Fachkarriere: Erfolgreich ohne Führungsjob

Karriere machen wurde über viele Jahre gleichgesetzt mit beruflichem Aufstieg, eine Position als Führungskraft, die Karriereleiter bis ins Management des Unternehmens erklimmen. In letzter Zeit zeigt sich: Die Zeiten haben sich gewandelt. Eine Fachkarriere ist für viele Arbeitnehmer eine attraktive Alternative. Es muss eben nicht immer der Chefsessel sein, für den ohnehin nicht jeder geeignet ist. Eine Fachkarriere bietet qualifizierten Mitarbeitern die Chance, sich im eigenen Bereich weiterzuentwickeln und das Unternehmen voranzubringen. Ein Trend, von dem auch Arbeitgeber profitieren. Was Sie über die Fachkarriere wissen sollten…

Fachkarriere: Erfolgreich ohne Führungsjob

Definition: Was ist eine Fachkarriere?

Fachkarriere Definition Fachexperte Spezialist ErklärungWie der Name bereits andeutet, konzentriert sich eine Fachkarriere auf eine berufliche Laufbahn innerhalb eines speziellen Fachbereichs. Experten und Spezialisten in einem Unternehmen können durch eine Fachkarriere im eigenen Themengebiet arbeiten, Kompetenzen erweitern und vertiefen. Der entscheidende Unterschied zum klassischen Karrierebild: Eine Fachkarriere ist nicht darauf ausgerichtet, eine höhere Hierarchiestufe zu erreichen.

Fachkarrieren verlaufen nicht vertikal, von unten nach oben, sondern folgt einem horizontalen Karriereplan.

Statt nach dem Aufstieg im Unternehmen zu streben, ziehen es Mitarbeiter bei einer Fachkarriere vor, sich in ihrem Wissensbereich weiterzubilden und ihre fachlichen Kompetenzen sukzessive auszudehnen. Damit werden sie zu echten Experten und arbeiten in Unternehmensbereichen, in denen ein zugespitztes Spezialwissen gefragt ist.

Dass eine Fachkarriere keine Entwicklungen ermöglicht, ist ein verbreiteter Irrtum. Größeres, wachsendes Know How spiegelt sich in regelmäßigen Gehaltserhöhungen, Experten übernehmen mit der Zeit mehr Verantwortung. Nur umfasst diese Karriereform nur in Ausnahmen vereinzelte Führungsaufgaben. Stattdessen kümmern sich die Wissensarbeiter um die gezielte inhaltliche Steuerung hochkomplexer Projekte.

Für viele Nachwuchskräfte sieht heutzutage genau so eine erfolgreiche Karriere aus. Der große Antrieb: Interesse am eigenen Gebiet und Spaß an der Arbeit. Beim Aufstieg bleibt das Fachliche oftmals auf der Strecke und wird durch Führungsaufgaben ersetzt. Ein Tausch, den nicht jeder machen möchte.

Fachkarriere: Ein wichtiger Faktor auch für Arbeitgeber

Früher oder später steht für Mitarbeiter die Frage an: Fachkarriere oder eine Führungsposition anstreben? Eine HR-Studie in Zusammenarbeit mit fast 150 Unternehmen zeigt, dass die Fachkarriere zunehmend in den Fokus rückt. Weit mehr als die Hälfte der Arbeitgeber bietet bereits eine gezielte Fachkarriere als Laufbahn an, in einem Drittel der Unternehmen erhalten Experten besondere Privilegien. Teilweise erhalten sie sogar dieselben Zugeständnisse wie Managementpositionen.

Der Trend zur Fachkarriere wird durch einen weiteren Punkt verstärkt: Arbeitgeber haben erkannt, dass hochkarätige und qualifizierte Fachkräfte jeden Cent wert sind. Natürlich ist Führungsarbeit wichtig, doch wenn gute Mitarbeiter stets auf eine höhere Stufe befördert werden, fehlt es irgendwann an fachlichen Kompetenzen im Alltagsgeschäft.

In jeder Branche wächst die Konkurrenz, der Innovationsdruck steigt und Unternehmen, die ins Hintertreffen geraten, verlieren schnell den Anschluss. Umso wichtiger sind Mitarbeiter, die mit Spezialwissen, großem Know How und kreativen Ideen dazu beitragen, dass Organisationen dem Wettbewerb standhalten – und bestenfalls der Konkurrenz einen Schritt voraus sind. So ist bereits jetzt absehbar: Die Fachkarriere wird weiter zunehmen und von Unternehmen entsprechend gefördert werden.

