Ketchup-Prinzip: Erst nichts, dann alles
Sie kennen das: Zu einer knusprigen Portion Pommes soll eine kleine Menge Ketchup auf den Teller. Und natürlich passiert, was passieren muss: gar nichts. Klopfen, schütteln und fluchen haben keinerlei Wirkung auf den Ketchup in der Flasche. Zunächst. Dann aber entleert sich urplötzlich die halbe Flasche über die Pommes, den Teller - und die Kleidung. Na, danke! Typisch Ketchup-Prinzip. Das heißt wirklich so und kann weit über das Essen hinaus angewendet werden - zum Beispiel im Job...

Ketchup-Prinzip 1: Geben Sie nicht auf!

Lassen wir das Thema Essen einmal beiseite, lässt sich der Grundgedanke des Ketchup-Prinzips ebenso auf die Karriere übertragen: Oft passiert da anfangs dasselbe - erst mal gar nichts.

Das kann ungeheuer frustrierend sein, wenn die Bemühungen vollkommen ergebnislos bleiben. Sie strengen sich an, strampeln, engagieren sich, geben Ihr Bestes und versuchen alles... ohne nennenswerten Erfolg. Viel unternommen, nichts erreicht. Spaß geht irgendwie anders.

Mit dem Phänomen kämpfen nicht nur Berufsanfänger, sondern natürlich auch Fach- und Führungskräfte. Sie verfügen über eine gute Ausbildung, erstklassige Berufserfahrung, verzeichnen immer wieder Erfolge, dazu der Stress und die Überstunden. Trotzdem will der berufliche Aufstieg einfach nicht klappen.

Der Ablauf folgt dabei in der Regel dem immer gleichen Schema: Für eine gewisse Zeit gibt man sich Mühe, dann lässt die Motivation mehr und mehr nach, bis man schließlich die Hoffnung aufgibt und sich mit der Situation abfindet.

Aber eben zu früh - siehe Ketchup-Prinzip.

Um die Allegorie noch einmal zu bemühen: Es reicht eben nicht, Flasche nur zu schütteln und auf den Kopf zu stellen. Wer hier zu früh resigniert, kann die Pommes auch gleich pur essen.

Andersrum wird ein Schuh daraus: Wer nicht bereit ist, den nötigen (und richtigen) Aufwand zu betreiben, um ans Ziel zu kommen, ist schon gescheitert. Durchhaltevermögen, Willenskraft, Volition sind für den Erfolg oft wichtiger als Intelligenz. Das zeigen gleich mehrere Studien.

Deshalb lassen sich aus dem ersten Teil des Ketchup-Prinzips gleich drei Lektionen ableiten:

  • Der Erfolg kommt nicht immer sofort.
  • Wer zu früh aufgibt, hat schon verloren.
  • Nicht nur Rückschläge kommen gebündelt, sondern oft auch Erfolge.

Oder salopper formuliert: Wenn es erst mal läuft, dann läuft's. Aber bis dahin muss man eben erst einmal kommen.

Und - das ist die Kehrseite vom Ketchup-Prinzip - der Lauf lässt sich nicht immer mit Gewalt erzwingen. Mehr Schütteln und Schimpfen löst die Tomatensoße nicht zwangsläufig aus der Flasche. Klüger ist es oft, die Technik und Vorgehensweise (vulgo: Strategie) zu wechseln.

So ist es auch bei der Karriere: Wenn Sie merken, dass es nicht recht vorangeht, ist es nicht unbedingt hilfreich noch härter zu arbeiten und dabei womöglich auszubrennen. Arbeiten Sie stattdessen smarter: Womöglich sind Ihre Leistungen und Erfolge an den wichtigen Stellen im Unternehmen unsichtbar. Da hilft dann beispielsweise nicht Mehrarbeit, sondern besseres Selbstmarketing.

Ketchup-Prinzip 2: Alles auf den letzten Drücker!

Arbeiten Sie nicht nach dem Ketchup-PrinzipEs gibt aber noch einen anderen Bereich, in dem das Ketchup-Prinzip ebenfalls zur Anwendung kommt: die eigene Arbeitsorganisation.

So mancher Arbeitnehmer erledigt seine Aufgaben gerne erst auf den letzten Drücker, Motto: Ich leide solange an Motivationsmangel, bis der Zeitmangel kommt.

So wird am Ende zwar besonders produktiv gearbeitet, um alle bisher liegen gebliebenen Aufgaben doch noch zu erledigen und Deadlines einzuhalten, von entspannter oder auch gut organisierter Arbeit kann dabei allerdings keine Rede sein.

Deadline - auf den letzten Drücker - Ketchup-Prinzip

Wer so nach dem Ketchup-Prinzip arbeitet, tut sich natürlich keinen Gefallen. Die erste Zeit ist vielleicht noch ganz angenehm und entspannt. Rücken die Deadlines aber näher, kommt die Reue über die bisherige Faulheit und der selbstverursachte Stress und Zeitdruck - und schlimmstenfalls sogar das Versagen.

Diese Variante des Ketchup-Prinzips sollten Sie natürlich aus dem Alltag verbannen. Dabei helfen vor allem Zeitmanagement und Disziplin. Darüber hinaus helfen noch diese zwei einfachen Tipps, um das Ketchup-Prinzips zu überwinden:

  1. Gehen Sie Aufgaben Stück für Stück an.

    Besonders große Aufgaben werden gerne auf die lange Bank geschoben. Sie wirken wie ein abschreckender, unüberwindbarer Berg und benötigen auch noch mehr Bearbeitungszeit - das Erfolgserlebnis rückt also in weite Ferne.

    Um diese psychologische Blockade zu lösen, hat es sich bewährt, große Aufgaben in kleine Teilaufgaben zu zerlegen, sich einzelne Aspekte herauszupicken, um überhaupt erst einmal loszulegen und sich dann Stück für Stück der Lösung zu nähert. Selbst wenn es so scheint, als würde man anfangs kaum voran kommen, erledigt man so viele kleine Dinge und nutzt die Zeit, anstatt das Projekt eingeschüchtert anzustaunen.

  2. Halten Sie sich an Ihre Prioritäten.

    Indem Sie klare Prioritäten setzen, wissen Sie immer genau, um welche Dinge Sie sich aktuell kümmern müssen und wo Sie noch zeitlichen Spielraum haben. So beugen Sie der Gefahr vor, plötzlich eine Reihe dringender Aufgaben vor der Brust zu haben, um die Sie sich bisher noch nicht gekümmert haben.

    Genauso wichtig ist es, sich auch an die Prioritäten zu halten. Oft kommen Dinge kurzfristig dazwischen und verlangen nach Aufmerksamkeit. Verlieren Sie hier nicht den roten Faden - und lernen Sie im Zweifel, Nein zu sagen.

[Bildnachweis: stockphoto-graf, Picsfive by Shutterstock.com]

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