Mental Load: Emotionale Belastung durch unsichtbare Arbeit

In Vollzeit berufstätig, Kinder erziehen, Haushalt führen und viele unsichtbare Aufgaben scheinbar nebenher machen – all das führt zu Mental Load. Der Begriff beschreibt das belastende Gesamtpaket, von dem besonders Frauen betroffen sind. Dabei geht es nicht um die Arbeit an sich, sondern den daraus erwachsenen Druck, der auf ihnen lastet. Zu den Symptomen und Ursachen und was Sie dagegen tun können…

Mental Load: Emotionale Belastung durch unsichtbare Arbeit

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Definition: Was ist Mental Load?

Mental Load ist die Folge unsichtbarer Arbeit. Gemeint sind Aufgaben, die der – meist männliche – Part nicht wahrnimmt. Sie müssen erledigt werden, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Gleichzeitig bleiben sie meist an den Frauen hängen. Diese Aufgaben erfordern meist Planung und Organisation. Es geht aber nicht allein um die zusätzliche Arbeit an sich. Vielmehr darum, dass Frauen die Verantwortung dafür übernehmen, dass alles läuft. Und das führt zu zusätzlichem Stress.

Nicht wenige Männer helfen auch im Haushalt. Der entscheidende Punkt ist jedoch, dass sie selten proaktiv handeln. Sondern auf Anweisungen reagieren. Beispielsweise registriert die Frau, dass sich das Brot dem Ende neigt, dass verschiedenste Lebensmittel eingekauft werden müssen. Sie hat diese Dinge im Blick und antizipiert, dass die Vorräte nicht mehr für die nächsten Tage reichen. Also schreibt sie eine Einkaufsliste – die der Mann gegebenenfalls abarbeitet.

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Test online: Leiden Sie unter Mental Load?

Nachfolgend können Sie mit diesem Test online überprüfen, ob Mental Load in Ihrem Fall zutrifft. Einfach die Haken direkt im Browser setzen und zählen. Unten folgt die Auflösung:

Haushalt

  • Wohnung aufräumen
  • Haus dekorieren
  • Räume saugen
  • Böden wischen
  • Staub wischen
  • Oberflächen abputzen
  • Badezimmer putzen
  • Geschirr spülen
  • Backofen reinigen
  • Blumen gießen
  • Gartenarbeit/Balkon instand halten
  • Betten beziehen
  • Müll wegbringen
  • Haustiere füttern
  • Hund spazieren führen

Pflege/Gesundheit

  • Arzttermine abmachen
  • Kontrolltermine einhalten
  • Angehörige pflegen
  • Kranke Kinder versorgen
  • Körperpflege beibringen/übernehmen

Lebensmittel

  • Vorräte kontrollieren
  • Lebensmittel/Futter kaufen
  • Kühlschrank befüllen
  • Essen zubereiten
  • Mahlzeiten planen

Kleidung

  • Wäsche waschen
  • Kleidung bügeln
  • Anziehsachen hinauslegen
  • Altkleidung aussortieren
  • Knöpfe annähen
  • Saisonkleidung/Schuhe überprüfen
  • Kleidung/Schuhe einkaufen

Organisatorisches

  • Miete überweisen
  • Zahlungen veranlassen
  • Geburtstage organisieren
  • Geschenke kaufen
  • Babysitter finden
  • Freizeitaktivitäten planen
  • Urlaub recherchieren
  • Koffer packen
  • Fahrdienste erledigen
  • TÜV beachten
  • Autoreparatur veranlassen
  • Elternsprechtage wahrnehmen
  • Hausaufgaben beaufsichtigen

Auflösung

Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sollten Ihnen sogar noch weitere Aufgaben einfallen, die Sie erledigen, können Sie diese dazu addieren. Sie haben bis zu…

  1. 0-10 Haken gesetzt: Herzlichen Glückwunsch, Ihnen scheint die Abgrenzung zu gelingen.
  2. 11-20 Haken gesetzt: Sie neigen dazu, viel mitzudenken und zusätzliche Arbeit zu erledigen. Womöglich treibt Sie aber auch die Ungeduld dazu, Dinge lieber selbst zu erledigen, weil es dann schneller geht.
  3. 21 und mehr Haken gesetzt: Vorsicht! Alles deutet auf Mental Load hin. Versuchen Sie, Verantwortung abzugeben und Arbeitsabläufe zu verschlanken.


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Symptome und Ursachen von Mental Load

Frauen sind im Alltag regelrechte Projektmanagerinnen, ihre Partner hingegen nur Befehlsempfänger. Neben der Erwerbsarbeit organisieren und planen, damit alles läuft, ist psychisch und emotional anstrengend. Statt Mental Load ist teilweise auch synonym von Emotional Work (oder Emotional Labour), emotionaler Arbeit die Rede.

Das ständige „Dran-Denken-müssen“ kann bei Frauen zur Überlastung bis hin zum Burnout führen. Zwar ist nicht der Job daran schuld, aber es springt ein ähnlicher Mechanismus an: Hohe Erwartungen an sich selbst infolge einer tradierten Erwartungshaltung durch andere.

