderungskriterien

    Klare, messbare Leistungsindikatoren verhindern, dass Beförderungen auf Basis von informellen Netzwerken oder Nasenfaktor vergeben werden. Wenn der Weg nach oben objektiv nachvollziehbar ist, sinkt die Hemmschwelle für qualifizierte Frauen, sich auf Führungspositionen zu bewerben.

  • Topsharing

    Beim Topsharing teilen sich zwei Personen eine Führungsposition, was anspruchsvolle Karriereziele mit Teilzeitwünschen vereinbar macht. Dies ist ein starkes Signal gegen das Vorurteil, dass Führung nur in einer 60-Stunden-Woche funktioniert.

  • Sponsorship statt Mentoring

    Während Mentoren Ratschläge geben, nutzen Sponsoren ihren eigenen Einfluss, um ihre Schützlinge aktiv für Projekte oder den beruflichen Aufstieg zu fördern. Dieser Push durch Entscheidungsträger ist entscheidend, um die „gläserne Decke“ für Frauen zu durchbrechen.

  • Aktive Nachfolgeplanung

    Unternehmen sollten gezielt talentierte Frauen in ihrem Talent-Pool identifizieren und auf künftige Schlüsselpositionen vorbereiten (Succession Planning). Ein proaktives Management sorgt dafür, dass qualifizierte Kandidatinnen sichtbar werden, bevor eine Stelle überhaupt frei wird.

  • Flexible Arbeitszeitmodelle

    Wahre Flexibilität bei Arbeitszeit und -ort entkoppelt Leistung von bloßer Präsenz im Büro. Dies kommt Frauen entgegen, die oft noch den Großteil der Care-Arbeit leisten, und ermöglicht ihnen den Verbleib in verantwortungsvollen Rollen.

  • Rückkehrmodelle nach Elternzeit

    Statt den Anschluss zu verlieren, brauchen Frauen nach der Elternzeit strukturierte Onboarding-Prozesse und einen klaren Karrierepfad nach der Rückkehr. Dies verhindert den Abstellgleis-Effekt bei hochqualifizierten Rückkehrerinnen.


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