Wie eine Fachkarriere konkret ausgestaltet wird, unterscheidet sich von Unternehmen zu Unternehmen. Idealerweise werden mehrere Punkte kombiniert, um fachliche Experten ans Unternehmen zu binden und beste Ergebnisse zu ermöglichen:

  • Gute Bezahlung

    Unabhängig von der Hierarchieebene sollte eine Fachkarriere mit einem attraktiven Gehalt winken. Know How hat seinen Preis, Experten sind begehrte Mitarbeiter – und ein Unternehmen, dass hier am falschen Ende spart, muss möglicherweise zusehen, wie das Arbeitnehmer mitsamt seinem Wissen zur Konkurrenz geht, die ein besseres Angebot macht.

  • Entscheidungsfreiräume

    Spezialisten auf ihrem Gebiet sollten die Möglichkeiten und Freiräume haben, ihr Wissen zu nutzen, um das Unternehmen voran zu bringen. Neue Ideen, Produktentwicklungen, verbesserte Abläufe oder Marktanpassungen können nur erfolgreich sein, wenn mit der Fachkarriere die benötigte Verantwortung eingeräumt wird.

  • Unterstützung

    Ein häufiger Fehler, der den Effekt von Fachkräfte ausbremst: Sie erfahren nicht die nötige Unterstützung. Dabei geht es zum einen um weitere Mitarbeiter, die bei der Umsetzung behilflich sind und das Team vervollständigen. Noch wichtiger ist die Unterstützung durch die Führungskräfte selbst. Diese fühlen sich zum Teil durch Experten bedroht, wollen die Kontrolle behalten und stellen sich bei Innovationen quer, wodurch diese verzögert oder blockiert werden.

Unternehmen arbeiten verstärkt daran, eine erfolgreiche Fachkarriere zu ermöglichen und als Arbeitgeber für Experten attraktiv zu sein. Davon profitieren wiederum die Mitarbeiter.

Gute Gründe: Wann ist eine Fachkarriere sinnvoll?

Für Absolventen heißt das: Die Aussichten standen noch nie so gut, um eine Fachkarriere zu starten. Bevor aber die Entscheidung dafür oder dagegen fällt, sollten Jobanwärter noch einige Punkte abwägen, um für sich die Frage zu beantworten: „Habe ich eher das Zeug zum Manager oder zum Experten?“

Manchem fällt die Antwort leicht, andere können nicht so eindeutig ausschließen, welche Option den eigenen Interessen und Karriereplänen entspricht. Um Ihnen bei der Orientierung zu helfen und eine bessere Selbsteinschätzung zu ermöglichen, haben wir einige Eigenschaften und Vorlieben aufgelistet, die für eine Fachkarriere beziehungsweise Führungslaufbahn sprechen können:

Eigenschaften für eine Fachkarriere

  • Neugierde und Wissensdurst in einem sehr konkreten Fachgebiet
  • Detailfokussiertheit
  • Der Wille, ein Fach immer weiter zu durchdringen
  • Die Zielstrebigkeit, auf dem aktuellen Stand seines Fachgebiets zu bleiben
  • Der Spaß, mit anderen Menschen Inhalte weiterzudenken
  • Analytisches Denken
  • Kreativität
  • Die Motivation, Neues zu entdecken

Eigenschaften für eine Managementlaufbahn

  • Der Spaß, Strategien zu entwickeln
  • Die Motivation, andere Menschen für Strategien zu begeistern
  • Die Fähigkeit, Potenziale bei anderen zu fördern
  • Der Wunsch, Verantwortung für andere Personen zu übernehmen
  • Organisationstalent
  • Interesse an dem Thema Organisationsentwicklung
  • Der Wunsch, andere bei ihrer persönlichen Entwicklung im Unternehmen zu unterstützen

Ein weiterer guter Grund für eine Fachkarriere ist die damit verbundene Flexibilität. Soll heißen: Sollten sich Ihre Prioritäten im Laufe Ihrer Karriere ändern, ist es für einen Experten meist ohne größere Schwierigkeiten möglich, den Schritt in eine Führungslaufbahn zu machen. Als Spezialist auf Ihrem Gebiet, mit den Erfolgen innerhalb Ihres Bereiches im Rücken, haben Sie eine hervorragende Ausgangslage und Verhandlungsposition, um die Karriereleiter zu einem späteren Zeitpunkt zu erklimmen.

Anders herum ist dies deutlich schwieriger. Wer erst einmal über einen längeren Zeitraum aus einem fachlichen Gebiet heraus ist, hat es schwer, den Weg zurückzufinden. Zu schnell und zu gravierend können Veränderungen und Innovationen innerhalb weniger Jahre sein. Als Führungskraft haben Sie kaum die Zeit, mit den inhaltlichen Entwicklungen Schritt zu halten.

[Bildnachweis: Dean Drobot by Shutterstock.com]
5. Juli 2019 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.



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