Eins ist klar: Frauen können nicht hellsehen. Und Männer können genauso gut (oder schlecht) den Boden saugen wie Frauen. Woher kommt also das Phänomen? Es lassen sich vor allem diese Faktoren als Ursachen ausmachen:

  • Erziehung
    Eltern sind die ersten Idole. Was sie uns vorleben, übernehmen wir oft. Hat zuhause ganz selbstverständlich die Mutter für alles gesorgt, wird die erwachsene Frau leicht in das gleiche Muster fallen. Gleiches gilt natürlich auch für erwachsene Söhne: War der Vater eher fürs Müll hinaustragen und in und wieder einkaufen zuständig, setzt sich dieses Verhalten höchstwahrscheinlich fort.
  • Perfektionismus
    Frauen haben zahlreiche Aufgaben verinnerlicht, erledigen sie mit Routine. Das selbständige Hauswirtschaften vieler Männer fängt erst mit dem Einzug in die eigene Wohnung an. Das kann sich niederschlagen: Falsch gewaschene oder gebügelte Wäsche, Nichtbeachten besonderer Vorlieben beim Essen und dergleichen mehr. Aus Besserwisserei und Perfektionismus machen Frauen lieber alles selbst, weil es dann „richtig“ ist.
  • Bequemlichkeit
    Auf Seiten des Partners ist es eine Mischung aus Bequemlichkeit und mangelnder Aufmerksamkeit. Warum an etwas denken, wenn man weiß, dass man sich auf seine Partnerin verlassen kann? Die wird sich um alles kümmern.

Wie entsteht Mental Load?

Der Begriff geht auf einen Comic der französischen Zeichnerin Emma vor wenigen Jahren zurück. Neu ist das Phänomen aber nicht Lange galt das klassische Versorgermodell: Der Mann als Ernährer geht arbeiten und bringt das Geld nach Hause. Die Frau bleibt zuhause und kümmert sich um Haushalt und Kinder. Dieses Modell ist einerseits längst überholt, denn viele Frauen gehen nach der Elternzeit wenigstens einer Teilzeitarbeit nach. Andererseits lässt sich beobachten, dass selbst emanzipierte Paare schnell in tradierte Rollen fallen, vor allem, wenn sich Nachwuchs einstellt. Nicht zuletzt für die Rente müssen Frauen aber erwerbstätig sein.

In einer idealen Welt teilen beide Partner, beide Elternteile sich die zusätzliche Arbeit auf – egal, was anfällt. Leider sieht es in der Realität anders aus: Während häufig der Mann nach der Arbeit nach Hause kommt und Feierabend hat, geht für die Frau der Arbeitstag weiter. Eine Studie der Internationalen Arbeitsorganisation ILO kam zu dem Ergebnis, dass Frauen pro Tag vier Stunden und 26 Minuten zusätzlich arbeiten. Für Männer fallen gerade mal eine Stunde und 48 Minuten an. So kommt sie statt einer 40-Stunden-Woche locker auf 70 Stunden und mehr. Beispielsweise wenn in der Nacht das Baby schreit und umsorgt werden muss.

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Tipps: Das können Sie tun

Verhaltensweisen lassen sich nicht über Nacht ändern. Aber ein Anfang ist gemacht, wenn Sie das Problem erkennen. Das können Sie außerdem tun:

Lassen Sie los

Loslassen ist vielleicht der der wichtigste Punkt, um Mental Load zu verhindern. Und zwar das Loslassen überholter Vorstellungen. Es müssen nicht die Küchenschränke blitzblank geputzt sein, wenn Sie Freunde zum Kaffee einladen. Es darf auch mal Fertigkuchen/eine Backmischung auf den Tisch. Loszulassen bedeutet auch, Kontrolle abzugeben. Jemand müsste dringend Milch kaufen? Die Welt geht nicht unter, wenn der Partner am nächsten Morgen erst merkt, dass keine Milch mehr da ist. Einfach nicht in vorauseilendem Gehorsam alles erledigen, sondern notfalls auch mal auflaufen lassen.

Sprechen Sie das Problem an

Werben Sie um Verständnis. Klären Sie mit Ihrem Partner, wie belastend die Situation für Sie ist. Möglicherweise finden Sie zu einem Modell, dass für beide tragbar ist: Sei es, dass Sie verschiedene Bereiche aufteilen: Einer ist nur für den Themenkomplex „Haushalt“, einer nur für den Bereich „Schule“ zuständig. Oder Sie wechseln sich wochenweise ab. Wichtig ist, dass Ihr Partner einsichtig ist und Bereitschaft signalisiert, Sie aktiv zu unterstützen.

Vereinfachen Sie Prozesse

Das eigene Anspruchsdenken führt dazu, dass viele sich unnötig viel Stress aufladen. Dabei ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nach wie vor herausfordernd, auch wenn ein Elternteil vielleicht nur in Teilzeit arbeitet. Manche Prozesse lassen sich verschlanken, Arbeit erleichtern. Statt selbst einzukaufen, können Sie beispielsweise einen Lieferservice übers Internet bestellen. Oder eine Haushaltshilfe erledigt einen Teil der Putzarbeiten.

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[Bildnachweis: Nicoleta Ionescu by Shutterstock.com]

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